Ein vorgezogenes Ostergeschenk dürfte es für die Bewerber im Einheimischenmodell „Am Wiesengrund“ sein, wenn sie dieser Tage Post aus dem Rathaus erhalten. Mit dem einen falsch bepunkteten Bewerber hat man in monatelangen Verhandlungen Ende vergangener Woche eine einvernehmliche Lösung gefunden. Er erhält an anderer Stelle im Stadtgebiet die Möglichkeit ein Reihenhausgrundstück zu erwerben. Damit ist das bis jetzt über den Bewerbern Am Wiesengrund mit den Platzziffern 27 bis 51 schwebende Damoklesschwert Geschichte. Sie hatten seit Herbst letzten Jahres befürchten müssen, die ihnen schon zugelosten Grundstücke durch eine eventuelle Neuverlosung wieder zu verlieren (siehe Wiesengrund: 40 Plätze neu auslosen?). Da werden nun vermutlich Felsbrocken von der Seele purzeln. „Das Klagerisiko  hinsichtlich des  Vergabeverfahrens ist jetzt weggefallen“, sagte Bürgermeisterin Eva John. Alle im Rathaus damit Befassten seien froh, dass diese Lösung gefunden worden ist. Froh vor allem für diejenigen, die nicht wussten, ob sich ihre Traum vom Häuschen in Starnberg noch erfüllt und sie ihren Rang behalten.

John hatte heute kurzfristig zu einem Pressegespräch eingeladen. Sie freute sich, die gute Nachricht verkünden zu können. Bei der Gelegenheit machte die Rathauschefin auch deutlich, dass es nicht zu der am 17. Februar vom Stadtrat beschlossenen Informationsveranstaltung (siehe Info-Abend für Am Wiesengrund) mit allen potenziellen Bewerbern für ein Baugrundstück kommen wird. Einen Entwurf für das Einladungsschreiben habe es bereits gegeben. Doch jetzt ist die Corona-Krise dazwischen gekommen. Alle städtischen Veranstaltungen sind seit gestern abgesagt (siehe Absage städtischer Veranstaltungen). „Manchmal überholen Ereignisse auch“, bedauerte John. Der Aufforderung des Stadtrates, den Bauinteressenten bis spätestens 2. März 2020 schriftlich Informationen zu den am meisten gestellten Fragen zukommen zu lassen, ist die Stadtverwaltung aber bereits mit Schreiben vom 18. Februar nachgekommen. Diese Informationen, einschließlich Angaben zum Bebauungsplan, dem Bodengutachten und zur Wärmelieferung, erhalten nun auch die Bewerber mit den Rangziffern 27 bis 51. Die Schreiben sind bereits unterwegs. Dort ist zum Beispiel zu lesen, dass mit einem Baubeginn im August 2020 zu rechnen ist. John geht davon aus, dass die Erschließungsarbeiten bis dahin erfolgreich abgeschlossen sein werden. Die Baufirmen lägen gut in der Zeit, sagte sie. Inzwischen seien auch alle Parzellen vermessen. Damit könnten die zu schließenden Notarverträge mit den schon genauen Grundstücksgrößen ausgefertigt werden und Architekten könnten die Angaben zur Grundlage ihrer Planung machen. Die Vertragsentwürfe würden gerade erstellt und gehen den Bewerbern dann zu. Diese bekommen dann eine Frist zur Beratung mit ihren Planern und Finanzinstituten. Danach soll der Kauf- oder Erbbaurechtsvertrag vor einem Notar geschlossen werden können. Wie schon bei den Bewerbern mit den Rangziffern 1 bis 26 geschehen, werden zeitnah auch die mit den Rangziffern 27 bis 51 zu persönlichen Terminen zur Grundstücksauswahl eingeladen, die wie berichtet in der Reihenfolge der Rangziffern erfolgt. Mit dem Schreiben entschuldigt sich die Stadtverwaltung für die Unannehmlichkeiten, die Folge des Fehlers in der Bepunktung bei einem Bewerber gewesen waren. Gleichzeitig bittet sie um Mitteilung, sollte sich eine Familie inzwischen eine andere Lösung gesucht haben und deshalb Am Wiesengrund abspringen wollen.

Die Durchschlagung des gordischen Knotens war möglich geworden, weil sich der Bewerber, dem fälschlicherweise zu wenig Punkte zuerkannt worden waren, mit der Stadt darauf verständigt hat, dass er an anderer Stelle im Stadtgebiet ein vergleichbares Reihenhausgrundstück zu Einheimischenbedingungen erwerben kann. Möglich macht dies die Ankaufvereinbarung, die der Stadtrat im Sommer 2018 beschlossen hat. Damit bekommen private Grundstückseigentümer nur dann neues Baurecht, wenn sie sich gleichzeitig vertraglich verpflichten, einen ausgemachten Teil ihrer Flächen zu Preisen zu verkaufen, die sich am amtlichen Bodenrichtwert orientieren.  Die Käufer müssen dafür aber auch bestimmte Kriterien erfüllen.  Die Lösung jetzt sei möglich gewesen, weil ein Bauprojekt eines privaten Eigentümers noch nicht abgeschlossen gewesen sei, erläuterte John. Entsprechende Verträge würden notariell „gefestigt“. Eine Entschädigung in Geld habe der falsch Bepunktete abgelehnt.

Wie geht es nun für die Häuslebauer Am Wiesengrund weiter? John berichtete, dass es aus der ersten Gruppe, die ihre Parzellen schon gewählt haben, Bauwerber gebe, die sich absprechen, um bestimmte Arbeiten gemeinschaftlich abzuwickeln. Weil die Stadt einen qualifizierten Bebauungsplan zur Satzungsreife gebracht habe, könnten die Baugenehmigungen im „Genehmigungsfreistellungsverfahren“ erteilt werden. Die Baugenehmigung liegt damit nach Ablauf von vier Wochen automatisch vor, wenn die Stadt Starnberg keine Einwendungen gegen die eingereichte Planung hat. John ging auch noch einmal auf Kritik an den hohen Erschließungskosten ein. Mit Blick auf die Bodenbeschaffenheit Am Wiesengrund  seien diese in der Höhe unvermeidbar. „Aber trotz der hohen Erschließungskosten ist die Subventionierung des Grundstückspreises gegenüber dem üblichen Marktpreis immer noch sehr hoch“, sagte sie  und verwies auf die Möglichkeit, die Parzelle nicht zu kaufen sondern in Erbpacht zu erwerben. Insgesamt könne aber nicht ausgeschlossen werden, dass noch Familien ihre Pläne ändern  und abspringen. Dann kommen Nachrücker zum Zug. Sobald das Vergabeverfahren für die Reihenhäuser abgeschlossen ist, werde sich die Verwaltung an die Umsetzung der Pläne für die umgebenden Geschosswohnungsbauten Am Wiesengrund machen, die Teil des gleichen Bebauungsplans sind, versprach die Bürgermeisterin. Allerdings hätten die Fraktionen noch nicht die dazu geforderten Stellungnahmen abgegeben.