Inzwischen hat der STAgenda-Arbeitskreis Verkehr eine Pressemitteilung herausgegeben, die deutlich macht, wie sehr sich die ehrenamtlichen Arbeitskreismitglieder um die Realisierung ihres Projektes „Lebendiges Starnberg“ sorgen. Die Pressemitteilung ist am Ende dieses Artikels im Wortlaut abgedruckt. Das im vorletzten Absatz angesprochene Bauvorhaben in der Josef-Jägerhuber-Straße ist ein Wohn- und Geschäftshaus mit Tiefgarage, das wie berichtet die Familie von UWG-Stadtrat Otto Gaßner an der Josef-Jägerhuber-Straße 2 plant und dafür eine Anfrage an das Rathaus für einen Vorbescheid gerichtet hatte (siehe Gaßners Pläne für die alte Kergl-Schmiede). Bisher nicht geklärt ist in diesem Zusammenhang, ob die heutigen vorgebauten Arkaden, die den Gehweg überspannen, in den Neubau einbezogen werden. Dann entfiele der Gehweg und müsste vermutlich auf dem jetzigen Straßenraum neu errichtet werden. Ursprünglich wollte die STAgenda den Teil der Josef-Jägerhuber-Straße zwischen Tutzinger-Hof-Platz und Kreuzung mit der inneren Leutstettener Straße zur Einbahnstraße in Richtung Osten machen. Dafür gab es im Stadtrat jedoch keine Unterstützung. Auch hat Ludwig Jägerhuber (CSU) im Projektausschuss Verkehrsentwicklung ganz eigene Überlegungen zur zukünftigen Gestaltung des Bereiches vor den Gebäuden Josef-Jägerhuber-Straße 2 und 4 bis zum Tutzinger-Hof-Platz – „Ur-Starnberg“ –  geäußert. Er gehörte zu der Stadtratsmehrheit, die in der Sitzung vom 17. Februar 2020 der Vertagung eines Beschlusses über „Lebendiges Starnberg“ zugestimmt hat. Der Vertagungsantrag stammte von Angelika Kammerl (DPF), die nach der Kommunalwahl an diesem Sonntag hofft, in der kommenden Ratsperiode für die CSU im Stadtrat zu sitzen (siehe Kammerl vertagt ‘Lebendiges Starnberg’). Jägerhuber könnte die Hoffnung hegen, nach einem Sieg von Patrick Janik (UWG) im Rennen um den Starnberger Bürgermeistersessel unter diesem wieder das Amt des Zweiten Bürgermeisters zu bekleiden, das er unter dem Altbürgermeister und jetzigen Vorsitzenden der UWG, Ferdinand Pfaffinger, schon inne hatte.

Zu dem folgenden, von der Stadtverwaltung  am 17. Febrauar 2020 vorgeschlagenen Beschluss war es wegen der Vertagung nicht gekommen:

  1. Der Linksabbieger von der Münchener Straße in die Leutstettener Straße nach Süden entfällt.
  2. Der Verkehr in der Innenstadt wird mit einer Einbahnregelung in der Leutstettener Straße nach Norden (zwischen B2 und Kreuzung Josef-Jägerhuber-Straße) und in der nördlichen Wittelsbacher Straße nach Süden (zwischen Ludwigsstraße und Tutzinger-Hof-Platz) geführt.
  3. Die unter 1. und 2. gefassten Beschlüsse entsprechen dem Planungswillen des Stadtrates zur Entlastung der Innenstadt vom Durchgangsverkehr. Die Öffentlichkeit ist zu informieren und vor Weitergabe der Beschlüsse an das Staatliche Bauamt zu beteiligen.
  4. Dem Beschluss des Stadtrates vom 27.01.2020 zur Umgestaltung der Münchner-, Haupt- und Weilheimer wird dadurch Rechnung getragen, dass ein Konzept erarbeitet wird, das folgende Ziele verfolgt:
  • Begrenzung der Fahrbahnbreite auf 6,50 m
  • Neuaufteilung der Straßenquerschnitte zugunsten der Radfahrer und Fuußgänger
  • Herstellung zusätzlicher Querungen über die B2: nördlich des Tutzinger-Hof-Platzes (zwischen Josef-Jägerhuber-Straße 1 und Hanfelder Straße 2), östlich der Einmündung Ferdinand Maria-Straße, im Bereich der Achheitstraße und im Bereich Prinzenweg (bei der Fischzucht).

 

 

 

Hier die Pressemitteilung der STAgenda:

„Kommt das STAgenda-Konzept „Lebendiges Starnberg“ unter die Räder?

Vor einem Jahr initiierte der STAgenda-Arbeitskreis Verkehr das Konzept „Lebendiges Starnberg“. Am 1. Juli 2019 stimmte der Stadtrat 30 zu null für die Ziele. Konkrete Maßnahmen für ein verkehrsberuhigtes Starnberg hat ein Teil des Rats hingegen gebremst, obwohl die Zeit drängt. Der AK Verkehr sieht deshalb das gemeinsame Ziel in Gefahr, drängt zur Umsetzung und setzt dabei auf den neuen Stadtrat.

Kerngedanke des Konzepts „Lebendiges Starnberg“ ist es, die Stadt vom PKW-Verkehr zu entlasten und den freigewordenen Raum fair aufzuteilen, damit Bürger, Gäste oder Kunden Starnberg wieder genießen können. Ziel ist es, von 40.000 auf 20.000 Autos pro Tag zurückzukommen und im sogenannten „Modal Split“ einen Anteil von 50% motorisiertem sowie 50% Fuß-, Rad- und öffentlichem Verkehr zu erreichen. Es soll also niemand ausgesperrt, sondern alle Verkehrsteilnehmer gleichberechtigt behandelt werden. (Zum Vergleich: München strebt einen PKW-Anteil von nur 25% und 75% Umweltverbund an.)

„Der Stadtrat hat sich im Juli 2019 deutlich für ein menschen- und weniger autofreundliches Starnberg ausgesprochen. Wir sehen das gemeinsame Ziel jedoch akut gefährdet“, warnt Arbeitskreisleiterin Irmgard Franken, „denn leider wurden vor der Wahl keinerlei Maßnahmen verabschiedet.“ Bereits im Sommer 2019 hatte der AK Verkehr ein ganzes Bündel an kurz-, mittel und langfristigen Maßnahmen zur Umsetzung des Konzepts im Stadtrat vorgeschlagen. Das Paket wurde jüngst auf lediglich drei Einzelmaßnahmen zusammengekürzt und die Entscheidung erneut vertagt.

Dabei sind zwei der Punkte besonders dringend: Die Einbahnstraßenregelung in der Leutstettener Straße und die Umgestaltung der Münchner Straße auf zwei PKW-Spuren sollten laut staatlichem Bauamt zu Beginn der Tunnelbaus entschieden und geplant sein. „Andernfalls erhalten wir sieben PKW-Spuren am Tunnelmund und kaum Platz für Fußgänger und Radfahrer entlang der Münchner Straße“, so Franken.

Woran hakt die Umsetzung? – Zum einen prüfte – auf Antrag einer Stadtratsmehrheit – ein Verkehrsplaner, ob die vom AK Verkehr vorgeschlagenen Maßnahmen den Durchfluss des Autoverkehrs gewährleisten. Diese Prüfung basierte jedoch auf gleichbleibenden bzw. sogar steigenden PKW-Zahlen und nicht auf dem angestrebten Modal Split von 50% Autoverkehr / 50% Umweltverbund. Deshalb kam er zum – wenig überraschenden – Ergebnis, dass die Maßnahmen zugunsten von Fuß-, Rad- und Busverkehr anfängliche Staus verursachen dürften. Dies erzeugte Skepsis bei einigen Stadträten. Dabei zielt das einstimmig verabschiedete Konzept ja genau auf beides ab: Starnberg weniger attraktiv für Durchgangs- und Autoverkehr, dafür deutlich attraktiver für den Fuß-, Rad- und öffentlichen Verkehr zu gestalten. So kann mehr Lebensqualität entstehen, wie zum Beispiel ein schöner Platz vor dem Bahnhof See sowie Haupt- und Münchner-Straße als Einkaufsmeile. Auch das Leben an der Hanfelder-, Andechser,- Possenhofener- und Gautinger Straße sowie in Percha würde durch weniger Lärm und Abgase viel angenehmer.

Zum anderen scheinen einige Stadträte andere Prioritäten zu setzen: So nannte man im letzten Verkehrsausschuss Bedenken von Unternehmern in der Leutstettener Straße und ein Immobilienprojekt in der Josef-Jägerhuber-Straße, denen Maßnahmen für das „Lebendige Starnberg“ im Wege stünden. „Etwa ein Drittel der Räte, darunter BMS, Grüne und Teile von UWG, SPD und WPS stehen gemeinsam mit der Stadtverwaltung hinter unseren Vorschlägen. Ein weiteres Drittel ringt mit sich und wünscht noch mehr Zeit zur Erörterung. Das letzte Drittel scheint konkrete Maßnahmen und Veränderungen der Planung zu blockieren, aus Angst, damit den Tunnelbau in Frage zu stellen oder ihn zu fördern“, vermutet STAgenda- Mitarbeiter Helm Andreas Heigl.

Der STAgenda Arbeitskreis Verkehr hofft nun auf den neuen Stadtrat: Das ‘Ja‘ zum Konzept ‚Lebendiges Starnberg‘ haben wir. Jetzt brauchen wir konkrete Maßnahmen, die uns dem gemeinsamen Ziel näher bringen; nämlich unsere Stadt möglichst rasch vom PKW-Verkehr zu entlasten und sie viel menschenfreundlicher zu gestalten“, so Franken.

Mehr zum Konzept „Lebendiges Starnberg“, vorgeschlagene Maßnahmen sowie aktuelle Kommentare der Bürgermeisterkandidat*inn*en und Stadträte dazu lesen Sie“ auf der Homepage der STAgenda.