Die Stimmzettel für die Stadtratswahl sind komplett ausgezählt. Das vorläufige Endergebnis sieht folgendermaßen aus:

  • CSU 8 Sitze (26,8 Prozent, 2015: 19,8)
  • Grüne 6 Sitze (22 Prozent, 2015: 11,2)
  • UWG 3 Sitze (11,1 Prozent, 2015: 11,0)
  • SPD 2 Sitze (6,1 Prozent, 2015: 5,2)
  • FDP 2 Sitze (5,5 Prozent, 2015: 6,2)
  • BMS 4 Sitze (13,3 Prozent, 2015: 20,9)
  • WPS 3 Sitze (9,4 Prozent, 2015: 18,5)
  • BLS 2 Sitze (5,7 Prozent, 2015: 7,1)

Die Wahlbeteiligung lag bei der Stadtratswahl  nur bei 57,2 Prozent, damit noch niedriger als bei der Bürgermeisterwahl (59,5 Prozent).

In den letzten fünf Jahren haben sich offensichtlich große Verschiebungen in der Anhängerschaft der einzelnen Parteien und Gruppierungen ergeben. Die CSU konnte ihr Ergebnis nach dem historischen Absturz in der Wählergunst 2015 wieder verbessern. Enorm ist der Zuwachs bei den Grünen, die ihren Stimmanteil fast verdoppelten. Für UWG, SPD und FDP blieb ungefähr alles beim Alten, auch wenn die Liberalen ihr Personal ausgewechselt haben. Der Verlust von 0,7 Prozent der Stimmen erklärt sich dadurch, dass für sie nicht nur neue Gesichter angetreten waren, sondern wie berichtet zugleich ein Kurswechsel stattgefunden hatte. Dem Vernehmen nach hat die Stellvertretende FDP-Ortsvorsitzende, Heike Barall-Quiring, ihr Amt noch Schließung der Wahllokale mit sofortiger Wirkung niedergelegt. Sie war es gewesen, die als erste den Kurswechsel „weg vom Lagerdenken im Stadtrat“  für ihre Partei propagiert und sich für neue Gesichter auf den Wahllisten eingesetzt hatte. Barall-Quiring  beklagt am Ende „unerträgliches Anspruchsdenken einiger Mitstreiterinnen“ und mangelnde Unterstützung durch den Kreisverband.  Der Wählerstimmen-Verlust kann teilweise auch damit zu tun haben, dass Fiedler der Bürgerinitiative „Pro Umfahrung – Contra Amtstunnel“ die in den Vorjahren selbstverständliche Unterstützung der Liberalen für ein Bürgerbegehren gegen den Bau des B2-Tunnels entzogen hatte.

Herbe Verluste hatten BMS und WPS zu verzeichnen. Warum, darüber kann spekuliert werden. Viele Starnberger glauben seit dem Doppelbeschluss vom 17. Februar 2017 „B2-Tunnel bauen – ortsferne Umfahrung planen“ nicht mehr daran, dass sich der Tunnel noch aufhalten lässt. Damit schwindet auch die Hoffnung auf die Realisierung der Umfahrung, die die bisherigen Mehrheitsfraktionen ohnehin nur planen wollen. Auch wenn die Bürgerliste (BLS) mit einer relativ jungen Liste mit vielen neuen Gesichtern angetreten war, konnte sie nicht davon profitieren. Im Gegenteil, der von ihren führenden Vertretern versuchte Spagat,  auf der einen Seite den Tunnel abzulehnen, auf der anderen Seite aber an seiner Realisierung mitzuwirken und trotzdem glauben machen zu wollen, man trete weiter wie der Erfinder der ortsfernen Umfahrung – BLS-Gründer Walter Jann – für diese ein, hat der Wähler der Gruppierung weder abgenommen noch gedankt. Sie hat 1,4 Prozent verloren. UWG und BLS zeigen obendrein, dass es sich für Fraktionen nicht auszahlt, wenn sie während einer Stadtratsperiode Zuwachs aus anderen Fraktionen erhalten. Die Wechselkandidaten schaffen es dann oft bei der nächsten Wahl nicht ein Mandat zu erringen. So ist es diesmal Johannes Bötsch (BLS) und Angelika Wahmke (UWG) ergangen. Was die UWG angeht, so bewahrheitet sich, was bisher bei jeder Wahl galt: Diese Gruppierung bringt keine Frau an die Spitze, auch dann nicht, wenn sie sie wie Wahmke auf Platz 1 ihrer Liste gesetzt hat.

Im Moment ist noch offen, wer das ihm zugewählte Mandat letztendlich annimmt und in den neuen Stadtrat, der sich voraussichtlich Mitte Mai konstituiert, einzieht. Wenn sich da die Nebel lichten, wird das Blog darüber berichten.