Mit einem ökumenischen Gebet hat der Stadtrat unter dem neuen Bürgermeister Patrick Janik (UWG) seine erste Sitzung der Legislaturperiode 2020 bis 2026 begonnen. Nach der Vereidigung von Janik und den neuen Stadträten wurden die Weichen für die Zukunft gestellt.

Janik wird zwei Stellvertreter haben. Zur Vizebürgermeisterin wählte die Mehrheit (22:9 lautete das Abstimmungsergebnis, wobei fünf ungültige Stimmen abgegeben worden waren)  die 68jährige Angelika Kammerl (jetzt CSU). Sie hatte dem Rat auch schon in der vergangenen Periode angehört und dort an vorderster Stelle den Kampf gegen die bisherige Bürgermeisterin Eva John befeuert. So war sie Anfang 2018 mit ihrem öffentlichen Beitrag in den sozialen Medien aufgefallen, weil sie dort mit einem „Haberfeldtreiben“ gegen John geliebäugelt und einem von einem Mitglied der Grünen organisierten Treffen Beifall gespendet hatte, das unter dem Motto „Was tun gegen 1. Bürgermeisterin John?“ abgehalten wurde. Das Grünen-Mitglied Florian Duday hatte am 28. Januar 2018 gepostet:“Machen ihr (Anm. d. Red.: gemeint war John) ihre hoffentlich nicht mehr zwei Jahre zur Hölle.“ Kammerl war es auch, die durch unzähliges Vorstelligwerden bei der Rechtsaufsicht im Landratsamt darauf drang, der damalige Landrat Karl Roth möge ein Disziplinarverfahren gegen John in Gang setzen, was er dann auch tat. In den sozialen Medien sprach sich Kammerl immer wieder für eine Amtsenthebung von John aus. Dies zu erreichen gelang jedoch nicht. Im Kommunalwahlkampf 2014 war die heute neue Vizebürgermeisterin für die WPS als Gegnerin sowohl des B2-Tunnels als auch der von der UWG propagierten Seeanbindung mit Gleisverlegung angetreten und in den Rat gewählt worden. Die gemeinsame Linie mit der WPS verließ sie jedoch in der Folge zunehmend. Das gipfelte im Februar 2017 im von ihren Gegnern als Wählerverrat gewerteten Votum für den Bau des B2-Tunnels. Auch beim Verein „Schöner zum See“, der sich gegen die Gleisverlegung am Starnberger Seebahnhof engagiert, hat sie sich längst verabschiedet. Schon im Mai 2016 hatte Kammerl gemeinsam mit ihrer WPS-Mitstadträtin Sieglinde Loesti die WPS verlassen und die Fraktion der Parteifreien (DPF) gegründet. Zu dem Zeitpunkt versicherte sie noch, weiter an der Seite der Allianz gegen den Tunnel und für eine Umfahrung für Starnberg sowie für eine „bezahlbare“ Seeanbindung kämpfen zu wollen. Nur wenige Monate später sah das ganz anders aus. Nachdem Loesti bei der Kommunalwahl 2020 nicht wieder antrat, schloss sich Kammerl der CSU an, mit der sie schon zuvor meistens paktiert hatte – genauso wie mit der UWG. Die Starnberger Christsozialen gaben ihr zum Dank einen aussichtsreichen Listenplatz bei der diesjährigen Kommunalwahl und kürten sie auf Vorschlag von Thomas Beigel (CSU) jetzt mit zur Vizebürgermeisterin. Die eigentlich für dieses Amt prädestinierten CSU-Kandidaten Ludwig Jägerhuber und Thomas Beigel hatten dem Vernehmen nach aus beruflichen Gründen abgewunken. Kammerl ist Rentnerin und hat ihren Wohnsitz nach wie vor in Niederpöcking, also im Gemeindegebiet von Pöcking.

Zur Dritten Bürgermeisterin wählte das neu vereidigte Gremium die langjährige SPD-Stadträtin Christiane Falk. Ihr Fraktionskollege Tim Weidner hatte sie vorgeschlagen. Sie kandidierte gegen den von Franz Heidinger (BLS) empfohlenen Michael Mignoli. Er war ursprünglich Unterstützer von Bürgermeisterin John gewesen und mit ihrem Wahlerfolg 2014 für das Bündnis-Mitte-Starnberg (BMS) in den Stadtrat eingezogen. Im Juni 2016 trat er gemeinsam mit seinem Fraktionskollegen Franz Heidinger aus dem BMS aus und wechselte zur Bürgerliste (BLS). Der damalige BLS-Chef Walter Jann nahm sie gern auf, waren es doch gemeinsame Ziele, den Tunnel zu verhindern und stattdessen eine Umfahrung zu erreichen, sowie statt dem großen Umgraben am Seebahnhof eine sogenannte „gedämpfte Seeanbindung“ zu befördern. Seitdem Mignoli und Heidinger sich 2019 für Janik als neuen Starnberger Bürgermeister einsetzten, ist ihre Zielrichtung nicht mehr so klar. Janik will nämlich den Tunnel bauen und die große Seebindung, die sein beruflicher und politischer Ziehvater  Otto Gaßner (UWG) mit dem Vertrag zwischen Stadt und Bahn 1987 festgelegt hatte, umsetzen. Offene Unterstützung von der UWG erhielt Mignoli trotz seines Einsatzes im Wahlkampf für Janik nicht, obwohl die BLS  Janik gemeinsam mit CSU, UWG und SPD als ihren Bürgermeisterkandidaten auf den Schild gehoben hatte. Nur fünf Stadträte (darunter eine ungültige Stimme) haben sich nun für Mignoli, aber 25 für Falk ausgesprochen. Die Genossin hat sich wie Kammerl in der vergangenen Ratsperiode durch fortwährende Attacken gegen John hervor getan.

Die Grünen, die bei der Wahl im März die Anzahl ihrer Mandate von drei auf sechs verdoppeln konnten, und die zwei neuen FDP-Stadträte warfen ihren Hut für keinen der Stellvertreterposten in den Ring. Beide Fraktionen scheinen aber Janiks Wunschkandidaten unterstützt zu haben, was aber nicht sicher ist, weil die Wahl geheim war. Bei dem nun bestimmten Führungstrio im Rathaus darf man gespannt sein, wie es dem neuen Ersten Bürgermeister von Starnberg gelingen wird, für Frieden im Stadtrat zu sorgen.