Einen Gestaltungsbeirat wird die Stadt Starnberg nun doch nicht bekommen. Experten und das Stadtbauamt hatten diese Einrichtung wie auch einzelne Fraktionen für wirklich sinnvoll und dringend erachtet. Aber sowohl der Bauausschuss als auch das Gesamtgremium Stadtrat haben in ihren jüngsten Sitzungen die seit vielen Jahren kontinuierlichen Bemühungen ad absurdum geführt und die Einrichtung eines Gestaltungsbeirates abgelehnt.

Zur Historie:

Es gibt nicht wenige Starnberger, die mit dem Aussehen von Bauten aus den letzten Jahren unzufrieden sind und dafür seit jeher in erster Linie  den Stadtrat in der Verantwortung sahen und sehen. „Was habt Ihr denn da schon wieder genehmigt“, lautet die Frage, mit der fast jedes Fraktionsmitglied schon einmal konfrontiert wurde. Hilflos dann der kleinlaute Hinweis der Politiker, man könne da gar nichts dafür, der Stadtrat und seine Ausschüsse hätten keinen Einfluss auf die Gestaltung von Neubauten. Da könne allenfalls das Kreisbauamt bei der Baugenehmigung etwas vorschreiben.

Erinnert sei an die vielen Bemühungen, der Stadt mit Sachverstand und gutem Rat unter die Arme zu greifen, zum Beispiel an das Stadtbauforum, das aber 2003 zum dritten und letzten Mal beerdigt wurde. Namhafte Architekten, Stadträte und ansonsten an Architektur Interessierte waren dort schon Mitglied. 2006 stellte die FDP-Fraktion nochmals vergeblich den Antrag, einen Gestaltungsbeirat als ein von der Politik unabhängiges Gremium einzurichten.

2011 wurde der nächste Versuch gestartet. Experten, allen voran die Stadtplanerin Andrea Gebhard, empfahlen dem damaligen Bürgermeister Ferdinand Pfaffinger die Etablierung eines „Bürgerforum Architektur“. Pfaffinger sah das jedoch sehr kritisch: Es mache nur Sinn, wenn die Empfehlungen eines solchen Beirates dann von den Stadträten auch akzeptiert würden. Er wusste aus eigener Erfahrung, dass die verschiedenen Fraktionsmitglieder sich am Ende stets für die einzigen hielten, die solche Dinge beurteilen können. Schließlich müssten sie ja auch entscheiden, war hier die vorherrschende Meinung. Stadtplanerin Gebhard erarbeitete mit der Starnberger Bevölkerung den dann im November 2013 vom Stadtrat einstimmig verabschiedeten „Stadtentwicklungsplan 2025“. Kein Wunder: Unter den Forderungen zu „Identität und Baukultur“ nennt die Matrix zu den Maßnahmen: Die Verabschiedung baukultureller Grundsätze und die Einsetzung eines Gestaltungsbeirates als Sofortmaßnahme.

Geredet wurde in der Folge öfter darüber – „ach hätten wir doch einen Gestaltungsbeirat“ hieß es immer wieder wenn schwierige Bauvorhaben zu beurteilen waren – aber passiert ist in dieser Richtung nichts. Nach der Kommunalwahl 2014 bekam die in Sachen Gestaltungsbeirat engagierte Iris Ziebart (FDP) Verstärkung durch eine weitere Architektin. Annette von Czettritz von den Grünen zog in den Stadtrat ein. Sie erneuerte den Antrag, einen Gestaltungsbeirat einzusetzen, am 24. August 2014. Die Entscheidung wurde jedoch, weil die Stadtratswahl neu durchgeführt werden musste, auf den neuen Stadtrat ab 2015 vertagt. Von Czettritz wiederholte ihren Antrag 2016. Mit den Bürgern gemeinsam wurde 2016/2017 die Ideenwerkstatt des externen Büros „Nonconform“ durchgeführt. Der Wunsch nach qualitätvollerer Gestaltung wurde auch in dessen Ergebnis am 11. März 2017 deutlich formuliert ( siehe Festival der Ideen für die Innenstadt). Zehn Tage später sah sich der Bauausschuss des Stadtrates in der Pflicht, mehrheitlich die Bauverwaltung damit zu beauftragen, eine Entscheidungsgrundlage zu erarbeiten und dann wieder vorzulegen. Stadtbaumeister Stephan Weinl hielt es immer für wichtig, mit Hilfe eines solchen Beirates die Stadtgesellschaft an Entscheidungen zu beteiligen und dieser so Einfluss auf Gestaltung zu verschaffen. Er warb stets für die Einrichtung des Beirates. Mehreren Stadträten aber war es anscheinend doch nicht so ernst. Es folgten ständige Vertagungen, zuletzt im Februar 2020 von Ludwig Jägerhuber (CSU) beantragt, obwohl das Bauamt inzwischen eine Geschäftsordnung für einen solchen Gestaltungsbeirat ausgearbeitet, die Zusammensetzung überlegt sowie Kosten- und Personaleinsatz überschlagen hatte (siehe Gestaltungsbeirat wieder vertagt).

In der ersten regulären Bauausschusssitzung sowie Stadtratssitzung unter dem neuen Bürgermeister Patrick Janik (UWG) stand der Punkt jetzt erneut auf der Tagesordnung. Lediglich Teile der Grünen und Tim Weidner von der SPD wollten weder erneut vertagen, noch ablehnen. Das reichte aber nicht. Der Stadtrat lehnte die Einrichtung eines Gestaltungsbeirates endgültig mit 27:4 Stimmen ab. Laut Berichten in der Lokalpresse hat Janik gesagt, ein solcher Beirat schaffe mehr Bürokratie als dass er der Stadt helfe und könne allein schon wegen der zu beachtenden gesetzlichen Fristen bei konkreten Projekten nur wenig beeinflussen. Jägerhuber hält die städtische Bauverwaltung für qualifiziert genug. Deren Vorarbeit war damit nun für die Katz.