Noch eine Woche lang sind die Unterlagen zum Planänderungsverfahren für den B2-Tunnel öffentlich einsehbar. Offensichtlich waren doch deutliche Nachbesserungen an der schon seit 2008 baubaren Röhre erforderlich. Grundstückseigentümer entlang der Tunneltrasse sind gut beraten, sich die Unterlagen anzusehen. Ob sie von veränderten Bauplänen betroffen sind, können sie anhand der in den Planänderungsunterlagen aufgeführten Flurnummern aller Grundstücke, die neu in Anspruch genommen werden, prüfen. Sie müssen nur ihre eigene Flurnummer und deren Lage kennen. Es gibt Änderungen, die dauerhaften Charakter haben sollen, solche, die nur den Zeitraum der Bauzeit betreffen und solche, die schon vor dem eigentlichen Baubeginn des Tunnels eine Rolle spielen. Einwendungen gegen gegenüber der Ursprungs-Tunnel-Planung geänderte Planungen können noch bis zum 24. August 2020 bei der Regierung von Oberbayern vorgebracht werden.

Noch einmal zur Erinnerung:

Der Tunnel wird im Osten mit dem Nord-Portal an der Kreuzung Münchner/Leutstettener Straße beginnen, nach dem Abtauchen unter die Erde nach Norden rücken, das Rieser-Haus an der Hanfelder Straße 1 unterqueren, ebenso das Schloss, den Schlossgarten und die Kirche Sankt Josef. Nach dem Katholischen Pfarrhof oberhalb der Söckinger Straße schwenkt die Trasse unter der Weilheimer Straße etwas Richtung See und verläuft nach dem Lindenweg genau zwischen der Almeida-Villa und dem ehemaligen Bedienstetengebäude, um dann im Bereich der Einmündung in die Emslander Straße auf die Trasse der Weilheimer Straße zurückzukehren und mit dem Südportal an der  Franz-Heidinger-Straße zu enden. Hier soll die Tunnel-Vortriebsmaschine beginnen, sich durch den Starnberger Untergrund Richtung Nordportal zu arbeiten.

Vor dem Bau des eigentlichen Tunnels ist neben dem Neubau der fünf Düker und sechs Notausstiege noch die Erneuerung von zwei schon bestehenden Bauwerken zu leisten. In der Aufstellung der Fragen und Antworten zum Projekt, die auf der Homepage des Staatlichen Bauamtes Weilheim veröffentlicht sind, wird der Neubau der Würmbrücke am Autobahnende bei Percha genannt. Neubau 2021 bis 2022. Die Bahnüberführung über die Münchner Straße beim Gaßner-Hochhaus soll nach Angaben von Herwig Ludwig, Projektleiter bei Staatlichen Bauamt, 2023, wenn möglich auch schon etwas früher, erfolgen. Sie wird aufgeweitet auf 24,50 Meter, damit die geplanten sechs Fahrspuren plus Gehwege Platz bekommen.

Nachfolgend nun Dinge, die beim Lesen des Erläuterungsberichtes und seiner Anlagen hinsichtlich Bau und Auswirkungen auf Stadtgrün sowie Natur aufgefallen sind:

  • Für den Neubau der Bahnbrücke ist eine längere Vollsperrungen der Bahnstrecke vorgesehen. Hinzu kommen mehrere kurze Nachtsperrpausen. Um die Auswirkungen der Streckensperrung München-Garmisch so gering wie möglich zu halten, wird es auch lärmintensive Nachtarbeiten geben. Zeitweise muss auch die B2 vollständig oder fahrbahnweise gesperrt und der Verkehr bei Bedarf großräumig umgeleitet werden. Für die Schiene wird ein Ersatzverkehr eingerichtet.
  • Am Notausstieg 6 (NA6) an der Brunnangerhalle wird „aus der Baugrube des NA6  bauzeitlich anfallendes Wasser in Form von Lenzwasser, Grundwasser und Oberflächenwasser gefasst und in den Georgenbach eingeleitet“, heißt es im Erläuterungsbericht.
  • Aus dem Erläuterungsbericht: „Um den Tunnel in offener Bauweise herstellen zu können, müssen sämtliche Sparten (unterirdische Versorgungsleitungen; Abwasser, Strom, Telekomunikation etc.) aus dem Baufeld verlegt werden. Als Resultat der Spartenkoordinationsplanungen wird hierfür ein Spartenkorridor westlich des Baufeldes bei ca. km 2+200 zwischen Münchner Straße und Rheinlandstraße vorgesehen, der alle Leitungen, die in diesem Bereich des Baufeldes liegen, gebündelt an dem Baufeld vorbeiführt. Eine Spartenverlegung im Baufeld selbst ist aus Platzgründen nicht möglich.“
  • Die Tankstelle an der Ecke Münchner/ Rheinlandstraße wird, weil hier mit offener Bauweise gearbeitet und der Verkehr aus dem Baufeld verlegt wird, für die Dauer der Bauzeit abgerissen und danach neu gebaut. Das soll während der Bauzeit die Bauphasen reduzieren und den Verkehrsfluss verbessern.
  • Die Augustenstraße wird durch den Baustellenverkehr für das unterirdische Betriebsgebäude samt Abluftkamin am Schlossberg und die beiden Notausstiege 4 und 5 in Anspruch genommen. Laut Erläuterungsbericht, ist die in der Augustenstraße vorhandene Brücke über den Georgenbach für den zu erwartenden Verkehr nicht ausreichend dimensioniert. Deshalb muss sie durch eine tragfähigere Behelfsbrücke überbaut werden. In der Bauzeit, die laut Antwort des Staatlichen Bauamtes auf Fragen von Bürgern mit rund vier Jahren angegeben wurde, kann der Grundeigentümer der Hausnummer 2 seine Garagen nur eingeschränkt beziehungsweise nicht nutzen. Provisorische Zufahrten erhalten die Grundstücke Augustenstraße 1 sowie Vordermühlstraße 2 und 4.
  • Die Lüftungszentrale unter dem Parkplatz des Finanzamtes am Schlossberg hat nun einen größeren unterirdischen Raumbedarf. Fest steht inzwischen, dass die Mauer des Schlossparks besonders gesichert werden muss und der Abluftkamin um 2,10 Meter von der Mauer abrückt. Am Bau der Anlage hält das Staatliche Bauamt fest, obwohl eine Bürgerinitiative versucht hat, es zum Verzicht zu bewegen, weil sich die Immissionen des Verkehrs dank fortgeschrittener Technik drastisch reduziert haben. Wie berichtet, hat die Weilheimer Behörde es abgelehnt, das auf das Eröffnungsdatum für den Tunnel (2020) abgestellte Gutachten zu aktualisieren. Es erscheint angesichts des Planänderungsverfahrens und Stand der Planung eher  unwahrscheinlich, dass das beim Spatenstich geplante Eröffnungsdatum 2026 haltbar ist. Bekanntlich steigt der Anteil der elektrisch betriebenen Fahrzeuge bis dahin noch deutlich an. Die Bürgerinitiative hatte darauf hingewiesen, dass allein durch den Verzicht auf das Lüftungsbauwerk und die Rückkehr zur schon früher geplanten Längsentlüftung über die Portale mehr als 30 Millionen Euro eingespart werden könnten (siehe Kamin: Rat fordert neues Gutachten).
  • Für die Baustelleneinrichtung für den neu hinzugekommenen Düker 3 zur Grundwasserüberleitung über die Tunnelröhre im Bereich der Almeida-Villa sowie für den Bau von Notausstieg 4 am Schlossberg müssen zusätzlich zu den schon seit 2007 geplanten drei noch weitere fünf Biotop-Bäume gefällt werden. Zur Begründung wird das überwiegend zwingende öffentliche Interesse angeführt.
  • Damit die Tunnelstrecke behindertengerecht wird, sollen die Borde zwischen Gehweg und Fahrbahn nun nur 3 statt bisher 25 Zentimeter Höhe erhalten. Hier werde eine Forderung des Brand- und Katastrophenschutzes erfüllt, heißt es im Erläuterungsbericht (siehe auch Feuerwehrforderungen nicht erfüllt).
  • Am Ende muss noch mit einem Märchen aufgeräumt werden. Viele, auch Kommunalpolitiker, erzählen, die Stadt könne nach Eröffnung des Tunnels die Haupt- und Münchner Straße zur Ortsstraße zurückbauen. Im Regelungsverzeichnis neu, einer Anlage zu den Planänderungsunterlagen, heißt es unmissverständlich: Zwischen Dinardstraße und Leutstettener Straße bleibt die Haupt- und Münchner Straße Staatsstraße, das heißt in der Verantwortung des Freistaates Bayern. Bisher ist der Abschnitt Bundesstraße.