Dem Starnberger Stadtrat gehören ab sofort zwei neue Mitglieder an. Es sind Johannes Glogger und Raphael Felber, die auf die ausgeschiedenen WPS-Stadträte Günther Picker und Markus Mooser folgen. Der öffentlichen Vereidigung fehlte jedoch jegliche Feierlichkeit, die sonst bei solchen Anlässen üblich ist.

Die Stadtratssitzung gestern Abend wurde von Vizebürgermeisterin Angelika Kammerl geleitet, weil Bürgermeister Patrick Janik nach ihren Angaben verhindert war. Kokettierend griff sich Kammerl schon zu Beginn der Sitzung immer wieder an die auffällige goldene Kette um ihren Hals: „Sie haben ja schon gesehen, dass ich heute aus besonderem Anlass die Amtskette trage“, ließ sie die Stadträte mehrmals wissen. Es sei ihr eine Ehre heute zwei neue Stadträte zu vereidigen. Bevor man in die Tagesordnung einstieg erläuterte die Vizebürgermeisterin noch, dass sich aus Kostengründen immer zwei Stadträte ein Mikrofon der Sprechanlage teilen müssten: „Wir haben nur 15 Stück. Nochmals 15 zu mieten kostet rund 650 Euro pro Sitzung. Wir müssen sparen. Würden wir die selbst kaufen, würde es noch teurer.“ Da die Stadträte bedingt durch die Coronakrise im großen Saal der Schlossberghalle wie in der Schule jeder einzeln an einem weit vom Nachbarn abgesetzten Tisch sitzen, ein nicht ganz leichtes Unterfangen. Es waren allerdings auch mehrere Saalmikrofone aufgestellt, doch die wollte außer Bürgern, die vor der Sitzung noch Fragen stellen wollten, niemand nutzen.

Als der Tagesordnungspunkt der Vereidigung der beiden neuen Stadträte aufgerufen wurde, überlegte Kammerl laut, dass sie wohl am besten auf ihrem Platz vorn vor dem Gremium stehen bleibe. Glogger und  Felber sollten sich erheben und ihr die Gelöbnisformel nachsprechen. Kein anderer Stadtrat hielt es für angebracht, sich ebenfalls zu erheben, geschweige denn Glogger und Felber ein Mikrofon zu geben, denn auf ihren Plätzen befand sich keines. Auch wurden die Beiden nicht einzeln vereidigt, sondern sozusagen „in einem Abwasch“. Zu verstehen waren sie nicht. Selbst Kammerl ulkte: „Ich weiß jetzt gar nicht genau was Sie gesagt haben.“ Es wäre durchaus anders gegangen, wäre Kammerl mit dem Saalmikrofon zu den beiden zu Vereidigenden gegangen oder hätte diese damit zu sich gebeten. Selbst der geforderte Corona-Abstand wäre dabei einhaltbar gewesen.

Gipfel der Stillosigkeit war die „Nicht-Überreichung“ der Blumensträuße an Glogger und Felber. Zwei in Zeitungspapier eingewickelte Sträuße standen in Vasen hinter Kammerl auf der Bühne. Sie zeigte auf die vorbereiteten Geschenke und meinte, am besten lasse man die so eingewickelt in der Vase hier stehen, denn die Blumen brauchten ja Wasser, und sonst müssten Glogger und Felber die nachher nur wieder einwickeln.

Die Amtskette blieb übrigens danach für den ganzen weiteren Sitzungsverlauf um Kammerls Hals.