Von der Bevölkerung weitestgehend unbemerkt verschwindet gerade der einst so beliebte Wanderbahnhof im Mühlthal auf nimmer Wiedersehen. Die Deutsche Bahn baut ihn im Zuge der Gleiserneuerung zwischen Starnberg und Gauting zurück. Von den Bahnsteigen auf der Ostseite ist jetzt schon nichts mehr übrig. Auf der Westseite beginnt der Abriss mit der Erneuerung der Gleise, die von Gauting nach Starnberg führen  und auf denen zur Zeit noch der Zugverkehr aufrecht erhalten wird. „Der Rückbau der Bahnsteige wird aus Eigenmitteln der Bahn finanziert“, schreibt der Bahnsprecher auf Anfrage des Blogs. Ursprünglich wäre der Rückbau des Haltepunktes Aufgabe der Stadt Starnberg gewesen. So war es in dem von UWG-Stadtrat Otto Gaßner für die Stadt mit der Bahn ausgehandelten Vertrag von 1987 zur Seeanbindung festgelegt. Wie berichtet hatte die Deutsche Bahn im Januar dieses Jahres wegen Nichterfüllung des Vertrages  die Stadt auf die Zahlung von 170 Millionen Euro Schadensersatz verklagt. Die Kosten des Rückbaus des Bahnhofs Mühlthal waren von Seiten der Stadt bisher mit rund 700000 Euro angegeben.

Das endgültige Aus für den Bahnhof Mühlthal kam drei Jahre nach der Einweihung des Bahnhofs Nord. In so kurzen räumlichen Abständen wollte die Bahn den weiteren S-Bahn-Haltepunkt nicht weiter betreiben. Seitdem waren Bahnsteige und Aufgänge dem Verfall preisgegeben. Ab und zu wurde der große Parkplatz noch von Wanderern, die mit dem Auto gekommen waren, genutzt. Im Moment ist er Lagerfläche für den Abraum und für das neue Einbaumaterial für die Gleisstrecke. Überhaupt schaut es rund um den ehemaligen Haltepunkt ziemlich „wild“ aus. Das alte Gasthaus „Obermühlthal“ am Ende der Zufahrtsstraße ist ein Geisterhaus. Es gehörte bisher dem Würmtal-Zweckverband. Seit 2009 spielt sich dort nichts mehr ab, auch wenn es immer mal wieder zaghafte Versuche gab, eine Wiederbelegung anzustoßen. Außen wuchert die Natur im ehemals lauschigen Biergarten alles zu, innen sammelt sich auf der überwiegend voll erhaltenen Einrichtung – sogar Gläser stehen noch auf Tischen und Christbaumkugeln hängen von der Decke – der Dreck. Offenbar leer steht im Moment auch das denkmalgeschützte, rot angestrichene Empfangsgebäude des alten Bahnhofs, das 1854 errichtet worden ist. Und rundum tobt eine gigantische Baustelle mit dazugehörigem Lkw- und Baumaschinenverkehr auf Straße und Schiene.

Derzeit ist der gut 600 Meter lange Arbeitszug mit der Bettungsreinigungsmaschine zwischen Starnberg und Gauting unterwegs. Der Bahnsprecher erläuterte die Abfolge der Arbeiten zur Gleiserneuerung wie folgt:

„Im ersten Arbeitsschritt fährt … eine Bettungsreinigungsmaschine durch, die nur das Schotterbett und die darunter liegende Planumsschutzschicht (PSS) austauscht. Dabei wird auch ein Teil des Altschotters aufbereitet und wieder eingebaut (Recycling). Im 2. Schritt wird das Schotterbett mit einer Stopfmaschine verdichtet, damit im 3. Schritt der große Gleisumbauzug Schienen und Schwellen erneuern kann. Schienen und Schwellen sind komplett neu. Im 4. Schritt wird das Schotterbett wieder mit einer Stopfmaschine in die Soll-Lage gebracht. Zum Abschluss werden noch die Schienen verschweißt und die Randwege wieder hergestellt.

Sie sollten sich auch nicht vom Rost auf den neuen Schienen irritieren lassen. Dieser ist üblich, da die neuen Schienen nach Verlassen des Stahlwerkes vor dem Einbau längere Zeit draußen lagern und Rost ansetzen.“

Auf die Frage, warum die Bahnsteige abgebrochen werden, erhielt „Lokales-aus-Starnberg“ die folgende Antwort:

„Der Außenbahnsteig muss mitsamt seiner Fundamente rückgebaut werden, damit die beiden Großbaumaschinen Bettungsreinigungsmaschine (1. Schritt) und Gleisumbauzug (3. Schritt) auch in diesem Bereich durchfahren können. Das ist schneller und wirtschaftlicher. Im Bereich von noch in Betrieb befindlichen Bahnhöfen müssen wegen der engen Bahnsteige die Arbeiten mit Baggern und andern konventionellen Baumaschinen anstelle der o.g. Großbaumaschinen durchgeführt werden. Das Richtungsgleis Starnberg nach Gauting wird im Bauzeitraum 26.10. bis 10.11. erneuert. Im Zuge dessen wird auch der westliche Außenbahnsteig in Mühltal rückgebaut. “

Bis zum 10. November 2020 soll die Gleiserneuerung zwischen Starnberg und Gauting abgeschlossen sein.