Eigentlich war im Oktober letzten Jahres bereits alles in trockenen Tüchern. Der Entwurf für einen barrierefreien Zugang zu der Söckinger Kirche Sankt Stephan war vom Bauausschuss gebilligt, die Städtebaufördermittel sollten beantragt und die Baumaßnahme ausgeschrieben werden. Doch der Beschluss, vom Kulturausschuss und auch vom Stadtrat im Januar dieses Jahres ebenfalls bestätigt, wurde bisher nicht umgesetzt (siehe Sankt Stephan kann saniert werden und Sanierung St. Stephan gesichert und Barrierefrei zu Kirche und Friedhof). Es ist nach wie vor offen, ob und wie die denkmalgeschützte Kirche künftig barrierefrei erreicht werden kann. Der Bauausschuss hat nun vor nicht ganz einem Monat auf Antrag von Franz Sengl (Grüne) lediglich erneute Gespräche mit der Katholischen und Evangelischen Kirche beschlossen, deren Ziel eine höhere Beteiligung der beiden Kofessionen an den Kosten sein soll. Beide nutzen das Gotteshaus. Die Fraktionen wollen intern erst noch einmal beraten und im Zuge der Haushaltsdiskussionen für 2021 eventuell eine Entscheidung fällen.

Der barrierefreie Zugang ist schon seit 2015 Thema. Ursula Gregor aus Perchting hatte darauf hingewiesen und den damaligen CSU-Stadtrat Gerd Weger darum gebeten, sich dafür einzusetzen, was dieser auch tat. Sankt Stephan ist eines der Wahrzeichen des Starnberger Ortsteils Söcking und ist seit vielen Jahren mitsamt dem historischen Dorffriedhof in der Denkmalliste Bayern aufgeführt (D-1-88-139-109). Von den örtlichen Kirchengemeinden kann die Stadt keine signifikante finanzielle Beteiligung erwarten, da deren Ressourcen durch die in den vergangenen Jahren durchgeführte Sanierung der Kirche Sankt Ulrich ihre Mittel aufgebraucht haben. Außerdem besteht sehr hoher Sanierungsbedarf für das Kirchengebäude Sankt Stephan. Dennoch gab es  ein Angebot über einen bescheidenen Eigenanteil. Darüber hinaus hatte der Stadtrat 300000 Euro als Haushaltsreste aus 2019 auf 2020 übertragen. Für die Umsetzung der noch unter Bürgermeisterin Eva John vom Stadtrat gebilligten Planung, zu der auch ein Umbau der angrenzenden Straße gehört hätte, wären 641000 Euro zu berappen gewesen, gemindert und öffentliche und kirchliche Zuschüsse.

Stadtbaumeister Stephan Weinl hat im jüngsten Bauausschuss zwei neue Entwürfe vorgelegt, die keinen Straßenumbau beinhalten. Rechnet man diesen aus der John-Variante (315000 Euro) heraus, ist Weinls Variante 2 (295000 Euro) kaum güngstiger. Seine Variante 3 (170000 Euro) beinhaltet den Bau eines Treppenliftes entlang der überarbeiteten heutigen Treppenanlage. Beiden Varianten ist gemeinsam, dass die von den Kirchengemeinden gewünschte Zufahrtsmöglichkeit für einen Kleinbagger für Beerdigungen auf dem Friedhof nicht möglich ist. Das geht nur bei Variante 1.

Manchen Stadträten scheint die Bedeutung eines barrierefreien Zugangs für mobilitätseingeschränkte Menschen noch nicht so recht eingeleuchtet zu haben. So hielt es Vizebürgermeisterin Angelika Kammerl (CSU) nach übereinstimmenden Berichten der Lokalzeitungen für zumutbar, dass Rollstühle und Kinderwagen die heutigen Treppen auch künftig hinaufgetragen werden. Ihr waren die Verbesserungen schlicht zu teuer. Barrierefreiheit ist aber Voraussetzung für die selbstbestimmte Teilhabe am Leben, somit ein Menschenrecht. Darüber hinaus ist die Kirche ein öffentlicher Raum, der für alle Bürger zugänglich sein sollte. Die Haushaltsberatungen haben noch nicht richtig begonnen.