Am kommenden Donnerstag wird sich der Projektausschuss Bahnhof See erstmals wieder intensiver mit dem Thema Seeanbindung befassen. Es geht um die Frage, auf welchem Weg mit dem Projekt weiter verfahren werden soll, welche Verhandlungsaufträge Bürgermeister Patrick Janik erhält und welche Varianten noch im Rennen bleiben sollen. Der Bürgerverein „Schöner zum See (SzS)“ nimmt das zum Anlass, die Staatsministerin für Wohnen, Bauen und Verkehr, Kerstin Schreyer, anzuschreiben, um sie zum einen darüber zu informieren, dass es auch noch andere Pläne für den Bahnhof See und sein Umfeld gibt als die, die unter Altbürgermeister Ferdinand Pfaffinger bis April 2014 erarbeitet aber nicht mehr beschlossen wurden. Zum anderen soll die Ministerin informiert sein über die Vorstellungen von SzS, dem denkmalgeschützten Bahnhof am See seine städtebauliche Bedeutung zu erhalten, deshalb die Gleislage nicht zu verändern und auch die Bahnsteige dort zu belassen, wo sie heute sind. Sowohl die Pfaffinger-Pläne als auch Varianten, die zwischen Stadt und Bahn AG im Rahmen der gescheiterten Mediation erarbeitet wurden, beinhalten jeweils die Verlagerung der Bahnsteige, mal mehr mal weniger.

 

Hier der Brief, den SzS der Presse zur Berichterstattung überlassen hat:

„Sehr geehrte Frau Staatsministerin Schreyer !
Erinnern Sie sich an den 10.Oktober 2020? Sie waren in Altötting und haben sich zu Recht über die Auszeichnung des Bahnhof Altötting zum “Bahnhof des Jahres 2020“ gefreut. Es ist der sechste Bahnhof in Bayern, der diese Auszeichnung erhalten hat.

Wird es in Bayern in den nächsten Jahren wieder einen Preisträger geben? Kandidaten gäbe es in Bayern durchaus. Aber leider wird nicht überall erkannt, welche städtebauliche und gemeinschaftsbildende Bedeutung ein Bahnhof in einer Kleinstadt haben kann. Ein bedauernswertes Beispiel für diese Missachtung ist der Grund, warum wir Ihnen diesen Brief schreiben: der denkmalgeschützte Seebahnhof in Starnberg.

Erbaut wie viele eindrucksvolle Beispiele in München und im Bahnland Bayern nach Plänen von Friedrich Bürklein (1813-1872) ist hier zusammen mit den Bahnanlagen ein Ensemble entstanden, das von der Bahnverwaltung zwar immer wieder ihren Betriebsbedürfnissen angepasst wurde, im Kern noch erhalten und denkmalgeschützt ist, aber in einem bedauernswert schlechtem Zustand.

Im Jahr 1987 hat der damalige Bürgermeister und ein noch heute aktiver einfluss-reicher Stadtrat mit der Deutschen Bahn AG einen Vertrag geschlossen, der eine endgültige Zerstörung des Bürklein-Ensembles zur Folge hat. Die historischen Bahnsteiganlagen sollen an ihrer heutigen Lage vollständig beseitigt werden. Als Ersatz sollen moderne Bahnsteige in 300 m Entfernung von Bahnhofsgebäude und Schiffsanleger gebaut werden – an einer Stelle, die im Stadtbild eine der unattraktivsten ist und für jeden Ankommenden – gegenüber heute – eine maßlose Enttäuschung darstellt. Das historische Bürklein-Ensemble mit einmaligem Blick auf See und Gebirge ist damit auf einen funktionslosen maroden Altbau reduziert, der eigentlich nur im Wege steht.

Die Stadt Starnberg und die Deutsche Bahn AG haben sich inzwischen in einem erbitterten Rechtstreit verhakt: die Bahn fordert Schadenersatz, von schwindelerregenden Summen ist die Rede. Schon werden im Stadtrat Kompromisslinien gehandelt, die auf das alte Vertragsmuster hinauslaufen.

Sehr geehrte Frau Staatsministerin Schreyer, diese Zerstörung der historischen Keimzelle der städtebaulichen Entwicklung Starnbergs dürfen wir nicht zulassen. Starnbergs Bürklein-Bahnhof am See mit freiem Blick auf die Berge ist ein erstklassiger bayerischer Kandidat für die Auszeichnung “Bahnhof des Jahres“ ! Daran wollen wir mit Ihrem Haus arbeiten. Wir haben keinen Zweifel, dass Sie mit Ihren Mitarbeitern das gleiche Ziel gern verfolgen werden.

Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie uns Gelegenheit geben würden, mit einem Ihrer Referenten*innen die ganze Problematik darzustellen und zu diskutieren, die
in Wirklichkeit leider wesentlich komplexer ist als hier beschrieben.“
Unterschrieben haben der SzS-Vorstand: Maximilian Ardelt, Dr. Günther Krawitz, Thomas Ammerschläger und Michael Schildbach sowie den Mitgliedern Iris und Professor Wolfgang Ziebart.