Zur letztjährigen, digital abgehaltenen Bürgerversammlung waren im Rathaus wie berichtet zahlreiche Bürgeranträge eingegangen. Mehrere davon betrafen auch den Bahnhof See und sein Umfeld. Der Projektausschuss Bahnhof See des Stadtrates hat sich damit befasst. Konkrete Lösungen wurden weder diskutiert noch dem Rat zur Umsetzung empfohlen. Vielmehr ergingen nur einstimmige Beschlüsse, Bürgermeister Patrick Janik solle weiter über Verbesserungen für die Bahnkunden mit dem Bundesunternehmen verhandeln. Das letzte Wort hat der Gesamt-Stadtrat.

Vier Anträge hatten zum Ziel, die Überdachung der Bahnsteige am Seebahnhof in verschiedener Form wieder herzustellen, unter anderem auch dafür zu sorgen, dass die denkmalgeschützten historischen gußeisernen Säulen gerettet werden (siehe Ziebart: 3 Anträge für Bürgerversammlung und Zeil und Co stellen Antrag und Seebahnhof: Spenden sammeln für Testfeld und SzS: Bitte Anträge stellen!). Der Vorschlag der ehemaligen FDP-Stadträtin Iris Ziebart und des Ingenieurbüros Wörsching ist Janik nach eigenen Aussagen zu teuer. Die Bahn zeigte sich auf bisherige Vorstöße hin weiter hartleibig (siehe Bahnhof See bleibt ohne Dächer). Gleiches gilt für die Bürgeranträge, die die Herstellung von Barrierefreiheit am Starnberger See verlangten, oder konkret den Einbau von Treppenliften, so lange sich Bahn und Stadt über die Umsetzung des von Otto Gaßner (UWG) ausgehandelten Vertrags zur Gleisverlegung aus 1987 noch nicht verständigen konnten. Dieser Zeitraum wird nach einhelliger Meinung noch mehr als zehn Jahre umfassen, denn nach einer Einigung wäre auch noch ein zeitaufwändiges Planfeststellungsverfahren durchzuführen. Hierzu hat Ziebart an ihren Antrag und Vorschlag aus 2019 für den Einbau von Treppenliften erinnert und ein aktualisiertes Angebot der in Dachau ansässigen Firma an Rathaus und Stadträte weitergeleitet. Der Einbau eines Treppenliftes würde demnach rund 24000 Euro kosten.

(Hier dazu ein Auszug aus dem Blogartikel vom 14.November 2019:

…Laut Architektin Ziebart darf die Bahn kein Provisorium bauen, von dem sie weiß, dass es in absehbarer Zeit wieder abgerissen wird. Deshalb seien die Chancen gleich Null, dass die Bahn jetzt einen festen Aufzug zu den Bahnsteigen am See neu bauen wird, für den ohnehin die Durchführung eines Planfeststellungsverfahrens erforderlich wäre. Sie, Ziebart und SzS, plädierten deshalb dafür, mit Hilfe von Bürgerspenden etwas in Angriff zu nehmen, wenn es dafür Gesprächsbereitschaft bei der Bahn gebe. So könnten für etwa 23000 Euro zwei vandalismussichere und leicht zu bedienende Edelstahl-Treppenlifte eingebaut werden. Die Firma, die dieses Angebot gemacht habe, sei sogar für den Service in der Nähe….

und aus einem Bericht des Starnberger Merkur vom Oktober 2010:

„…Ingeborg Lampert ist zwar vor neun Jahren von Starn­berg weggezogen, ihr Inter­esse an ihrer Heimatstadt ist jedoch ungebrochen. Ange­sichts der jüngsten Be­schlüsse zur Seeanbindung will sie gern wissen, was aus dem 1992 für Treppenlifte am Seebahnhof gesammel­ten Geld wird.

In Benefiz-Veranstaltun­gen hatte Lampert vor fast 20 Jahren gemeinsam mit dem Starnberger Merkur um Spenden gebeten, damit am Bahnhof See Treppenlifte für Behinderte eingebaut werden können. Die Spen­densumme betrug 82354 Deutsche Mark. Weil es auch zu der Zeit bereits mit der Seeanbindung nicht so recht weiter ging und es zu­sätzlich Abstimmungs­schwierigkeiten mit der Ar­beitsgemeinschaft für Be­hindertenfragen gab, kam es nicht zur Realisierung des Projektes. Im Jahr 1999 be­schloss deshalb das Bürger­forum, dessen Vorsitzende Lampert war, das Geld auf ein verzinstes Sparbuch zu legen und der Stadt Starn­berg zu übergeben – ver­bunden mit dem ausdrückli­chen Auftrag, das Geld aus­schließlich für einen behin­dertengerechten Zugang zum Seebahnhof zu verwen­den. Damit einverstanden zu sein sagte der damalige Bür­germeister Heribert Thall­mair 1999 schriftlich zu.

Seitdem arbeitet das Geld für das Projekt. Laut städti­schem Haushalt liegen auf dem Sparbuch zum Jahres­ende voraussichtlich 50827 Euro. Ob und wann es zum bestimmungsgemäßen Ein­satz kommt ist aber immer noch genauso ungeklärt…“).

Inzwischen hat Bürgermeister Janik sich nach seinen eigenen Worten versichert, dass das von Lampert gesammelte Geld auf den Konten der Stadt immer noch vorhanden ist.

 

In einem weiteren Bürgerantrag ging es auch um die künftige Lage der Bahnsteige sowie des von der Bahn verlangten Abstell- und Wendegleises. Das wurde nicht weiter behandelt, weil beim Tagesordnungspunkt vorher bereits die Empfehlung an den Stadtrat ausgesprochen worden war, über die Varianten 1 und 7 aus der Mediation mit der Bahn erneut zu verhandeln (siehe Seeanbindung Neustart). Das Bauamt hat in seiner Stellungnahme zu den Anträgen der Bürger darauf hingewiesen, dass der Einbau provisorischer Lösungen wie Treppenlifte oder Rampen nicht zu einer durchgängigen Barrierefreiheit führen. Diese, aber auch machbare Teillösungen, sollen nun erneut Ziel von Verhandlungen zwischen Bahn und Bürgermeister sein.

Auf den Bürgerwunsch, den denkmalgeschützten Seebahnhof mitsamt der heutigen Lage der Bahnsteige zu erhalten und zu renovieren, also keine Gleisverlegung durchzuführen, ging weder der Ausschuss noch die Bauverwaltung ein. Letztgenannte empfahl vielmehr, mit der Bahn nochmals über den Umbau nach den in der Mediation gefundenen Varianten 1 und 7 zu verhandeln (siehe Seeanbindung Neustart). Forderungen, der Stadtrat möge sich der von Stefan Zeil initiierten Petition (siehe Petition “Dach und Aufzug…”) anschließen und die Bürger in breiten und offenen Prozessen an der Lösungsfindung für die Seeanbindung beteiligen, erteilte Bauamtsleiter Stephan Weinl eine Absage. Wie er plädierte der Ausschuss dafür, sich zunächst mit der Bahn auf realisierbare und finanzierbare Planungsvarianten zu einigen. Eine öffentliche Bürgerbeteilungen solle zwar vorbereitet, aber erst durchgeführt werden wenn konkrete Ergebnisse vorlägen.