Starnberg hat eine höchst engagierte, auf Grund seines Fachwissens oft und unermüdlich mahnende, aber stets an den Themen der Stadt positiv mitarbeitende Stimme verloren. Professor Helmut Bomhard ist am 1. Mai 2021 nur wenige Wochen vor seinem 91. Geburtstag verstorben.

Für die Regierenden im Rathaus war er eher unbequem. So reagierte schon der Starnberger Ehrenbürger und langjährige Bürgermeister Heribert Thallmair leicht genervt, wenn sich Bomhard in den jährlichen Bürgerversammlungen zu Wort meldete und dort seine fundierten Vorträge hielt. Noch weniger Begeisterung kam auf, als sich Bomhard als erster Starnberger traute, in der Versammlung einen von der Mehrheit der Anwesenden befürworteten Bürgerantrag zu stellen. Schließlich konnte man den nicht so einfach abbügeln, sondern der Stadtrat musste sich innerhalb von drei Monaten damit befassen. Seit damals gibt es nun jedes Jahr solche Bürgeranträge von verschiedenen Starnbergern.

Unbequem wurde es für die bis dahin relativ ungestört agierende CSU/UWG-Mehrheit im Stadtrat auch, als unter Bomhards engagierter Mitarbeit die Bürgerinitiative Pro Umfahrung – Contra Amtstunnel (BI) gegründet wurde, er die Seniorenunion der CSU für seine Themen sensibilisierte und über die aus der BI hervorgegangene Wählergemeinschaft Pro Starnberg (WPS) zudem noch in der Stadtpolitik mitmischte, wenngleich immer aus dem Hintergrund als deren Vorstandsmitglied. Die Informationen, die er zu den zahlreichen öffentlichen Diskussionen in der Stadt beitrug, bezogen sich vornehmlich auf Themen des Verkehrs, der Luftschadstoffe – und reinhaltung, Lärmaktionspläne sowie Seeanbindung und Stadtplanung. Bis zu seinem Tod mischte er mit seiner leisen, aber nicht minder beharrlichen Art weiter mit.

Geboren worden war Helmut Bomhard in Rothenburg ob der Tauber. Nach den Abitur studierte er an der Technischen Hochschule München Bauingenieur- und Vermessungswesen. Die meisten Jahre seines beruflichen Lebens verbrachte er bei der Firma Dyckerhoff & Widmann. 1989 erhielt er die Ehrendoktorwürde der Universität Essen, wurde 1994 zum Honorarprofessor für Entwurf und Gestaltung von Ingenieurhochbauten im Hoch- und Industriebau an der Technischen Universität Dresden bestellt. Nach seinem Ausscheiden aus der Firma mit Erreichen der Altersgrenze begann Bomhard eine freiberufliche Tätigkeit als beratender Ingenieur und arbeitete weiter an der TU Dresden im Bereich „Gestaltendes Bauen“. Sein Name und seine Tragwerksplanung ist mit zahlreichen bedeutenden Bauprojekten auf der ganzen Welt verbunden, vom BMW-Vierzylinder in München bis zum Wasserturm in Riad. Besondere Beachtung fand auch sein Verfahren zum Wiederaufbau der Berliner Kongresshalle („Schwangere Auster“).

Für Professor Bomhard war es ein Erfolgserlebnis, als die Starnberger Westumfahrung eröffnet wurde und fortan die Anwohner der Hanfelder Straße nicht mehr im vorangegangenen Ausmaß mit den Folgen des übermäßigen Lkw-Verkehrs belastet waren. Hoffnungsfroh begleitete er auch die Vorstöße für eine zusätzliche Nord-Ost-Umfahrung. Dass die beiden Umfahrungen zusammen  die Stadt Starnberg viel mehr vom überbordenden Verkehr entlasten würden als der ohnehin sehr umstrittene Tunnel unter der B2 versuchte er viele Jahre lang den Bürgern klar zu machen. Die waren jedoch inzwischen der Diskussion müde und wählten 2020 die politische Mehrheit, die sich die Realisierung des Tunnels auf die Fahnen geschrieben hat. In der Suche nach Argumenten gegen dieses Projekt hat der nun gestorbene engagierte Starnberger trotzdem nicht nachgelassen.

Die Trauerfeier findet am Montag, dem 17. Mai ind der Starnberger Friedenskirche an der Kaiser-Wilhelm-Straße 18 statt, die Urnenbeisetzung im engsten Familienkreis.