Die Stadt Starnberg hat entlang der Petersbrunner Straße auf deren Nordseite einen komplett neuen kombinierten Geh- und Radweg gebaut. Radfahrer dürfen dort jedoch nicht fahren – weil das Landratsamt es bisher nicht hinbekommt, das entsprechende Verkehrsschild, das auch das Radfahren hier erlaubt, aufstellen zu lassen. Stadt und Kreisbehörde schieben sich den schwarzen Peter zu.

Es war in den letzten Wochen Sommer. Die Badegelände am Starnberger See waren übervoll. Wer kann fährt dorthin mit dem Rad, denn mit dem Auto im Stau stehen ist nicht vergnügungssteuerpflichtig. Entlang der Petersbrunner Straße verlief auch schon vor deren Umbau für den B2-Tunnel der zahlenmäßig hohe Radverkehr aus dem Würmtal, vom Bahnhof Nord und den dahinter gelegenen Wohngebieten zu den Badegeländen in Percha und Kempfenhausen. Beim Umbau der Kreuzung Gautinger-/Petersbrunner-/Leutstettener Straße hatten die Planer zwar die Ampeln so geplant, dass sie auch für Fahrradfahrer Grün- und Rotlicht anzeigen. Doch auf der Straße ist die Führung für die Radfahrer seitdem noch undurchsichtiger als vorher, teils richtig gefährlich. Darauf hatten schon in der vorjährigen Bürgerversammlung in Starnberg Teilnehmer den Rathauschef Patrick Janik hingewiesen. Der versprach, die Kreuzung in diesem Punkt noch einmal einem neuen Konzept zu unterziehen. Seitdem ist mehr als ein halbes Jahr vergangen. Politiker aus Stadt und Landkreis, auch Landrat Stefan Frey lassen sich gerade im Moment wo immer es geht mit dem Fahrrad, oder zumindest mit dem Fahrradhelm ablichten, denn es läuft die jährliche Stadtradeln-Aktion. Die Botschaft: Leute, fahrt so viel wie möglich mit dem Fahrrad. Doch was die Sicherheit angeht, hinterlässt das Beispiel der Petersbrunner Straße nur ungläubiges Entsetzen.

Weil ein Verkehrsschild nicht aufgestellt wird, angeblich, weil es noch keine Abstimmung zwischen Landratsamt, Polizei, Staatlichem Bauamt und Stadt über das Konzept der Kreuzung mit der Gautinger Straße gegeben hat – so heute zu lesen im Starnberger Merkur – verhängt die Polizei Bußgelder gegenüber Fahrradfahrern, die den neu gebauten Geh- und Radweg benutzen. Das bedeutet, dass allen Ernstes erwartet wird, dass Radler die Straße benutzen, die seit Umbau und Anbindung an die B2 ein wesentlich höheres Verkehrsaufkommen aufweist und an deren Ende man dann im Autoverkehr mitfahrend auch noch die B2 queren muss, damit man auf den Radweg Richtung Percha gelangt. Auf dem Rückweg natürlich in umgekehrter Richtung. Familien mit schon selbst radelnden kleineren Kindern oder entsprechenden Radanhängern mit Kind drin werden  „nein, danke“ sagen. Und da komme jetzt niemand, und verlange, dass sie am Ende der Petersbrunner Straße auf den Gehweg entlang der B2 wechseln sollen, um dann an der Bedarfsampel auf Höhe des Autohauses auf die Straßenseite des Landratsamtes zu gelangen. Zum einen steht man als Fußgänger und Radler an dieser Ampel ewig, bis sie mal grün zeigt – der möglichst ungestörte Verkehrsfluss der Autos hat natürlich Vorrang – , zweitens gibt es auf der Landratsamtsseite große Büsche, die den Einblick in den hier schnell befahrenen Radweg unmöglich machen, und drittens ist dieser Gehweg, vor allem die Aufstellflächen an den Ampeln sehr schmal.

Alles in allem kann man sagen, die Behörden in Starnberg sind alles andere als fahrradfreundlich. Sie reiten lieber auf ihren Paragrafen, fehlenden Schildern und Bußgeldkatalogen herum, statt wirklich etwas für Komfort und Sicherheit von Radfahrern zu tun. Das Konzept für die Kreuzung mit der Gautinger Straße hat die Öffentlichkeit noch gar nicht zu sehen bekommen. Sehr fraglich, ob da die Belange der Fahrradfahrer wirklich berücksichtigt werden. Aber man hat ja Zeit im Überfluss. Und bald ist wieder Winter. Dann fährt eh niemand mehr mit dem Rad, schon gar nicht entlang der Petersbrunner Straße.

(Siehe auch die folgenden Berichte des Blogs aus 2018:

Tunnel erfordert neue Geh- und Radwege (19.2.18)

Mit einen Team aus dem Rathaus hat sich Stadtbaumeister Stephan Weinl Gedanken gemacht, was nötig ist, um vorhandene Geh- und Radwege an die vom Staatlichen Bauamt Weilheim vorgestellte Umplanung der nördlichen Zulaufstrecke zum B2-Tunnel anzupassen beziehungsweise heutige Verbindungen nicht unterbrechen zu lassen. Vorgestellt wurde das Konzept, das etwa 3 Millionen Euro kosten wird, in der letzten Stadtratssitzung. Bürgermeisterin Eva John hat angekündigt, mit der Regierung von Oberbayern zu verhandeln, um vom Freistaat Zuschüsse für die neuen Wege zu erhalten.

Laut Weinl geht es um „eine sichere Fußgänger- und Radfahrerführung im Straßenraum“, insbesondere entlang der durch den Umbau des Staatlichen Bauamtes zu einer Hauptverkehrsverbindung aufgestuften Petersbrunner Straße. Wie berichtet erhält diese im kommenden Jahr einen Durchstich gegenüber der Strandbadstraße und wird dann den Verkehr vom und zum Starnberger Norden, ebenso zu den Wohngebieten westlich der Bahnlinie und zum Bahnhof Nord aufnehmen. „Wir müssen versuchen, das Radwegenetz zu schließen“, sagte Weinl. Hintergrund: Es gibt vor allem im Sommer einen sehr regen Radverkehr aus dem Würmtal zu den Badegebieten am Ostufer des Starnberger Sees. Aus Richtung Percha-Süd und aus dem gesamten Gebiet südlich der B2 braucht es eine Verbindung nach Norden und zum Bahnhof Nord. Hier soll entlang der Perchastraße ein Radweg ergänzt werden. Der ist auch nötig, damit es eine Verbindung aus der Innenstadt zu den östlichen Freizeitanlagen und -geländen gibt. Die Perchastraße wird wie berichtet nach dem Umbau der B2 stärker vom motorisierten Verkehr belastet sein. Für Radfahrer und Fußgänger muss deshalb mehr Sicherheit geschaffen werden.

Entlang der Petersbrunner Straße ist der Neubau eines 3,50 Meter breiten kombinierten Geh- und Radweges nur auf der Nordseite möglich, aber nur auf dieser Seite. Geplant wird laut Weinl vorerst nur bis zur Kreuzung Gautinger-/Leutstettener-/Petersbrunner Straße, weil diese im Zuge des Umbaus der Petersbrunner Straße vermutlich anders gestaltet werden muss. Im Bereich der Moosstraße sind keine Verbesserungen für Fußgänger und Radfahrer geplant, wohl aber entlang der Gautinger Straße, wo es die nächste Bedarfsampel geben wird, um die B2 zu queren. Da die Gautinger Straße ihre Bedeutung als Staatsstraße zu Gunsten der Petersbrunner Straße – dann Staatsstraße – verliert, entsteht genug Platz, beidseitig einen je 3,50 Meter breiten kombinierten Geh- und Radweg anzulegen. Wo die in den letzten Jahren entstandenen Fußgänger-Querverbindungen durch das Gewerbegebiet ergänzt wurden, wird es nach Weinls Plan Verkehrsinseln in der Straße für sichere Überwege geben.

Als Kosten insgesamt hatte Weinls Team 2,2 Millionen Euro ermittelt. Dies jedoch ohne mögliche Überraschungen im Untergrund der Bauflächen zu berücksichtigen. Da ist die Stadt aus vorangegangenen Baumaßnahmen ein gebranntes Kind und kalkuliert deshalb gleich mit 3 Millionen Euro, die in die künftige Finanzplanung eingestellt werden sollten. Die Regierung von Oberbayern habe zunächst gesagt, sie wolle vor Zusagen über Zuschüsse die Entwicklung der Verkehrsbeziehungen abwarten. Das wolllte Bürgermeisterin Eva John so aber nicht akzeptieren und setzte deshalb auf Verhandlungen. Weinl begründete die frühzeitige Planung damit, dass die neuen Wege nächstes Jahr gebaut werden müssten, damit sie bereit stünden, wenn sich die B2 verändere. Auch dürften die städtischen Baumaßnahmen nicht mit dem Bau des Durchstichs an der Petersbrunner Straße kollidieren. …

Umbau Petersbrunner Straße (18.6.18)

Bisher haben sich die Anlieger der Petersbrunner Straße immer erfolgreich gegen einen Umbau gewehrt. Seitdem feststeht, dass der B2-Tunnel gebaut wird und damit auch ein Durchstich von der Petersbrunner auf die Münchner Straße erfolgen wird (geplant 2020), haben sie voraussichtlich keine Wahl mehr. Aber sie können Anregungen einbringen, was sie demnächst in einem Gespräch zwischen Rathaus und Anliegern tun sollen. In der jüngsten Bauausschusssitzung wurde schon mal ein Plan erläutert, wie die Aufteilung der Verkehrsflächen im kommenden Jahr vorgenommen werden könnte.
Franz Heidinger (BLS) versuchte, die Beratung nochmals aufzuhalten. Am 21. Juni soll beim Staatlichen Bauamt Weilheim eine Besprechung zum Thema „Sicherheit im Tunnel“, stattfinden, sagte er, die solle noch abgewartet werden. Als Referent für die Rettungsdienste liegen Heidinger unter anderem die Belange der Feuerwehr sehr am Herzen, deren Sicherheit er auf Grund der bisherigen Tunnelplanung im Falle eines Einsatzes im Tunnel noch nicht ausreichend gewährleistet sieht. Sein Antrag, den Tagesordnungspunkt zu vertagen, wurde aber mit den Stimmen von CSU, UWG, Grünen, SPD und DPF abgelehnt (5:8). Heidinger hatte kritisiert, es gebe noch kein Gesamtsicherheitskonzept für den Tunnel.
Bürgermeisterin Eva John berichtete dem Ausschuss, das Rathaus habe nach Kenntnis der Erfordernisse, die die Umwandlung der Petersbrunner Straße in eine künftige Staatsstraße mit erheblich höherem Verkehrsaufkommen mit sich bringe, Gespräche mit der Regierung von Oberbayern, der Obersten Baubehörde und dem Staatlichen Bauamt über eine mögliche Kostenaufteilung geführt. Die Kosten für den reinen Straßenraum trägt der Freistaat. Geh- und Radwege samt Beleuchtung bleiben in der Verantwortung der Stadt und sollen im Zuge des Umbaus neu, für Radfahrer zum großen Teil erstmals hergestellt werden. Die Planung war schon im Frühjahr vorgestellt worden (siehe Tunnel erfordert neue Geh- und Radwege). Auf der Nordseite der Straße soll ein 3,50 Meter breiter kombinierter Geh- und Radweg durchgängig zwischen der Gautinger- und der Münchner Straße entstehen. Die Gesamtkosten von 2,2 Millionen Euro wollen sich Stadt und Land nun teilen: 51 Prozent für die Stadt Starnberg, 49 Prozent für den Freistaat. Starnberg kann darüber hinaus noch mit staatlichen Fördermitteln in der Höhe zwischen 40 und 60 Prozent rechnen, hat aber laut John, die die sehr kooperativen Gespräche lobte, noch keine verbindliche Zusage dafür. Ob es die höchstmögliche Förderung gebe hänge auch von der Nachfrage im gesamten Freistaat ab. Offen ist auch, ob es bei den 1,1 Millionen Euro bleibt, die die Stadt berappen muss. Die Erfahrung der jüngeren Zeit hat gezeigt, dass sich insbesonders bei der Beseitigung von Altlasten beim Straßenneubau unerwartete Überraschungen auftun. Ein Problem gibt es in Zukunft nicht mehr: Die Anlieger müssen nicht mehr befürchten, an den Umbaukosten beteiligt zu werden. Die Straßenausbaubeiträge will der Freistaat abschaffen. Damit die Petersbrunner Straße der künftigen Verkehrsbelastung besser Herr werden kann, hat die Weilheimer Behörde geplant, sie im Bereich der Kreuzung mit der Gautinger Straße aufzuweiten und dort eine eigene Rechtsabbiegespur Richtung Norden anzulegen. Die zweite Spur ist für die Richtungen geradeaus und links. Die Gautinger Straße wird wie berichtet eine geringere Verkehrsbedeutung haben als heute, weil man an ihrem Ende an der Münchner Straße nur noch nach rechts stadteinwärts abbiegen kann.
Ludwig Jägerhuber (CSU) lobte: „Das ist ein gut ausgehandeltes Zwischenergebnis.“ Sein Fraktionskollege Gerd Weger plädierte dafür, noch keine Beschlüsse zu fassen, sondern zunächst die Reaktionen der Anlieger abzuwarten. Stadtbaumeister Stephan Weinl betonte jedoch den Zeitdruck: „Wir können den Umbau nur machen in der Zeit, in der es den Durchstich noch nicht gibt. Also muss das 2019 geschafft werden.“ …)