Die Bürgerinitiative „Pro Umfahrung – Contra Amtstunnel“ (BI) hat erhebliche Zweifel daran, dass der Kosten-Nutzen-Faktor, dem das Bundesprojekt B2-Tunnel seinen Einzug in den Bundesverkehrswegeplan 2030 und die Freigabe der Finanzmittel für den Umbau des Nordzulaufs zum Tunnel sowie für das Gesamtprojekt zu verdanken hat, damals wie heute zu Recht ausschlaggebend war. In einem Brief an die BI-Mitglieder erläuterte der Vorstand Ende Juli 2021 seine Bedenken und informierte zum aktuellen Stand. Den Brief haben die Vorsitzenden Klaus Huber und Johannes Glogger, sowie die Vorstandsmitglieder Hans Jochen Diesfeld, Georg Stahl und Carl Peter Altwickler unterschrieben. Beigefügt ist eine Grafik, die hier im Blog nicht dargestellt wird. Sie zeigt laut BI-Vorstand die anbaufreie Verkehrsführung über die Westumfahrung, die Umfahrung von Ober- und Unterbrunn zum Autobahnanschluss der St 2069 an die A 96 und A 99, über die man ampelfrei alle Fernziele auf den von München abgehenden Autobahnen erreicht. Die A 95 führe demgegenüber nur zum Nadelöhr Luise-Kieselbach-Platz, wo man in den Stau am Mittleren Ring eintauche. Hier ist der restliche Brief im Wortlaut:

 

 

„Liebe Mitglieder und Freunde der Bürgerinitiative,

 

Corona bedingte Auflagen untersagen zurzeit Zusammentreffen von mehr als 50 Personen in Innenräumen, wodurch unsere schon länger ins Auge gefasste Mitgliederversammlung aufgeschoben werden muss. Dennoch möchten wir Sie mit nachfolgenden Informationen auf dem Laufenden halten.

Basierend auf unserem Mitgliederbrief vom März 2021 haben sich aus den amtlichen Planungsunterlagen neue Erkenntnisse ergeben, wonach das Tunnelprojekt bereits jetzt auch von amtlicher Seite eingestellt werden müsste.

Worum geht es? Jedes Verkehrsprojekt wird durch einen Nutzen-Kosten-Vergleich bewilligt oder abgelehnt. Mit Eröffnung der Westumfahrung im Dezember 2018 werden etwa 50 % des bisherigen B2-Durchgangsverkehrs die wesentlich schnellere Route über die Westumfahrung St2069 neu und A96 (Lindau-München) nehmen. Über die A96 und den Mittleren Ring erreicht man alle Ziele in München und über den Autobahnring A99 alle Fernziele. Damit halbiert sich der Nutzen des Tunnels, der ohnehin auf 18.000 Kfz/24 Std limitiert ist. Bei der Sondersitzung des Stadtrates am 1. Juli 2021 erklärte das Straßenbauamt, dass die Tunnelbaukosten derzeit bei 320 Mio. € liegen, d.h. mit 25% Planungskosten bei 400 Mio. €. Die Planänderungskosten sind noch nicht beziffert, sodass die Gesamtkosten schnell über 500 Mio. € bei den steigenden Baupreisen landen. Schon jetzt übersteigen diese Kosten in jedem Fall den Nutzen bei weitem, wodurch das Projekt „bauunwürdig“ geworden ist.

Die finanzielle Belastung des Staates und somit seiner Bürger zur Überwindung der Corona-Krise, die noch nicht überstanden ist, sind so immens, dass es unverantwortlich wäre, Verkehrsprojekte, wie den Starnberger Tunnel umzusetzen. Die neue Bundesregierung hat durch diese immense Finanzanstrengung somit die Verpflichtung u.a. sämtliche Verkehrsprojekte im Bundesverkehrswegeplan einer neuerlichen Überprüfung zu unterziehen und unwürdige Projekte, wie dieses, zu beenden. Noch ist der Starnberger Tunnel weder in der Ausführung fertig geplant, noch wurde mit der baulichen Ausschreibung begonnen.

Die verheerenden Unwetterschäden in Bayern, Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen dieser Tage können noch gar nicht beziffert werden. Jetzt gilt es zuerst der betroffenen Bevölkerung die notwendigen Hilfen für Obdach und Hausrat zu leisten, in ca. 3 Monaten beginnt die Kalte Jahreszeit, sowie die Infrastruktur der betroffenen Kommunen für ein funktionierendes Gemeinwesen und Wirtschaftsleben aufzubauen. Hier sind weitere Steuer-Milliarden sinnvoll investiert.

Ein Projekt, wie der Starnberger B2-Tunnel ohne jeglichen Nutzen, ist daher sofort zu beenden. Hierdurch würden nicht nur der Bund, sondern auch die Stadt Starnberg Gewinner sein. Allein die notwendige Berufsfeuerwehr soll jährlich 5 Mio. € kosten, was einem Barwert auf 50 Jahre von ca. 150 Mio. € gemäß den Berechnungen des Bundesverkehrswegeplans 2030 entspricht!

Wie soll das gehen? Wie bekannt nimmt die seit 2018 eröffnete Westumfahrung mit steigender Tendenz, mittlerweile ca. 50% des ehemaligen Durchgangsverkehrs von Starnberg auf und übernimmt in den Fahrzeugzahlen bereits die Funktion einer Bundesstraße! Würde man nun die B2 im Rahmen eines Verwaltungsaktes auf die St 2069 und in Folge auf die A 96 legen, bekäme Starnberg Gestaltungsfreiheit über die Ortsdurchfahrt. Hiermit dürften sich dann auch die vor kurzem demonstrierenden Radfahrer und deren Organisationen berechtigte Hoffnungen auf die geforderten gefahrlosen Radwege machen.

Die BI ist „grüner“ als die Grünen, die für das Tunnelprojekt sind! Seit ihrer Gründung im Jahre 2005 kämpft die BI für die Bürger dieser Stadt für eine lebens- und liebenswerte Innenstadt mit weniger Verkehr und somit gefahrloser Verkehrsflächen für Fußgänger und Radfahrer bei reduziertem Autoverkehr. Mit dem Tunnel, der bekanntlich zusätzlichen, bisher nicht vorhandenen Verkehr in die Stadt zieht, wird dies jedoch illusorisch bleiben, da nach amtlichen Zahlen, auch mit Tunnel, nach wie vor ca. 18.000 Fahrzeuge oberflächig durch die Stadt fahren, die Fahrer, die den Gegenverkehrstunnel meiden, noch nicht hinzugerechnet. Die vorgetragenen Wünsche der STAgenda Verkehr an das Straßenbauamt Weilheim wurden in der Vergangenheit allesamt abgelehnt. Ebenso sind diejenigen der Organisatoren der Radl-Demo unerfüllbar. Das Problem ist die Klassifizierung der Ortsdurchfahrt als Bundesstraße. Eine optimierte „Grüne Welle“ dominiert den Binnenverkehr und saugt zusätzlichen Durchgangsverkehr in die Stadt. Da ist für Radfahrer und Fußgänger einfach kein Raum, siehe auch Umbau der Münchner Straße bzw. der nördlichen Zulaufstrecke. Die Bundesstraße muss raus aus der Stadt und versuchsweise auf die Westumfahrung zur A 96 verlegt werden. Erst dann kann man den Verkehr auf der Ortsdurchfahrt beruhigen und deren Rückbau forcieren.

Tunnel muss weg – B2 muss raus

Der Bundestagswahlkampf beginnt nun. Parteien und Einzelpersönlichkeiten kämpfen um Ihre Stimme. Nützen Sie jede Gelegenheit eines Kontaktes und fragen Sie nach der Einstellung zum Projekt Tunnel und sagen Sie Ihre Meinung. Auch wir informieren die Kandidaten mit Fakten über die Nutzlosigkeit des Tunnels und das mit dem Projekt verbundene vielschichtige unabwägbare Risiko. Das Tunnelprojekt muss eingestellt werden!

Wir informieren Sie rechtzeitig vor der Wahl, welche der Kandidaten dazu bereit sind.“