In der ersten seit Beginn der Corona-Pandemie wieder möglichen geschlossenen Mitgliederversammlung wurde die langjährige FDP-Stadträtin Iris Ziebart einstimmig zur neuen Vorsitzenden des Bürgervereins „Schöner zum See“ (SzS) gewählt. Sie löst damit Maximilian Ardelt ab, der sein Amt aus gesundheitlichen Gründen nicht weiter ausüben möchte. Ardelt sitzt aber nach wie vor für die WPS im Stadtrat. Er gehört auch dem Verhandlungsteam des Rates bei den Auseinandersetzungen mit der Deutschen Bahn an, die die Stadt wie berichtet wegen Nichterfüllung des 1987 geschlossenen Vertrags zu einem Schadensersatz in Höhe von 170 Millionen Euro verklagt hat (siehe auch Seeanbindung Neustart). Außer beim Vorsitz gab es keine personellen Änderungen am SzS-Vorstand. Ziebart’s Stellvertreter ist Günther Krawitz, Schriftführer Michael Schildbach und Thomas Ammerschläger bleibt für die Finanzen des Vereins zuständig. Neu ist, dass der Vorstand von einem Beirat beraten wird, dem in Zukunft Ardelt, der ehemalige WPS-Stadtrat Markus Mooser und Bernd Stecher angehören.

In seinem Rechenschaftsbericht fasste Ardelt nochmals die Ziele des Vereins zusammen: Neugestaltung der Seeanbindung mit einer größeren, schöneren und unbebauten Seepromenade, die Reduzierung der Gleisanlagen mit Verlegung des Abstellgleises aus dem Sichtfenster zwischen Stadt, See und Gebirge hinaus, somit ein Bahnhofsumfeld mit freiem See- und Bergblick und eine städtebauliche Umgestaltung der Bahnhofsstraße zu einem attraktiven zentralen Platz der Stadt Starnberg. Der scheidende Vorsitzende erinnerte an die zahlreichen Planungen, Absichtserklärungen und Verhandlungen mit der Bahn seit Jahrzehnten, bei denen es im Kern zu allererst um die im Vertrag von 1987 festgelegten Parameter ging: Veränderung der Gleisradien, damit die Züge mit Tempo 80 durch die Stadt fahren können (heute besteht die Bahn angeblich nicht mehr auf diesem Tempo sondern gibt sich auch mit Tempo 60 zufrieden), Neubau und Verlagerung der Bahnsteige, Übertragung der von der Bahn betrieblich nicht mehr genutzten Flächen an die Stadt sowie den Neubau eines Bahnhofs, der als „Bahnhof Nord“ längst realisiert ist. Die verschiedenen Stadträte konnten sich in keiner der abgelaufenen Amtsperioden auf die eine richtige Lösung verständigen. Ein unter Bürgermeisterin Eva John begonnenes Mediationsverfahren zwischen Stadt und Bahn beendete die Bahn im Sommer 2020 wegen angeblicher „Aussichtslosigkeit“. In der Folge schob das Unternehmen seine 170-Millionen-Euro-Klage gleich hinterher, die im Moment aber ruht, weil der amtierende Bürgermeister Patrick Janik neue Vergleichsgespräche führt. Die liefen „erstaunlich konstruktiv“, würden sich aber sicherlich noch lange hinziehen, berichtete Ardelt. Mehr durfte er nicht verraten, weil die Gespräche wie bisher stets hinter verschlossenen Türen stattfinden.

Gleichwohl hat sich SzS nie damit abgefunden, dass in der langen Zeit bis zu einer Einigung mit der Bahn über die künftige Gleislage im Umfeld des inzwischen der Stadt gehörenden Bahnhofsgebäudes am See und an der Seepromenade keine gestalterischen und funktionellen Verbesserungen durchgeführt wurden und werden. Im Gegenteil, es wurde immer schlimmer, besonders seit die Bahn vor zehn Jahren die Dächer auf den Bahnsteigen demontiert hat. Die Barrierefreiheit fehlt nach wie vor und kann nach Auskunft von Bahnverantwortlichen nicht aus Fördermitteln des Staates hergestellt werden, weil sich die Stadt Starnberg in dem Vertrag aus 1987 dazu verpflichtet hat, alle Kosten für die Erneuerung der Bahnanlagen allein zu bezahlen. Ardelt erinnerte an die Petition, die der Starnberger Stefan Zeil auf den Weg gebracht hat und weiter verfolgt (Petition “Dach und Aufzug…”). Zeil äußerte sich gespannt, wie es nach der Regierungsneubildung im Berliner Bundesverkehrsministerium weiter geht. Nach den Worten des bisherigen SzS-Vorsitzenden stehen in den nun laufenden Verhandlungen mit der Bahn Lösungen im Raum, mit denen der Neubau der maroden Bahnsteige und des Abstellgleises nicht mehr die Kernanliegen des Vereins (möglichst guter See- und Bergblick) beeinträchtigen würden. Doch bei der kurzfristigen Beseitigung der unhaltbaren Zustände am Seebahnhof sei trotz Unterstützung von Bürgermeister Janik nach wie vor kein Fortschritt absehbar.

Ardelts Fazit: SzS muss weiter für eine attraktive Seeanbindung kämpfen, was auch seine Nachfolgerin Ziebart nachdrücklich betonte. Schließlich sei dieser Seebahnhof „die Keimzelle dieser Stadt und Identifikationsmerkmal für die Bevölkerung.“ Man müsse aufzeigen, was für einen Warenwert eine gute Gestaltung für die Bürgergesellschaft und die Wirtschaft habe und den Wunsch der Bevölkerung berücksichtigen, dass die historische Ansicht Starnbergs vom See aus erhalten bleiben solle, so Ziebart. Was unabhängig von den Veränderungen an den betrieblichen Erfordernissen der Bahn möglich wäre, dazu hatte der Verein den pensionierten Regierungsbaumeister, Architekt und Stadtplaner Armin Keller um einen Vortrag gebeten. Er war bis 2020 Leiter des Referats Städtebauförderung im Bayerischen Staatsministerium für Bau, Wohnen und Verkehr. Außerdem hatte der Verein wie berichtet die zuständige Ministerin Kerstin Schreyer um Hilfe gebeten. Lesen Sie dazu den vorherigen Artikel.

Keller ließ gar keinen Zweifel, dass er es für sicher hält, dass die Stadt Starnberg Mittel aus der Städtebauförderung erhalten kann, wenn sie sich der Sanierung des denkmalgeschützten Bahnhofsgebäudes sowie der Umgestaltung von Stadt- und Seepromenade widmet. Er führte zahlreiche Beispiel von gelungenen Projekten in Bayern und ganz Deutschland an, darunter den erst jüngst ausgezeichneten Bahnhof von Altötting. „Das Bahnhofsgebäude in zentraler Lage ist der klassische Fördergegenstand“, so Keller. In der anschließenden Diskussion mit Mitgliedern und Gästen von SzS machte er aber auch deutlich, dass der Bauherr, sprich die Stadt und ihre politischen Gremien, zu allererst einmal wissen müssen was sie wolllen und dies dann auch politisch so entscheiden. Er riet auch zu einer umfangreichen Bürgerbeteiligung im Lösungsfindungsprozess. Vieles davon ist in Starnberg bekanntlich schon gelaufen, hat aber zu keinen positiven Veränderungen geführt. Ziebart brachte es auf den Punkt: „Ohne Bahn können wir gar nichts machen, heißt es von Seiten der Starnberger Politik.“ Und in jeder neuen Stadtratsperiode fange man von vorn an. Unter den Gästen des Abends waren auch mehrere Starnberger Architekten. So bemängelte Marco Goetz: „Die Stadt Starnberg hat die Tendenz an großen Aufgaben zu scheitern, weil sie nur schwer zur Einigkeit findet.“ Seiner Ansicht nach könnte der Uferbereich der Stadt schon lange ein viel ansprechenderes Gesicht haben, wenn man den Mut gehabt hätte, immer wieder Teilbereiche zu verbessern. Keller antwortete, so etwas funktioniere, man brauche als Grundlage nur ein Gesamtkonzept. Katrin Hootz riet, alle beteiligten Grundstückseigentümer – „Mitspieler“ – an einen Tisch zu bringen.