Die Zusammenstellung der Ergebnisse der genaueren Untersuchungen des Zustands des einstigen Nobelhotels Bayerischer Hof liest sich wie ein Buch zum Gruseln:

  • gravierend statische Mängel
  • erhebliche brandschutztechnische Bedenken gegen die Weiternutzung als Beherberungsstätte
  • die Elektroanlage in Teilen nicht mehr zulässig und von der Anlage geht eine hohe Gefährdung aus
  • die Warmwasserversorgung musste wegen Kontamination mit Legionellen stillgelegt werden
  • Heizung-Lüftung-Sanitär zeigt einen Sanierungsbedarf von rund zwei Millionen Euro brutto ohne Nebenkosten
  • aus fachlicher Sicht ist eine Lebensmittelproduktion in den küchentechnischen Einrichtungen erst wieder nach umfangreichen Sanierungsarbeiten und Herstellung der gesetzlich erforderlichen Bedingungen möglich
  • einzelne Bereiche sind wegen der Gefahr der Ablösung von Putzteilen zu sperren. Zum Thema  Rissbildung: „Da dies auf eindringende Feuchtigkeit von oben zurückgeführt werden kann wird empfohlen, baldmöglichst eine Sanierung der Dachhaut vorzusehen.“

Fazit: „Unter Berücksichtigung der oben genannten Themen ist eine kurzfristige Wiederaufnahme der Betriebs des Bayerischen Hofe und  griechische Taverne ausgeschlossen.“

Da fragt man sich schon, wie die Eigentümer dieses denkmalgeschützten Gebäudes mit diesem in der Vergangenheit umgegangen sind, dass es so weit kommen konnte. Wir erinnern uns: Dass die Dachhaut saniert werden muss, ist seit 2011 bekannt und wurde vom damaligen Bürgermeister Ferdinand Pfaffinger und seiner Stadtratsmehrheit abgelehnt (siehe Bayerischer Hof: Opfer der Seeanbindung?) Sie wollten das Gebäude schon damals am liebsten verkaufen und den Erlös in die von ihnen geplante Seeanbindung stecken.

Der neue Bürgermeister Patrick Janik will diese Seeanbindung ebenfalls. Dafür benötigt er viel Geld. Deshalb steht es für ihn und die aktuelle Stadtratsmehrheit überhaupt nicht zur Debatte, selbst finanzielle Mittel in die Hand zu nehmen, um den Zustand des Bayerischen Hofes zu verbessern. Lieber wird, wie schon mehrfach geschehen, über einen neuerlichen Wettbewerb ein Investor gesucht, der, trotzdem ihm die Grundstücksflächen nur im Erbbaurecht übertragen werden sollen, ein Konzept auf den Tisch legt, was mit diesem Areal und der benachbarten – laut Untersuchung nicht in ganz so bedauerlichem Zustand befindlichen – Immobilie der Alten Oberschule angefangen werden könnte. Möglich sollen sein weiter ein Hotel, gewerbliche Nutzung und Wohnungen. Für den Wettbewerb waren schon im diesjährigen Haushalt der Stadt 400000 Euro eingestellt. Aktuell kommt noch einmal ein ordentlicher Betrag drauf, denn es muss ja ein Büro gefunden werden, das den Wettbewerb vorbereitet und begleitet (siehe Bayerischer Hof bleibt in Warteschleife und Jetzt ein Konzeptwettbewerb). Das städtische Bauamt ist nach den Zeitungsberichten der letzten Wochen viel zu überlastet, als dass es das selbst leisten könnte. Zehn Bewerbergemeinschaften aus Investor, Architekt und Landschaftsarchitekt sollen eingeladen werden für das vorgeschaltete Bewerberverfahren. So der Beschluss vom Bauausschuss letzten Donnerstag und Stadtrat gestern Abend.

Derweilen kann sich der Zustand des bedauernswerten Gebäudes nur weiter verschlechtern. Wie man an obiger Aufzählung sehen kann, hat es in der Zeit seit der von Stadt und Landkreis verfügten Schließung nochmals ordentlich gelitten. Diese Entwicklung droht in dem an historischen Gebäuden inzwischen so armen Starnberg voraussichtlich auch noch anderen markanten Immobilien: Der Musikschule, deren Sanierung die Stadtratsmehrheit gestoppt hat, der Schlossbergschule, die laut gestrigem Beschluss zu Gunsten eines Neubaus aufgegeben werden soll, und dem ebenfalls seit Jahrzehnten vor sich hindümpelnden Seebahnhof. In allen Fällen ist die Stadt Eigentümer. Denkmalgeschützt sind nur der Bahnhof, die Alte Oberschule und der Bayerische Hof. Der Denkmalschutz rettet aber nichts, denn wenn das Gebäude ausreichend verfallen ist, ist es auch kein Denkmal mehr. Dann bleibt nur noch der Abriss. Dafür aber dürfen in den Augen der Immobilienmänner und -frauen die Euro-Zeichen blinken. Denn die dann freien Grundstücke lassen sich trefflich vermarkten. Armes Starnberg.