Was könnte in absehbarer Zeit in Starnberg im öffentlichen Raum liebenswerter werden und die Bürger begeistern? Mit dieser Frage haben sich Starnberger Architekten befasst und konkrete Vorschläge vorgestellt.

Als Satellit der siebten Architekturwoche A7 des Bund Deutscher Architektinnen und Architekten BDA München-Oberbayern unter dem Motto „Stadt:Leben“ hatten die beiden Starnberger Architekten Walter Waldrauch (Büro „Raumstation“) und Marco Goetz ihre hier ansässigen Kollegen eingeladen, sich Gedanken darüber zu machen, Orte in der Stadt, die sie besonders, schön oder verbesserungsfähig finden,  mit einem konkreten, überschaubaren Eingriff in den öffentlichen oder privaten Raum zum Positiven zu verändern oder zu beschreiben, was sie schätzen und erhalten wollen. Man traf sich diese Woche am Mittwochabend unter den Arkaden des denkmalgeschützten Bahnhofs See. Eine ganze Reihe von Beiträgen wurden vorgestellt. Am Donnerstag fand die Veranstaltung ihren Abschluss mit einer Finissage am gleichen Ort.

Waldrauch und Goetz erhoffen sich eine Art Drehbuch zu einer kleinteiligen, an die Gegebenheiten angepassten Stadtverbesserung. Nicht Kritik an langwierigen Großplanungen wie Seeanbindung oder Tunnel sollte geübt werden, sondern ein Gefühl von Machbarkeit und Wertschätzung unter den Starnberger Bürgern erzeugt werden. Deshalb der optimistische Titel: „Es wird einmal“. Der Moment sei günstig, weil rund um den Seebahnhof mit der Aktion „See and the City“ gerade ein Großversuch zur Umgestaltung des Bahnhofsareals laufe und damit eine hohe öffentliche Aufmerksamkeit einher gehe, so Waldrauch und Goetz.

Hier die Vorschläge für Projekte, für die sich unter Umständen sogar private Investoren erwärmen könnten. „Die sind in der Regel nur dann bereit Geld zu geben, wenn man ihnen ein höheres sinnvolles Ziel aufzeigt und Aussicht auf Realisierung in absehbaren Zeiträumen besteht“, gab den Veranstaltern Sven Radtke von der Immobilien GmbH „Radtke Essler“ mit auf den Weg. Ohne das werde man keinen finden, der investiert.

  • Die Loggia des Seebahnhofs, auch als Arkaden auf der Stadtseite zu bezeichnen, will Marco Goetz als ursprünglichen Raum mit städtischer Atmosphäre wieder erlebbar machen. Die Wände weiß statt dem heutigen Rot streichen, Innenleben und Umfeld gründlich säubern, wertvolle Säulen und ihre Kapitelle frei legen und sieben neue Leuchten installieren. „Die Menschen würden diesen Raum benutzen, empfinden: Der ist wie für mich gemacht. Das kann man völlig losgelöst von anderen Plänen machen. Da muss man nicht in Perfektionismus verfallen“, so Goetz.
  • Iris Ziebart machte nicht nur Werbung für den schmalen Weg entlang der Schlossgartenmauer oben auf dem Schlossberg – „Da ist es sooo… schön“ – sondern warb zum wiederholten Mal dafür, die „ziemlich bucklige“ Beton-Rampe westlich der Dampferstege gegenüber der Bahnhofsunterführung durch Sitzstufen zu ersetzen. Dort könne dann jeder, der es will, seine Füße ins Wasser hängen.
  • Christoph Sattler möchte durch den Bau von sechs bis acht unterschiedlichen Häusern „im Starnberger Jugendstil“ entlang der Gleisanlagen östlich des Bahnhofsgebäudes Starnberg ein Stadttor geben.
  • Michael Ziller hat sich einen „Starnberger Seeplatz“ ausgedacht. Zu allererst müsse man dem durchaus schönen Park an der südlichen Seepromenade mit dem Löwen, der Baumallee und „vielen feinen Qualitäten“ endlich einen Namen geben, denn bisher sei er namenlos. Es fehle dort der mögliche Kontakt zum Wasser für die Besucher, weshalb Ziller die Anlage einer an die Promenade angelehnten „Insel“ empfiehlt, mit Sitzstufen zum Wasser. Wo die Starnberger morgens schwimmen gehen könnten oder sich ganz ohne Konsumzwang am See treffen und aufhalten. „So könnte der Flirt der Stadt mit dem Wasser aufgenommen werden“, sagte Ziller.
  • Walter Waldrauch stellt sich ein „Intermezzo im Schlossgarten“ vor. Das viele dort vorhandene Schöne müsse nur durch ein paar Zusatzfunktionen ergänzt werde. Zum Beispiel durch ein kleines Cafe am ehemaligen Schachplatz, Tische und Stühle, die jeder an seinem Lieblingsort aufstellen könnte, Markisen, die die schon vorhandenen Überdachungen verbreitern, eine lauschige Bank im Türmchen und ein Dach auf dem Aussichtsturm,“ mit Leuchtschrift als Impuls runter in die Stadt“.
  • Goetz erzählte zum Schluss von seinem Ärger, wenn er im Kiosk neben der Bahnhofsunterführung seinen Kaffee trinke und feststellen müsse, dass er von dort aus, obwohl doch so nah, den See nicht sehen könne. Der Ausblick sei nämlich durch große Schilder, das fast nicht mehr genutzte Häuschen der Seenschiffahrt, Geländer und Büsche sowie andere Einbauten komplett verstellt. „Zugänglichkeit und intensive Nutzung wird unsere Zukunft sein“, prognostizierte Goetz mit Hinweis darauf, dass die nördliche Promenade heute ganz anders genutzt werde als früher. Heute wollten die Leute dort schwimmen und Stand-Up-Paddler an Land gehen. Störend seien da außerdem die mittendrin liegenden Dampferstege, die die Promenade in Drittel teile und eine ausgesprochene Verdichtung an Nutzungen mit sich bringe. Er könnte sich die Dampferstege besser am Seespitz vorstellen. Wenn die nächste Sanierung der Stege anstehe, sollte die Schifffahrt darüber doch einmal nachdenken. Auch darüber, ob die Stege wirklich in den langen Wintermonaten für die Allgemeinheit gesperrt sein müssen.
  • Waldrauch bat noch um Unterstützung für einen „stillen Protest“. Er möchte sich demnächst „bewaffnet“ mit einer Thermoskanne mit Kaffee und einem Stuhl vor der Kreissparkasse dorthin setzen, wo man früher im Cafe Moro gemütlich sitzen konnte und sich heute stattdessen ein Bekleidungsladen befindet. Der ist für Waldrauch dort auf jeden Fall nicht das Richtige im Umfeld des Kirchplatzes.

Goetz schloss die Veranstaltung mit den Worten, er habe das Gefühl, es müsse mehr gekämpft werden, dafür, dass Starnberg ein noch attraktiverer Ort wird: „Es ist allerhöchste Zeit, dass wir in die Puschen kommen!“