Starnberg hat einen hochengagierten, vielseitig interessierten, mutigen und äußerst sachkundigen Menschen und Politiker verloren.

Am Dienstag, dem 28. Juli 2022, ist Professor Dr. Günther Picker im Alter von 77 Jahren verstorben. Er gehörte ab 2008 etwas mehr als 12 Jahre als Vorsitzender der aus der Bürgerinitiative „Pro Umfahrung – Contra Amtstunnel (BI)“ hervorgegangenen „Wählergemeinschaft Pro Starnberg (WPS)“ dem Starnberger Stadtrat an. Wären gesundheitliche Gründe nicht dazwischen gekommen, hätte er sein bei der Kommunalwahl 2020 erneut gewonnenes Mandat vermutlich bis zu seinem jetzt überraschenden Tod ausgeübt. Denn Picker war ein ausgesprochen geradliniger Mensch. Er vertrat die Sache, um die es ihm ging, durchaus mit einer gewissen Härte. Seine auf diese Weise sorgsam verborgene, fast liebevolle Zuneigung zu seinem Heimatort entdeckte nur, wer bereit war sich um einen Blick hinter die Fassade zu bemühen. Vor fast zwei Jahren trat Picker von allen politischen Ämtern zurück.

Er hätte es nicht nötig gehabt, sich am Ende seines Berufslebens in die Niederungen der Kommunalpolitik zu begeben. Ab 1975 war er 37 Jahre lang geschäftsführendes Vorstandsmitglied des Bayerischen Bankenverbandes gewesen, ging bei den für die Bankenwelt wichtigen Vertretern ein und aus und gab seinen Rat, besonders in der Finanzkrise 2008. Er erhielt Auszeichnungen wie das Verdienstkreuz 1. Klasse der Bundesrepublik Deutschland und den Bayerischen Verdienstorden sowie die Staatsmedaille für besondere Verdienste um die bayerische Wirtschaft. Nebenbei pflegte er ein ebenfalls zeitaufwendiges „Hobby“, hielt nämlich als Honorarprofessor Vorlesungen über „Kunst und Recht“ an der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg und verfasste zahlreiche Fachbücher zum Kunst- und Antiquitätenrecht.

In Starnberg war aber in der Ära von Altbürgermeister Ferdinand Pfaffinger der alte Streit um Tunnel oder Umfahrung neu entbrannt. Die BI hatte sich gegründet. Picker schloss sich den Gegnern des B2-Tunnels an, plädierte mit Nachdruck für die Vorzüge einer Umfahrung Starnbergs. Er war maßgeblich daran beteiligt, dass sich die BI mit der WPS einen politischen Arm gab und fortan im Stadtrat mitentscheiden konnte. Den bisher tonangebenden Juristen auf der Seite der Tunnelfreunde bot er nun als einziger Jurist auf Seiten der Umfahrungsbefürworter Paroli. Das war neu im Stadtrat. Genauso, dass da außer dem ebenfalls schon verstorbenen Adi Herrmann von der Bürgerliste noch jemand mit dem gesunden Menschenverstand argumentierte. Die Auseinandersetzungen zwischen dem gebürtigen Ostfriesen Picker, Pfaffinger sowie Stadträten von CSU und UWG sind inzwischen legendär. „Man muss polarisieren, sonst verstehen die Menschen nicht, was man will“, hat Picker einmal gesagt und stets danach gehandelt.

Für seine Mitstreiter war er dagegen ohne Ausnahme der verlässliche Partner. „Dinge, die man begonnen hat und für die man Verantwortung übernommen hat, werden zu Ende gebracht“, lautete sein Credo. So stand er auch unverbrüchlich bis zum Schluss an der Seite der von einer Stadtratsmehrheit mit allen Mitteln bekämpften und 2020 aus dem Amt gedrängten Bürgermeisterin Eva John, die das Amt der Rathauschefin 2014 nicht zuletzt mit Unterstützung der WPS gewonnen hatte. Er hielt es mit Antoine de Saint-Exupéry: „Du bist zeitlebens für das verantwortlich, was Du Dir vertraut gemacht hast.“ Besonders deshalb traf ihn der Vertrauensbruch von fünf Stadträten, die als Umfahrungsbefürworter mit ihm gemeinsam zur Wahl angetreten, dann aber 2017 ins Lager der Tunnelfreunde gewechselt waren, ganz persönlich und verletzte ihn tief. Freundschaften sind daran zerbrochen. Weniger bedeutete ihm, dass die CSU, in die ihn Franz-Josef Strauß geholt hatte, als Strafe dafür, dass er als CSU-Mitglied für eine andere Gruppierung erfolgreich kandidiert und politisch gearbeitet hatte, aus ihren Reihen ausschloss. Das sei ihm „wumpe“, lautete seine Reaktion.

So hatte er mehr Zeit für seine Familie, seine Frau Birgit, seine vier Kinder und acht Enkelkinder. Picker war ein ausgesprochener Familienmensch, nahm großen Anteil an der Entwicklung der Enkel und liebte Unternehmungen sowie Gespräche mit ihnen. Der Familie wird er nun ganz besonders fehlen.

Die Trauerfeier für Professor Dr. Günther Picker findet am Freitag, 8. Juli 2022 um 11 Uhr im Waldfriedhof Starnberg statt.