Eine Presseerklärung der „textbau.media“:

moosaik – das verbindende Quartier: 

 

Votum für die Vielfalt: Stadtrat billigt Konzept für Quartiersentwicklung einstimmig

 

Mit einem einstimmigen Votum hat der Starnberger Stadtrat das städtebauliche Konzept für moosaik – das verbindende Quartier gebilligt. Im Rahmen des Beschlusses wurde die Verwaltung darüber hinaus beauftragt, die Planungen für den Steg über die Münchner Straße fortzuführen. Um ein weitgehend autofreies Quartier zu ermöglichen, hat der Stadtrat auch für das Mobilitätskonzept grünes Licht gegeben. 

 

Der Starnberger Stadtrat hat die Vorarbeit der Initiatorengruppe für moosaik – das verbindende Quartier am Donnerstag, den 21. Juli 2022 im Bauausschuss mit einem einstimmigen Votum gewürdigt. Das durch Stadtbaumeister Stephan Weinl vorgestellte städtebauliche Konzept wurde seit der letzten Behandlung im Stadtrat vor rund einem Jahr insbesondere im Bereich Wohnen und Landschaftsplanung vertieft und weiterentwickelt. “Es wurde ein halbes Jahr intensiv am Städtebau gearbeitet und wir haben ein sehr gutes Ergebnis”, erklärt Stephan Weinl. Die Herausforderungen bei der Freiraumplanung sowie hinsichtlich der Verschattungen und emissionsfreier Wohnlagen konnten von den Architekten gelöst werden.

Auch Starnbergs Erster Bürgermeister Patrick Janik zeigt sich sehr zufrieden mit der Entwicklung der Planungen. “Die hohen Ansprüche der Initiatoren mit den komplexen Anforderungen an Nutzung und Gestaltung verlangen von den Planerinnen und Planern für moosaik nichts weniger als ein wahres Meisterstück für Städtebau. Von der dafür versammelten Exzellenz profitieren wir alle. Mit dem hochrangig besetzten Gestaltungsbeirat und den renommierten Architekturbüros wurde ein städtebauliches Konzept entwickelt, das zweifelsfrei als Vorbild für zukunftsfähige Quartiere gelten kann. Ich freue mich, dass das Projekt auf dem richtigen Weg ist, um die schöne Visionen auch Realität werden zu lassen”, so Bürgermeister Janik.

Lebendige Vielfalt nach dem Vorbild des Werksviertels  

Ein neues Quartier zu schaffen, das sowohl tagsüber als auch abends von Leben erfüllt ist und dadurch ein beliebter Ort wird, hört sich in der Theorie einfach an, ist in der Praxis aber eine große Herausforderung. In vielen Neubaugebieten kann man beobachten, dass diese Herausforderung nicht leicht zu meistern ist: oft entstehen Schlafstädte, die tagsüber leer gefegt sind oder Geschäftsviertel, die abends und am Wochenende ausgestorben sind.

“Die Trennung von Arbeiten, Leben und Wohnen ist schon längst nicht mehr zeitgemäß”, sagt Architekt Prof. Johannes Ernst. Mit seinem Büro steidle architekten hat er den Masterplan für das Münchner Werksviertel entwickelt. Die vielfältige Mischung der Nutzungen auf dem ehemaligen Gelände der Pfanni-Werke gilt heute europaweit als Vorzeigeprojekt einer Stadt der kurzen Wege. “Wir bringen gerne unsere Erfahrung ein, um auch in Starnberg die richtige Mischung und Anordnung der Nutzungen zu finden. Nur mit Vielfalt kann man ein Viertel schaffen, in dem sich die Menschen wohl fühlen. Denn dort wo sich Menschen aufhalten, kommen auch andere Menschen dazu. So entsteht ein lebendiges Quartier, das nachhaltig funktioniert”, so Prof. Ernst, der an der TU Darmstadt das Institut für Entwerfen und Wohnungsbau leitet und für die klare Strukturierung und zugleich Flexibilität seiner Planungen bekannt ist. Es gehe ihm darum, für die späteren Nutzungen bewusst Freiräume zu bewahren, die im Entstehungsprozess Platz für Individualität lassen.

Neben steidle architekten hat die Initiatorengruppe um die Familien Houdek, Baasel und Scherbaum mit Maier Neuberger Architekten und Riepl Kaufmann Bammer Architekten zwei weitere Büros hinzugezogen. So wird das von Klaus Kehrbaum entwickelte Konzept mit verschiedenen Schwerpunkten gemeinsam geschärft. Durch die unterschiedlichen Handschriften der Büros soll die inhaltliche Diversität des Viertels auch gestalterisch sichtbar werden.

 

Nachhaltige Quartiersentwicklung 

Aus dem Kreis der Initiatoren gibt es große Anerkennung für die Leistungen der Architekten-Teams. Susy Baasel ist selbst Architektin und legt ein großes Augenmerk auf die bunte Vielfalt im Viertel. Das nun einberufene Kollektiv aus Architekten steht für sie auch für einen zeitgemäßen Ansatz der Quartiersplanung. “Ich bin davon überzeugt, dass ein lebendiges Stadtquartier nur in mehreren Köpfen gedacht und entwickelt werden kann. Deshalb bin ich sehr froh, dass wir das Team für moosaik im vergangenen Jahr um die gewünschten Partnern erweitern konnten”, so Susy Baasel.

Prof. Ernst sei es andernorts bereits gelungen, aus einem tristen Gewerbegebiet ein lebendiges Viertel zu machen, betont Susy Baasel: “steidle architekten sind grandiose Städtebauer und haben im Werksviertel gezeigt, was alles möglich ist und wie man eine Stadtbrache mit bunten Leben füllen kann.”

Auch das Thema Nachhaltigkeit der Gebäude nimmt Susy Baasel durch ihren fachlichen Hintergrund sehr ernst. Aus ihrer Wahlheimat Wien hat Susy Baasel zum Beispiel das Büro Riepl Kaufmann Bammer mitgebracht. Die Österreicher haben eine besondere Expertise im Bauen mit Holz. Ein Material, das im moosaik einen besonderen Stellenwert haben soll. Auch den Wohnungsbau könne das Büro mit seinen Referenzen befruchten. “Wien ist sicherlich im Wohnbau eine der führenden Städte in Europa”, betont Susy Baasel.

Das vierte nun beteiligte Büro, Maier Neuberger Architekten, überzeugte die Initiatoren mit seiner Klarheit: “Das Büro denkt wunderbar strukturiert und macht klare, im besten Sinne einfache Architektur”, hebt Susy Baasel hervor. Es ist ein großes Glück für uns, nun in einem so vielfältigen Team zu diskutieren und Ideen entwickeln zu können. Denn unserem Ziel, ein wirklich gutes Quartier zu schaffen, können wir nur im Kollektiv näher kommen.

Viel Anerkennung fand im Stadtrat auch das weiterentwickelte Konzept der Grünplaner. Das Berliner Büro TOPOTEK1 widmete sich den Fragen, wie kann neues Grün in einem Quartier entstehen, das sowohl zur umliegenden Natur als auch zur urbanen Dichte im Neubau passt? Wie können sich Pflanzenarten harmonisch in die natürliche Umgebung eingliedern und gleichzeitig auf die Herausforderungen des Klimawandels vorbereitet sein?

Laut dem landschaftsplanerischen Konzept von TOPOTEK1 gilt es, die ortsspezifischen Identitäten, die erkennbaren Eigenheiten des Viertels, und den benachbarten Naturraum über eine zeitgemäße und nachhaltige Konzeption in Einklang zu bringen. Das neue Quartier gliedert sich in Bereiche mit verschiedenen Nutzungen – bei den Architekten spricht man von „unterschiedlichen Programmierungen“. Eine das Wohnquartier im Norden säumende grüne Achse führt den Landschaftsraum des Leutstettener Moos als ‚Moosachse‘ in westlicher Richtung fort. Die Bepflanzung der Achse orientiert sich mit Erlen, Weiden und Eschen am bestehenden Lebensraum des Landschaftsschutzgebiets. Weitere Moosgärten sowie durch die Starnberger Birkenwälder inspirierten Birkenhaine erweitern und stärken die ‚Moosachse‘ im Quartier. Eine mehr städtisch angelegte Bepflanzung prägt den Grünraum der Quartiersmitte aus der westlichen Richtung der Stadtseite kommend mit so genannten Klimabäumen, die auch den zukünftigen, erschwerten Bedingungen unter Hitze und Trockenheit gewachsen sind.

 

Steg und Stellplätze: Weichenstellung für wichtige Bausteine des Konzepts 

Im Rahmen der Bauausschusssitzung hat sich Stadtbaurat Stephan Weinl auch die Zustimmung für das von den Initiatoren ausgearbeitete Mobilitätskonzept abgeholt. Um eine autofreie Oberfläche zu erreichen, sollen die Autos im Untergrund verschwinden. Zwei unterirdische Ebenen erscheinen nach den nun beschlossenen Plänen ausreichend für eine gute Versorgung des Quartiers. Ginge es nach der Stellplatzsatzung, müssten bis zu vier Ebenen vorgesehen werden. Das sei wirtschaftlich, technisch vor allem aber auch ökologisch im Sinne der Ressourcenverbrauchs für Stahl und Beton nicht zielführend, so Weinl. Mit dem von stattbau ausgearbeiteten Konzept gibt der Stadtrat nun grünes Licht für einen reduzierten Stellplatzschlüssel im neuen Quartier. Die nicht gebauten Stellplätze können demnach abgelöst werden, die dafür aufgebrachte Summe wiederum zur Förderung der Alternativen für Mobilität genutzt werden wie Sharing-Angebote, die Einrichtung von Shuttle-Bussen und den Ausbau der Rad- und Fußwege

Ein Übergang vom autofreien Quartier direkt zum See – ohne Ampel.

Der Steg über die Münchner Straße hat viele Befürworter*innen, seit die Vision des “verbindenden Quartiers” im Dezember 2019 im Stadtrat erstmals präsentiert wurde. Mit dem nun bestätigten Beschluss erhält die Verwaltung den Auftrag, eine mögliche Einbeziehung des staatlichen Grundstücks am Landratsamtes intensiv zu sondieren und in Verhandlungen mit dem Freistaat einzutreten. Die Expert*innen sind sich einig: Ein neuer Steg könnte Fußgänger*innen und Radfahrer*innen sicher über die viel befahrene Münchner Straße bringen und würde der Mitte des neuen Stadtquartiers einen zusätzlichen Impuls geben, wo der Steg auf einem belebten Platz mit Spielbrunnen auslaufen könnte.

Nächster Meilenstein: Offenlegungsbeschluss 

Die Weiterentwicklung der Planungen erfolgte im Anschluss an die frühzeitige Bürger- und Trägerbeteiligung. Am 22. Juli 2021 hatte der Starnberger Stadtrat den Aufstellungsbeschluss für moosaik – das verbindende Quartier verabschiedet, in deren Folge eine sechswöchige Offenlegung stattfand. Im Anschluss an den nun erfolgten Beschluss beginnen die Ausarbeitungen für die nächste Offenlegung, die voraussichtlich Ende 2022 oder Anfang 2023 durchgeführt werden kann.

“Wir freuen uns, dass die Abstimmung zwischen Politik, Verwaltung, Expertenrat,  Initiatorenkreis und unter uns Planenden so konstruktiv geführt wird”, betont Architekt Klaus Kehrbaum. “Die gute Zusammenarbeit ist ein wichtiges Fundament, damit die hohen Ansprüche an ein nachhaltig funktionierendes Quartier Wirklichkeit werden. Ich freue mich auf die nächsten Schritte in Richtung dieses grünen und bunten Viertels zum Arbeiten, Leben und Wohnen am Starnberger See.”

 

Fakten auf einen Blick:  

Name: moosaik – das verbindende Quartier

Initiatoren: Familien Baasel, Houdek, Scherbaum

Lage: östlicher Ortseingang Starnbergs; zwischen Moosstraße, Petersbrunner Straße und Münchner Straße

Größe des Areals: 3,5 Hektar

geplante Geschossfläche: ca. 80.000 qm

Nutzungen: Gewerbe, Praxen, Hotellerie, Gastronomie und sonstige Nutzungen inklusive einer Kita und möglicher öffentlicher Einrichtungen, Wohnraum für breite Bevölkerungsschichten, darunter auch besondere Wohnformen wie zum Beispiel Wohnen im Alter inklusive Pflege

Architekten: Kehrbaum Architekten, Maier Neuberger Architekten, Riepl Kaufmann Bammer Architekten, steidle architekten, TOPOTEK1

Gestaltungsbeirat: Prof. Dr. Franz Pesch (Pesch Partner Architekten Stadtplaner),  Prof. Markus Allmann (Allmann Sattler Wappner Architekten, Institut für Raumkonzeption und Grundlagen des Entwerfens (IRGE) an der Universität Stuttgart), Prof. Susanne Burger, (Burger Landschaftsarchitekten, Lehrgebiet für Entwerfen in der Landschaftsarchitektur an der Hochschule Weihenstephan-Triesdorf), Dr. Michael Schober (Dr. Schober Gesellschaft für Landschaftsplanung), Prof. Thomas Auer (Transsolar Energietechnik, Lehrstuhl für Gebäudetechnologie und klimagerechtes Bauen an der TU München), Prof. Dr. Klaus Bogenberger (Lehrstuhl für Verkehrstechnik an der TU München)