Einstimmig für „moosaik“

Mit einem einstimmigen Beschluss hat der Bauausschuss des Stadtrates gestern Abend die Fortführung des Bebauungsplanverfahrens für den Umbau eines Teils des Starnberger Gewerbegebietes zum Vorzeigeprojekt „moosaik – das verbindende Quartier“ abgesegnet. Statt des ursprünglich beabsichtigten Angebotsbebauungsplans wird jetzt ein vorhabenbezogener Bebauungsplan weiter verfolgt. Die vom Rathaus noch verlangten Nachweise, zum Beispiel dass die neu gegründete „Moosstraße Immobilien GmbH & Co KG“ sowie die „Petersbrunner Straße Immobilien GmbH & Co KG“ Eigentümerinnen der zu beplanenden Flächen sind, es zum Abschluss eines Durchführungsvertrages zwischen den Gesellschaften und der Stadt kommt und die GmbH & Co KGs über die notwendige finanzielle, personelle und organisatorische Leistungsfähigkeit verfügen, dürfte nur noch reine Formsache sein (siehe vorheriger Bericht Moosaik – Beteiligung der Öffentlichkeit). Damit ist der Weg frei zur frühzeitigen Beteiligung der Öffentlichkeit, Behörden und sonstigen Trägern öffentlicher Belange. Grundlage der weiteren Schritte ist die mit der Stadt im jetzigen Verfahrensstand abgestimmte Planung.

Die Verwaltung erhielt vom Bauausschuss genauso einstimmig den Auftrag mit den Vorhabenträgern noch einige Dinge zu verhandeln, zum Beispiel städtebauliche Bindungen hinsichtlich der künftig zugelassenen Wohnungen, Gewerbeeinheiten und mehr. Ziel ist auch eine vertragliche Vereinbarung für einen neuen Standort für Feuerwehr und Rettungsdienst im Rahmen des Projektes. Zur Höhenentwicklung im geplanten neuen Stadtteil sah nur Ludwig Jägerhuber (CSU) noch weiteren Gesprächsbedarf. Wie berichtet könnten am zentralen Platz bis zu zwei achtstöckige Gebäude entstehen. Zu den Rändern des Baugebietes fallen die Höhen dann auf drei bis vier Geschosse ab. Auf Wunsch von Marc Fiedler (FDP) wurde die Staffelung mit 11:1 Stimmen begrüßt.

Die Stadträte, die sich zu Wort meldeten, waren voll des Lobes für das Projekt „moosaik“. So bezeichnete es Jägerhuber als „revolutionierende Planung, bei der die neuen Höhen eine Zäsur bedeuten“. Franz Sengl (Grüne) sprach sich dafür aus, anderen Eigentümern im Gewerbegebiet zu signalisieren, „dass wir ähnliche Planungen auf ihren Flächen begrüßen würden“. Christiane Falk (SPD) sprach von einem „einzigartigen, mutigen und modernen Projekt“. Wenn man nicht immer mehr Fläche versiegeln wolle, müsse man das Bauen in die Höhe – das im Übrigen auch schön sein könne –  erlauben. „Dass ich das in meiner Zeit als Stadtrat noch erleben darf“, freute sich Josef Pfister (BMS) über das in seinen Augen „zukunftsweisende Projekt“. In den letzten 20 Jahren seien nämlich alle Versuche, das Gewerbegebiet zu verbessern, stets an den zahlreichen Einzeleigentümern und ihren Interessen gescheitert. Er mahnte aber auch, es bedürfe noch einiger Anstrengungen des Bauausschusses, zum Beispiel zur Realisierung des sehr wünschenswerten, verbindenden Steges zwischen dem moosaik-Hauptplatz über die B2 hinweg zum Gelände des Landratsamtes gegenüber. Bürgermeister Patrick Janik glaubt, dass es Probleme mit der Urheberrechtskonformität gegen könnte, wenn das Steg-Ende nahe des architektonisch preisgekrönten Landratsamtgebäudes lande. Dem mit viel Holz und Glas niedrig neben der Wassersportsiedlung konzipierten Behördenbau der Architekten „Auer+Weber“ war 1989 der Deutsche Architekturpreis verliehen worden. Unter anderem wegen der „perfekten Synthese aus Natur, moderner Architektur und sich stets verändernden Anforderungen der Gesellschaft“. Es ist nicht ersichtlich, in welchen Punkten ein in der Bauweise angepasster Steg hier zum Problem werden könnte. Eva Pfister (BMS) schlug vor, die fragliche Fläche auf der Südseite der B2, also im Bereich der Parkplätze des Landratsamtes, in das Bebauungsplanverfahren einzubeziehen. Stadtbaumeister Stephan Weinl will allerdings erst später über solche Dinge verhandeln. Für Eva Pfister war auch noch wichtig, dass der Bürgermeister angesichts des personell ausgedünnten Bauamtes der Stadt versicherte, das Projekt „moosaik“ genieße unter den mit Priorität eins ausgestatteten Vorhaben nochmals erste Priorität. Den Wunsch  von Otto Gaßner (UWG), schon sofort in den Beschluss aufzunehmen, dass die Stadt mit der Planung der beiden KGs einverstanden ist, erfüllte der Rathauschef nicht. Weinl hatte zuvor darauf hingewiesen, dass wesentliche Punkte noch offen seien, die sich erst im Laufe des Bauleitplanverfahrens klären würden. Deshalb könne jetzt noch nicht von einer mit der Stadt abgestimmten Planung gesprochen werden. Janik nahm als Kompromiss in den Beschluss auf, abgestimmt sei die Planung nach dem Stand des Verfahrens.

Ebenso einstimmig empfahl der Ausschuss dem Stadtrat, für das Projekt „moosaik“ den Flächennutzungsplan so zu ändern, dass der Bebauungsplan sich daraus entwickeln lässt.

Moosaik – Beteiligung der Öffentlichkeit

Als „Paukenschlag“ für Starnberg hatte die damalige Bürgermeisterin Eva John das Projekt „moosaik – das verbindende Quartier“, das in den nächsten Jahren einen beträchtlichen Teil des heutigen, eher unansehnlichen Gewerbegebietes in ein städtebauliches Vorzeigequartier verwandeln wird, Ende 2019 bei der ersten Präsentation der Pläne bezeichnet. Nach laufenden Gesprächen zwischen dem Rathaus und den beteiligten Flächen-Eigentümern ab April 2015 war eine Planung herausgekommen, „die begeistert“. Beitrag der Stadt werde sein, so versprach es John, „das Projekt gern und zügig auf seinem Weg zu begleiten. Das ist bisher geschehen und wurde ab Mai 2020 auch von John’s Amtsnachfolger Patrick Janik so fortgeführt.  Ergebnisse stellten die Vertreter der Investoren-Familien Houdek und Baasel heute Vormittag der Presse vor. Heute Abend soll der Bauausschuss des Stadtrates den Startschuss in das notwendige Verfahren zur Änderung von Bebauungs- und Flächennutzungsplan geben, mit dem 80000 Quadratmeter Geschossfläche möglich werden könnten. Die Ziele dafür hatte der Ausschuss bereits im Dezember 2020 festgelegt (siehe Moosaik – wichtiger Schritt geglückt). Erster Schritt ist nun die frühzeitige Beteiligung der Öffentlichkeit, sprich der Bürger sowie der Träger öffentlicher Belange.

Rudolf Houdek umriss noch einmal die Aufgabe, die es zu schultern gilt, wenn „moosaik“ Wirklichkeit werden soll. Harte Arbeit liege bereits hinter den beteiligten Planern und den sie begleitenden Experten, die sich mit einem hochkarätig zusammengesetzten Beirat eingebracht hätten. In Zukunft solle der Bereich zwischen dem Rand zum Leutstettener Moos im Norden und der Moos- sowie der Münchner Straße (B2) bis auf Höhe der abbruchreifen Fleischfabrik Houdek kein reines Gewerbegebiet wie heute mehr sein, sondern auf den insgesamt 35000 Quadratmetern Raum für Wohnen, inklusive Seniorenwohnen und Pflege, Arbeiten und Leben bieten. Wie berichtet ist auch ein neuer Standort für Feuerwehr und Rettungsdienst in dem Quartier Wunsch der Stadt. „Wir sind uns der verantwortungsvollen Aufgabe bewusst“, versicherte Rudolf Houdek und nannte die Bereiche Städtebau, Wegeführung, Nutzungen, Gestaltung, Grün und Anbindung des Quartiers an das Leutstettener Moos, bei dem es sich um eine höchst geschützte FFH-Fläche handelt. Sein Cousin Robert Houdek berichtete, man habe die letzten 18 Monate „richtig angepackt“. Durch die Diskussionen und den Rat der Experten sei das Projekt „wesentlich besser geworden“. Während man zu Beginn mit einer Interessensgemeinschaft mehrerer Grundeigentümer angetreten sei, würden nun alle Interessen in der „Moosstraße Immobilien GmbH & Co KG“ gebündelt. Die dafür notwendigen notariellen Verträge seien inzwischen abgeschlossen, so dass man in der Lage sei, das vorbildliche, auf den Schultern ganz vieler Menschen entwickelte Quartier auch wirklich durchzuführen.

Flächen und Engagement eingebracht haben auch der Laserphysiker Carl Baasel und seine Tochter Susy. Der 80Jährige Baasel erinnerte sich an die Anfänge des Starnberger Gewerbegebietes: „Es wuchs wie Kraut und Rüben, weil es am Moos viel Platz gab. Gebaut wurde nach dem freien Spiel der Kräfte.“ Ihm, der jahrelang seine Firma an der Petersbrunner Straße hatte, habe die Gestaltung „nie  so richtig zugesagt“. Auch seien ihm die bisherigen Bebauungsplanvorgaben zu restriktiv erschienen: „Man durfte keine Kindertagesstätte bauen, nicht hoch bauen und nicht wohnen.“ So sei für ihn die Idee des „moosaik“ eine Erlösung gewesen. Er bedankte sich bei den ursprünglichen Eigentümer-Familien, auch der Familie Hauser, die über ihren Schatten gesprungen seien um das neue Stadtquartier zu ermöglichen. Susy Baasel legt nach eigenen Worten als Architektin lange schon den Fokus auf soziale Fragen: „Welche Funktion muss Architektur übernehmen, wie kann man ein Gebiet mit Leben füllen?“ Ihr und dem federführenden Büro „Kehrbaum Architekten“ seien die folgenden Dinge besonders wichtig: Gebaut werden solle mit viel Holz und Grün Ressourcen schonend, Gebäude müssten für verschiedene Nutzungen offen sein, sich ansiedelnde Betriebe Ressourcen schonen, Grünflächen wirklich durchgängig sein und hohe Aufenthaltsqualität bieten. Die Oberfläche im Quartier solle autofrei werden, Wohnen, Arbeiten und sonstiges Leben miteinander vereinbar machen und zudem die 15-Minuten-Stadt, also eine Stadt der kurzen Wege bieten. Der Einsatz des Expertenbeirates habe zu einer „Schärfung des Projektes“ geführt, lobte sie.

Architekt Klaus Kehrbaum erläuterte die Abkehr von der früher maßgeblichen „Charta von Athen“, die Quartiere getrennt nach Nutzungen propagiert habe, verbunden durch Verkehrswege. Heute gelte es dagegen, Nutzungen zu stapeln und Verkehr so weit es geht zu vermeiden. Für ihn sei der Expertenbeirat, bestehend aus den Professoren für Städtebau, Architektur und Landschaftsarchitektur, Franz Pesch, Markus Allmann sowie Susanne Burger, dem Experten für Nachhaltigkeit und Gebäudetechnik Thomas Auer, für den Bereich Verkehr und Mobilität Klaus Bogenberger und für Landschaftsarchitektur und Ökologie Michael Schober, „ein Geschenk“ gewesen. Dank ihnen traue man sich jetzt unter anderem, im Zentrum des Quartiers auf einen belebten Platz eine städtebauliche Dominante in Form eines achtstöckingen Gebäudes zu setzen – „vielleicht mit Aussichtsplattform oder Gastronomie auf dem Dach“. Die öffentlich gemachten Planungen hätten bereits zu zahlreichen Anfragen von Starnbergern, aber auch nationalen und internationalen möglichen künftigen Nutzern geführt. Deshalb sei es, so Kehrbaum, auch möglich „schon ganz bald“ mit dem 1. Bauabschnitt zu beginnen. Geplanter Fertigstellungstermin 2025. Für ihn ist auch begrüßenswert, andere Architekten auf dem Projektgebiet tätig werden zu lassen. Das garantiere den Investoren höchste Qualität. Funktions- und Parkdeck würden in ein erstes und zweites Untergeschoss verlegt, wobei Kehrbaum schon ankündigte, sich nicht an den Starnberger Stellplatzschlüssen halten zu wollen, denn es solle ein „ganz ausgeklügeltes Mobilitätskonzept“ geben, das das Auto eher überflüssig mache. Ziel ist ebenfalls ein energieautarkes, klimaneutrales Quartier. Das Landschaftsarchitekturbüro „TOPOTEK1“ arbeitet an „Moosgärten (Feuchtbereiche), Plänen mit Klimabäumen gegen drohende Überhitzung, einem Birkenhain und Dachbegrünungen“. Der Steg, der 2019 bei der ersten Vorstellung so viel positive Resonanz erzeugt hatte, ist laut Kehrbaum „noch in der Diskussion, muss aber noch einige Hürden nehmen, weil er südlich der B2 auf fremden Grund landet“. Zur Erläuterung: Ursprungsidee war, ganz im Sinne des Namensteils „verbindendes Quartier“ einen Steg für Fußgänger und Radfahrer vom Hauptplatz des moosaik über die verkehrsreiche Münchner Straße (B2) hinüber auf den Geh- und Radweg entlang des Landratsamtes münden zu lassen, somit das neue Quartier gut an Stadt und See anzubinden. Dafür müsste der Landkreis  Fläche zur Verfügung stellen, was bisher dem Vernehmen nach von der Behörde nicht gern gesehen wird. Aber der Steg würde für die Öffentlichkeit und die Bürger gerade nach der Verschlechterung ihrer Querungsmöglichkeiten über die B2 durch den bereits erfolgten Umbau des Nordzulaufs zum geplanten B2- Tunnel eine enorme Verbesserung bedeuten. Eigentlich eine Aufforderung an die Starnberger Stadträte, sich ganz besonders für diesen Steg und seiner Realisierung einzusetzen. Kehrbaum hofft, dass die Änderung des Bebauungsplanes in eineinhalb Jahren Planungsreife erlangt hat, damit mit dem ersten Bauabschnitt begonnen werden kann (Abbruch der Altgebäude ab 2022). Nach früherer Aussage von Rudolf Houdek soll dies der Bereich am Rand des Mooses sein, wo heute noch ein leerstehendes Hochhaus und andere mehr oder weniger ungenutzte Gebäude stehen. In drei bis fünf Jahren hoffe man, dass das gesamte neue Stadtquartier zur Verfügung stehe. Eigentumswohnungen solle es übrigens kaum geben. Die Investoren wollen vermieten. Der Anteil der neu geschaffenen Wohnungen könnte bis zu 50 Prozent des Gebietes ausmachen. Kosten wollte Kehrbaum nicht nennen. Das verbiete sich schon wegen dem bekanntermaßen schwierigen Starnberger Untergrund. Man wisse bereits, dass von Kies bis Seeton und Schlick alles angetroffen werde, weshalb spezielle Tiefbaumaßnahmen nötig würden.

Bürgermeister Janik sieht im Projekt „moosaik“ ein „Viertel mit Entwicklungsmöglichkeiten“. Für einen Bürgermeister sei es ein „dankbares Projekt“, denn er habe es mit professionellen Partnern zu tun. Erfreulich nannte Janik auch die einhellige Unterstützung aller politischen Fraktionen im Stadtrat. Den Schritt heute Abend im Bauausschuss  bezeichnete er als „Baustein der Starnberger Wirtschaftspolitik“. Er wollte sich aber vorerst nicht auf einen festen Zeitplan für das Bauleitplanverfahren festlegen.

Der Öffentlichkeit werden die Investoren umfangreiche Möglichkeiten zur Information und Teilhabe anbieten. Anfang August 2021 erscheint das „moosaik-Journal“, das Fakten und Hintergründe der Planung darstellt sowie über den Baufortschritt informiert. Unter dem Projektnamen „moosaik“ ist zudem eine Webseite geplant, mit deren Hilfe sich Interessierte einen digitalen Infobrief per E-Mail bestellen können. Infos über Social Media werden alles ergänzen. Auch auf der Homepage der Stadt Starnberg werden im Rahmen der frühzeitigen Bürger- und Trägerbeteiligung alle Pläne, die das Rathaus sechs Wochen lang öffentlich auslegen wird, einsehbar sein.

 

 

 

Lesen Sie auch den Bericht des Blogs „Lokales aus Starnberg“, der nach der ersten Präsentation von „moosaik“ erschienen war:

Gewerbegebiet Nord – Ein Stück Zukunft (13.1.20)

Es tut sich etwas sehr Positives in Starnberg. Statt des durch jahrzehntelangen Stillstand im Gewerbegebiet Nord entstandenen eher unerfreulichen Anblicks der alten Produktionshallen der Firma Houdek und der benachbarten „vereinigten Hüttenwerke“ soll, wenn alle Beteiligten weiter an einem Strang ziehen, bis 2028 ein völlig neues, nachhaltig entwickeltes Quartier mit Angeboten an Arbeitsplätzen, Firmenstandorten, Wohnraum, Freizeiteinrichtungen und voraussichtlich sogar einer neuen Bleibe für Feuerwehr und Rotes Kreuz entstehen. „Das neue Jahr beginnt mit einem Paukenschlag“, formulierte es Bürgermeisterin Eva John heute vormittag bei der ersten Präsentation der Familie Houdek für die Öffentlichkeit. Dem Stadtrat waren die Ideen bereits im November in nicht öffentlicher Sitzung vorgestellt worden. Die Reaktionen der Fraktionen sind durchwegs positiv ausgefallen. Große Freude auch bei Christoph Winkelkötter, dem Chef der Gesellschaft für Wirtschafts- und Tourismusförderung des Landkreises.

Initiatoren des Projektes, das den Namen „moosaik – das verbindende Quartier“ trägt, sind die beiden Cousins Rudolf und Robert Houdek, die Enkel des legendären, 2008 verstorbenen Firmengründers auf Starnberger Boden und Mäzäns für den Fußballverein Bayern München, Rudolf Houdek und dessen Bruder Robert. Die gleichnamigen Enkel führen seit 2004 die „Rudolf und Robert Houdek GmbH“ mit Sitz an der Moosstraße 8 in Starnberg als Geschäftsführer. Herausragendes Markenprodukt, mit dem schon der Großvater und sein Cousin 1926 bei den Firmenanfängen in Böhmen Erfolg hatten, ist die heißgeräucherte Salami mit dem bekannten Namen „Kabanos“. Dazu kamen andere Wurstspezialitäten. Nach dem Zweiten Weltkrieg landeten die damaligen Houdeks als Flüchtlinge in Starnberg und bauten hier schnell, ausgehend von ihrer Metzgerei, eine eigene Ladenkette im Starnberger Umland auf. Die Firma brauchte Platz, und so entstand ab 1962 der Produktionsstandort an der Moosstraße im heutigen Gewerbegebiet. Als in den 90er Jahren Investitionsentscheidungen zu treffen waren, wogen die Firmeninhaber ab. Bessere Bedingungen als in Starnberg wurden ihnen in Arzberg in Nordbayern angeboten. „Eine Erweiterung am hiesigen Standort schien damals von der Stadt Starnberg nicht so gewünscht“, sagte Rudolf Houdek heute. Die Produktion ging also nach Norden, aber die Muttergesellschaft mit Verwaltung und Vertrieb blieb in Starnberg, was auch so bleiben soll. Insgesamt macht die GmbH pro Jahr 125 Millionen Euro Umsatz und beschäftigt 480 Mitarbeiter. Sie gehört zu den Top 20 ihrer Branche in Deutschland. Mit Blick auf die Zukunft wollen Rudolf und Robert Houdek nun aber für sich und ihre Familien ein zweites Standbein entwickeln, das „moosaik“. Der neue GmbH-Firmensitz, möglichst konzentriert auf der Fläche des schon lange leer stehenden Wohnheims für damalige Mitarbeiter sowie der beiden Alu-Garagen nördlich der Petersbrunner Straße, sollte, wenn es nach ihren Wünschen geht, bereits in sechs Jahren fertig sein. Dann feiert die Firma Houdek nämlich ihr 100jähriges Bestehen. Dem fast

wie ein ganz neues Stadtviertel anmutenden Projekt auf dem Gelände der alten Produktions- und Verwaltungsgebäude auf der Südseite sowie auf dessen Nachbarflächen, räumt man noch zwei weitere Jahre Bauzeit ein. Das sollte 2028 bezogen werden können.
Ein schwieriger Weg sei es bis heute gewesen, resümierte Rudolf Houdek. Die Firmengrundstücke waren in der Hand ihrer Väter und sollten nach dem Umzug der Produktion nach Arzberg an einen Investor verkauft werden. Das habe ihm und seinem Cousin Robert Kopfzerbrechen und schlaflose Nächte beschert, bis sie sich „mutig“ entschlossen hätten, in letzter Minute in den schon fertigen Kaufvertrag einzusteigen. Danach gab es viele Anfragen von Interessenten für die Flächen, deren Einzelhandelsprojekte jedoch nicht auf die Zustimmung der politischen Gremien der Stadt Starnberg stießen. Wer sich erinnert: Damals arbeitete der Stadtrat nach der erfolgreichen Verabschiedung des Rahmenplans für die Stadt an einem „Campus Starnberg Plan“ zur Entwicklung des Gewerbegebietes, hin zu einem hochwertigen Hightech-Standort. Einzelhandel war da nicht erwünscht. Die Pläne waren schön, hatten nur den Schönheitsfehler, dass sie nicht auf die Zustimmung der Grundstückseigentümer stießen und somit nur in äußerst bescheidenem Umfang überhaupt realisiert wurden. Am Ende der Petersbrunner Straße blieb alles wie es war. Der Ausdruck des Volksmunds „Vereinigte Hüttenwerke“ spricht für sich. Dort haben sich zahlreiche kleinere Firmen angesiedelt, denen im geplanten neuen Quartier wieder Flächen angeboten werden sollen. „Uns wurde klar, das wir ohne unsere Nachbarn nichts entwickeln würden können“, so Rudolf Houdek. Gewonnen haben sie inzwischen Carl Ferdinand Baasel, Harald Wimmer, Josef und Peter Kirchmayr sowie Monika und Peter Hauser. Mit ihnen schlossen sie sich zur „Interessengemeinschaft der Grundstückseigentümer“ zusammen und machten sich auf die Suche nach Bauprofis und sonstigen Experten, die helfen können, die Idee für das Projekt, das die Umgebung der Moosstraße aufwertet, das Gebiet mit dem See verbindet, Unternehmen attraktive Standorte und den Menschen Arbeitsplätze, bezahlbare Wohnungen, öffentliche Einrichtungen und ein vielfältiges Freizeitangebot bietet, zu realisieren. Die sind inzwischen gefunden: Die Scherbaum Unternehmensgruppe, Bernd Schwarz Projektentwicklung, die Kommunikationsberaterin Alexandra Goldfuss und für Kommunikation & Konzepte „textbau.media“. Architekt soll Klaus Kehrbaum aus München sein.
Robert Houdek war es wichtig, darauf hinzuweisen, dass er und sein Cousin nicht nur ein Studium absolvieren mussten, sondern von ihnen auch der erfolgreiche Abschluss einer Metzgerlehre verlangt worden war, bevor sie ins Geschäft einsteigen durften. Ihre grundlegende Erfahrung deshalb: „Wichtig waren immer die Leute – die Firma besteht nur aus Menschen.“ Motivierte Mitarbeiter bekomme man jedoch nur, wenn man mit besonderem Charme punkten könne, besonders in einem Ballungsraum wie rund um München. Deshalb solle „moosaik“ eben auch Wohnungsangebote und Möglichkeiten der Kinderbetreuung sowie für die Einnahme eines Mittagstisches integrieren. So muss im ersten Schritt nun der Bebauungsplan geändert werden, der diese Nutzungen nicht ohne weiteres zulässt. Eingedenk der Tatsache, dass Houdek der erste Betrieb gewesen sei, der Bio-Produkte auf den Wurstmarkt gebracht und auf Regionalität geschaut habe, der in Arzberg ein Energieeffizienzprogramm auflegte, sprich: an die folgenden Generationen denke, sollen für das neue Quartier nur energiesparende Baukonzepte, Energieeffizienz, naturbelassene, ökologisch vertretbare Baumaterialien und langlebige Innenaustattungen in Betracht kommen. Eine entscheidende Rolle müsse der Baustoff Holz spielen. Teil der Planung sei auch ein hochwertiges Freiraumkonzept. „Wir wollen und stehen für Qualität“, versicherte Robert

Houdek. Ihr Projekt solle Impulse geben für die Entwicklung des Umfeldes. Er und sein Cousin hätten sich zudem Gedanken gemacht über Verbindungen vom neuen Quartier zum See. Erste Visualisierungen ihrer Ideen zeigen eine Brücke, die die Bundesstraße 2 überspannt und so Gelegenheit gibt, vom heutigen Gewerbegebiet zu Fuß oder per Rad den See zu erreichen. Richtig festgelegt sei aber noch nichts. Politik und Bürgerschaft würden einbezogen und sollten ständig über den Stand der Planungen informiert werden. Am 23. Januar 2020 erfolge die Präsentation im Bauausschuss des Stadtrates, bis 2022 hoffe man einen Bebauungsplan als Grundlage für den Baubeginn zu haben, um dann 2028 ferig zu werden. „So unser idealtypischer Pfad“, schloss Robert Houdek. Bürgermeisterin Eva John fand, die Familie sei „sehr, sehr mutig – und Mut muss belohnt werden“. Houdeks hätten nicht nur für sich gedacht, sondern die Nachbarschaft eingebunden und überzeugt, die besonderen Potenziale des Gewerbegebietes zu schätzen. Entstanden sei durch laufende Gespräche zwischen Rathaus und Eigentümern ab April 2015 eine Planung „die begeistert – wirklich absolut schön, was hier entstehen kann. Das wird ein städtebaulich hochwertiger Standort“. Der Stadtrat habe bei der Vorstellung im November schon seine Zustimmung erkennen lassen, auch zu dem Mix an Nutzungen, so dass im 35000 Quadratmeter umfassenden Quartier viele Aufgaben erfüllt werden könnten. John bedankte sich dafür, dass die Eigentümer hohe Verantwortung zeigen. Diese wollen die Grundstück übrigens in eigener Hand behalten. Das Projekt zeuge von großem Unternehmergeist und von Heimatverbundenheit. Beitrag der Stadt werde sein, es gern und zügig auf seinem Weg zu begleiten. Der erste Meilenstein sei bereits erledigt – der Aus- und Umbau der Petersbrunner Straße. „Auftakt für eine ganz besondere Quartiersentwicklung“, freute sich John.

 

 

 

Eickelschulte im Amt bestätigt

Pressemitteilung der IHK:

IHK-Regionalausschuss Starnberg wählt seinen Vorsitz
Konstituierende Sitzung in der Schlossberghalle / Martin Eickelschulte im Amt als Vorsitzender bestätigt


Nach der abgeschlossenen IHK-Wahl 2021 haben sich die neu- und wiedergewählten Mitglieder des IHK-Regionalausschusses Starnberg zur konstituierenden Sitzung getroffen und den Vorsitz für die kommenden fünf Jahre gewählt. Die Unternehmerinnen und Unternehmer bestätigten den bisherigen Vorsitzenden Martin Eickelschulte im Amt. Der Unternehmer ist Vorstand des IT- Dienstleisters Eickelschulte AG mit Sitz in der Kreisstadt. Er engagiert sich seit Jahren ehrenamtlich in der Interessensvertretung der heimischen Wirtschaft, seit 2009 auch als Vorsitzender des Parlaments der Wirtschaft auf Landkreisebene.
Bei ihrer Sitzung in der Starnberger Schlossberghalle wählten die Ausschussmitglieder zudem Katja Lindo, Geschäftsführerin der Eventlocation LA VILLA (Exklusive Klausur- und Tagungsstätten EKT GmbH) in Pöcking, zur stellvertretenden Vorsitzenden.
„Ich bedanke mich bei allen bisherigen Mitgliedern des IHK-Regionalausschusses sowie unseren Gästen und Partnern aus Politik und Wirtschaft für die gute Zusammenarbeit und die erfolgreiche Arbeit in der abgelaufenen Wahlperiode und freue mich sehr darauf, das bislang Erreichte in den kommenden Jahren gemeinsam mit den neu- und wiedergewählten Mitgliedern fortzusetzen“, erklärt Martin Eickelschulte. „Wir haben erneut starke, engagierte und regional verwurzelte Unternehmerinnen und Unternehmer in unserem Ausschuss – die beste Voraussetzung uns konstruktiv einzubringen, wie wir unseren Landkreis wirtschaftlich stärken mitgestalten sowie fit für die Zukunft machen können.“
Der IHK-Regionalausschuss Starnberg trifft sich im Herbst zu seiner ersten Arbeitssitzung, um die inhaltlichen Leitplanken für die kommenden fünf Jahre zu diskutieren und festzulegen.
Bei der IHK-Wahl waren zwischen 9. April und 7. Mai mehr als 15.000 Unternehmen aus dem Landkreis aufgerufen, die 17 Sitze im IHK-Regionalausschuss Starnberg zu

vergeben. Zehn Kandidaten zogen erstmals in den neu gewählten Ausschuss ein. Sieben bisherige Mitglieder, die erneut kandidiert hatten, wurden wiedergewählt. Die vollständigen Wahlergebnisse sind über die Homepage der IHK einsehbar.
Um die Wirtschaftsstruktur des Landkreises repräsentativ abzubilden, kommen vier Mitglieder des Regionalausschusses aus der Wahlgruppe „Industrie, Verkehr und Logistik“, vier aus der Gruppe „Handel und Gastgewerbe“ sowie neun aus dem „Sonstigen Dienstleistungsgewerbe“.
Die IHK ist die gesetzliche Vertretung der gewerblichen Wirtschaft. Die Aufgabe der IHK ist es, das Gesamtinteresse der Gewerbetreibenden wahrzunehmen, für die Förderung der gewerblichen Wirtschaft zu wirken und rund 80 vom Staat übertragene öffentliche Aufgaben zu erfüllen.

IHK Wahl 2021

Alles bereit für die IHK-Wahl 2021: Am 9. April geht es los!
Über 15.000 Unternehmer im Landkreis Starnberg erhalten Wahlunterlagen

Starnberg – Am 9. April fällt der Startschuss für die IHK-Wahl 2021: Bis dahin wird die IHK für München und Oberbayern die Briefwahlunterlagen inklusive der Zugangsdaten für die Online-Abstimmung an mehr als 15.000 wahlberechtigte Unternehmen aus Industrie, Handel und Dienstleistungen im Landkreis Starnberg versenden. Diese können dann bis zum 7. Mai darüber entscheiden, wer in den kommenden fünf Jahren die Interessen der heimischen Wirtschaft auf Landkreisebene im IHK-Regionalausschuss Starnberg und für ganz Oberbayern in der IHK-Vollversammlung vertreten soll. Zum ersten Mal kann per Brief oder online abgestimmt werden.
Insgesamt 33 Unternehmerinnen und Unternehmer aus dem Landkreis bewerben sich bei der Wahl um ein Mandat im Ehrenamt der bundesweit größten Industrie- und Handelskammer. 29 von ihnen kandidieren für einen der 17 Sitze im IHK- Regionalausschuss Starnberg. Drei der 29 Kandidatinnen und Kandidaten bewerben sich sowohl um einen Sitz im IHK-Regionalausschuss als auch in der IHK- Vollversammlung, dem obersten Organ der IHK für München und Oberbayern. Vier Unternehmerinnen und Unternehmer aus dem Landkreis kandidiert ausschließlich für die Vollversammlung.

Martin Eickelschulte, Vorsitzender des IHK-Regionalausschusses Starnberg, ruft die Unternehmerinnen und Unternehmer zur Stimmabgabe auf. „Nutzen Sie Ihr Stimmrecht! Gerade in dieser für weite Teile der heimischen Wirtschaft schweren Zeit ist es heuer so wichtig wie noch nie, der Unternehmerschaft eine Stimme zu geben“, erklärt Eickelschulte. „Damit die IHK auch weiterhin den Finger in die Wunden legen und wichtige Projekte anstoßen kann, brauchen wir sowohl in der Vollversammlung als auch im Regionalausschuss engagierte Unternehmerinnen und Unternehmer.

Wer genau das sein wird, können in den kommenden vier Wochen die Wahlberechtigten bestimmen.“
Der Unternehmer aus Starnberg betont, dass sich gerade in der aktuellen Corona- Krise zeige, wie wichtig eine Interessensvertretung der Wirtschaft sei. „Die IHK bringt sich mit konstruktiven Vorschlägen gegenüber der Politik ein, wie wirtschaftliches Handeln und effektiver Infektionsschutz Hand in Hand gehen können. Die IHK gibt den betroffenen Unternehmen eine Stimme in der Öffentlichkeit und hilft zugleich als bayernweite Bewilligungsstelle der staatlichen Corona-Hilfen den Betrieben mit einer schnellen Abarbeitung und Bewilligung der Anträge. Die Gelder kommen zum Großteil bereits kurz nach der Antragsstellung bei den Betroffenen an. Das ist ein Verdienst der IHK! Wir sehen derzeit, wie gut die Selbstverwaltung der Wirtschaft funktioniert. Damit das auch so bleibt, ist die IHK auf ein starkes Mandat aus der Unternehmerschaft und eine hohe Rückendeckung bei der IHK-Wahl angewiesen.“

Eickelschulte dankt allen Kandidatinnen und Kandidaten für ihr Interesse am IHK- Ehrenamt und ihr Engagement, sich für die Zukunft des Landkreises Starnberg als starken Wirtschaftsstandort einsetzen zu wollen.
In ganz Oberbayern sind rund 400.000 IHK-Mitgliedsunternehmen wahlberechtigt. Die bevorstehende Wahlperiode dauert von 2021 bis 2026. Alle Informationen über die Kandidatinnen und Kandidaten sowie persönliche Steckbriefe sind über die Homepage der IHK abrufbar.

Zweiter Workshop Ergebnis

Eine Mitteilung aus dem Rathaus:

Am Dienstag, 30. März 2021 beteiligten sich rund 40 Unternehmer, Einzelhändler, Gastronomen und Stadträte am zweiten Online-Workshop „re-STA-rt“, der von den Experten des Cima- Beratungsbüros und der Starnberger Stadtverwaltung durchgeführt wurde. „Gemeinsam haben wir die besprochenen Vorschläge aus dem ersten Workshop erfolgreich weiterentwickelt und nun gehen wir in die Ausarbeitung von Maßnahmen. Wir haben festgehalten, dass die Stadtverwaltung zusammen mit der Unternehmerschaft die nächsten Schritte im Team und in themenspezifischen Arbeitsgruppen realisieren wird“, erläutert Erster Bürgermeister Patrick Janik.
Dass mittlerweile zahlreiche Maßnahmen durch das Team der Standortförderung umgesetzt wurden und in Planung sind, stellte Standortförderin Sarah Buckel vor. Die Buy-Local-Initiative als gemeinsames Projekt der Stadt Starnberg, der gwt Starnberg GmbH und der Cityinitiative Starnberg e.V. ist dabei ein erster Baustein. Seit diesem Monat hängen Banner und Plakate in der Starnberger Innenstadt sowie an den Ortseingängen und es wurden Anzeigen in den lokalen Zeitungen veröffentlicht.
Auch weitere Projekte, die beim ersten Workshop und während der sogenannten Dienstagsstammtische mit Stadtverwaltung, gwt Starnberg, Gewerbereferenten des Stadtrates und Unternehmerschaft angestoßen wurden, sind bereits in der Pipeline: So soll der Einzelhandel, die Gastronomie und die Hotellerie auf der Homepage der Stadt Starnberg unter dem Reiter „Einkaufen und Erleben“ bis Herbst 2021 mit jeweils einer kurzen Vorstellung dargestellt werden. Um die Attraktivität des Samstagsmarktes auf dem Kirchplatz weiter zu steigern, kommen zusätzliche Marktstände hinzu, wie ein Unverpackt-Stand, eine Champagner Ape und ein Coffee- Bike.
Außerdem ist geplant, ein Leerstandsmanagement aufzubauen. Ein Baustein davon ist es, weitere Pop-Up-Stores nach dem Beispiel des erfolgreichen Stores im Kino Breitwand zu realisieren. Zudem arbeitet die Standortförderung der Stadtverwaltung derzeit ein pandemie-konformes Veranstaltungskonzept unter dem Titel „Sommer am See“ aus. Ein Stadtstrand auf dem Kirchplatz und Open-Air-Veranstaltungen in besonderen Stadträumen, wie zum Beispiel der Museumsgarten und der Bucentaurpark, sind in Planung.
Im Anschluss daran konnten die Teilnehmer zwischen Arbeitsgruppen zu den Themenfeldern Weihnachtsaktionen, Bestuhlung/Begrünung der Innenstadt, begleitende Aktionen des Handels und der Gastronomie während des Fünfseenfilmfestivals und Gutscheinsystem für die Starnberger Innenstadt wählen. Diese Themeninseln wurden bereits im ersten Workshop und in den Dienstagsstammtischen angestoßen, um sie im zweiten Workshop in konkrete Projekte zu überführen und danach gemeinsam in die Tat umzusetzen. Dabei stand besonders im Fokus, welche Angebote kurzfristig und innerhalb des Jahres 2021 geschaffen werden können, um die Starnberger Innenstadt attraktiver zu gestalten. Außerdem setzten sich die Arbeitsgruppen unter anderem damit auseinander, welche Maßnahmen die Innenstadt zusätzlich stärken und wie man Einzelhandel, Gastronomie, Freizeit, Kultur und Naturraum besser verknüpfen könnte.
Nach ausgiebiger und angeregter Diskussion stellten die einzelnen Arbeitsgruppen ihre Ergebnisse vor. Zusammen erarbeiteten die Gruppen zu den vier Themenfeldern eine erste Sammlung an kreativen Ideen, die kurzfristig, aber auch mittelfristig umgesetzt werden können. Nun geht die gemeinsame Projektarbeit in die nächste Phase. „Da sich die Dienstagsstammtische bereits etabliert haben, werden die einzelnen Arbeitsgruppen nun in diesem Rahmen weitergeführt. Die Stadtverwaltung nimmt dabei eine koordinierende Funktion ein, die praktische Umsetzung erfolgt gemeinsam mit allen Innenstadtakteuren“, erklärt Standortförderin Sarah Buckel. „Ich freue mich auf ein produktives Wiedersehen in unseren Dienstagsstammtischen“, betonte Erster Bürgermeister Janik in seinem Ausblick.
Eine Anmeldung zu den Dienstagsstammtischen ist jederzeit möglich über standortfoerderung(at)starnberg.de. Der nächste Dienstagsstammtisch findet online am 6. April 2021, um 18 Uhr statt.

Buy Local Initiative

Eine Mitteilung aus dem Rathaus:

Die Stadt Starnberg, die City Initiative Starnberg e.V. und die gwt starnberg gmbH haben eine Buy- Local-Initiative ins Leben gerufen, die unsere Starnberger Geschäfte und Gastronomiebetriebe unterstützen soll. Die Aktion ist ein Auftakt, um wachzurütteln, denn gerade der Einzelhandel und die Gastronomie leiden momentan besonders unter temporären Geschäftsschließungen, schwierigen Rahmenbedingungen und dem Online-Boom. Weitere Aktionen zur Belebung der Innenstadt sind bereits in Planung.
Seit Anfang März 2021 hängen im Stadtgebiet Transparente mit der Aufschrift „sei loyal, kauf lokal“. Am heutigen Dienstag ist die Plakataktion „Wir für Starnberg“ mit der Hängung des ersten Plakats an Litfaßsäulen angelaufen. „Wir für Starnberg“ zeigt im Laufe der nächsten Wochen pro Plakat zwei Starnbergerinnen und Starnberger, die gerne in unserer Innenstadt einkaufen und zum Essen gehen. Dabei erklären die Testimonials persönlich in einem Zitat, warum ihnen Starnberg und seine Betriebe am Herzen liegen. Demnächst folgen zusätzlich Plakathängungen in Schaufenstern und Anzeigen in Starnberger Zeitungen.
Die Buy-Local-Initiative ist an den sogenannten digitalen „Dienstagsstammtischen“ entstanden, an denen die Gewerbereferenten, Stadtverwaltung, gwt starnberg gmbH, City Initiative Starnberg e.V., Einzelhändler, Gastronomie sowie interessierte Unternehmerinnen und Bürgerinnen teilnehmen (Eine Anmeldung ist jederzeit möglich unter standortfoerderung(at)starnberg.de). Finanziert wird die Buy-Local-Initiative von der City Initiative Starnberg e.V.

Das Wir-Gefühl stärken

Ein Bericht aus dem Rathaus:

„Beim Online-Workshop „re-STA-rt“ am Donnerstag, 4. März 2021 mit Unternehmern, Einzelhändlern, Gastronomen, Vertretern von Stadtverwaltung und Stadtrat haben die Berater der „cima Beratung + Management GmbH“ erste Sofortmaßnahmen für die Belebung der Starnberger Innenstadt gesammelt. Mit fast 70 Teilnehmerinnen und Teilnehmern war das Interesse sehr groß und es gab einen offenen und produktiven Austausch zur aktuellen Lage. Ein besonderer Fokus wurde aber auf die Zukunftsperspektiven für die Starnberger Innenstadt gelegt.

Christian Hörmann, Büroleiter der „cima Beratung + Management GmbH“, der den rund zweistündigen Workshop moderierte, betonte gleich zu Beginn, dass eine enge Allianz zwischen Stadt und Unternehmern der entscheidende Faktor sei, um wieder durchstarten zu können. Der Corona-Lockdown, wenig Frequenz und Leerstand machen der Starnberger Innenstadt schwer zu schaffen. „Man benötigt eine starke Gemeinschaft und Solidarität, denn wir kommen nur gemeinsam durch die aktuell angespannte Situation“, erläuterte Christian Hörmann.

Ganz im Sinne eines Workshops konnten die Teilnehmer Handlungsräume auf einer interaktiven Karte des Innenstadtbereiches markieren, bei denen sie gute Möglichkeiten für kurzfristige dezentrale Maßnahmen sehen. In den Bereichen Bucentaurpark, Kirchplatz, Maximilianstraße, Seepromenade und Tutzinger-Hof-Platz wurde von den Akteuren das größte Potenzial gesehen.

Danach folgte ein offener Austausch über die Erwartungen der Starnberger Unternehmerinnen und Unternehmer. Ein großer Konsens herrschte darüber, dass das Flair einer Stadt ein ausgewogener Branchenmix ausmacht, damit alle in der Innenstadt auf ihre Kosten kommen. Viele wünschten sich zum Beispiel in der Maximilianstraße mehr inhabergeführten Einzelhandel und Gastronomie und zusätzlich sogenannte Ankergeschäfte als Frequenzbringer.

Im Anschluss ging es an die Herausarbeitung von kurzfristigen Sofortmaßnahmen zur Belebung der Innenstadt. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer sprudelten nur so vor Energie und hatten eine Vielzahl von Ideen. Viele waren sich einig, dass  die Aufenthaltsqualität in der Stadt gesteigert werden sollte. Um das zu erreichen, wünschte sich der Großteil weitere Sitzmöglichkeiten, mehr Begrünung im Innenstadtbereich oder beispielsweise dezentrale Aktionen auf beliebten Plätzen.

Grundtenor bei den meisten Wortmeldungen war, dass das „Wir-Gefühl“ zwischen Innenstadtakteuren und Stadt gestärkt werden sollte. Ein erster Baustein für ein besseres „Wir- Gefühl“ ist bereits gelegt, denn seit Kurzem finden jeden Dienstag mit den Handelsreferenten des Stadtrats und Mitarbeitern der Stadtverwaltung sogenannte „Dienstagsstammtische“ statt (zurzeit online), um gemeinsame Aktionen zur Belebung der Innenstadt kurzfristig umsetzen zu können. Eine Anmeldung ist jederzeit über standortfoerderung(at)starnberg.de möglich.

Erster Bürgermeister Patrick Janik dankte allen Beteiligten für den produktiven Austausch und das gute Feedback, auf dem alle weiter aufbauen können. „Wir haben heute gemeinsam einen bunten Strauß an kreativen und umsetzbaren Vorschlägen gesammelt. Die Stadt ist mehr als bereit, ihren Teil mit Elan und Schwung beizutragen, damit gemeinsame Maßnahmen erfolgreich realisiert werden können“, sagte Erster Bürgermeister Janik.

Die Vorschläge für Sofortmaßnahmen werden in den Dienstagsstammtischen und beim nächsten Workshop am 30. März 2021 konkretisiert und im Anschluss umgesetzt.“

Workshop Lebendige Innenstadt

Eine Mitteilung aus dem Rathaus:

„Der Corona-Lockdown, ausbleibende Kundschaft und Leerstand machen der Starnberger Innenstadt schwer zu schaffen. „Nur gemeinsam können wir uns dieser Herausforderung entgegenstellen, um nach dem Lockdown wieder durchstarten zu können und die Innen- stadt mit Leben zu füllen“, erläutert Erster Bürgermeister Patrick Janik.
Deshalb lädt die Stadt Starnberg in Anknüpfung an das Unternehmertreffen im vergangenen Oktober zu einem Online-Meeting für alle interessierten Starnberger Einzelhändler, Gastronomen und Unternehmer ein. Der Online-Workshop „re-STA-rt: Gemeinsam für eine lebendige Starnberger Innenstadt “ findet via „Zoom-Meeting“ am Donnerstag, 04. März 2021 um 18.30 Uhr statt.
Der Workshop wird von Christian Hörmann, Büroleiter der „cima Beratung + Management GmbH München“ moderiert. „Zusammen mit ihm wollen wir die aktuelle Lage in der Starnberger Innenstadt bestimmen, Perspektiven und Sofortmaßnahmen aufzeigen und die auf dem Unternehmertreffen besprochenen Vorschläge weiterentwickeln und konkretisieren“, betont der Erste Bürgermeister.
Bei Interesse können sich Starnberger Einzelhändler, Gastronomen und Unternehmer per E-Mail an unternehmertreffen(at)starnberg.de bis zum Dienstag, 2. März 2021 anmelden. Nach der Anmeldung erhalten sie von der Stadt Starnberg die Zugangsdaten zum Meeting. Voraussetzung für eine Teilnahme ist ein Computer, Laptop oder Tablet mit Internetzugang.
Außerdem ist ein Folgetreffen als Präsenz-Termin in der Starnberger Schlossberghalle am Dienstag, 30. März geplant, sofern dies das Infektionsgeschehen zulässt. Die Stadt Starn- berg wird rechtzeitig über diesen Termin informieren.“

Bayerischer Hof: Opfer der Seeanbindung?

Das altehrwürdige Hotel „Bayerischer Hof“ am Starnberger Bahnhofplatz ist in die Schlagzeilen gekommen. Wie der Starnberger Merkur in seiner Ausgabe vom 9./10. Januar 2021 Bürgermeister Patrick Janik zitiert, hat der Rathauschef die Nutzung des Gebäudes untersagt. Hintergrund ist angeblich „Einsturzgefahr“. Mit dem Stadtrat will Janik die Diskussion um die Zukunft des Gebäudes führen. Den Erhalt der Hotelnutzung an dieser Stelle findet er wünschenswert, unter Umständen auch unter Einbeziehung der Nachbargrundstücke, wie zum Beispiel der Alten Oberschule (Villa Bayerlein). Damit beginnt eine jahrzehntelange Diskussion von neuem, die letztendlich der Grund dafür ist, dass die beiden unter Denkmalschutz stehenden historischen Gebäude, insbesondere der Bayerische Hof in dem inzwischen allseits bekannten stark sanierungsbedürftigen Zustand ist. Dass Janik jetzt plötzlich „das Licht ausmacht“ überrascht. Ihm mag dabei zugute gehalten werden, dass er zu Beginn der Geschichte noch ein Kind war, erst seit 2015 dem Stadtrat angehört und erst seit Mai 2020 Bürgermeister ist. Seine Gruppierung UWG beziehungsweise Mitglieder dieser, allen voran Otto Gaßner, haben jedoch von Anfang an mitgemischt. Das Schicksal des Hotels hat zu allen Zeiten die Gemüter der Starnberger bewegt und tut dies, wie sich an öffentlichen Stellungnahmen jetzt ablesen lässt, heute immer noch.

Geschichte des Bayerischen Hofes

Laut Band 9/2, „Siedlungs- und Baugeschichte von Starnberg“, aus der Reihe „Starnberger Stadtgeschichte“ von Gerhard Schober, wurde der Bayerische Hof 1864/1865 als „Hotel Harffen“ errichtet. 1905 ging es ins Eigentum der Wittelsbacher über. Im 2. Weltkrieg diente es als Lazarett. Die Stadt Starnberg erwarb die Immobilie 1969 von Herzog Max in Bayern für 1,125 Millionen Deutsche Mark – angeblich aus städtebaulichen Gründen. Damit begann sich das Immobilien-Karussell in Starnberg zu drehen. Die Kreissparkasse gab das Darlehen für den Kauf. Die Stadt überließ dem Geldinstitut dafür ihr Grundstück am Kirchplatz im Erbbaurecht. Die Kreissparkasse hatte versprochen, neben dem eigenen Bank- und Geschäftshaus auch den von der Stadt lang gewünschten Stadtsaal dort zu bauen, was bekanntlich nicht geschah. Von 1984 bis zu seinem Tod 2009 war der auch als „See-Nikolaus“ bekannte und beliebte Hotelier und Gastronom Rudi Gaugg Pächter des Hotels, danach bis zur jetzigen Nutzungsuntersagung die Familie Schrogl. Seit 1999 steht das Gebäude unter Denkmalschutz, der nach Auskunft der Denkmalbehörde im Jahr 2012 „streng gesehen“ wird. Damals hieß es, der Schutz umfasse „jedes Detail, innen und außen“, mit der Folge, dass alles, inklusive der westlichen Nebengebäude (Remise) erhalten werden müsse. Das Blumenrondell mit Brunnen auf dem Platz davor gehört übrigens auch zu den schützenswerten Dingen.

1974 wurde in Starnberg und im Landkreis viel über den Fremdenverkehr und dafür wünschenswerte Hotels diskutiert. Der Landkreis, Banken, Hoteliers und Gastronomen gründeten die Hotelplanungsgesellschaft „Hopla“, die die baurechtlichen Voraussetzungen für große und komfortable 200- bis 250-Betten-Häuser im Fünfseenland schaffen sollte. Von der Hopla mit Sympathie getragen wurden die Diskussionen über den Abriss des Bayerischen Hofes, an dessen Stelle ein Kongress- und Stadtsaal mit großem neuen Hotel hätte entstehen sollen. Doch dazu kam es nicht, auch weil die Bürger auf die Barrikaden gingen. Erinnert werden soll an dieser Stelle an Adalbert „Waggi“ Kufer, der maßgeblich an der Gründung der „Bürgerinitiative zum Erhalt des Starnberger Ortsbildes“ beteiligt war. Sie erreichte, dass das gewachsene Stadtbild mit dem Hotel und der benachbarten Alten Oberschule erhalten blieb. Auch dem Architekten Gottfried Böhm, der 1987 das bei ihm von der Stadt in Auftrag gegebene städtebauliche Gutachten für den Seeuferbereich von „Starnberg 2000“  öffentlich vorstellte, blies heftiger Gegenwind ins Gesicht, als er laut über die Anlage eines Hafenbeckens verbunden mit dem Abriss des Hotels nachdachte. Kufer lehnte das rundweg ab. Nichts desto trotz legte Böhm 1991 eine genau diese Ideen beinhaltende Planung für den Bereich des Seeufers vor, auf den sich der Stadtrat aber angesichts der anhaltenden Proteste der Starnberger nicht einigen konnte. Völlig überraschend meldete am 27. Januar 1999 als Erster der Kreisbote auf seiner Titelseite: „Bayerischer Hof soll unter Denkmalschutz gestellt werden“, was tatsächlich im gleichen Jahr geschah. Keine Einigkeit gab es im Stadtrat zu der Zeit auch über die Zukunft der Alten Oberschule, die einige Fraktionen zu  einem „Haus der Begegnung“ machen wollten. Die SPD war dagegen, die CSU dafür. Seit Februar 2013 steht auch die Alte Oberschule (ehemals „Villa Bayerlein“) unter Denkmalschutz, einschließlich der Garagen auf dem rückwärtigen Grundstück und der Einfriedung. Das Gebäude gehört seit 1938 der Stadt Starnberg.

Mit dem 2002 neu gewählten Bürgermeister Ferdinand Pfaffinger (heute Vorsitzender der UWG) bekamen die von einem Architektenteam um Otto Gaßner (CSU/UWG) seit 1984 angestellten Überlegungen zur Seeanbindung und künftigen Verkehrsführung am Seeufer eine neue Dimension. Sie wurden Grundlage des von Gaßner 1987 ausgehandelten Vertrages zwischen der Stadt Starnberg und der Deutschen Bahn. Spätestens ab diesem Zeitpunkt war das Schicksal des Bayerischen Hofes untrennbar mit diesem Projekt verbunden. Nach Durchführung der Runden Tische zur Suche der besten Lösungen für die Stadt in Sachen Verkehrsführung und Seeanbindung folgte im Juni 2004 der Stadtratsbeschluss, einen Katalog von Planzielen für einen Ideenwettbewerb zu erstellen. Ergebnis des 2006 auch durchgeführten Wettbewerbs war die Planung des Architekturbüros „morpho-logic“, das Grundlage für das weitere Vorgehen sein sollte und erhebliche Baurechtsmehrungen auf den Flächen von Bayerischem Hof und Alter Oberschule vorsah. Bis 2008 wurden die neue Gleisplanung sowie die Gedanken zum städtbaulichen Rahmenplan vertieft. Seither suchte der Stadtrat immer wieder Möglichkeiten den Bayerischen Hof als Hotelstandort zu erweitern, an Investoren zu verkaufen oder die Grundstücke in Erbpacht zu vergeben, was bisher jedoch zu keinem greifbaren Erfolg geführt hat. Spätestens seit 2011 ist bekannt, dass das Gebäude in einem sehr schlechten Zustand ist, das Dach undicht und die Statik mangelhaft. Auf eine Sanierung konnte sich der Stadtrat jedoch nie verständigen. Ein Interessenbekundungsverfahren zur Suche eines Investors für den Umbau, die Sanierung und den Betrieb durchzuführen war der letzte Schritt im Jahr 2018. Über das positive Ergebnis wurde der Stadtrat Anfang 2019 informiert. Er beschloss dem Vernehmen nach den Investorenwettbewerb durchzuführen, was aber bisher wohl nicht stattfand, weil die Politik  zu sehr mit dem Streit rund um die Verjährung des Vertrags aus 1987 zwischen Stadt und Bahn befasst war, als dass sie sich um ihre Immobilie gekümmert hätte.

Entwicklung des Gebäudezustands

Solange der Bayerische Hof von Pächtern betrieben wurde, hat es die Stadt denen überlassen, die für ihren Betrieb notwendigen Reparaturen durchzuführen. Sowohl Rudi Gaugg als auch Nicolas Schrogl haben viel investiert. Nachdem nach den Protesten in den 1980er Jahren klar war, dass die Starnberger Bürger einem Abriss des Hotels  nicht ohne weiteres zustimmen würden, redete auch kaum noch jemand davon. Von einer Sanierung auf Kosten der Stadt war aber auch keine Rede. Hauptsächlich wurden Ideen zur Verwertung der Immobilie entwickelt, diskutiert und am Ende meist wieder zerredet.

Im Juli 2001 verabschiedete der Stadtrat einstimmig den Rahmenplan für die künftige Entwicklung der Stadt Starnberg. Unter den Planungszielen ist zum Bayerischen Hof Folgendes zu finden: Der Hotelausbau sei in gehobener Kategorie intensiv zu verfolgen. Für die Alte Oberschule lautete das Ziel: Sollte dieses Areal nicht für die Umsetzung der Hotelpläne benötigt werden, sei eine öffentliche Nutzung, zum Beispiel als Bürgerzentrum, oder mit einer neuen Tiefgarage für die Allgemeinheit im rückwärtigen Bereich das Ziel. Allgemein solle man in der Stadt versuchen, heißt es wörtlich: „möglichst viel der noch vorhandenen historischen Bausubstanz zu erhalten und – soweit erforderlich – zu sanieren. Diese Gebäude stellen ein wertvolles Kapital für das Stadtbild dar, sie dokumentieren die Geschichte der Stadt und geben ihr Identität (Sanierung vor Abbruch).“

Im Oktober 2004 benannte eine Arbeitsgruppe die Planungsziele.  Der Bayerische Hof, die Alte Oberschule und das Hansa Haus auf der Nordostseite des Rondells sollten zwar weiter die Stadtkante zum See bleiben, aber manche liebäugelten immer noch mit der von Architekt Böhm aufgebrachten Idee eines „lagunenartigen Hafenbeckens mit attraktiver fußläufiger Zuwegung zum See“. Weil sowohl Bürger als auch Stadträte sich darunter eher ein Becken mit brackigem und mit Müll verunzierten Gewässer vorstellten, wurde das in der Folge nicht mehr ernsthaft verfolgt. Daran änderten auch Vorschläge, wie dem Becken Frischwasser aus dem See oder Georgenbach zugeführt werden könnte, nichts.

Pfaffinger und der Rat starteten 2006 den städtebaulichen und landschaftsplanerischen Ideenwettbewerb zur Starnberger Seeanbindung, der Vorschläge bringen sollte, wie man die Trennung von Stadt und See durch die Bahn überwinden und gleichzeitig die Vorgaben des Vertrags von 1987 einhalten könnte. Mit den Zielen befasste sich auch der STAgenda Arbeitskreis Umwelt und Bauen und hielt als sein Ergebnis fest: „Als traditionelles Bauwerk und Hotelstandort mit Flair und Geschichte sollte der Bayerische Hof für Starnberg unbedingt erhalten bleiben. Umbau und Ergänzungen zu einem gastlichen Zentrum der gehobenen Kategorie mit allen nötigen Einrichtungen sind auf dem Grundstück möglich, ohne dass dies zu weiteren Beeinträchtigungen des Stadtbildes führen muss.“

Im September 2010 trat die Spaltung des Stadtrates in zwei Blöcke offen zutage. FDP, CSU sowie die damals noch gemeinsam agierenden Gruppierungen BLS/WPS wollten den möglichst schnellen barrierefreien Umbau des Bahnhof See. UWG, SPD und Grüne sahen dadurch die Umsetzung des Bahnvertrags von 1987 gefährdet. Der in namentlicher Abstimmung gefällte Beschluss zu Gunsten der Barrierefreiheit wurde zunächst als Beerdigung der großen Seeanbindung gewertet.

Am 7. Oktober 2011 hieß es wieder, die Zukunft des Bayerischen Hofes sei ungewiss und das Dach sanierungsbedürftig. Zudem machte der Brandschutz hohe Auflagen für den Weiterbetrieb des Hotels. Aus den nur nichtöffentlichen Beratungen des Stadtrats sickerten lediglich die diskutierten Handlungsoptionen für die Immobilie durch: 1. Nur die dringendsten Arbeiten durchführen, 2. Das Hotel sofort im Rahmen der Seeanbindung an einen Investor verkaufen und 3. Die Stadt behält es und investiert ordentlich. Am 30. Januar 2012 wurde der interfraktionelle Arbeitskreis Seeanbindung unter der Leitung von Holger Knigge (SPD) damit betraut, Lösungen für alle Probleme der Stadt an ihrem Seeufer zu erarbeiten. Auf der Grundlage der städtebaulichen Rahmenplanung und der bahnbetrieblichen Planung sollten Alternativen entwickelt werden, die eine Umsetzung des Seeanbindungsprojektes unter städtebaulichen, ökologischen und finanziellen Gesichtspunkten ermöglicht. Frist wurde bis Februar 2013 gesetzt.

Aber schon Anfang Februar 2012 war man sich im Bauausschuss wieder nicht einig, wie mit dem Hotel verfahren werden soll. Dennoch erging einstimmig der Auftrag an die Stadtverwaltung, ein Gesamtkonzept zur statischen Sanierung einzuholen, gleichzeitig ein Brandschutzgutachten. Das Ergebnis war vernichtend: Der Dachstuhl sei noch nie richtig tragfähig gewesen, der Holzwurm und ständig eindringende Feuchtigkeit nagten daran. Die Geschossdecken des Hauses hätten eingeschränkte Tragfähigkeit, Brandschutztüren und Fluchtwege fehlten. Statiker Ernst Schilcher wies damals darauf hin, dass sich die Holzbalken über dem Cafe Prinzregent um zehn Zentimeter gesenkt hätten. Nach seinen Angaben bestand jedoch wegen der Statikmängel keine Lebensgefahr für Betreiber und Gäste. UWG-Stadtrat Jürgen Busse sah daraufhin keine Möglichkeit mehr, dass das Hotel rentabel geführt werden könne und empfahl den schnellen Verkauf. Alle Fraktionen sind damals aufgefordert worden, ihre Prioritäten bezüglich der Zukunft der Immobilien zu benennen. FDP-Stadträtin Iris Ziebart mahnte zur Eile und verlangte eine Beteiligung der Starnberger Bürger. Die würden im Dunkeln gelassen, weil der Stadtrat alles nichtöffentlich behandele, kritisierte sie.

Einstimmig entschied der Bauausschuss im November 2012 ein Plangutachten zur Ermittlung der denkmalpflegerischen und städtebaulichen Belange zur Gebäudesanierung und künftigen Grundstücksentwicklung in Auftrag zu geben. Im Dezember 2012 stellt der Bauausschuss 120000 Euro in den Haushalt ein, damit die „Seeterrassen“ – 2006 aufgetaucht mit dem Architektenentwurf von „morpho-logic“ – überarbeitet werden. Die hätten nämlich zwischen dem Bayerischen Hof und den Bahngleisen die Sicht auf den See und das Gebirge beeinträchtigt. Gaßner stellte fest: „Die Stadt ist wegen dem Zustand des Bayerischen Hofes unter Zugzwang, die Fläche zu überplanen.“ Im Februar 2013 platzte dann die Nachricht herein, Kreisheimatpfleger Gerhard Schober sei es gelungen, auch die Alte Oberschule unter Denkmalschutz stellen zu lassen. Eva John, die seit November 2012 gemeinsam mit Josef Pfister der CSU den Rücken gekehrt und die Gruppierung „Bündnis Mitte Starnberg“ gegründet hatte, freute sich und zitierte Schober, der gesagt habe, das Ensemble aus Alter Oberschule, Bayerischem Hof und Hansa-Haus sei „unbedingt und ungeschmälert in dieser Form“ zu erhalten. Bürgermeister Pfaffinger ließ nun entlang des Daches des Bayerischen Hofes Schutznetze anbringen, damit möglicherweise abbrechende Sparren nicht herabfallen und Menschen gefährden. Fluchttreppen wurden aus Baugerüsten an der Südwestseite angebaut und Räume im Ober- und Dachgeschoss gesperrt. Der Bürgermeister kündigte an, die Stadt werde 20000 Euro investieren um Undichtigkeiten am Dach und den Dachfenstern feststellen und beseitigen zu lassen. Starnberg entwickle sich zum „Gratlerdorf“, schimpfte Ziebart in der Sitzung. Der bekannte Sanierungsaufwand belief sich inzwischen auf 2,7 Millionen Euro gesamt. Im städtischen Haushalt 2012 wären 600000 Euro vorhanden gewesen – für die Dacherneuerung. Ziebart beantragte das Geld genau für diesen Zweck einzusetzen. Pfaffinger ließ über ihren Antrag aber gar nicht abstimmen. WPS-Stadtrat Günther Picker warnte: „Das Haus wird verrotten und ein Investor wird es wegreißen.“ Knigge unterstellte: Die, die die Dachsanierung jetzt forderten, hätten sich nur verbündet, „um der Seeanbindung in den Arm zu fallen“, sprich diese zu verhindern.

Die eingeholten und dem Stadtrat vorgestellten Gutachten hatten vernichtende Ergebnisse, was den Bayerischen Hof betrifft. Die Stadt konnte auf Grund des Zustandes des Gebäudes und der durch eine Dienstbarkeit beschränkten Verwertbarkeit der Grundstücksflächen hinter dem Hotel nur mit einem Erlös von einem Euro rechnen. In den Aufstellungen zu Erträgen aus Grundstücksverkäufen für die Seeanbindung hieß es fortan immer „Ohne Bayerischen Hof und Volkshochschule“. Letztgenannte ist bekanntlich in der Alten Oberschule untergebracht. Die Haushaltslage der Stadt  Anfang 2014 war dennoch ganz auf die Umsetzung der ehrgeizigen Seeanbindungspläne ausgerichtet: Auf dem  Rücklagenkonto lagen 15,5 Millionen Euro. Dafür war aber die Schuldenobergrenze von 23 Millionen Euro nahezu erreicht. Rechtliche Folge davon: Die Stadt hätte bis 2017 keine Kredite für neue Vorhaben, zum Beispiel für eine Sanierung des Bayerischen Hofes, aufnehmen dürfen. Im April 2014 legte Pfaffinger dem Stadtrat das Abschlussprotokoll des Arbeitskreises Seeanbindung vor. Er und die Unterstützer des Projektes hielten dieses für unterschriftsreif, waren sich aber kurz nach der nicht in ihrem Sinn ausgegangenen Kommunalwahl im März 2014 im Klaren, dass sie im Stadtrat dafür keine Mehrheit mehr erreichen werden. Eine Abstimmung wurde deshalb nicht durchgeführt. Stattdessen erging der Auftrag an die Verwaltung die prognostizierten Kosten für die Seeanbindung von 63 Millionen Euro samt gegengerechneter Erlöse aus Verkäufen und Zuschüssen (29,6 Mio. Euro) von Fachleuten überprüfen zu lassen. In 2015 bestimmte der Stadtrat auch, dass die neue Bürgermeisterin Eva John die noch von Pfaffinger ausgehandelte „verkehrliche Aufgabenstellung (VAST)“ auf der Grundlage der von ihm mit der Bahn vereinbarten Planung nicht unterschreiben darf. Die CSU verlangte über die Seeanbindungspläne zunächst einen Bürgerentscheid durchzuführen. Der war aber nicht zulässig, weil ein Nein der Bürger die Stadt vertragsbrüchig gegenüber der Bahn hätte werden lassen. Später wollten die Christsozialen eine Abkehr von den Plänen, die Gleise am Seebahnhof in anderen Radien zu verlegen und forderten Neuverhandlungen mit der Bahn. Das Ergebnis der Kostenüberprüfung zur Seeanbindung lag erst im Juli 2016 vor. Die tatsächlichen Kosten wurden nun mit 115 Millionen Euro beziffert. Der Stadtrat fällte mit 16:11 Stimmen den Beschluss, die Finanzierung der Seeanbindung sei nicht sicher gestellt, was John der Bahn mitteilen solle und dies auch tat.

Am 31. Dezember 2017 verjährten die Verträge mit der Bahn aus 1987. Der Versuch, sich 2018  noch mit Hilfe einer Mediation auf eine gemeinsame Lösung zu einigen, scheiterte, weil die Bahn im Juli 2019 ohne Vorankündigung aus dem Prozess ausstieg. Das Unternehmen machte bekanntlich 2020 fristwahrend per Klage Schadensersatz in Höhe von 170 Millionen Euro wegen Nichterfüllung des Vertrags geltend. Die Stadt geht gegen diese Klage selbst vor. Bürgermeister Janik muss weiter verhandeln.

Wie oben schon beschrieben forderte der Stadtrat 2017 für den Bayerischen Hof ein Interessenbekundungsverfahren und einen Investorenwettbewerb durchzuführen, was 2018 geschah (mehr dazu im folgenden Kapitel).  Im Januar 2019 ließ eine extreme Wetterlage den Landkreis im Schnee versinken. Bürgermeisterin John entschied eingedenk des einige Jahre zuvor in Bad Reichenhall unter Schneelast eingebrochenen Daches einer Sporthalle mit zahlreichen Todesopfern die Dächer aller der Stadt gehörenden gefährdeten Gebäude abräumen zu lassen. Beim Bayerischen Hof ging das nicht ohne die Drehleiter der Feuerwehr, deren Verwendung angeordnet werden musste, weil der Kommandant sie eigentlich nicht dafür hergeben wollte. Diese Vorsorge mag das altehrwürdige Hotel damals vor Schlimmerem bewahrt haben. Nur wenige Tage vor dem letztjährigen Weihnachten erließ nun Bürgermeister Patrick Janik ein Nutzungsverbot für das Hotel und die im Anbau untergebrachte Griechische Taverne. Die Pächter dürfen nicht weitermachen. Laut Janik ist bei einer Begehung von Fachleuten von Stadt und Landkreis Gefahr für Leib und Leben festgestellt worden, sollte der Bayerische Hof und die Taverne wie bisher bewirtschaftet werden. Dem Vernehmen nach erging jedoch keine schriftliche Nutzungsuntersagung durch das Landratsamt. Janik sprach diese trotzdem aus und zog seinen persönlichen Schluss aus der aktuellen Lage: „Ein Abriss ist wahrscheinlicher als eine Sanierung.“ So wird er von Lokalzeitungen zitiert. Und: er wolle ein neues Interessenbekundungsverfahren durchführen, eventuell unter Einbeziehung der Alten Oberschule.

Die Verwertungsversuche

Nachdem die Versuche in den 1970er und 1980er Jahren gescheitert waren, den Bayerischen Hof zu verkaufen oder die Grundstücke in Erbpacht zu vergeben, war es zunächst längere Zeit still. Immerhin stand das Gebäude jetzt unter Denkmalschutz. Außerdem hatte die Stadt zuverlässige Pächter. Erst 1998 brachte ein Vorstoß der SPD wieder Bewegung in die Geschichte.

Die beiden SPD-Stadträte Reinhard Dirr und Holger Knigge riefen im März 1998 das neue „Forum Tourismus“ ins Leben. Seit 17 Jahren habe man nun schon über eine Lösung nachgedacht, mahnten sie. Gutachten lägen vor, zum Beispiel eines vom Hotel- und Gaststättenverband (Hoga). Ihrer Meinung nach sollten Pläne entwickelt werden die insgesamt 7000 Quadratmeter umfassenden Flächen des Bayerischen Hofes und der Alten Oberschule so zu nutzen, dass ein Drei- bis Vier-Sterne-Hotel mit mindestens 100 Zimmern realisiert werden kann. Knigge und Dirr plädierten für eine professionelle, international agierende Vermarktung des Areals. Vorbedingung sollte aber immer sein, dass die Außenansicht der Oberschule und die Fassade des Bayerischen Hofes erhalten bleibt. Erfolg war diesem Vorstoß nicht beschieden.

Im Oktober 2011 machte vielmehr der Brandschutz ernst, erklärte die Dachgeschossräume und einige Zimmer im zweiten Obergeschoss für nicht mehr nutzbar. Seitdem wurden die Verträge mit dem Hotelpächter vom Stadtrat zwar regelmäßig verlängert, in  jüngsten Zeit aber nur noch um jeweils ein Jahr. Bürgermeister Pfaffinger wollte so schnell wie möglich verkaufen.

Im Januar 2012 gab es im Rahmen der „immobilienwirtschaftlichen Entwicklung“ ein Gutachten von Thomas Nünninghoff, der den Verkauf beider Immobilien – Bayerischer Hof und Alte Oberschule – in einem Zeitraum von ein bis zwei Jahren für realistisch hielt. Seiner Ansicht nach wäre beides zusammen als Sitz eines größeren Unternehmens geeignet gewesen, wenn im hinteren Bereich Zubauten für Büros zugelassen würden. Auch ein medizinisches Zentrum oder eine hochwertige „Altenwohnanlage“ konnte sich der Gutachter hier vorstellen. Als möglichen Verkaufspreis  nannte er 16,5 Millionen Euro für beide Immobilien zusammen. Im gleichen Monat meldete sich der inzwischen gegründete Bürgerverein „Schöner zum See (SzS)“ mit seiner Aktion „See- und Bahnzugang 2012“ zu Wort: Kritisiert wurden die in der Planung von „morpho-logic“ vorgesehenen „Seeterrassen“, die mit ihrer 110 Meter Länge vor dem Bayerischen Hof die Sicht auf See und Gebirge verstellten. Außerdem war der Verein, der immer noch eine Seeanbindung ohne vorherige Verlegung und Veränderung der Gleisradien verfolgt und die Wiederherstellung des historischen Erscheinungsbildes des Seebahnhofes fordert, davon überzeugt, dass es nicht zulässig ist, die Seeanbindung durch den Verkauf wertvoller stadteigener Immobilien zu finanzieren. Anderes wollte UWG-Stadtrat Busse aber wie schon berichtet im Februar 2012. Er sah keine Möglichkeit mehr das Hotel rentabel zu bewirtschaften und wollte wie der Bürgermeister schnell verkaufen. Pfaffinger berichtete von angeblichen 22 Investorenanfragen seit 2006.  John erinnerte dagegen daran, dass es Pflicht der Stadt sei, die Baudenkmäler zu erhalten. Aber Busse machte beim UWG-Stammtisch aus seinem Herzen keine Mördergrube: Den Bayerischen Hof durch die Stadt zu sanieren „ist Geldverschwendung, dass die Augen tränen“. Denn die Investoren würden sich um das Haus reißen, sagte er.

Gleichzeitig mit dem im November 2012 in Auftrag gegebenen Plangutachten zur Ermittlung der denkmalpflegerischen und städtebaulichen Belange setzte Pfaffinger durch, dass jetzt schon der Verkauf oder die Vergabe im Erbaurecht von einem Steuerungsbüro vorbereitet wird. Dabei musste er auf Nachfragen zugeben, dass er mit den Nachbarn des Hotels noch gar keine Verhandlungen über die eventuelle Aufhebung der diesen eingeräumten Dienstbarkeit geführt hatte. Hierbei handelt es sich um eine Beschränkung der Höhe von Neubauten zu Gunsten des See- und Gebirgsblicks der nördlichen Nachbarn. Später verhandelte Pfaffinger doch mit diesen, um ihnen die Dienstbarkeit abzukaufen. Ob das realisiert wurde ist nicht bekannt. Josef Pfister (BMS) mahnte zu dem Zeitpunkt nochmals eindringlich, trotz allem müssten die dringend notwendigen Sanierungsarbeiten angepackt werden. Vergeblich.

Im Februar 2013 berichtete die Verwaltung wiederum nichtöffentlich im Arbeitskreis Seeanbindung. Mitte März 2013 vergab der Stadtrat das Plangutachten an Lutz Heese, den damaligen Präsidenten der Bayerischen Architektenkammer. Der schlug vor, die Anzahl der Hotelzimmer im Altbau von 37 auf 25 zu reduzieren, insgesamt über Zubauten an Stelle der Remise hinter dem Hotel Raum für 100 Zimmer zu schaffen. Für die Alte Oberschule empfahl er den Umbau in hochwertige Wohnungen. Heeses enger Zeitplan: Schon im Juni solle ein Investorenwettbewerb mit zehn Teams starten. Eva John (BMS) monierte, dass noch gar kein Bebauungsplanverfahren durchgeführt worden sei, das den Bürgern Möglichkeiten zur Beteiligung gegeben hätte. In gleicher Sitzung lehnte der Stadtrat den Antrag von FDP, WPS, BMS und Josef Huber (CSU) ab, endlich die dringendsten Arbeiten zur Sanierung an der Statik und gegen die faulenden Hölzer am Dachstuhl in Auftrag zu geben. Die Mehrheit der Räte wollte stattdessen erst auf das Ergebnis des Investorenwettbewerbs warten. BLS-Stadtrat Rainer Marcinek fragte in der Sitzung vorsichtig: „Und wenn im Hotel doch etwas passiert?“ Pfaffingers Antwort: „Dann zahlt unsere Haftpflicht.“ Anfang April 2013 lag die Machbarkeitsstudie der „ABH-Architekturbüro Heese GmbH“ zum Thema „Starnberg Hotel ‚Bayerischer Hof'“ dem Rathaus vor. Bevor sie Ende September 2013 im Bauausschuss vorgestellt wurde, war das Areal und seine künftige Zweckbestimmung Teil bei den öffentlichen Planungswerksstätten zur Seeanbindung.

Fazit der Heese-Studie: Ein Investor müsste für ein Vier-Sterne-Hotel kräftig Geld in die Hand nehmen, und die Stadt könnte beim Verkauf der Flächen von Bayerischem Hof und Alter Oberschule kaum mit einem Gewinn rechnen. Heese hielt 115 Zimmer für realisierbar, wenn hinter den denkmalgeschützten Gebäuden zwei viergeschossige Neubauten und in der Alten Oberschule acht Wohneinheiten entstünden. Die Wohnungen könnten als sogenannte „Private Wings“ vom Hotel mitbewirtschaftet oder verkauft werden. Der Architekt hatte mit 8500 Quadratmeter Geschossfläche gerechnet – eine deutliche Steigerung gegenüber allen bisher angedachten Größen – und empfahl eine Tiefgarage mit 65 Plätzen. Im nichtöffentlichen Teil der Sitzung wollte Pfaffinger eine immobilienwirtschaftliche Betrachtung vorstellen, die untermauere, dass es keine Gewinnchance für die Stadt gebe. Zum Investorenwettbewerb sagte er, der sei bereits vorbereitet. Die immobilienwirtschaftliche Betrachtung, die bereits seit Juni 2013 vorlag, wurde erst später bekannt. Sie stammte aus der Feder des von Otto Gaßner vermittelten Büros „Kenstone, Real Estate Valuers“ und gab eine Bewertung über die Immobilien für die Seeanbindung ab. Zu „Bahnhofsplatz 12 und 14“ hieß es dort: Die Entwicklung des Gesamtgrundstücks mit Tagungshotel, Wohnhaus und Tiefgarage müsse unter den getroffenen Annahmen vollumfänglich subventioniert werden. „Die Einzelentwicklung des Hotelgrundstücks inklusive des Neubaus als Einzelmaßnahme ist wirtschaftlich nicht darstellbar.“ Die Rede war von einem symbolischen Grundstückswert im heutige Zustand inklusive vorhandener Bebauung in Höhe von nur einem Euro. Die WPS sah jetzt nur noch Chancen für ein kleines, feines Familienhotel mit moderaten Zimmerpreisen. Die Flächen dürften nur verpachtet, nicht verkauft werden. Verkaufen wollten auch BLS, BMS und FDP nicht und lehnten ebenso die Umsetzung der Heese-Vorschläge ab. FDP und BMS verlangten stattdessen ein öffentliches Bebauungsplanverfahren. Die CSU plädierte dafür, die Volkshochschule (Vhs) in der Alten Oberschule zu belassen, nicht zu verkaufen und ein Familienhotel mit maximal zwei Neubauten hinter dem Hotel zu planen.

Anfang 2017 waren 1,2 Millionen Euro für die Sanierung des Bayerischen Hofes in den Haushalt eingestellt. Es fielen einstimmige Beschlüsse: Die Hotelnutzung sollte beibehalten werden, die Verwaltung solle mit Hochdruck einen alternativen Standort für die Vhs suchen und ein Interessenbekundungsverfahren für den Bayerischen Hof durchführen. Ebenso einstimmig hieß es, ein Investor sei zu suchen. Ein vorheriger Investorenwettbewerb war 2016 mangels Interessenten gescheitert. Im Oktober 2017 berichtete Bürgermeisterin John dem Stadtrat von den Schwierigkeiten, das Interessenbekundungsverfahren durchzuführen und einen Ersatzstandort für die Vhs zu finden. Die Aufträge wurden erneuert. Am 28. März 2018 erschien die Aufforderung zur Abgabe eines Angebots im Rahmen eines Interessenbekundungsverfahrens für den Bayerischen Hof im Amtsblatt für den Landkreis. Frist war der 8. Juni 2018. Ziel war, einen Nutzer zu finden,  der den Erhalt des Gebäudes durch eine wirtschaftliche Lösung langfristig sichert. Auf die Brandschutzmängel und die Nutzungsbeschränkungen in der obersten Geschossen wurde hingewiesen. „Das historische Hotel Bayerischer Hof hat für die Stadt Starnberg eine hohe baukulturelle und städtebauliche Bedeutung und ist in der Bayerischen Denkmalliste eingetragen,“, hieß es in der Ausschreibung, „die Haustechnik muss komplett erneuert und auf das neue Nutzungskonzept angepasst werden.“ Laut der Pressesprecherin des Rathauses, Lena Choi, sollen sich auf das Interessenbekundungsverfahren zwei Interessenten gemeldet haben. Entsprechend der Beschlusslage sollte sich ein Investorenwettbewerb anschließen, der einer öffentlichen Ausschreibung vergleichbar ist. Der Stadtrat war 2019 bereits durchgehend im Wahlkampfmodus. Sachliches Arbeiten war so gut wie nicht mehr möglich. Der Investorenwettbewerb wurde nicht durchgeführt, weil es die Bauverwaltung nicht schaffte, bestätigte Choi auf Anfrage.

Ende 2020 ging es wie in den Vorjahren um die Frage, ob die Pachtverträge für Hotel und Griechische Taverne verlängert werden sollten. Nach einer ersten Beratung fanden Begehungen mit Landratsamt, Brandschutz, Statiker und anderen Fachleuten statt. Die Lokalzeitungen meldeten anschließend, der Bayerische Hof sei „einsturzgefährdet“ beziehungsweise „abbruchreif“. Die Verträge wurden daraufhin nicht verlängert. Stattdessen untersagte der Bürgermeister die weitere Nutzung. Man wolle sich mit großem Nachdruck kurzfristig Gedanken machen, wie es weitergehen soll, wird Bürgermeister Patrick Janik zitiert. Der Stadtrat solle so bald wie möglich über das Thema beraten.

(Verwendete Quellen: Die Bände 9 und 10 der „Starnberger Stadtgeschichte“, erschienen im Kulturverlag Starnberg,  Rahmenplan der Stadt Starnberg, „Menschen und Geschichten im Fünfseenland“ – ein Buch zum 100. Geburtstag des Landkreises Starnberg von Otto Walser, Berichte der Lokalzeitungen „Kreisbote“, „Starnberger Neueste Nachrichten“ und „Starnberger Merkur“ sowie das blogeigene Archiv.)

 

Fazit und Kommentar:

Der Bayerische Hof ist wie der ebenfalls denkmalgeschützte Bahnhof See der Stadt Starnberg ein Opfer des Vertrags zwischen Stadt und Bahn aus 1987, den die einen „unsäglich“ nennen, die anderen für eine der größten Errungenschaften der Starnberger Politik halten. Ohne diesen wären die Bahnsteige am Seebahnhof und ihre Zugänge von der Bahn längst barrierefrei umgebaut und hergerichtet worden. Weder die Bahn noch die Stadt hätten sich – wie geschehen – ständig hinter dem Argument verstecken können, dass jegliche Maßnahme vor dem Gleisumbau nach den Wünschen der Bahn eine Realisierung der Vertragsvorgaben unmöglich mache.

Auch das altehrwürdige Hotel an einem der prominentesten Standorte der Stadt wäre längst entweder von der Stadt selbst oder von einem Investor saniert  und florierend in Betrieb, hätten die politisch Verantwortlichen sein Schicksal nicht schon früh mit der Seeanbindung verbunden. Die war von Beginn an Ausfluss einer gewissen Großmannssucht. Der einstige, bereits in den 1950er Jahren aufgekommene Traum vom mondänen Starnberg mit Spielbank, Kongresszentren und Nobelhotels am See ist schon lange ausgeträumt, spätestens jetzt mit der Coronakrise.

Einflussreiche Politikvertreter haben den Bayerischen Hof und die Alte Oberschule statt sich auf echte Werte zu besinnen immer nur als das Tafelsilber gesehen, das man zur Finanzierung dieser Überflieger-Pläne einsetzen wollte. Dabei sind  die wertvollen Baudenkmäler durch Nichtstun – man musste ja ständig auf neue Gutachten und Wettbewerbsergebnisse warten – nun ordentlich unter die Räder gekommen.

Hat man etwas daraus gelernt? Nein. Denn statt von Sanierung wird schon wieder von Abriss, vom nächsten Interessenbekundungsverfahren und Investorenwettbewerb geredet. Dafür sollen in dem ansonsten angeblich geplünderten Stadtsäckel sogar 400000 Euro bereit stehen. Drei Mal dürfen wir raten, in welchem Zustand der Bayerische Hof sein wird, wenn dazu dann irgendwann Ergebnisse vorliegen. Könnte doch leicht sein, dass sich bis dahin die heimlichen Wünsche mancher Immobilien-Netzwerker erfüllt haben und Teile des Daches durch Einsturz – zum Beispiel nach heftigem Schneefall – das Innenleben des Hotels unwiederbringlich zerstört haben. Dann bleibt wirklich nur noch der Abriss. Na Bravo!

 

 

Moosaik – wichtiger Schritt geglückt

Der Bauausschuss des Stadtrates hat diese Woche einstimmig die Änderung des derzeit gültigen Bebauungsplanes für den Bereich zwischen Moos-, Petersbrunner- und Münchner Straße beschlossen und die Ziele für die Änderung festgelegt. Die Planungsleistungen für die Neuaufstellung des Bebauungs- und Flächennutzungsplan, die Grünordnungsplanung und den Umweltbericht werden laut Beschluss öffentlich ausgeschrieben. Hier die Pressemitteilung der Initiatoren und Investoren des Projektes „moosaik“ zu diesem Fortschritt:

 

„Ein lebendiges und besonders nachhaltiges Quartier mit einer urbanen Mischung aus Arbeiten, Wohnen und Freizeit am Starnberger Ortseingang als Ersatz für ein marodes Gewerbegebiet: Mit einem einstimmigen Beschluss macht der Starnberger Stadtrat den Weg frei zur Änderung des Bebauungsplans und damit für das Projekt „moosaik – das verbindende Quartier“. 

 

Am 10. Dezember 2020 wurde der nächste Baustein für ein innovatives Stadtquartier im Starnberger Westen gelegt. Die von der Starnberger Unternehmerfamilie Houdek vorgelegten Planungsziele für das rund 30.000 qm große Areal moosaik wurden vom Bauausschuss einhellig und unter großer Zustimmung angenommen. Um zugleich zukünftige weitere Entwicklungen im Umfeld anzustoßen, wurde ebenfalls ein Masterplan für das gesamte Gewerbegebiet beschlossen, der das Gewerbegebiet bis zur S-Bahn-Station Starnberg-Nord umfasst. Dem Stadtrat wurde ein Aufstellungsbeschluss für die Änderung des bestehenden Bebauungsplanes für das gesamte Gewerbegebiet unter Zugrundelegung der Planungsziele für das Areal vom Grundstück der Familie Houdek bis zum Grundstück der Familie Hauser an der Münchner Straße empfohlen.

 

„Beispielhafte Entwicklung für jede Stadt in Deutschland“ 

„Moosaik wird das Gesicht von Starnberg nicht nur prägen, sondern extrem positiv verändern“, attestierte Marc Fiedler, städtischer Referent für Bauen und Wohnen. „Das Projekt bringt Starnberg nach vorne, in einer Art und Weise, wie wir es hier noch nicht gesehen haben“, erwartet Fiedler. Das Projekt habe sich durch die konstruktive Zusammenarbeit von Bauherrn, Architekt, Verwaltung und Gestaltungsbeirat beeindruckend weiterentwickelt. „Bedenken wurden in einer beispielhaften Art Rechnung getragen“, lobt Fiedler. Für den Referenten steht fest, dass Starnberg eine Vorlage für modernen Städtebau abliefert. „Die Entwicklung dieses Quartiers ist beispielhaft für jede Stadt in Deutschland“, betonte Fiedler.

Zuvor hatte Stadtbaumeister Stephan Weinl mit Hinweisen auf den guten Verlauf der Zusammenarbeit für die Änderung des Bebauungsplans geworben. Es sei an der Zeit, das desolate Gewerbegebiet in Richtung urbanes Gebiet zu entwickeln. Auf Grundlage von verbindlichen Planungszielen kann das Verfahren nach der erfolgreichen Abstimmung in die nächste Runde gehen. Die Leitlinien legen unter anderem die Art der Nutzung für das künftige Quartier fest. Statt der bisherigen Monokultur ist ein bunter Mix aus Nutzungen gewünscht: innovative Gewerbebetriebe ebenso wie Handwerker, Dienstleister und Gastronomie ebenso wie Betreuungsangebote und öffentliche Einrichtungen als auch Zentralen von Rettungsdiensten. Ein Augenmerk soll auch auf der Schaffung von Wohnraum liegen.

Das Thema Nachhaltigkeit und Ökologie ist ein zentraler Aspekt der beschlossenen Planungsziele: vorgesehen sind unter anderem „klimagerechte Mobilitätskonzepte mit Verbesserung der Fuß- und Radwegeverbindung“, eine konsequente „Durchgrünung“ zur Förderung des Stadtklimas, „klimagerechtes Regenwassermanagement“ und auch die Architektur soll nicht nur „hochwertig“ und „dem Ort angemessen“ sein, sondern zudem „klimagerecht“.

Rudolf Houdek fühlt sich nach der Sitzung bestärkt, das moosaik weiterhin mit außergewöhnlichen Engagement und einem besonderem Qualitätsanspruch voranzutreiben. „Wir sind sehr angetan von der positiven Dynamik, die sich rund um das Projekt entwickelt hat. Ich bedanke mich bei den Stadträten für die gute Zusammenarbeit und das Vertrauen in unsere Arbeit“, so Rudolf Houdek.

Auch Robert Houdek blickt zuversichtlich in die Zukunft: „Trotz der besonderen aktuellen Bedingungen hat unsere Vision im vergangenen Jahr einen großen Schritt nach vorne gemacht. Ich glaube, hier ist nicht zuletzt die Teamarbeit ein Erfolgsrezept. Gerade wenn man als Bauherr viele Hausaufgaben zu erledigen hat, ist die gemeinschaftliche Herangehensweise ein wichtiger Antreiber“, so Robert Houdek.

 

Entwicklung in guter Nachbarschaft 

Nicht nur auf politischer Ebene kommt „moosaik – das verbindende Quartier“ gut voran: In der Zwischenzeit konnte die Investorengruppe unter Leitung von Rudolf und Robert Houdek die Gespräche mit der Nachbarschaft erfolgreich abschließen. So ist nun auch Familie Baasel mit ihrem ehemaligen Firmengelände offizieller Partner des Projekts. „Wir freuen uns, dass wir Teil dieser schönen Entwicklung sein können, die eine große Chance für ein zukunftsfähiges Starnberg bietet – sowohl was die spannende Architektur betrifft, als auch die vielseitige Nutzung“, so Susy Baasel.

Die Firma Baasel Lasertech hatte sich unter dem Label „Spitzentechnologie made in Starnberg“ einen Namen gemacht. Vor vier Jahren hat das erfolgreiche Unternehmen Starnberg in Richtung Gilching verlassen. Seither wurde viel über die bestmögliche Nutzung des ehemaligen Firmengeländes diskutiert. Auch durch die kooperative Vereinbarung mit Familie Hauser, die ihre Grundstücke in das Projekt einbringt, aber weiterhin als Eigentümerin im Bestand hält, wird moosaik seinem Namen als verbindendes Quartier gerecht. Zudem, weil es der Investorengruppe gelungen ist, noch weitere benachbarte Grundstücke anzukaufen und in die Planungen zu integrieren.

 

Gestaltungsbeirat schafft weitere Qualitäten

Auch die planerischen Arbeiten rund um Architektur und Städtebau wurden in den vergangenen Monaten engagiert vorangetrieben. Gerne sind die Bauherren einer Empfehlung der Verwaltung gefolgt, einen unabhängigen Gestaltungsbeirat einzuberufen. Hochrangige Experten fördern seither die Qualität des Konzepts in den Bereichen Städtebau, Architektur, Mobilität, Nachhaltigkeit und Umweltschutz mit ihren spezifischen Erfahrungen. Die von Kehrbaum Architekten skizzierte Vision eines gemischten Quartiers mit urbaner Dichte, viel Grün, ökologischen Baustoffen und nachhaltigen Mobilitätslösungen wurden von dem beratenden Gremium in mehreren Sitzungen reflektiert und in der Grundausrichtung sehr positiv bewertet. „Ich freue mich, dass wir die Möglichkeit bekommen haben, unsere Konzepte durch den ganzheitlichen Blick hochkarätiger Experten und Kollegen mit ihrem ganz speziellen Blickwinkel zu fokussieren. So kommt das gesamte Projekt in den Genuss einer zusätzlichen Qualitätssteigerung“, betont Architekt Kehrbaum. „Ich freue mich, dass der Beirat einhellig von dem Gesamtkonzept überzeugt ist“, so Kehrbaum. Er freue sich darauf,  die zusätzlichen Empfehlungen in das Projekt einarbeiten.

Die Namen und Funktionen der Personen im Gestaltungsbeirat gewährleisten höchste Expertise: Im Bereich Stadtplanung kommen die Anregungen von Prof. Franz Pesch. Im Feld der Architektur gibt Prof. Markus Allmann seine Erfahrungen weiter. Die Landschaftsarchitektur wird von Prof. Susanne Burger als Expertin für Landschaft und Freiraum bereichert. Unterstützt werden diese drei Experten von weiteren Spezialisten: Prof. Klaus Bogenberger, Leiter des Lehrstuhls für Verkehrstechnik an der TU München, berät in Sachen zukunftsfähiger Mobilität, Dr. Hans Michael Schober bewertet die Naturschutzaspekte unter besonderer Berücksichtigung des nahegelegene einzigartigen Biotops, während die energetisch vorbildliche Planung  von Prof. Thomas Auer, Lehrbeauftragter am TUM-Lehrstuhl für Gebäudetechnologie und klimagerechtes Bauen, unterstützt wird.

In bisher drei Sitzungen haben die Experten gemeinsam mit Bürgermeister, Stadträten und Verwaltung die vom Architekten vorgestellten Ziele vielschichtig betrachtet und diskutiert. Nachdem die Empfehlungen und Optimierungen eingearbeitet wurden, werden sie vertieft in die Planung einfließen.  

 

Nächster Baustein: Frühzeitige Bürgerbeteiligung

Die Ergebnisse aus der kollegialen Zusammenarbeit zwischen dem Gestaltungsbeirat und dem Architekten der Investoren sind nun zugleich die Grundlage des formellen Bebauungsplan-Verfahrens. Sobald der Beirat und der Stadtrat das städtebauliche Konzept bestätigen, kann die frühzeitige Bürger- und Trägerbeteiligung starten. In diesem Verfahrensschritt werden sowohl den Bürgerinnen und Bürgern als auch den Trägern öffentlicher Belange die Ziele der Planung umfänglich vorgestellt. Alle Starnberger Bürgerinnen und Bürger, aber auch sämtliche Fachstellen sind in diesem Zeitraum eingeladen, ihre jeweiligen Anregungen oder Bedenken zu dem Planungsziel zu äußern. Dies erfolgt voraussichtlich im ersten Halbjahr 2021.

 

Einmalige Chance für Starnberg 

„moosaik – das verbindende Quartier“ geht zurück auf eine Initiative der Starnberger Unternehmerfamilie Houdek, die gemeinsam mit Partnern und Nachbarn auf ihrem ehemaligen Werksgelände und im direkten Umfeld ein Quartier entwickeln möchte, das mit integrativem Nutzungsmix auf die Anforderungen modernen Städtebaus reagiert. Das marode Gewerbegebiet galt seit Jahren als Sorgenkind der Stadt. Vor allem der desolate Stadteingang mit seinen in die Jahre gekommen Gebäuden ließ in der Bevölkerung den Wunsch nach einer Veränderung immer stärker werden.

Gemeinsam mit der professionellen Unterstützung des erfahrenen Unternehmers Rainer Scherbaum sowie den Nachbarn Baasel und Hauser verwandeln Rudolf Houdek und Robert Houdek das Grundstück zwischen Moos- und Petersbrunner Straße in ein qualitativ hochwertiges und architektonisch ansprechendes Quartier, das die Bereiche Arbeit, Wohnen und Freizeit integriert und das Moos mit dem See verbindet.

Die besonderen Rahmenbedingungen machen die qualitätsvolle Planung überhaupt erst möglich. Durch die Eigentümerstruktur und das Ansinnen der Partner, die Immobilien im Bestand zu halten, geht es allen Beteiligten darum, ein wirklich nachhaltiges und qualitativ hochwertiges Quartier zu schaffen. So wird es möglich, einen Nutzungsmix zu realisieren, innovative Architektur auf den Weg zu bringen, Handwerk und Hightech zu verbinden, auf Holz und Recyclingbeton zu setzen, viel Begegnungsräume und Grünflächen zu schaffen und besonders ökologisch und energetisch vorbildlich zu planen. „Auf dieser Grundlage wird hier ein Pilotprojekt für zukunftsfähige Quartiere in Bayern entstehen“, ist Architekt Klaus Kehrbaum überzeugt.

Als die Vision am 23. Januar 2020 zum ersten Mal in der Vollversammlung des Starnberger Stadtrats vorgestellt wird und Architekt Klaus Kehrbaum die Leitlinien erläutert, gibt es einhellige Zustimmung. Das liegt auch an der Familiengeschichte. Es ist nicht das erste Mal, dass unter dem Namen Houdek entscheidende Akzente für die zukunftsfähige Entwicklung Starnbergs gesetzt werden: Die Houdeks waren 1962 die Ersten, die mit dem Bau ihres Firmensitzes an der Petersbrunner Straße, die Entwicklung des Gewerbegebietes am Moos angestoßen haben. “

Lesen Sie hierzu auch Gewerbegebiet Nord: Ein Stück Zukunft und Houdek-Pläne: Ziel im Bebauungsplan.