Wer wird BürgermeisterIn?

Vier Kandidaten haben sich in Starnberg um das Amt des Rathauschefs oder der Chefin beworben. Gestern Abend stellten sie sich auf Einladung des Starnberger Merkur den Fragen der Redaktion sowie Fragen aus der Bürgerschaft. „Unserer Meinung nach sind das die zentralen Themen für Starnberg, über die wir reden wollen“, erläuterte Chefredakteur Peter Schiebel im Rahmen der Begrüßung von Amtsinhaberin Eva John (Kandidatin von BMS,WPS), Patrick Janik (Kandidat von CSU, UWG, SPD und BLS), Kerstin Täubner-Benicke (Grüne) und Marc Fiedler (FDP). Die große Schlossberghalle war sehr gut gefüllt, unter den Besuchern auch zahlreiche Kandidaten für die Stadtratswahl, die wie die Wahl des Bürgermeisters am 15. März 2020 stattfindet.

Die „wichtigsten Themen“ – das waren Lösungen für  das Wohnraumproblem, die geplante Erweiterung des Gewerbegebietes in Schorn, Verkehrslösungen für Starnberg, die Seeanbindung und das, was Schiebel unter dem Begriff „Starnberger Verhältnisse“ ankündigte. Gemeint war damit das Klima im Stadtrat, das von Streit und Schuldzuweisungen geprägt ist. Zur Sprache kam dann noch die Haltung der Kandidaten zu Klimaschutz und zum eventuellen Bau von Windrädern auf Stadtgebiet sowie die Lage bei den städtischen Finanzen. Zum Schluss durften noch Fragen aus dem Publikum gestellt werden. Unter anderem ging es dabei um die Möglichkeiten, Starnberg attraktiver zu machen.

Die Berichterstattung wird das Augenmerk in erster Linie auf die Aussagen der Kandidaten lenken, die Unterschiede zwischen den Bewerbern verdeutlichen.

Wohnen:

Für Eva John „das allerwichtigste Thema“, das sie stark forcieren will. Um bezahlbaren Wohnraum zur Verfügung stellen zu können, brauche es eine gewisse Unterstützung der öffentlichen Hand. In der Innenstadt sieht sie kaum Möglichkeiten günstig Wohnungen herzustellen und anzubieten. Ihrer Ansicht nach ist es der richtigere Weg, günstig Bauland zu finden und zur Verfügung zu stellen. Sie verwies auf die schon geschafften Einheimischenmodelle Am Wiesengrund, in Percha und anderen Ortsteilen und kündigte erstmals ein Projekt für Söcking an. Die Stadt habe sich Richtlinien gegeben, wonach bei der Ausweisung neuen Baulands die Hälfte der Flächen einer Einheimischenbindung unterliegen. Insgesamt hält John die Schaffung von Wohnraum für eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.

Marc Fiedler will Geschosswohnungsbau im Kernbereich der Stadt zulassen, zum Beispiel an der Hauptstraße. „Wir müssen es schaffen, die Menschen ins Eigenheim zu bringen“, sagte er, weshalb die Stadt Flächen suchen, finden und zur Verfügung stellen sollte. Zwei bis drei weitere Einheimischenmodelle dürften schon noch kommen. Außerdem könne man die Rahmenbedingungen für den privaten Wohnungsbau verbessern.

Auch Patrick Janik sprach von „Verdichtung auf gut gelegenen Bezirken der Innenstadt.“ Die Eigenheime Am Wiesengrund sind seiner Ansicht nach schon zu teuer, weshalb die Stadt auch Eigentumswohnungen herstellen sollte. Zudem solle man damit aufhören, in Bebauungsplanverfahren die Anzahl der zulässigen Wohneinheiten vorzuschreiben.

Für Kerstin Täubner-Benicke ist eine wichtige Maßnahme, keine weiteren 3000 Arbeitsplätze in Schorn zu schaffen. Beim Geschosswohnungsbau sollten eher kleinere Einheiten mit flexibleren Grundrissen entstehen, damit der Wohnflächenbedarf nicht weiter steigt. Beratungsstellen für Bauwillige sieht sie als Aufgabe für Stadt und Landkreis zusammen. Die Trennung von Wohnen und Arbeiten solle aufgehoben werden und die Stadt mit Hilfe der Sozialgerechten Bodennutzung am Wertzuwachs beteiligt werden, wenn Bauland neu ausgewiesen werde.

Schorn:

Für Fiedler steht fest, dass die Stadt um ihre Aufgaben erfüllen zu können, mehr Gewerbesteuer einnehmen muss, zumal der Einzelhandel „gerade am Sterben ist, alle miteinander“. Schorn solle infrastrukturell gut angebunden werden. Er wolle einen Autobahnvollanschluss und eine gute ÖPNV-Anbindung. Wangen dürfe nicht die Ableitung von Schorn werden.

Janik sagte, 3000 Arbeitsplätze mehr schreckten ihn nicht. Die Kosten der Infrastruktur trage der Investor für das Gewerbegebiet in Schorn, weshalb auch eine gewisse Größe nötig sei, um ein rentables Projekt zu schaffen. Er verlangte statt des schon ausgehandelten Autobahnhalbanschlusses an die A95, einen Vollanschluss nachzuverhandeln. Die Erschließung des Gewerbegebietes nach Süden dürfe nicht durch Wangen verlaufen. Janik plädierte für eine Abstufung des Autobahnastes A952 nach Starnberg.

Auch John erinnerte daran, dass die Flächen nicht der Stadt sondern dem Investor gehören, bezweifelte aber, ob die geplante Größe, die die Bebauung von 21 Hektar, teilweise im Landschaftsschutzgebiet liegend, vorsieht, möglich sein wird. Die verkehrliche Erschließung ist für sie „wichtigstes Thema“, weshalb nächste Woche Gespräche mit Schäftlarn geführt würden. „Ich bin zuversichtlich, wenn sich eine breite Mehrheit für Schorn findet, können wir die Vertreter vom Bund auch für einen Vollanschluss an die Autobahn überzeugen“, sagte John. Eine Absage erteilte sie Plänen, das neue Gewerbegebiet um jeden Preis und in jeder Größe zu entwickeln, um Gewerbesteuer zu generieren. Sie lobte die gute Arbeit der Unternehmerschaft in Starnberg, die  jetzt schon für relativ hohe Gewerbesteuerzahlungen sorgten.

Täubner-Benicke sieht dagegen diese Steuerart als unsichersten Faktor in den städtischen Finanzen. Sie setzt auf ein Flächenmanagement für Gewerbeflächen in der Stadt und auf die Schaffung „eines kleinen Campus“ im Rahmen der Seeanbindung. In Schorn nur die heute schon bestehende Gewerbefläche zu entwickeln, dagegen hätten die Grünen nichts. Die Erweiterung darüber hinaus lehnten sie strikt ab. Angesichts der Klimaprobleme könne die Stadt nicht immer weiter wachsen und alles zubauen. Einzelhandel an der Peripherie zuzulassen sei ein Fehler. Insgesamt erteilte sie dem in ihren Augen „ruinösen Wettbewerb zwischen den Gemeinden“ hinsichtlich der Ausweisung von Gewerbegebieten eine Absage. Sollte Schorn doch kommen, benötige es neben dem unbedingten Autobahnvollanschluss eine gute ÖPNV-Anbindung.

Verkehr:

Die Kandidaten waren gebeten worden, sich zu Vorschlägen unter anderem denen der STAgenda (Projekt „Lebendiges Starnberg“, siehe “Lebendiges Starnberg” ist das Ziel) zu äußern, Durchgangsverkehr zu verbannen, oberirdisch vom Auto genutzte Flächen zurückzubauen, Geschwindigkeiten drastisch zu reduzieren, Einbahnstraßen und Sharded-Space-Flächen einzuführen, wenn möglich das alles schon vor der Fertigstellung des geplanten B2-Tunnels.

Täubner-Benicke lehnt eine Nord-Ost-Umfahrung für Starnberg ab. Sie will Verkehr vermeiden helfen durch Verbesserungen für den Rad- und Fuß-Verkehr und verlangt Tempo 30 überall, auch auf Staatsstraßen. Ab wann, sagte sie nicht.

Fiedler konterte: „Tempo 30 nein, Shared Space ja.“ Man müsse den Starnbergern weiter die Möglichkeit geben, mit dem Auto in die Innenstadt zu fahren. Helfen könne ein Parkleitsystem und ein Innenstadtbus. Eine Verkehrsart gegen die andere auszuspielen, lehne er ab.

John unterstützte die aufgezählten Maßnahmen mit „uneingeschränkt ja“, auch noch vor dem Tunnel, gerne zusätzlich die Umfahrung. Die STAgenda habe gute Vorarbeit geleistet, die fortgesetzt werden müsse. Eine Temporeduzierung werde „ganz sicher“ nötig, ebenso eine Neuverteilung der Verkehrsflächen für alle Verkehrsarten, worunter keiner leiden werde müssen. Sie hoffe auf sehr viel Verständnis beim neuen Stadtrat und in der Bürgerschaft.

Janik glaubt, dass Tempo 30 keine Umgewöhnung erfordert, weil man heute schon nicht schneller auf Starnbergs Straßen fahren kann. Er setzt auf eine bauliche Umgestaltung der Hauptstraße nach der Inbetriebnahme des B2-Tunnels, die Schaffung eines dann einheitlichen Einkaufserlebnisses entlang der Hauptverkehrsader. Überhaupt werde der Tunnel die Innenstadt vom Verkehr entlasten, wenn es ein abgestimmtes Gesamtkonzept zur Verkehrsführung gebe, was ihm bisher noch fehle.

Warum es bisher mit der Umfahrung nicht vorwärts gegangen sei, war die nächste Frage.

John erinnerte an die Weigerung des Stadtrates, schon 2016 die notwendigen Untersuchungen in Auftrag zu geben, was nun kürzlich geschehen ist. Der Mehrheitsbeschluss vom Februar 2017 – „B2-Tunnel bauen, ortferne Umfahrung planen“ habe das Projekt weiter zurückgeworfen. Der Freistaat habe schon immer gesagt, dass die Stadt die Planung für eine Umfahrung selbst erstellen müsse. „Auf dem Weg sind wir jetzt“, so John. Die Finanzierung wie bei der Westumfahrung in kommunaler Sonderbaulast mit hohem Zuschuss des Freistaates hält sie für möglich. „Ich bin enttäuscht, dass es nicht gelungen ist, statt des Tunnels die Umfahrung voran zu treiben“, schloss sie. Enttäuscht sei sie über Vorwürfe, sie habe dieses Projekt liegen lassen. Dies sei nicht gerechtfertigt und „es stimmt einfach nicht“, denn die Verwaltung tue alles, um Projekte des Stadtrates positiv zu begleiten.

Janik glaubt, dass Fortschritte anfangs nicht gelungen sind, weil eine in seinen Augen höchstproblematische ortsnahe Umfahrung noch im Gespräch gewesen ist. Den Beschluss vom Februar 2017 betrachtet er als Kompromiss. Ohne den Bau des Tunnels hätte die Umfahrung nie eine Realisierungschance gehabt. Er halte sich an das Versprechen, die ortsferne Umfahrung „planreif“ zu bekommen. Grundsätzlich hätte er sich eine höhere Arbeitsgeschwindigkeit gewünscht. Aber weil die Untersuchungen für die Umfahrung ohnehin länger dauerten, falle das nicht so ins Gewicht.

Täubner-Benicke glaubt gerade daran nicht, denn die Hindernisse bei Landschafts- und Naturschutz seien zu schwerwiegend. Viele Besucher lachten bei ihrer Behauptung, der Tunnel werde in sechs Jahren fertig sein. Dann sehe man, welche Entlastungswirkung er habe. Außerdem setzt sie darauf, dass sich die Mobilität in den nächsten Jahren verändert. Lange Planungszeiten verhinderten die Realisierung der Umfahrung sicher sowieso.

Fiedler glaubt, dass man die Planung der Umfahrung auch schneller hinkriegt, wenn man sich an die Beschlüsse hält. Liege die dann vor, komme es zum Schwur. Bei positivem Ergebnis der Untersuchungen müsse die Umfahrung auch gebaut werden.

Seeanbindung:

Janik glaubt, die Stadt habe „das Blatt überreizt“, aber auch weiter an einen Kompromiss mit der Bahn. Beide – Stadt und Bahn – müssten die Lösung im Vergleich suchen. „Die Visitenkarte unserer Stadt darf  uns auch etwas wert sein. Da ist Tafelsilber gut investiert“, sagte er. Tafelsilber, damit sind städtische Grundstücke und Immobilien gemeint, die für die Seeanbindung verkauft werden könnten. Wenn die Stadt der Bahn die Infrastruktur baue, müsse sie genauso Fördermittel bekommen wie wenn die Bahn selbst baue. „Beim Willen zu einer einvernehmlichen Lösung werden wir mit der Bahn auch über Dächer auf den Bahnsteigen reden können“, so Janik.

Fiedler verlangte, sich in die Bahn hineinzuversetzen. Die sei nämlich dem Bund als Eigentümer verpflichtet. Starnberg müsse endlich klären, was es wolle und was es dafür ausgeben würde. „Die Seeanbindung kann nur funktionieren, wenn der Stadtrat mit einer Stimme spricht“, ist er sich sicher.

Was das laut Janik überreizte Blatt angeht, wies John darauf hin, dass dieser bei der Mediation dabei gewesen sei. Ihren Worten nach bestand die „Krux“ zum einen in der nicht vorhandenen Finanzierbarkeit des Projektes für die Stadt, und in der von den Mediationspartnern vereinbarten Vertraulichkeit. Deshalb sei es jetzt wichtig, für die Öffentlichkeit begreiflich zu machen, um was es ging und geht. Für sie sei zu allererst eine Empfehlung aus der Bürgerschaft an den Stadtrat nötig, was realisiert werden soll. Nach der Suche nach der bestmöglichen Lösung komme der Versuch diese zu finanzieren. „Dann bekommen wir auch einen barrierefreien Bahnhof hin“, ist John überzeugt. Sie hat Verständnis dafür, dass die Bahn versucht, ihre Ansprüche aus dem 1987 zwischen Stadt und Bahn geschlossenen Vertrag durchzusetzen, hält aber auch eine außergerichtliche Einigung jederzeit für möglich und will diese auch anstreben. Wenn es nach ihr geht, werden die in der Mediation diskutierten Varianten visualisiert, die Kosten ermittelt und dann könne abgewogen und entschieden werden, welche Lösung weiter verfolgt werden soll. Sie selbst habe bei der Bahn immer den Willen, zu einer Einigung zu kommen, erkannt.

Für Täubner-Benicke gilt: „Verträge sind einzuhalten.“ Mit der Bahn seien sofort wieder Gespräche zu suchen. Die Stadt müsse zeigen, dass sie an einer Lösung interessiert sei.  Die „Riesenchance Seeanbindung“ dürfe Starnberg nicht vergeben.

Starnberger Verhältnisse

Wie kann man sie überwinden, was würde jeder der Kandidaten dafür tun, wenn er gewählt würde? Das war die Frage.

Janik will Transparenz und Fairness, mehr Einbindung des Stadtrates und die Wiedereinführung der Fraktionsvorsitzendenbesprechungen, wie es sie unter Altbürgermeister Ferdinand Pfaffinger  und dessen Amtsvorgänger Heribert Thallmair gegeben hat. „Bei diesen Dingen ist deutlich Luft nach oben“, sagte er.

Täubner-Benicke will auf die Einhaltung der Geschäftsordnung achten, den Stadtrat einbinden, keine kurzfristigen Sitzungen anberaumen, die dann Überlänge haben, und sie sprach sich für die Live-Übertragung der Sitzungen aus. Das werde die Stadträte disziplinieren und zu einem anderen Ton untereinander beitragen. Ratsprotokolle sollten für die Bürger nachlesbar sein. Mehr Dialog und ein Ende des Polarisierens wünsche sie sich.

John stellte fest: „Es geht nur im Miteinander.“ Hinterzimmerpolitik, zu der für sie die Fraktionsvorsitzendenbesprechungen gehören, lehne sie ab. Mit Blick auf die aktuellen Verhältnisse im Stadtrat sagte sie: „Ich habe ein Problem damit, wenn Menschen auf einen Wert oder auf eine Handlung reduziert werden. Jeder einzelne müsse seine Arbeit im Rat verrichten können, jeder dem anderen ordentlich begegnen.“ Dagegen sei der Ton in der Vergangenheit „manchmal schon etwas grob und verletzend“ gewesen. Wenn es nach ihr gehe, sollten die Inszenierungen weggelassen und stattdessen die Ergebnisse angeschaut werden. So habe man in den vergangenen Jahre viel erzielt. Die meisten der Beschlüsse seien einstimmig gefasst worden. So gut  und so oft wie möglich sollte öffentlich getagt werden. „Wenn man sich anständig begegnet, dann klappt auch das Miteinander“, so John.

Fiedler sprach sich dafür aus, andere Meinungen zu respektieren und anständig miteinander umzugehen. Er hätte auch gern Live-Übertragungen der Sitzungen. Bürgermeister, Verwaltung und Stadtrat müssten zusammenarbeiten.

Klimaschutz – Windräder:

Grundsätzlich vorstellen kann sich Janik Windräder. Er habe sich an den Anblick der Berger Windräder gewöhnt und könne sich das auf Stadtgebiet durchaus vorstellen. Es gebe ja schon sensibel ausgewählte Konzentrationsflächen.

John sagte, sie sei anfangs skeptisch gewesen, besonders weil mit dem Berger Forst aus ihrer Sicht grob umgegangen worden sei. Inzwischen sei die Akzeptanz für Windräder in der Bürgerschaft verbessert. Die Festlegung möglicher Standorte sei bereits getroffen. Der Klimaschutz erfordere Maßnahmen, also könne sie sich das auch für Starnbergs Zukunft vorstellen.

„Nicht gegen die Menschen“, warnte dagegen Fiedler. Wenn es unbedingt notwendig wäre, dann „Ja“.

Täubner-Benicke will Windräder nur, wenn es eine Mehrheit im Stadtrat dafür gibt. Würden die Bürger Möglichkeiten zur finanziellen Beteiligung erhalten, sehe sie Chancen, auf diese Weise energieautark zu werden. Dafür sollte die Stadt an vielen Punkten ansetzen, sich die Windkraft aber nicht vergeben.

Städtische Finanzen:

„Die Stadt kann keinen Vertrag unterschreiben, der 170 Millionen Euro für die Seeanbindung bedeutet“, mahnte John. Unter anderem vor dem Hintergrund der Mehrheitsentscheidung für den Bau des B2-Tunnels, der eine deutliche Belastung der Stadt mit Millionenbeträgen bedeute. Dennoch gelte, alles was im Interesse der Stadt sei, müsse im Haushalt abgebildet werden. „Wir haben zuverlässige Gewerbesteuerzahler, hohe Beteiligungen an der Einkommensteuer. Trotzdem wird die Luft dünner, wenn man die Aufgaben und Pläne des Landkreises berücksichtigt.“ Die Kreisumlage werde über 50 Prozent ansteigen. Starnberg zahle allein 20 Prozent der Umlage an den Landkreis, was eine überproportionale Steigerung bedeute. Gleichzeitig werde die normale Aufgabenerfüllung nicht billiger. Nötig sei eine Abwägung. „Die Stadt kann allein weder für die Seeanbindung, noch für den Tunnel oder die für diesen erforderlichen Zusatzanforderungen an die Feuerwehr aufkommen“, mahnte John. Sie lobte die Selbstdisziplin des Stadtrates, der entschieden habe, vor der Aufnahme neuer Kredite zuerst die Rücklagen zu verbrauchen bevor man für diese Strafzinsen zahle. Trotz allem habe man sich Einiges geleistet und zudem deutlich den Schuldenstand zurückgefahren, freute sie sich.

Fiedler schlug vor, den Gewerbesteuerhebesatz zu senken, um mehr Betriebe nach Starnberg zu locken, die dann hier Steuerzahler würden. Wegen der Großprojekte müsse die Stadt auf den Bund zugehen und um Fördermittel bitten.

Täubner-Benicke sieht das Heil in einer Priorisierung der städtischen Projekte und lehnt eine Hebesatzsenkung bei der Gewerbesteuer ab.

Auch Janik ist für eine Priorisierung, aber die Projekte Tunnel und Seeanbindung tuen seiner Auffassung nach der Stadt gut, auch wenn sie etwas kosten. Das solle sich Starnberg leisten. Mehr Disziplin müsse an den Tag gelegt werden bei Dingen, die nur „schön zu haben“ seien. „Wir haben in den letzten Jahren immer etwas über  unsere Verhältnisse gelebt. Wir brauchen mehr Selbstdisziplin“, verlangte Janik.

Anbindung des Einheimischenmodells Am Wiesengrund ohne Nutzung der Jahnstraße:

Janik will eine direkte Verbindung vom Einheimischenmodell an die B2.

Täubner-Benicke will prüfen, was machbar ist.

John erinnerte daran, dass der Stadtrat bereits beschlossen habe, eine direkte Anbindung an die B2 zu verfolgen.

Die würde auch Fiedler unterstützen, und er riet, mit Pöcking gemeinsam zu bauen.

Lärmbelästigung durch den Bau des B2-Tunnels:

Janik rechnet nur mit geringen Belästigungen und warb um Verständnis dafür, dass es Beeinträchtigungen geben wird.

John weiß, dass Gründungen im Boden schon extreme Lärmbelästigungen erzeugen können. Sie hält die Baumaßnahme über mehrere Jahr mit den zusätzlichen oberirdisch nötigen Baustellen für eine „extreme Belastung für die Menschen“ in der Stadt. „Ich sehe das Gute, was Herr Janik in dem Projekt sieht, nicht so und hätte deshalb lieber abseits der Stadt eine Umfahrung bauen lassen“, sagte sie.

Auch Täubner-Benicke glaubt, dass der Tunnelbau Belastungen nach sich zieht. Sie wolle dafür werben, diese Jahre zu überstehen – für den dann am Ende deutlich reduzierten Verkehr in der Stadt.

Attraktivität von Starnberg – was tun?

Janik will die Innenstadt so attraktiv wie möglich machen, auch noch einmal mit dem Architekten des Kirchplatzes reden, ob der nicht in einzelnen Punkten von seinem Urheberrecht abrückt, was bisher Veränderungen verhindere. Weiter setzt er auf die Projekte Tunnel und Seeanbindung, eine geringe Reduzierung der Parkplätze in der Maximilianstraße und die Einführung eines Parkleitsystems.

Für Fiedler kommt Hilfe durch den Ausbau des kulturellen Angebots in der Stadt. Die Straßen sollten nach dem Vorbild der Maximilianstraße gestaltet, und für die Jugend mehr Angebote geschaffen werden.

Täubner-Benicke will mehr Platz für Fußgänger und Radfahrer, eine bessere Auslastung der Parkhäuser, und oberirdische Parkplätze teurer machen als die im Parkhaus. Der geplante Kulturbahnhof, das Kino und der Blick auf den See sind in ihren Augen die größten Pluspunkte.

John kann die von den Vorrednern genannten Maßnahmen unterstützen, erinnert aber daran, dass unter dem Kirchplatz die Tiefgarage der Sparkasse liegt und Baumpflanzungen wegen der geringen Überdeckung nicht möglich sind. Für sie ist wesentlich, dass der öffentliche Raum angenehm  und barrierefrei ist. Da habe man die letzten sechs Jahre viel hinbekommen und das müsse fortgesetzt werden. Sie kämpfe dafür, dass der Bürgerpark erhalten bleibt. Wie berichtet sehen andere Fraktionen dieses Grundstück als Tafelsilber, das für die Seeanbindung verkauft werden könnte. Beim Parken rechnet sie in Kürze mit der Einführung einer „Brötchentaste“ an den Gebührenautomaten, damit anfangs eine kurze Zeit gebührenfrei geparkt werden kann. Sie rief die Bürger auf, Verbesserungsvorschläge im Rathaus vorzubringen, dann würden diese diskutiert.

5G-Mobilfunkstandard:

Fiedler steht nach eignen Worten voll dahinter diesen einzuführen.

John sagte, sie könne Sorgen und Ängste hinsichtlich der Unbedenklichkeit der Strahlung verstehen und habe kein gutes Gefühl bei der gesetzlich vom Bund beschlossenen Einführung. „Man muss nicht bedingungslos jeder neuen Technologie nachlaufen“, sagte sie und kündigte an, dem Stadtrat vorschlagen zu wollen, in jedem Fall einer Sendeanlage sorgfältig abzuwägen. „Eine generelle Verhinderung werden wir aber nicht hinbekommen“, glaubt sie.

Täubner-Benicke will die Risikoabschätzung noch abwarten. Ihr wäre ein flächendeckend funktionierender Standard mit 4G erst einmal wichtiger.

Für Janik ist die Schädlichkeit der Technik bisher nicht nachgewiesen, müsse aber noch geprüft werden.

Barrierefreiheit Bahnhof See:

Laut Janik eine Angelegenheit der Bahn.

Für John ist das ein 100prozentiger Wunsch der Bürger und des Stadtrates. Sie hofft, dass die Bahn der Stadt eine temporäre Hilfe zur Überwindung der Treppen auf den Bahnsteig erlaubt. Einen Ratsbeschluss dazu gibt es bereits.

Was wollen Sie für die Ortsteile tun?

Fiedler will die ÖPNV-Anbindung verbessern, Schulbusse wieder einführen und einen städtischen Ausbau verhindern.

John liegen nach ihrer Aussage die Ortsteile genauso am Herzen wie die Kernstadt. Für die lebendigen Dorfgemeinschaften sollten deren Wünsche politisch umgesetzt werden, so bei den Kinderbetreuungsangeboten, dem Stadtentwicklungskonzept für die Mitte von Söcking und bei Dorfentwicklungen wie in Wangen.

Täubner-Benicke findet das Leben in den Ortsteilen schön und will ebenfalls das ÖPNV-Angebot stärken.

Das will auch Janik, die bauliche Entwicklung behutsam fortführen und den dörflichen Charakter erhalten.

Gewerbegebiet Nord: Ein Stück Zukunft

Es tut sich etwas sehr Positives in Starnberg. Statt des durch jahrzehntelangen Stillstand im Gewerbegebiet Nord entstandenen eher unerfreulichen Anblicks der alten Produktionshallen der Firma Houdek und der benachbarten „vereinigten Hüttenwerke“ soll, wenn alle Beteiligten weiter an einem Strang ziehen, bis 2028 ein völlig neues, nachhaltig entwickeltes Quartier mit Angeboten an Arbeitsplätzen, Firmenstandorten, Wohnraum, Freizeiteinrichtungen und voraussichtlich sogar einer neuen Bleibe für Feuerwehr und Rotes Kreuz entstehen. „Das neue Jahr beginnt mit einem Paukenschlag“, formulierte es Bürgermeisterin Eva John heute vormittag bei der ersten Präsentation der Familie Houdek für die Öffentlichkeit. Dem Stadtrat waren die Ideen bereits im November in nicht öffentlicher Sitzung vorgestellt worden. Die Reaktionen der Fraktionen sind durchwegs positiv ausgefallen. Große Freude auch bei Christoph Winkelkötter, dem Chef der Gesellschaft für Wirtschafts- und Tourismusförderung des Landkreises.

Initiatoren des Projektes, das den Namen „moosaik – das verbindende Quartier“ trägt, sind die beiden Cousins Rudolf und Robert Houdek, die Enkel des legendären, 2008 verstorbenen Firmengründers auf Starnberger Boden und Mäzäns für den Fußballverein Bayern München, Rudolf Houdek und dessen Bruder Robert. Die gleichnamigen Enkel führen seit 2004 die „Rudolf und Robert Houdek GmbH“ mit Sitz an der Moosstraße 8 in Starnberg als Geschäftsführer. Herausragendes Markenprodukt, mit dem schon der Großvater und sein Cousin 1926 bei den Firmenanfängen in Böhmen Erfolg hatten, ist die heißgeräucherte Salami mit dem bekannten Namen „Kabanos“. Dazu kamen andere Wurstspezialitäten. Nach dem Zweiten Weltkrieg landeten die damaligen Houdeks als Flüchtlinge in Starnberg und bauten hier schnell, ausgehend von ihrer Metzgerei, eine eigene Ladenkette im Starnberger Umland auf. Die Firma brauchte Platz, und so entstand ab 1962 der Produktionsstandort an der Moosstraße im heutigen Gewerbegebiet. Als in den 90er Jahren Investitionsentscheidungen zu treffen waren, wogen die Firmeninhaber ab. Bessere Bedingungen als in Starnberg wurden ihnen in Arzberg in Nordbayern angeboten. „Eine Erweiterung am hiesigen Standort schien damals  von der Stadt Starnberg nicht so gewünscht“, sagte Rudolf Houdek heute. Die Produktion ging also nach Norden, aber die Muttergesellschaft mit Verwaltung und Vertrieb blieb in Starnberg, was auch so bleiben soll. Insgesamt macht die GmbH pro Jahr 125 Millionen Euro Umsatz und beschäftigt 480 Mitarbeiter. Sie gehört zu den Top 20 ihrer Branche in Deutschland. Mit Blick auf die Zukunft wollen Rudolf und Robert Houdek nun aber für sich und ihre Familien ein zweites Standbein entwickeln, das „moosaik“. Der neue GmbH-Firmensitz, möglichst konzentriert auf der Fläche des schon lange leer stehenden Wohnheims für damalige Mitarbeiter sowie der beiden Alu-Garagen nördlich der Petersbrunner Straße, sollte, wenn es nach ihren Wünschen geht, bereits in sechs Jahren fertig sein. Dann feiert die Firma Houdek nämlich ihr 100jähriges Bestehen. Dem fast wie ein ganz neues Stadtviertel anmutenden Projekt auf dem Gelände der alten Produktions- und Verwaltungsgebäude auf der Südseite sowie auf dessen Nachbarflächen, räumt man noch zwei weitere Jahre Bauzeit ein. Das sollte 2028 bezogen werden können.

Ein schwieriger Weg sei es bis heute gewesen, resümierte Rudolf Houdek. Die Firmengrundstücke waren in der Hand ihrer Väter und sollten nach dem Umzug der Produktion nach Arzberg an einen Investor verkauft werden. Das habe ihm und seinem Cousin Robert Kopfzerbrechen und schlaflose Nächte beschert, bis sie sich „mutig“ entschlossen hätten, in letzter Minute in den schon fertigen Kaufvertrag einzusteigen. Danach gab es viele Anfragen von Interessenten für die Flächen, deren Einzelhandelsprojekte jedoch nicht auf die Zustimmung der politischen Gremien der Stadt Starnberg stießen. Wer sich erinnert: Damals arbeitete der Stadtrat nach der erfolgreichen Verabschiedung des Rahmenplans für die Stadt an einem „Campus Starnberg Plan“ zur Entwicklung des Gewerbegebietes, hin zu einem hochwertigen Hightech-Standort. Einzelhandel war da nicht erwünscht. Die Pläne waren schön, hatten nur den Schönheitsfehler, dass sie nicht auf die Zustimmung der Grundstückseigentümer stießen und somit nur in äußerst bescheidenem Umfang überhaupt realisiert wurden. Am Ende der Petersbrunner Straße blieb alles wie es war. Der Ausdruck des Volksmunds „Vereinigte Hüttenwerke“ spricht für sich. Dort haben sich zahlreiche kleinere Firmen angesiedelt, denen im geplanten neuen Quartier wieder Flächen angeboten werden sollen. „Uns wurde klar, das wir ohne unsere Nachbarn nichts entwickeln würden können“, so Rudolf Houdek. Gewonnen haben sie inzwischen Carl Ferdinand Baasel, Harald Wimmer, Josef und Peter Kirchmayr sowie  Monika und Peter Hauser. Mit ihnen schlossen sie sich zur „Interessengemeinschaft der Grundstückseigentümer“ zusammen und machten sich auf die Suche nach Bauprofis und sonstigen Experten, die helfen können, die Idee für das Projekt, das die Umgebung der Moosstraße aufwertet, das Gebiet mit dem See verbindet, Unternehmen attraktive Standorte und den Menschen Arbeitsplätze, bezahlbare Wohnungen, öffentliche Einrichtungen und ein vielfältiges Freizeitangebot bietet, zu realisieren. Die sind inzwischen gefunden: Die Scherbaum Unternehmensgruppe, Bernd Schwarz Projektentwicklung, die Kommunikationsberaterin Alexandra Goldfuss und für Kommunikation & Konzepte „textbau.media“. Architekt soll Klaus Kehrbaum aus München sein.

Robert Houdek war es wichtig, darauf hinzuweisen, dass er und sein Cousin nicht nur ein Studium absolvieren mussten, sondern von ihnen auch der erfolgreiche Abschluss einer Metzgerlehre verlangt worden war, bevor sie ins Geschäft einsteigen durften. Ihre grundlegende Erfahrung deshalb: „Wichtig waren immer die Leute – die Firma besteht nur aus Menschen.“ Motivierte Mitarbeiter bekomme man jedoch nur, wenn man mit besonderem Charme punkten könne, besonders in einem Ballungsraum wie rund um München. Deshalb solle „moosaik“ eben auch Wohnungsangebote und Möglichkeiten der Kinderbetreuung sowie für die Einnahme eines Mittagstisches integrieren. So muss im ersten Schritt nun der Bebauungsplan geändert werden, der diese Nutzungen nicht ohne weiteres zulässt. Eingedenk der Tatsache, dass Houdek der erste Betrieb gewesen sei, der Bio-Produkte auf den Wurstmarkt gebracht und auf Regionalität geschaut habe, der in Arzberg ein Energieeffizienzprogramm auflegte, sprich: an die folgenden Generationen denke, sollen für das neue Quartier nur energiesparende Baukonzepte, Energieeffizienz, naturbelassene, ökologisch vertretbare Baumaterialien und langlebige Innenaustattungen in Betracht kommen. Eine entscheidende Rolle müsse der Baustoff Holz spielen. Teil der Planung sei auch ein hochwertiges Freiraumkonzept. „Wir wollen und stehen für Qualität“, versicherte Robert Houdek. Ihr Projekt solle Impulse geben für die Entwicklung des Umfeldes. Er und sein Cousin hätten sich zudem Gedanken gemacht über Verbindungen vom neuen Quartier zum See. Erste Visualisierungen ihrer Ideen zeigen eine Brücke, die die Bundesstraße 2 überspannt und so Gelegenheit gibt, vom heutigen Gewerbegebiet zu Fuß oder per Rad den See zu erreichen. Richtig festgelegt sei aber noch nichts. Politik und Bürgerschaft würden einbezogen und sollten ständig über den Stand der Planungen informiert werden. Am 23. Januar 2020 erfolge die Präsentation im Bauausschuss des Stadtrates, bis 2022 hoffe man einen Bebauungsplan als Grundlage für den Baubeginn zu haben, um dann 2028 ferig zu werden. „So unser idealtypischer Pfad“, schloss Robert Houdek.

Bürgermeisterin Eva John fand, die Familie sei „sehr, sehr mutig – und Mut muss belohnt werden“. Houdeks hätten nicht nur für sich gedacht, sondern die Nachbarschaft eingebunden und überzeugt, die besonderen Potenziale des Gewerbegebietes zu schätzen. Entstanden sei durch laufende Gespräche zwischen Rathaus und Eigentümern ab April 2015 eine Planung „die begeistert – wirklich absolut schön, was hier entstehen kann. Das wird ein städtebaulich hochwertiger Standort“. Der Stadtrat habe bei der Vorstellung im November schon seine Zustimmung erkennen lassen, auch zu dem Mix an Nutzungen, so dass im 35000 Quadratmeter umfassenden Quartier viele Aufgaben erfüllt werden könnten. John bedankte sich dafür, dass die Eigentümer hohe Verantwortung zeigen. Diese wollen die Grundstück übrigens in eigener Hand behalten. Das Projekt zeuge von großem Unternehmergeist und von Heimatverbundenheit. Beitrag der Stadt werde sein, es gern und zügig auf seinem Weg zu begleiten. Der erste Meilenstein sei bereits erledigt – der Aus- und Umbau der Petersbrunner Straße. „Auftakt für eine ganz besondere Quartiersentwicklung“, freute sich John.

Mehr Sitzplätze außen

Der Bauausschuss des Stadtrates hat das gemeindliche Einvernehmen zum Wunsch der Starnberger Eiswerkstatt erteilt, auf dem Kirchplatz mehr Außenschankfläche zu erhalten. So sollen es in Zukunft 100 Außensitzplätze und 18 Liegestuhlplätze sein, auf denen Gäste die Spezialitäten der Eiswerkstatt genießen können. Abweichend von bestehenden Vorschriften werden die dafür insgesamt notwendigen 139 Quadratmeter des Kirchplatzes von der Festsetzung im Bebauungsplan „Verkehrsfläche besonderer Zweckbestimmung Fußgängerbereich“ und der Forderung nach sieben Stellplätzen befreit. In der Beschlussvorlage der Bauverwaltung heißt es dazu: „Der erforderlichen Befreiung von der Feststetzung kann zugestimmt werden, da sie dem Ziel des Bebauungsplans, eine Belebung des Kirchplatzes mit unterschiedlichen Nutzungen zu erreichen, entspricht.“

Schorn: Von IHK-Ausschuss hinterfragt

Eine Mitteilung der IHK für München und Oberbayern:

„Wie sich die Entwicklung des geplanten Gewerbegebiets Campus Schorn auf den Wirtschaftsstandort und die Lebensqualität im Landkreis Starnberg auswirken wird, stand im Mittelpunkt der jüngsten Sitzung des IHK-Regionalausschusses Starnberg bei der Firma PTC Telecom in Wörthsee. In seiner Begrüßung verwies Unternehmer und Gastgeber der Sitzung Michael Padberg auf ein Kernthema der Arbeit des Ausschusses – die wirtschaftliche Weiterentwicklung des Standorts Starnberg. „Der Campus Schorn ist deshalb für die regionale Unternehmerschaft kein Nebenschauplatz. Wirtschaft muss sich weiterentwickeln können. Nur so können auch künftig ausreichend Gewerbesteuern in die kommunalen Kassen fließen“, betonte das Mitglied des IHK-Regionalausschusses.

Michael Nahr vom Planungsbüro Koch & Partner, vom Eigentümer Astopark mit der Beplanung des Gebiets beauftragt, stellte zunächst den Planungsstand vor. So sollen beispielsweise variable Grundstücksgrößen das Gebiet für örtliche Gewerbetreibende interessant machen. Der Fokus liege dabei auf Unternehmen aus Forschung und Entwicklung sowie Ingenieurbüros, so Nahr. Er betonte außerdem das vom Bauherren verfolgte Mobilitätskonzept, das möglichst viel motorisierten Individualverkehr aus dem Campus heraushalten will. So liege das Augenmerk neben dem geplanten Autobahnhalbanschluss auf der Anbindung des Campus über Expressbuslinien an die U-Bahn-Station Fürstenried West und die S-Bahnstation Starnberg Nord sowie an einen künftigen Radlschnellweg. „Um Kohlendioxid einzusparen, möchten wir außerdem mit den künftigen Grundstückseigentümern innovative Energiekonzepte umsetzen“, erläuterte der Architekt. Er erwähnte beispielsweise in die Fassaden integrierte Photovoltaik, Geothermie als Energiequelle oder auch die Entwicklung innovativer Kühlkonzepte.

Dass der Standort mehr Gewerbeflächen benötige, sei ein Fakt. Darauf verwies Andreas Fritzsche, Standortberater bei der IHK für München und Oberbayern. Die im IHK-Standortportal kurzfristig verfügbaren Gewerbeflächen mit Baurecht sind im Großraum München in den vergangenen zehn Jahren von 6.800 auf 1.000 Hektar zurückgegangen. Eine aktuelle Standortumfrage unter Unternehmen im Landkreis Starnberg ergab zudem, dass die mangelhafte Verfügbarkeit von Gewerbeflächen und die hohen Grundstückspreise den Unternehmern besonders unter den Nägeln brennt.

 

Die anschließende Debatte der Unternehmer um eine Positionierung des Ausschusses für das Gewerbegebiet brachte vielfältige Sichtweisen auf die Herausforderungen zutage, die mit der Entwicklung von Gewerbeflächen dieser Größe verbunden sind. Hinterfragt wurde vor allem das Mobilitätskonzept und der durch die 3.000 neuen Arbeitsplätze zunehmende Siedlungsdruck auf die Region bei bereits akutem Mangel an Wohnraum. Gemeinsam entschieden die Unternehmer, eine Positionierung zunächst zu vertagen und das Thema nochmals auf die Tagesordnung ihrer Sitzung im Vorfeld der Kommunalwahlen 2020 zu setzen.“

Öffentlichkeit Beteiligung für Schorn

Im nächsten Schritt erhalten die Öffentlichkeit, die Behörden und die Träger öffentlicher Belange Gelegenheit, sich im Bebauungsplanverfahren für die geplante Erweiterung des Gewerbegebietes in Schorn äußern und Anregungen geben zu können. Das hat der Stadtrat in seiner jüngsten Sitzung gegen die Stimmen von SPD, Grünen und Winfried Wobbe sowie Angelika Wahmke (beide UWG) beschlossen (20:6). Zuvor war der Antrag der Fraktion der Grünen, unterstützt von den selben, oben genannten Stadträten, mit 6:20 Stimmen abgelehnt worden. Sie hatten verlangt die Planungen zu stoppen und den beim Landkreis schon in Bearbeitung befindlichen Antrag auf Herausnahme der nötigen Flächen aus dem Landschaftsschutzgebiet „umgehend zurückzuziehen“.

Vor der Abstimmung war den Stadträten vom Vertreter des Büros „Koch + Partner Architekten Stadtplaner“ der Stand der Planung erläutert worden.  Er machte deutlich, dass man auf von der Politik geäußerte Kritik, zum Beispiel an den geplanten Höhen von Gebäuden, reagiert und diese reduziert habe (siehe Schorn: Mehrheit will keinen Stillstand und Schorn: Die Debatte und Schorn – wie es weiter geht). Und zwar sollen es nun nur noch maximal 20 statt bisher 25 Meter werden, was deutlich unterhalb der Höhe des umgebenden Waldes liegen wird. Der Planer kündigte an, dass der jetzige Stand des Masterplans „Campus Schorn“ einem Experten-Workshop vorgelegt werden soll, damit dieser ihn beurteilt. Das künftige Gewerbegebiet werde in auch vom Namen her unterschiedliche Quartiere unterteilt sein und maximal 3000 Arbeitsplätze bieten. Anspruch sei, eine hohe Wirtschaftlichkeit zu erreichen und den vorhandenen landschaftlichen Wert des Gebietes zu erhalten. Die Quartiere erhielten Größen zwischen 3000 und 12000 Quadratmeter und würden durch Gebäudeteile abgetrennt zu den Naturkanten. Bei der Energieversorgung wolle man innovativ denken. In vier Parkhäusern würden 1750 Parkplätze angeboten. Angelika Wahmke (UWG) regte an, stattdessen besser Tiefgaragen vorzusehen.

Martina Neubauer (Grüne) sprach ironisch gemeint von einem „sehr grünen Vortrag“. Tatsächlich gehe es aber um Flächenverbrauch, man holze ab, gefährde seltene Arten und den Wasserschutz. „Bei 3000 Arbeitsplätzen – was kommt da an Infrastruktur auf die Stadt zu?“, fragte sie und meinte, es sei besser, innerhalb der Stadt das vorhandene Gewerbegebiet zu überarbeiten. Gerd Weger (CSU) hält zwar zusätzliche Gewerbeflächen für nötig, will aber auch Raum für Handwerksbetriebe, die im Konzept noch fehlten. Auch müsse man Wohnraum mitplanen und prüfen, wo das möglich sei. Für Tim Weidner (SPD) macht schon das bestehende „Großgewerbegebiet Schorn“ Probleme, die Planung verschlimmere diese nur. Ludwig Jägerhuber (CSU) sah hingegen eine „verbesserte Planung“. Winfried Wobbe (UWG) bezeichnete sich als „fast Anlieger (Fercha)“ und schloss sich Weidner an. Die Verkehrsernschließung von Süden störe, weshalb man bessere Lösungen von Süden und Westen benötige. Günther Picker (WPS) dagegen befand: „Ein toller Entwurf. Wir werden zustimmen.“ Patrick Janik (UWG), der als gemeinsamer Bürgermeisterkandidat von CSU, UWG, SPD und BLS aufpassen muss, nicht zwischen allen Stühlen zu sitzen, meinte: „Das Projekt wird uns grundsätzlich gut tun. Aber die Bedenken der Anlieger hinsichtlich des Verkehrs muss man ernst nehmen.“ Franz Sengl (Grüne) monierte, es gebe keine Lösung hinsichtlich Wohnraum und Infrastruktur für das Verkehrsaufkommen. Jägerhuber plädierte dafür, angesichts des nun erreichten Stands der Planung ins öffentliche Bebauungsplanverfahren einzusteigen, damit die Bürger Gelegenheit zur Stellungnahme bekämen. Iris Ziebart (FDP) begrüßte die hochwertige Gewerbeentwicklung für Schon. So innovative Arbeitsplätze brauche die Stadt für die nächsten Jahrzehnte. Im Stadtgebiet selbst gebe es keine Chance so etwas zu bekommen. Auch Franz Heidinger (BLS) wollte Gewerbe „besser nach außen verlagern“. Die Stadt brauche Steuereinnahmen und es sei zugesagt, den Campus langsam zu entwickeln. „Echt verzweifelt“ äußerte sich dagegen Christiane Falk (SPD): „Unsere Jugend geht auf die Straße und wir betreiben dieses Projekt“, erinnerte sie an die „Fridays for Future“-Bewegung. „Dabei könnten wir die Hüttenwerke – das Gewerbegebiet an der Petersbrunner Straße entwickeln.“ Dieser Versuch war jedoch schon vor Jahren an den recht eigenwilligen Interessen der jeweiligen Grundstückseigentümer krachend gescheitert.

Umzug Wochenmarkt

Eine Mitteilung aus dem Rathaus:

„Ab Freitag, den 15. November 2019 findet der Söckinger Wochenmarkt künftig von 8 bis 13 Uhr auf dem Parkplatz der Pfarrkirche Sankt Ulrich in der Prinz-Karl-Straße 3 statt. Dort ist an diesem Tag eine Wochenmarktfeier mit kleinem Rahmenprogramm geboten. Außerdem besuchen der Irmgard- Stadler-Kindergarten sowie die Vorschulgruppe des Maria-Kempter-Kindergartens den Söckinger Wochenmarkt und lernen dort einzukaufen und sich gesund zu ernähren.

Der neue Standplatz kommt dem Wunsch der Söckinger Wochenmarkthändler nach einem attraktiveren Standort nach und bietet viele Vorteile. Der Platz liegt zentral in der Nähe der Andechser Straße, einer der Hauptverbindungsstraßen zwischen Starnberg und Söcking, Perchting und Andechs. Der Parkplatz der Pfarrkirche Sankt Ulrich ist außerdem großzügig geschnitten mit ausreichend Parkmöglichkeiten für die Kunden. „Ich danke der Pfarrei Söcking für die gute Zusammenarbeit und freue mich sehr, dass wir für den Wochenmarkt in Söcking einen neuen Standort realisiert haben, der Wochenmarkthändlern und Kunden entgegenkommt“, so Erste Bürgermeisterin Eva John.

Die Händlerzahl beim Söckinger Wochenmarkt kann durch den neuen Platz aufgestockt werden, weshalb ab sofort neue Händler, auch für den Starnberger Samstagsmarkt, gesucht werden. Wir suchen Fieranten und Direkterzeuger vorzugsweise aus der Region. Interessenten wenden sich bitte an ordnungsamt(at)starnberg.de oder 08151 772-106.“

Düker-Geothermie?

Im Ausschuss für Umwelt, Energie und Mobilität hat die Leiterin des STAgenda-Arbeitskreise Energie und Umwelt, Karin Wurzbacher über die Möglichkeiten referiert, über das für den B2-Tunnel geplante Dükerbauwerk am Almeida Weg Nahwärme zu gewinnen. Der Ausschuss hat einstimmig eine Machbarkeitssstudie in Auftrag gegeben (Kosten 7000 Euro), und das Rathaus erhielt den Auftrag, das für den Tunnelbau zuständige Staatliche Bauamt Weilheim um die Berücksichtigung der dafür nötigen Vorkehrungen bei Bau des Dükers zu bitten.

„Wir beschäftigen uns sei 2014 mit dem Thema Geothermie beim Tunnel“, sagte Wurzbacher. Zunächst sei die Weilheimer Behörde sehr zögerlich darauf eingegangen, inzwischen habe sich das aber geändert. Über das den Düker durchlaufende Grundwasser könnte eine technische Lösung mit einer Wärmepumpe betrieben werden. Vorreiter seien die Ingenieure beim U-Bahn-Bau in München, die so etwas schon machten, was auch vom Bayerischen Staat gefördert werde. Die STAgenda habe sich bei der Technischen Universität in München rückversichert, die bestätigt habe, dass das in Starnberg gut zu realisieren wäre. Verzichte man darauf, würden gute Ressourcen verschwendet, denn verglichen mit München, wo zehn Düker zusammengefasst werden mussten,  um eine ausreichende Grundwassermenge zu erhalten, reiche in Starnberg einer. Erforderlich sei ein Wasserdurchfluss von 100 bis 300 Liter pro Sekunde.

Wurzbacher riet der Stadt sich schon frühzeitig Gedanken über den Aufbau eines Leitungsnetzes zu machen, mittels dem die Wärme zu den anschlusswilligen Abnehmern transportiert werden könne – „bevor der Tunnel in zehn Jahren fertig ist“. Das Angebot richte sich vor allem an neue, heute noch nicht bestehende Wohngebiete. Die Leitungslänge könne bis zu 4,5 Kilometer betragen.

Stefan Frey (CSU) begrüßte es, die positiven Seiten des Tunnels zu nutzen. Anton Wiesböck (FDP) befürchtete Umweltbelastungen durch die mit dem Projekt verbundene Abkühlung des Grundwassers. Wurzbacher dazu: „Ich sehe keine großen Umweltbelastungen.“ Mit dem Wasserwirtschaftsamt sei man allerdings noch nicht in Kontakt gewesen.

Klaus Huber (WPS) sagte, seine Gruppierung stimme trotz ihrer ablehnenden Haltung gegenüber dem Tunnel zu, da die beabsichtigte Planung helfen werde „Fakten zu klären“.

Bürgermeisterin Eva John will den Beschluss zusätzlich noch vom Stadtrat bestätigt wissen.

Biergarten „In der Au“ sichern

Einstimmig hat der Bauausschuss die Aufstellung eines Bebauungsplanes sowie die dazugehörigen Ziele und die Erarbeitung eines Entwurfs beschlossen, die dem Erhalt des Biergartens des Gasthauses „In der Au“ dienen sollen (siehe auch Bebauungsplan soll Biergarten sichern). Nur knapp hatte der Antrag von Gerd Weger (CSU) Erfolg, beim Landesamt für Denkmalschutz zu beantragen, das dazugehörige Gasthaus in die Liste der schutzwürdigen Denkmäler aufzunehmen (7:6 Stimmen).

In der Beschlussvorlage des Bauamtes heißt es: „Die Gaststätte In der Au ist mit dem stadtbildprägenden Baukörper und dem Biergarten mit einem eindrucksvoll prägenden Baumbestand identitätsstiftend.“ Aufgrund der Sanierungsbedürftigkeit des Gasthausgebäudes müsse aber befürchtet werden, dass die vorhandene Nutzung aufgegeben und eine immobilienwirtschaftliche Entwicklung angestrebt werde. Es liege zwar noch kein Antrag vor, doch habe es 2016 und 2017 schon Gespräche gegeben, die solche Absichten erkennen lassen hätten. Das Bauamt empfahl deshalb einen großen Bebauungsplanumgriff, damit gesichert werden kann, dass durch umliegende Bebauung keine immissionsschutzrechtlichen Konflikte mit der Biergartennutzung entstehen. Der Umgriff umfasst nun den Bereich zwischen der Bahnlinie, der Münchener-, Leutstettener und Josef-Jägerhuber-Straße. Ziel der Bauleitplanung soll sein:

  • Erhalt des stadtbildprägenden Baukörpers, sowie die gastronomische Nutzung des Gasthofes In der Au
  • Erhalt des Biergartens
  • Erhalt des ortsbildprägenden Baumbestandes
  • Sicherung des Gebietscharakters unter Erhalt der bestehenden Mischnutzung
  • Maßvolle Nachverdichtung der vorhandenen Mischnutzung durch Wohn- und Geschäftsgebäude.

Wegers Antrag bezog sich nicht nur auf den eventuellen Denkmalschutz. Er wollte auch den Umgriff für die Bauleitplanung verkleinern. Sein Argument: Sonst gebe es im Bereich der Münchener Straße Probleme mit dem geplanten B2-Tunnel. Das sah Stadtbaumeister Stephan Weinl nicht so. Was seinen Wunsch betrifft, das Gasthaus in die Denkmalliste aufzunehmen, verwies Weger auf den alten Namen „Staltacher Hof“ und Zusammenhänge mit Hugo von Maffei.

Im in der Reihe „Starnberger Stadtgeschichte“ vom Kulturverlang der Stadt Starnberg herausgegebenen Buch mit dem Titel „Siedlungs- und Baugeschichte von Starnberg“, Band 9/1, heißt es dazu zum Bereich der Josef-Jägerhuber-Straße, an der das Gasthaus liegt:

„Das letzte Haus vor der Bahnlinie wurde 1839 vom Posthalter Michael Jung errichtet. Der als ‚Gasthof zur Neuen Post‘ bezeichnete Bau konnte zunächst noch gut vom wachsenden Durchgangsverkehr profitieren. Als 1881 Hugo von Maffei den Gasthof erwarb, ließ er ihn stark erweitern und belegte ihn mit dem neuen Namen „Staltacher Hof“. 1927 gelangte das Haus in den Besitz der Paulaner-Brauerei München. Der im Äußeren sehr schlicht und ohne besondere Details konzpierte Bau, heute als ‚Gasthof in der Au‘ bekannt, ist, in seiner Außenerscheinung zumindest, noch halbwegs gut überliefert. Von ganz besonderem Wert ist der gut erhaltene Biergarten mit seinem alten Baumbestand.“ Man darf nun gespannt sein, wie das Denkmalamt urteilt.

Ludwig Jägerhuber (CSU) erinnerte an einen alten Wunsch der Stadt, entlang des Bahndammes zwischen Kaiser-Wilhelm- und Münchener Straße eine Fußwegverbindung zu schaffen. Das könnte im Rahmen des Bebauungsplanverfahrens versucht werden. Bürgermeisterin Eva John meinte: „Das finden wir gut und nehmen es mit auf.“ Josef Pfister (BMS) bedauerte in diesem Zusammenhang, dass solche Weg auch anderswo längst gewünscht, teils sogar im Bauleitplanverfahren festgesetzt, aber nicht umgesetzt wurden, zum Beispiel im Bereich der Vordermühle, wo gerade große Neubauten entstehen.

 

 

Förderprogramm für Lastenfahrräder

Ein Budget von 20000 Euro pro Jahr hat die Ausschuss für Umwelt, Energie und Mobilität des Stadtrates jetzt für das neue Förderprogramm für die Anschaffung von Lastenfahrrädern gebilligt. Ab dem 1. Januar 2020 können Bürger, die sich ein solches Rad  (geschätzte Anschaffungskosten neu 5000 Euro) anschaffen wollen, einen Antrag auf Zuschuss stellen. Der würde maximal 500 Euro betragen, egal ob ein neues oder gebrauchtes Lastenfahrrad gekauft wird. Der Nutzungszeitraum soll sechs Jahre betragen. Der Besitzer des Rades muss jährlich nachweisen, dass er noch in Starnberg wohnt. Später könnte eine Möglichkeit hinzu kommen, sich ein solches Rad leihen zu können. Allerdings nicht bei der Stadtverwaltung, sondern bei einem externen Dienstleister, der im Rahmen des Projektes „Car Sharing“ tätig wird. Hierzu ist eine einjährige Pilotphase angedacht, aber noch nicht gestartet worden.

FDP: Themen für den Wahlkampf

In einem Gespräch mit der Presse hat der Bürgermeisterkandidat und Ortsvorsitzende der Starnberger FDP, Marc Fiedler, die Themen seines Teams für die Kommunalwahl am 15. März 2020  und erste Kandidaten für die Stadtratsliste benannt. Die vordersten Plätze sollen demnach er selbst, Anton Wiesböck, der auch aktuell für die Liberalen im Rat sitzt, der Vorsitzende der Jungliberalen im Landkreis und einer der vier stellvertretenden Ortsvorsitzenden der FDP Starnberg, Valentin Windorfer, sowie Anke Henniger, die erst seit Jahresanfang Mitglied der Partei ist, einnehmen. Nur sie und Fiedler waren beim Pressegespräch zugegen. Die Aufstellungsversammlung für die Stadtratsliste  ist für den 20. November 2019, ab 18 Uhr im Bayerischen Hof geplant. Fiedler will, wie es gute Tradition bei der FDP ist, auch wieder Parteifreie auf die Liste nehmen, „die für den Kurs der FDP stehen“. Insgesamt gebe es mehr weibliche als männliche Kandidaten bisher. Der Ortsverband zähle 49 Mitglieder, so Fiedler (siehe auch FDP will mit Marc Fiedler gewinnen).

Wiesböck und Windorfer konnten den Termin aus beruflichen Gründen nicht wahrnehmen, entschuldigte sie Fiedler. Henniger stellte sich vor. Sie ist 53 Jahre alt, verheiratet und hat drei Kinder. Für Politik habe sie sich schon immer interessiert, sagte sie und zitierte eine Aufforderung von Ursula Münch, Direktorin der Akademie für politische Bildung in Tutzing: „Frauen sollten nicht nur in den Elternbeirat gehen, sondern auch in den Stadtrat.“ Das wolle sie nun befolgen, denn die Arbeit als Elternbeirat habe sie schon genügend kennen gelernt. Sie bringe zudem zwei Freundinnen mit in die FDP, die sich wie sie selbst engagieren wollten.

Als „für uns wichtige Themen“ zählte Fiedler auf:

  1. Wohnen, Wohnungsbau, Schaffung von Eigenheimen
  2. Umwelt und Verkehr
  3. Wirtschaft

Beim ersten Thema gehe es auch um Antworten auf die Frage „Wo nehmen wir den Grund und Boden her?“ Das jüngste Einheimischenmodell Am Wiesengrund werde nicht reichen. Weitere müssten folgen, wofür städtischer Besitz heranzuziehen sei. Mit Eigentümern großer Flächen, wie der Katholischen Kirche oder der Raiffeisenbank müssten Gespräche geführt werden, was sie „in Erbpacht herausgeben können?“ In der Innenstadt, besonders entlang der Hauptstraße, könne er sich weitere Verdichtung vorstellen, allerdings „keine Hochhäuser“. Fiedler nimmt kein Blatt vor den Mund: „Starnberg soll als Stadt wachsen.“ Den Zuzug zu begrenzen verteuere nur den Grund und Boden und die vorhandenen Wohnungen.

Umweltschutz und Verkehr müsse man irgendwie zusammen kriegen. Dafür sollte der Öffentliche Personennahverkehr gestärkt, Car- und Bike-Sharing-Modelle eingeführt werden, um die Leute vom Auto weg zu bekommen. Radwege müssten „sinnvoll“ angelegt werden. Ganz offen spielte der Liberale damit auf die Einrichtung eines Fahrradschutzstreifens entlang der Rheinlandstraße im Bereich zwischen Feuerwehr und Post an: „Keine Schnellschüsse und nicht einfach gegen den Rat der Feuerwehr und Anwohner die gesamte Situation umkrempeln.“ In der Innenstadt sollten sich die Verkehrsteilnehmer den Platz teilen müssen, auch in der Wittelsbacherstraße. E-Bus-Linien könnten außerhalb liegende Parkplätze miteinander verbinden. So etwas mache Starnberg attraktiver für die Geschäftswelt und für Besucher. Die FDP stehe voll hinter dem Projekt „Gewerbegebiet Schorn“, wolle aber auch Angebote für Handwerker und junge StartUp-Unternehmen erarbeiten, sagte Fiedler.

Unter dem Thema Umweltschutz verwies Fiedler auf seine schon in der jüngsten Presseerklärung veröffentlichte Haltung zum geplanten B2-Tunnel (siehe FDP-Kandidat nimmt Stellung): „Der Tunnel wird gebaut, wir werden das kritisch begleiten und weiterhin offen sein für die Planung einer Nordumfahrung. Wenn wir sie geplant kriegen und sie realisierbar ist, dann bauen wir sie auch.“ Für diese Haltung habe er positive Rückmeldungen von den FDP-Mitgliedern erhalten. Henniger bekannte unumwunden: „Ich bin eine Tunnelfreundin, und darf hier trotzdem mitmachen.“ Fiedler dazu: „Gerade die Liberalen können so etwas.“

Was die Stadtratsliste angehe, wolle man mit neuen Gesichtern alte Probleme pragmatisch zu lösen versuchen. So ein altes Problem ist für ihn auch die Seeanbindung, zu der er sich aktuell nicht positionieren möchte: „Weder kennt man die Bahnverträge, noch das Gutachten des Juristen, noch was im Rahmen der Mediation zwischen Stadt und Bahn gelaufen ist. Es ist extrem schwierig, dazu eine Aussage zu treffen. Es ist nicht einmal klar, was die Variante 1 bedeutet, für die sich die Stadtratsmehrheit ausgesprochen hat.“ Was man aber am Bahnhof See „sofort“ umsetzen müsse, sei die barrierefreie Zugänglichkeit und Dächer auf den Bahnsteigen: „Der Bahnhof ist jetzt eine Schande“, so Fiedler.