Musikschule in die Neuzeit führen

Nach einer ausgiebigen Ortsbesichtigung und anschließender Debatte hat der Bauausschuss des Stadtrates grünes Licht dafür gegeben, dass die Planungsleistungen für die Sanierung und Erweiterung der städtischen Musikschule noch in diesem Jahr im Rahmen eines Vergabeverfahrens von Architektenleistungen nach der Vergabeordnung (VgV-Verfahren) vergeben werden können. Das Haus soll grundlegend überarbeitet und für die heutigen Anforderungen an eine Musikschule mit so hervoragendem, über Starnbergs Stadtgrenzen hinaus wirkendem Ruf hergerichtet werden. Gerechnet wird nach ersten Schätzungen durch Architekt Benedikt Sunder-Plassmann aus Greifenberg mit Kosten von 4,45 Millionen Euro. Es winken der Stadt aber  hohe Zuschüsse, unter anderem eine Million Euro aus dem Investitionspakt „Soziale Integration im Quartier“, auf das die Stadt bei einer Beratung durch die Regierung von Oberbayern im Rahmen des Projektes „Starnberg barrierefrei 2023“ aufmerksam gemacht worden ist. Darüber hinaus ist eine weitere staatliche Förderung über das Pogramm „Aktive Zentren“ in Höhe von 60 Prozent der dann noch offenen Kosten möglich, weil Starnberg bereits über ein Integriertes Stadtentwicklungskonzept (ISEK) verfügt. Die nötigen Brandschutzmaßnahmen können nochmals aus einem anderen Topf bezuschusst werden. Geplant ist, die Baumaßnahmen von Mitte 2020 bis Mitte 2022 durchzuführen, so dass die Musikschule, für die noch verschiedene Ausweichquartiere für die Bauzeit gesucht werden müssen, im Herbst 2022 wieder einziehen kann. Der Bauausschuss unterstützte den ersten Schritt dazu mit 11:2 Stimmen. Nur Angelika Kammerl (DPF) und Franz Heidinger (BLS) stimmten dagegen, weil sie andere städtische Liegenschaften als wichtiger erachten.

Zur Geschichte des Gebäudes der Musikschule an der Mühlbergstraße 4 ist im Band 9/1 der Starnberger Stadtgeschichte, erschienen im Kulturverlag der Stadt Starnberg, Folgendes nachzulesen: Im 16. Jahrhundert stand an der Stelle ein zur Kirche gehörendes Söldenhäusl, danach hatte es wechselnde Bewohner, unter anderem den Fischverkäufer Georg Schröfl. 1843 erwarb es der Distriktfonds von diesem und richtete nach einem kleinen Umbau das erste Distrikt-Krankenhaus ein, welches ab 1861 von Mallersdorfer Schwestern betreut wurde. „Im Nebenhaus wurde eine Abteilung für Blatternkranke untergebracht. Nach dem Neubau des Krankenhauses an der Leutstettener Straße wurde hier 1883 das Armenasyl eingerichtet. 1899 erfolgte der große dreigeschossige Neubau des gegenwärtigen Gebäudes für das städtische Altersheim, das ‚Sebastians-Spital‘. 1989 wurde das Haus schließlich der Städtischen Musikschule zur Verfügung gestellt.“

An der Ortsbesichtigung nahmen außer Sunder-Plassmann, Bürgermeisterin Eva John, Stadtbaumeister Stephan Weinl und Stefanie Fritz, die im Bauamt das Projekt Barrierefrei betreut, die Stadträte Annette von Czettritz (Grüne), Iris Ziebart (FDP), Josef Pfister (BMS) und Gerd Weger (CSU) teil. Die Leiterin der Musikschule, Cornelia Lee-Winser, führte durch das Haus, dass wegen der vielfältigen Holzkonstruktionen, Holztreppen und Geschossdecken aus Holz ein akkustischen Eigenleben entwickelt hat. Es knarrt an allen Enden und Ecken. Lärm aus dem Treppenhaus überträgt sich in die Unterrichtsräume, in denen für Akkustik auch noch nichts getan worden ist, was wegen des wie Lärm empfundenen ständigen Halls unangenehm ist. Der Unterschied war sofort wahrnehmbar, als Lee-Winser die Delegation in den einzigen bisher mit Akkustikdecke ausgestatteten großen Proben-Raum führte – welch angenehme Stille! Andererseits gab es viele erhaltenswerte Kleinode zu entdecken, die aber bisher wegen der Raumnot der Schule weder ins rechte Licht gesetzt noch entsprechend ihrer Besonderheit genutzt werden können. So zum Beispiel die noch vorhandene Kapelle mit einem schönen, dank einem architektonischen Kniff hervorragend belichtetem Buntglasfenster. Der Raum wird als Unterrichtsraum genutzt. Für Sunder-Plassmann erinnert der Bau der Musikschule an die großen italienischen Palazzi: „Diese Größe und Dimension würde sich heute niemand mehr zu bauen trauen.“ Es sei gut, dass das Gebäude in der Hand der Stadt sei, die die Möglichkeit habe, es zu erhalten, zu pflegen und in die Neuzeit zu führen.

Was die baulichen Notwendigkeiten angeht, machte Fritz auf die wichtigsten Punkte aufmerksam. Das Dach ist nicht mehr ganz dicht und völlig ungedämmt. Es hat einen beeindruckenden, im Inneren unbehandelten hölzernen Dachstuhl, der erahnen lässt, wie gut sich hier nach Sanierung der große Raum zu mehreren nutzbaren Einheiten ausbauen ließe. Die Fassade des Gebäudes soll außen nur ausgebessert werden. Eine Dämmung ist nicht geplant, weil es dicke Ziegelmauern hat. Wärmedämmung ist aber ein Thema im Dachgeschoss. Es gibt bisher keinen barrierefreien Zugang zum Gebäude, was vor allem Menschen mit Handicap von den hochgelobten Konzerten in der Musikschule ausschließt. So muss der vorhandene Aufzugsschacht vergrößert werden, damit ein ausreichend großer Lift eingebaut werden kann, der auch Rollstuhlfahrer befördert. Im Erdgeschoss können barrierefreie Sanitäranlagen entstehen. „Die gesamte Haustechnik ist zu erneuern, wenn wir das Haus weiter als Musikschule nutzen wollen“, sagte Fritz. Zum Beispiel fehlt eine Höranlage für hörgeschädigte Menschen. Ganz zu schweigen von den Anforderungen des Brandschutzes. Eine Brandmeldeanlage, Fluchtwege und eine neue Hauselektrik sind erforderlich. Teile der Heizungsanlage sind hundert Jahre alt. Im Kellergeschoss, das weit über dem Geländeniveau liegt, lassen sich auch noch zusätzliche Räume für die Schule gewinnen, wenn es gelingt einen barrierefreien Zugang zu schaffen. Der Hof hinter der Schule, der bisher nur als Parkplatz genutzt wird, könnte unter Einbeziehung des überdimensionierten, dann aber nicht mehr notwendigen Windfangs am rückwärtigen Eingang mit einem Atrium überbaut und die Restflächen neu geordnet werden, so dass im Atrium Konzerte zu genießen wären.

„Bisher ist hier ein bisschen, da ein bisschen repariert worden, aber das hatte keine Struktur. Es gab nie ein Gesamtkonzept für das Haus. Das liegt jetzt in Grundzügen vor“, erläuterte John. Sie verwies noch einmal auf die Verbesserungen, die die Stadt im vergangenen Jahr schon umgesetzt hat: Der repräsentative Eingang zum Gebäude an der Mühlbergstraße konnte nach der Umgestaltung des Straßenraumes und Schaffung eines kleinen Vorplatzes vor der Musikschule wieder geöffnet werden. Zuvor ging es ausschließlich über den schattigen Hintereingang hinein. Die Regierung von Oberbayern habe die Stadt auf die Musikschule in Gilching aufmerksam gemacht, die nach den gleichen Förderprogrammen ertüchtigt werde. Deshalb habe sich Starnberg auch beworben. Das einzige, was nicht bezuschusst werden, sei der bisher vernachlässigte Gebäudeunterhalt. Sunder-Plassmann, der Erfahrung mit historischen Häusern hat, für die Revitalisierung des Hotels La Villa in Niederpöcking und den alten Bahnhof in Feldafing steht, bezeichnete einige Mängel als „tickende Uhr“: Man könne warten, dass etwas kaputt geht. Die Stadt sei in der Verantwortung. John dazu: „Der wollen wir auch gerecht werden.“ Sunder-Plassmann war der Stadt bei der Beantragung der Fördermittel behilflich. Einen weitergehenden Auftrag hat er laut John nicht. Das VgV-Verfahren wird öffentlich ausgeschrieben.

Im Bauausschuss sah sich die Verwaltung gleich zu Beginn der Sitzung einer Tirade der DPF-Stadträtin Angelika Kammerl ausgesetzt. Mit beißender Ironie bemerkte diese, sie begrüße ja das Engagement der Bürgermeisterin für die Musikschule, hätte sich aber das gleiche für die ebenfalls der Stadt gehörenden Gebäude Bahnhof See und Bayerischer Hof gewünscht. Seit 2016 bemühe sich der Stadtrat vergebens um diese beiden Vorhaben. „Ich bin ausgesprochen entsetzt, dass Sie jetzt noch die Musikschule mit ins Boot nehmen. Das ist in keiner Weise gerechtfertigt. Ich beantrage bis Ende 2020 alles zurückzustellen“, so Kammerl in gehobener Stimmlage. John erläuterte daraufhin, dass es um unterschiedliche Aufgaben gehe. Das hier sei ein Schule, die beiden anderen Vorhaben sollten nach dem Willen des Stadtrates von privaten Unternehmern geschultert werden, weshalb man hier Interessensbekundungsverfahren durchgeführt habe. „Ich will nicht die Strategie der Vergangenheit fortführen, denn Salamitaktiklösungen bringen nichts. Wir haben hier ein verantwortungsvolles Konzept für die Musikschule vorbereitet, kümmern uns um Fördermittel. Das könnten Sie zumindest ein bisschen schätzen. Lassen Sie uns zuerst einmal sachlich diskutieren“, entgegnete die Bürgermeisterin ruhig. Weger begann seine Wortmeldung ebenfalls mit Vorwürfen: „Ich gebe Frau Kammerl recht. Das ist nie in Fraktionsvorsitzendenrunden besprochen worden, wir haben keine Prioritätenliste, wissen nie wo es brennt.“ Das was heute auf dem Tisch liege sei aber „ein gangbarer Beschlussvorschlag“. Im Interesse der Schule und der Schüler solle die Sanierung in einem Zug durchgezogen werden. Weger empfahl, die Kapelle so herzurichten, dass darin wieder Konzerte stattfinden könnten.

Von Czettritz sprach von einem“gelungenen Konzept“, das ihrer Meinung nach Priorität vor dem Bayerischen Hof habe. Ihr gefalle, dass man auf den Altbau eingehe und der Charakter des Hauses erhalten bleibe. Im Übrigen sei es nicht sinnvoll, Brandschutz in Abschnitten zu ertüchtigen. Ihre einzige Sorge: Wie viel muss die Stadt selbst bezahlen und hat das Bauamt genug Kapazität, dieses Bauprojekt zu betreuen? Zum Eigenanteil konnte John noch nichts Genaues sagen. Markus Mooser (WPS) versicherte, er werde von dem Projekt nicht überrascht, denn es sei ja bereits im diesjährigen Haushalt der Stadt aufgeführt gewesen. Der Bauausschuss könne jederzeit mitreden und eventuell habe er selbst noch Tipps parat, wie weitere Fördermittel erreicht werden könnten, zum Beispiel für Wärmedämmung. Seine Anregung: einen Projektsteuerer einschalten. John bekräftigte: „Das Projekt ist von Anfang an im Haushalt mitgeführt worden. Es muss dem gesamten Stadtrat bekannt sein.“ Patrick Janik (UWG) wollte vor der Umsetzung noch einmal geprüft wissen, ob sich die Stadt das leisten kann. Christiane Falk (SPD) sagte, die Musikschule verdiene jede Unterstützung, aber zu den Baukosten kämen auch noch die Miete für die übergangsweise Unterbringung der Schule hinzu. Katja Fohrmann (CSU) überlegte laut, ob nicht ein Neubau billiger komme. Die Bürgermeisterin erinnerte aber an den „Wahnsinns-immateriellen Wert“ des Hauses. Kulturschätze müsse man erhalten. Diese Aufgabe sei nach einem Neubau immer noch da. „Man kann nur begrüßen, dass sich das mit der Beratung durch die Regierung so gefügt hat und dort auch gleich angenommen wurde. Wir müssen die Verwaltung loben, dass sie die Gelegenheit gleich beim Schopf ergriffen hat“, stellte Ziebart fest. Pfister staunte: „Bei der Eröffnung hat niemand geglaubt, dass das eine so hochqualifizierte Musikschule wird. An dem Gebäude ist immer nur herumgebastelt worden. Das hat die Begehung gezeigt. Wir sitzen da auf einem Pulverfass. Wenn dann was los ist, muss die Schule genauso ausziehen.“ Als Träger der Musikschule sei die Stadt dafür verantwortlich, mahnte er.

„Wir beschließen schon wieder ein neues Projekt“, beschwerte sich Heidinger, andere fielen dafür „hinten runter“. Er nannte die Wohnungen, die die Stadt am Schlosshölzl bauen will. Doch hierfür wird wie berichtet ebenfalls ein privater Investor gesucht. „Immer ist das Fördergeld das Ausschlaggebende“ monierte der BLS-Chef. Er würde das Projekt gern zurückstellen. John erinnerte nochmals daran, dass vor Herbst 2020 voraussichtlich nicht mit Baumaßnahmen begonnen werden könne.

Die Anträge von Kammerl und Heidinger auf Zurückstellung der Entscheidung lehnte der Ausschuss mit 2:11 Stimmen ab. Das VgV-Verfahren  vorzubereiten und die Vergabevorschläge dann dem Bauausschuss vorzulegen erhielt mit 11:2 Stimmen die Mehrheit.

 

 

Inklusionsbeirat stellt sich vor

Das Konzept „Starnberg barrierefrei 2023“ beinhaltete auch einen Inklusionsbeirat ins Leben zu rufen, der die Stadt bei der Umsetzung von entsprechenden Bau-Maßnahmen auf Grund der Erfahrungen der Mitglieder des Beirates berät. In der vor einem Jahr vom Stadtrat abgesegneten Satzung ist geregelt, dass die Mitglieder auf Vorschlag der Rathausverwaltung von der Bürgermeisterin und in Abstimmung mit den Behindertenbeauftragten des Landkreises berufen und jeweils zu Beginn der Amtsperiode des Stadtrates von diesem zu bestätigen sind. Nach drei Jahren muss diese Bestätigung wiederholt werden, also heuer. In der jüngsten Sitzung des Rates stellten sich die zum großen Teil anwesenden Beiratsmitglieder persönlich vor. Die Bestätigung erfolgte einstimmig.

Zum Beirat gehören jetzt:

  • Andreas Brückel, Rollstuhlfahrer
  • Bernhard Claus, vom Bayerischen Blinden- und Sehbehindertenbund e.V.
  • Martin Grauer, ebenfalls blind
  • Edith Jäger, vom Schwerhörigenverein München/Oberbayern e.V.
  • Barbara Kieslich, Ärztin, Expertin für Geriatrie
  • Christof Kneisel, von der Lebenshilfe Starnberg
  • Christine Oftermat, Wohnberatung im Seniorentreff Starnberg
  • Fabian Pietzcker, von der Lebenshilfe Starnberg
  • Petra Veronika Seidl, 1. Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft für Behindertenfragen
  • Herbert Unger, vom Verein FortSchritt
  • Maximilian Mayer, Behindertenbeauftragter des Landkreises Starnberg
  • Eva John, Bürgermeisterin von Starnberg
  • Sieglinde Loesti, Stadträtin und Referentin für Soziales
  • Stefanie Fritz, Stadtbauamt
  • Renate Pietz, Ansprechpartnerin für Behindertenfragen im Rathaus

 

Martina Neubauer (Grüne) bat darum, der Beirat möge demnächst den jährlichen Bericht abgeben, um welche Projekte sich das Gremium gekümmert habe.

Hanfelder Straße als Opfergabe

Der Stadtrat hatte in seiner jüngsten Sitzung darüber zu entscheiden, ob er dem städtischen Haushalt für 2019 in der im Haupt- und Finanzausschuss wie berichtet abgestimmten Fassung grünes Licht erteilt. UWG, Grüne, DPF und SPD sagten von vorn herein Nein. Für die CSU stellte Thomas Beigel dagegen eine Bedingung, sozusagen eine Opfergabe für die Gegenleistung der Zustimmung zum Zahlenwerk. Ihm und seiner Fraktion sei das Projekt „Umbau der Hanfelder Straße“ mit Kosten von 300000 Euro ein „spezieller Dorn im Auge, sagte Beigel. Für dieses Jahr solle dies gestrichen und stattdessen in den Finanzplan 2020 verschoben werden. Ein Schelm, der Böses dabei denkt. Denn dann würde dieses Projekt natürlich erst nach der Kommunal- und Bürgermeisterwahl im März 2020 wieder eine Realisierungschance erhalten.

An der amtierenden Bürgermeisterin Eva John wird unter anderem die Kritik geübt, sie realisiere nur kleine, schnelle Projekte und kümmere sich nicht genug um B2-Tunnel, Umfahrung und Seeanbindung. Was dabei außer Acht gelassen wird, ist die Tatsache, dass Starnberg seit 2014 Modellkommune für das Projekt des Freistaates Bayern mit dem Titel „Bayern barrierefrei 2023“ ist, und der Stadtrat dem eigens dafür entwickelten Maßnahmenkonzept, das Teil des Integrierten Stadtentwicklungskonzeptes (ISEK) ist, 2016 selbst grünes Licht erteilt hat. Entwickelt worden ist dafür auch der so genannte „Starnberger Standard“, eine Leitlinie, wie Umbauten barrierefrei ausgeführt werden müssen. Beraten wird die Stadt bei konkreten Maßnahmen vom Inklusionsbeirat, der sich in der gleichen Sitzung den Stadträten vorstellte und vom Gesamtgremium bestellt wurde.

Laut Beigel enthält der diesjährige Haushaltsplan „viel zu ambitionierte Sachen“. Dazu gehört seiner Ansicht nach eben auch der Umbau der unteren Hanfelder Straße. John hatte dieses Vorhaben Ende November 2018 interessierten Stadträten und der Presse im Rahmen eines Ortstermins vorgestellt, an dem aber kaum Stadträte teilnahmen (siehe Lückenschluss Gehweg Hanfelder Straße). Die Verwaltung hatte sich zum Ziel gesetzt, den Gehweg zwischen der Bastelboutiqe (südlich der Metzgerei Scholler) und dem Bekleidungshaus Klöpfer an der Tutzinger-Hof-Platz-Kreuzung so weit wie möglich zu verbreitern, mit dem im nördlich anschließenden Bereich verwendeten Granit-Pflaster zu belegen sowie die Aufstellflächen für Fußgänger im Bereich Klöpfer und in der Mitte der Tutzinger-Hof-Platz-Kreuzung zu verbessern. Damit sollte die noch bestehende Lücke im barrierefreien Gehweg-Netz in diesem Bereich geschlossen werden. Auf Anfrage bestätigte die Bürgermeisterin dem Blog, dass das Projekt im Februar dem Bauausschuss des Stadtrates vorgestellt und dort beraten werden sollte. Dazu wird es nun nicht kommen, obwohl der Haupt- und Finanzausschuss den Antrag von Patrick Janik (UWG), den Umbau zu streichen, kürzlich schon mehrheitlich abgelehnt hatte und eine Entscheidung dem Bauausschuss überlassen wollte. Darauf wies John Beigel hin, der aber seinen Antrag aufrecht erhielt. Markus Mooser (WPS) warb noch einmal dafür, den für das Projekt vorgesehenen Betrag von 300000 Euro im Haushaltsplan zu belassen. Dann sehe man schon, ob der  Umbau arbeitsmäßig heuer zu schaffen sei. Was die Finanzen angehe, sagte Mooser, der Finanzreferent des Stadtrates ist, gebe es immer wieder positive Überraschungen, wie zum Beispiel die 5 Millionen Euro Mehreinnahmen aus der Gewerbesteuer in 2018, die mit Grund dafür gewesen seien, dass die Stadt entgegen der Planungen dann doch keine Kredite habe aufnehmen müssen. Ihm waren da eher die 2.2 Millionen Euro ein Dorn im Auge, die die Stadt aus eigener Kasse zur Hälfte bezahlen muss, weil sie wegen des Baus des B2-Tunnels die Petersbrunner Straße umbauen muss. Mooser schlug als Kompromiss vor, den Posten „Umbau Hanfelder Straße“ mit einem Sperrvermerk zu belegen, was geheißen hätte, dass nur der Stadtrat das Geld für das Projekt freigeben kann. Dann würden auch nicht gleich die möglichen Zuschüsse aus der Städtebauförderung verloren gehen. Beigel beantragte daraufhin eine Sitzungsunterbrechung. Alle Fraktionen außer FDP, BMS und WPS versammelten sich vor der Tür des Sitzungsaales und beratschlagten.

Nachdem die Beratung wieder aufgenommen worden war, meldete sich Stefan Frey (CSU) zu Wort: „Es geht um ein deutliches politisches Signal. Wir setzen falsche Prioritäten. Das Projekt ist eine Verschönerungsmaßnahme. Angesichts der anderen Projekte, wie zum Beispiel der nötig werdenden besseren Ausstattung der Feuerwehr (Anm. d. Red.: Nötige Ertüchtigung wegen der künftigen Zuständigkeit der Feuerwehr auch für Ereignisse im B2-Tunnel und für das erweiterte Gewerbegebiet Schorn), müssen wir davon wegkommen. Wir wollen dem Sperrvermerk nicht zustimmen, sondern das Projekt streichen“, so Frey. Beigel ergänzte: „Der Umbau wäre verkehrlich gesehen 2019 ein Wahnsinn.“ Warum dies so sein wird, obwohl inzwischen die eröffnete Westumfahrung in Betrieb ist und dies offensichtlich die Hanfelder Straße bereits entlastet, wurde von ihm nicht erläutert. Sein Antrag erhielt mit 15:11 Stimmen mehrheitliche Zustimmung. Dagegen gestimmt haben  Grüne, WPS, Iris Ziebart (FDP), BMS und John.

Daraufhin gab Mooser zu Protokoll: „Die WPS bedauert außerordentlich, dass die Bürger an diesem Ort weiter belastet bleiben.“ Frey wollte zu Protokoll genommen wissen: „Der Umbau hat nichts mit Verkehrsbelastung der Bürger zu tun.“ Der Haushaltsplan 2019 wurde dann übrigens mit den Stimmen der CSU – ausgenommen der Stimme von Frey – mit 15:11 gebilligt. Dazu können Sie hier demnächst einen eigenen Bericht lesen.

FDP will Ideen umsetzen

Vom 7. bis 9. März vergangenen Jahres war in Starnberg die Ideenwerkstatt des österreichischen Büros „nonconform“ durchgeführt worden. Ergebnis waren eine ganze Reihe von Vorschlägen aus der Bürgerschaft, wie man die Verhältnisse in der Innenstadt verbessern könnte (siehe  Festival der Ideen für die Innenstadt und Ideensammlung in Fraktionen beraten). Im Oktober wurden die Ideen dem Stadtrat vorgestellt, der daraufhin einstimmig beschloss, alles zunächst in den Fraktionen zu beraten. Danach sollten diese sagen, wie es weitergehen sollte, was umgesetzt wird und welche Maßnahmen wie zu entwickeln sind. Die FDP hat ihre Stellungnahme jetzt abgegeben.

„Wir haben die Veranstaltung mit Interesse verfolgt. Überraschend groß war die Beteiligung der Bürger. Immer noch wird nachgefragt, wann eine Umsetzung der vielen Ideen erfolgt!“, schreibt Iris Ziebart, Fraktionssprecherin der FDP.  Dieses bürgerschaftliche Engagement greife man gerne auf und schlage Folgendes vor:

Zum Start solle mit kleineren Maßnahmen zügig begonnen werden: Die Kinderrutsche am Schlossberg, temporäre Bahnsteigdächer am Seebahnhof, an der Seepromenade:  „Platz schaffen“ und entsprechend dem FDP-Antrag vom 28.03.2017 die „Lange Bank“ zwischen Dampfersteg und Seespitz auf der unteren Ebene der Promenade entstehen lassen. Um den Bahnhof herum müsse aufgeräumt werden, indem die Müllinsel vor dem König-Ludwig-Saal versetzt wird sowie Schilder, Tafeln und Markierungen reduziert oder zusammengefasst würden.

Das Empfangsgebäude Bahnhof See könne inszeniert werden: mit temporären Kunst- Projekten, zum Beispiel Spiegel- und Licht-Installationen, als Impuls zur Sanierung des Empfangsgebäudes und Neugestaltung des öffentlichen Raumes Bahnhofsplatz.

Verkehrsberuhigung sieht die FDP für den Bahnhofsplatz vor – nach dem Vorbild von Konstanz könne man das mit einfachen Mitteln erst mal ausprobieren. Am Kirchplatz sollte mehr Spiel und Spass mit einem „Bodendüsen-Brunnen“ geschaffen werden, statt der vorhandenen „maroden Betonkiste“. Die Erreichbarkeit von Rathaus und Schlossberg „für ALLE ist eine wichtige Maßnahme der Inklusion!!“, schreibt Ziebart.

Es gelte weiter Ideen zu sammeln und Referenz-Projekte mit fachkundiger Begleitung gemeinsam zu besichtigen, schlagen die Liberalen vor.

 

Seebad-Baustelle gibt Vorgeschmack

Das Wetter am Donnerstag war ideal, um einen Vorgeschmack darauf zu bekommen, was der ab Ende April in Betrieb gehende runderneuerte ehemalige Wasserpark – künftig „Seebad Starnberg“ – seinen Besuchern bieten wird. Bei Sonnenschein aus allen Knopflöchern und gigantisch schönem Blick auf den Starnberger See und die Alpen ist der Aufenthalt in der großen Schwimmhalle und den neuen Saunahütten, alle mit großen Glasfronten nach Süden, schon jetzt ein besonderer Genuss. Auch wenn sie noch Baustellen sind. Bürgermeisterin Eva John sagte beim Pressertermin: „Ich bin überglücklich, dass Starnberg eine solche Perle sein Eigen nennen kann.“

Die Werbung um alte und neue Kunden ist bereits gestartet. Eine kleine Broschüre wurde dieser Tage in Starnberg an alle Haushalte verteilt. Für die Bürgermeisterin und Betriebsleiter Christian Herrmann Anlass, das vom Stadtrat beschlossene neue Betriebskonzept sowie die künftige Preisgestaltung des Bades der Öffentlichkeit vorzustellen. Außerdem ist auch schon die neue Internetseite online: http://www.seebad-starnberg.de. Dort kann man, falls man noch ein Weihnachtsgeschenk sucht, jetzt bereits Gutscheine für Seebad-Besuche selbst ausdrucken und erwerben.

Die Schwimmhalle wird täglich von 10 bis 21 Uhr und an drei Tagen pro Woche zusätzlich für Frühschwimmer ab 7 Uhr, am Wochenende und an Feiertagen von 9 bis 19 Uhr geöffnet sein, damit länger als der ehemalige Wasserpark. Herrmann kündigte an, bei schönem Wetter auch flexibel länger offen halten zu können. Die Saunazeiten sind täglich von 10 bis 22 Uhr. Montags ist Damen-Saunatag und jeden ersten Freitag im Monat kann man die „lange Sauna-Nacht“ genießen. Die Anlage schließt dann erst um 24 Uhr. Für Schulen und Vereine, wie zum Beispiel die Wasserwacht, die während der Wintermonate im Wasserpark ihr Training absolviert und ihre Rettungsschwimmerausbildung abgehalten hatte, werden laut John ausreichend Nutzungszeiten eingeplant, teils zur Alleinnutzung des Bades, teils zur parallelen Nutzung mit der Öffentlichkeit.

Die Eintrittspreise liegen deutlich unter denen anderer Schwimmbäder in der Umgebung. Der Sport- oder Abendtarif (maximal für 90 Minuten) kostet 3,50 Euro, die Tageskarte für Erwachsene 6 Euro. Es soll Mehrfach-, Familien- und Sommersaisonkarten geben. Jugendliche und Schwerbehinderte erhalten Ermäßigung. Die Saunapreise beginnen bei 19,50 für vier Stunden. Tages- und Mehrfachkarten gehören zum Konzept. In Ausarbeitung sind noch zusätzliche Kursangebote von Aquapower bis Schwimmkurse und Seniorengymnastik. Kindergeburtstage lassen sich wie früher im Wasserpark auch im neuen Seebad organisieren. Das alles wird, wenn es soweit ist, online buchbar sein. Bei den Preisen handelt es sich um Komplettangebote: Wer in die Sauna geht, kann auch die Schwimmhalle oder das Außen-Strandbad nutzen, wenn er den Saunatarif bezahlt hat. Wer nur die Schwimmbecken und Rutschen als Ziel hat, darf bei entsprechender Witterung auch das Strandbad nutzen. Allen offen stehen Besuche in der jetzt vergrößerten Gastronomie mit großer Sonnenterrasse, von der man einen Superblick Richtung See und Berge hat, sowie die Kioske für Innen- und Außenbereich und natürlich auch die ansprechend geplanten Aufenthalts- und Ruheräume.

John, Herrmann und Stadtbaumeister Stephan Weinl lobten das neue Konzept des Foyers des Seebades, von dem aus alle Nutzungseinheiten gemeinsam erschlossen werden. Ein 22köpfiges Mitarbeiterteam soll laut Herrmann mit rundum persönlicher Betreuung für das Wohlbefinden der Gäste und ihre gute Orientierung im Bad sorgen. Vom Wasserpark gebe es bereits 15 Mitarbeiter, die seit Beginn der Bauarbeiten im Oktober 2015 in anderen Einrichtungen der Stadt beschäftigt gewesen seien. Sieben Mitarbeiterstellen seien derzeit ausgeschrieben, wobei es Herrmann, der 35 Jahre Wasserpark-Erfahrung mitbringt, als sehr schwierig bezeichnete, gute Fachangestellte für den Bäderbetrieb zu finden. Gefühlt sei ganz Bayern auf der Suche. 800 Stellen seien im Freistaat derzeit unbesetzt. Der Betriebsleiter hofft: „Die gute Lage, und dass unser Bad ganz neu ist, zieht vielleicht.“

Laut Bürgermeisterin sind die Baukosten, wie sie es schon in der Bürgerversammlung genannt hatte, von der ersten Prognose vor der Detailplanung 19 Millionen Euro auf die jetzt für die Schlussrechnung prognostizierten 22,5 Millionen Euro gestiegen. Den von einzelnen Stadträten mehrfach angemahnten Bericht dazu im Ratsgremium habe dieses selbst inzwischen sechs mal vertagt. Als Gründe für die Kostenssteigerungen gab John die Hochkonjunktur im Baugewerbe mit teils deutlich überhöhter Angebotsabgabe an, ebenso unvorhergesehene Abbruchmaßnahmen und Altlastenbeseitigungen (900000 Euro), eine nötige Planänderung – Verzicht auf einen Fitnessraum zu Gunsten einer Erweiterung der Gastronomie – sowie die durch alle diese Steigerungen auch höher ausfallenden Planerhonorare. Weinl sprach von einer „moderaten“ Kostensteigerung: „Da gibt es in Bayern ganz andere Beispiele.“ Es sei normal, dass bei  einem bis zum letzten Tag betriebenen Bad beim Abbruch bis auf den ehemaligen Rohbauzustand Unvorhergesehenes auftauche. Eigentlich bestand ursprünglich die Absicht, schon in diesem Herbst das Seebad zu eröffnen, doch habe sich dies durch überraschend aufgetretene Schäden am nicht erneuerten Dach sowie großen Schwimmbecken und andere nicht vorhersehbar gewesene Ereignisse nicht halten lassen. Herrmann erläuterte, wo an den Becken der Untergrund samt Fliesen erneuert werden müssen. Stolz sind er und die Bürgermeisterin auf die Barrierefreiheit des Bades.

Fast fertiggestellt ist inzwischen auch die umstrittene Ufermauer (siehe Ufermauer: Die 4. Runde und Ufermauer: Knappes Ja) vor den Saunahütten. Sie kostet, wenn auch die Treppenanlage mit Natursteinstufen in den See und die begeleitenden Grünplanungen rechts und links des Saunastegs abgeschlossen sind, 225000 Euro. Dieser Betrag ist noch nicht in den Gesamtkosten enthalten, wohl aber die Kosten der Außenanlagen.

Johns Fazit: „Die Abwägung Sanierung und moderate Erweiterung des alten Wasserparks statt Neubau eines Schwimmbads ist richtig gewesen. Man hätte ansonsten auch ein Problem mit der Gründung eines neuen Bades auf dem Seeufergrundstück bekommen.“ Das habe schon die geringfügige Erweiterungsmaßnahme gezeigt. Fachleute hätten der Stadt übrigens geraten, sehr bald über eine nochmalige Erweiterung des Saunabereiches nachzudenken. Sie erwarteten einen Besucheransturm. Man kann es sich gut vorstellen: In den drei hinsichtlich Temperatur (30 bis 90 Grad) und Art der Aufgüsse unterschiedlichen Saunahütten hat jeder einen gigantischen Ausblick auf den Starnberger See und die Alpen, wenn sie sich zeigen. Dazu mit Naturmaterialien gestaltete Aufenthalts- und Ruheräume, Tauchbecken und natürlich blickgeschützem Zugang zum See dürfte das ein Renner werden, nicht nur bei den Starnbergern. Das wiederum ist dann gut für den Stadtsäckel.

 

 

Förderprogramm verlängert

Einstimmig und ohne Debatte hat der Stadtrat das bisher auf ein Jahr beschränkte kommunale Förderprogramm zur Herstellung von Barrierefreiheit in der Stadt um weitere drei Jahre verlängert. Es ist mit 63000 Euro pro Jahr ausgestattet. Damit können zum Beispiel Geschäftsleute einen Zuschuss beantragen, wenn sie den Eingang zu ihrem Laden oder Betrieb barrierefrei umgestalten.

Neuer Aufzug am Gymnasium

Das Gymnasium Starnberg ist wieder ein Stück mehr barrierefrei geworden. Ende September hat Bürgermeisterin Eva John einen neuen Aufzug in Betrieb genommen. Sie freute sich, dass das Projekt nach vielen Jahren, in denen es immer wieder verschoben worden war, nun realisiert ist. Rund 600000 Euro hat es gekostet. Von der Regierung von Oberbayern werden 140000 Euro Zuschuss erwartet. Der Landkreis, der alle weiterführenden Schulen im Kreis Starnberg fördert, trägt 90 Prozent der Baukosten, nach Abzug anderer Zuschüsse.

Schüler früherer Jahrgänge können sich noch gut erinnern. Hatte sich einer ihrer Mitschüler beim Skifahren oder bei anderem Sport das Bein gebrochen, musste die ganze Klasse im Gebäude umziehen. Eine Klasse aus dem Erdgeschoss zog für den betreffenden Zeitraum ins Obergeschoss, bis der so Gehandicapte wieder selbst Treppen steigen konnte. Für andere in ihrer Mobilität eingeschränkte Schüler musste stets eine besondere Lösung gefunden werden. Damit ist nun Schluss. „Der barrierefreie Zugang zum Unterricht ist ab jetzt für alle Nutzer des Gymnasiums gegeben, besonders für mobilitätseingeschränkte Personen. Im Sinne der Inklusion haben wir das Gymnasium Starnberg, das 1961 eröffnet wurde, für die Zukunft fit gemacht und ermöglichen so einen reibungslosen Schulalltag“, freute sich Bürgermeisterin Eva John.

Bis zum Jahresende werden laut ihrer Ankündigung auch noch zwei Treppenlifte zwischen erstem Obergeschoss und Mensa beziehungsweise dem Physiktrakt eingebaut.  Dann sind alle Stufen für alle überwindbar. Die Bauzeit insgesamt ist alles andere als einfach gewesen. Die Rohbaufirma hatte eine Regenentwässerungsleitung beschädigt, was umfangreiche Sanierungsarbeiten ungeplant nach sich gezogen hatte. Wegen laufender Prüfungen mussten die Arbeiten in Absprache mit der Schulleitung teilweise unterbrochen oder verschoben werden.

Förderprogramm für die Innenstadt

Der Stadtrat hat gestern nach stundenlanger Debatte mit Mehrheit entschieden, dass er „beabsichtigt“, das schon bestehende „Sanierungsgebiet Innenstadt“ um vier Bereiche zu erweitern. Dies sind die Bereiche zwischen Vogelanger und Schlossweg, zwischen Rheinlandstraße und Münchner Straße, das Umfeld des Museums Starnberger See sowie das Seeufer zwischen Georgenbach und Wasserpark. In einer Bürgerversammlung sollen zuvor betroffene Bürger sowie Träger öffentlicher Belange informiert und beteiligt werden, wie es die Paragraphen des Baugesetzbuches für einen solchen Fall vorsehen. Gleiches gilt für die beabsichtigte Festlegung des Sanierungsgebietes im Umfeld des Bahnhofs Nord. Wie Bürgermeisterin Eva John und Stadtbaumeister Stephan Weinl mehrfach versicherten, geht es um die Aufwertung des öffentlichen Raums, die Herstellung verkehrssicherer barrierefreier Wegeverbindungen für Fußgänger und Radfahrer zwischen dem Stadtkern und wichtigen Zielen wie Bahnhöfen, öffentlichen Einrichtungen und See. Ebenso um die Vernetzung und Aufwertung im innenstadtnahem Bereich sowie um die Schaffung eines durchgängigen, barrierefreien Uferweges für Fußgänger und Radfahrer, nicht aber um Eingriffe in Privateigentum. Abgelehnt haben diese Verfahren die Stadträte der Grünen, der DPF sowie Otto Gaßner (UWG) und Stefan Frey (CSU).

Auch wenn einzelne Stadträte offensichtlich das Gefühl haben, da komme immer wieder ein neues Thema auf die Tagesordnung – Stadtsanierung und Stadtumbau sind in Starnberg schon seit vielen Jahren Thema. Dass Gebiete dafür förmlich festgelegt und entsprechende Satzungen öffentlich bekannt gemacht werden ist Voraussetzung dafür, dass Bund und Freistaat Mittel aus der Städtebauförderung zu bestimmten Maßnahmen zuschießen, bei denen es um die Behebung von städtebaulichen Missständen oder Funktionsschwächen im öffentlichen Raum geht. Der größte Teil der Starnberger Innenstadt wurde noch unter Altbürgermeister Ferdinand Pfaffinger zum Sanierungsgebiet erklärt. Bisher umgesetzte Maßnahmen mit entsprechender Städtebauförderung waren der Kirchplatz, der Georgenbachweg und der Tutzinger-Hof-Platz. Pfaffinger hatte sich Unterstützung für die Seeanbindung erhofft. Die unter ihm ausgearbeiteten Pläne für dieses Projekt kamen jedoch mangels Mehrheit im Stadtrat nicht zur Umsetzung. Gestern ging es um die Erweiterung des bisherigen Sanierungsgebietes. Vertreter der Regierung von Oberbayern standen Rede und Antwort zum Förderprogramm, seinen Vorbedingungen und Chancen. Professor Christian Schiebel berichtete, unter den 184 Gemeinden im Bezirk Oberbayern seien 98 Prozent ebenso zufrieden mit der Arbeit der Abteilung Städtebau der Regierung wie deren Bürger. Sein Appell: „Setzen Sie ein gewisses Grundvertrauen in uns. Das Förderprogramm finden alle Parteien auf Landes- und Bundesebene sehr gut.“ Am Ende der Stadtratsdebatte meinte Schiebel: „Ich bin ein bissel baff, dass hier dauernd solche Horrorszenarien kommen.“ Anton Wiesböck (FDP) hatte zuvor gefragt, ob es zu Enteignungen kommen könne. Schiebel wies mehrfach darauf hin, dass die Stadt Starnberg schon zahlreiche Schritte auf diesem Weg erfolgreich absolviert habe, zum Beispiel die einstimmige Verabschiedung des Integrierten Stadtentwicklungskonzeptes im November 2016, in dem alle in den Vorjahren seit 2002 durchgeführten Bürgerwerkstätten zum Rahmen- oder Stadtentwicklungsplan ihren Niederschlag gefunden hätten. Großes Ziel ist schon immer, durch Aufwertung des öffentlichen Raums Kaufkraft in Starnberg zu binden und Leerstände bei Geschäften zu vermeiden helfen. Es geht dabei um die nächsten 15 Jahre, konkreter um Maßnahmen der nächsten fünf Jahre. Diese sind von den Kommunen laut Schiebel jährlich bis 1. Dezember bei der Regierung von Oberbayern anzumelden, die dann über Fördermittel entscheiden und die Stadt beraten kann. Nach seinen Erfahrungen stößt ein Euro vom Staat in der Regel eine Investition von Privateigentümern in dem Bereich von sechs Euro an. Außerdem werde eine Dynamik in der örtlichen Wirtschaft ausgelöst, wenn auch in deren Umfeld etwas Positives passiere.

Für das Umfeld des Bahnhofs Nord wird laut Weinl angestrebt, dort eine Mobilitätsdrehscheibe mit attraktivem Busbahnhof, ebensolchen Umsteigemöglichkeiten auf den Öffentlichen Personennahverkehr, Neuordnung der Verkehrsflächen, den Ausbau des Park & Ride-Decks und von Geh- und Radwegen samt Barrierefreiheit herzustellen. Teil des Umbaus sind auch die Pläne des Eigentümers der Flächen des heutigen Edeka-Marktes (ehemals Tengelmann). Dort soll ein Fachmarktzentrum entstehen. Dem Sanierungsgebiet für das Umfeld des Bahnhofs Nord stimmte die WPS nur unter der Bedingung zu, dass durch Angebote des Fachmarktzentrums nicht Geschäfte der Innenstadt geschädigt werden. Weinl appellierte an die Stadträte, den Weg mitzugehen: „Ich glaube, dass die Unzufriedenheit in Starnberg so groß ist, dass wir den Weg gehen müssen.“ Er plädierte auch dafür, den schon begonnenen Verkehrsentwicklungsplan abzuschließen.

Ludwig Jägerhuber (CSU) bestand darauf, als ersten Schritt die betroffene Bevölkerung dieser Gebiete über das Verfahren aufzuklären. Damit habe man schon unter Pfaffinger positive Erfahrungen gemacht. Während Frey kritisierte, ihm fehle „ein hinreichendes Maß an Konkretisierung“ welche Maßnahmen geplant seien in den nächsten 15 Jahren, verwies Weinl dazu auf den bisherigen Stadtentwicklungsplan.  Frey: „Wir vergrößern die Walze der Planungen, kommen aber nie in die Umsetzung.“ Angelika Kammerl (DPF) sah in dem Vorgehen mit „unkonkreten Maßnahmen“ einen „neuerlichen Freifahrtschein für die Stadtverwaltung“. Gaßner führte „geradezu moralische Bedenken“ an, wenn sich das reiche Starnberg staatliche Gelder ausschütten lasse. Für ihn gebe es ohnehin nur ein Funktionsproblem. Das sei der Verkehr und dies werde jetzt ja durch 200 Millionen vom Bund für den B2-Tunnel behandelt. Sein Vorwurf: „Wir machen in Starnberg Sanierungen, nur um Fördermittel zu erhalten.“ Josef Pfister (BMS) erinnerte dagegen daran, dass in Starnberg „vieles liegen geblieben ist, was jetzt endlich in Angriff genommen werden kann“. Staatliche Mittel würden im Übrigen erst dann abgegriffen, wenn die konkrete Maßnahme fest stehe. Martina Neubauer (Grüne) wollte die Ratsmitglieder jedoch lieber darauf festlegen, dass man sich mit Priorität der Seeanbindung widme. Sie sehe Handlungsdruck nur am Seeufer, sagte sie. Ihr hielt die Bürgermeisterin entgegen, dann würden alle anderen Verbesserungen wie die Aufwertung der Schlossbergschule oder des Umfeldes der Musikschule, der Umbau der Himbselstraße nachdem dort die Genossenschaft ihr Projekt Seniorenwohnen abgeschlossen habe oder bessere Wegeverbindungen zum neuen Seebad sowie deren Barrierefreiheit blockiert. Pfister empfindet das Thema Seeanbindung schon seit 30 Jahre als Grund für die Blockade der Stadt. Was man dort nun nach all den gescheiterten Plänen wolle, müsse doch erst noch erarbeitet werden, mahnte er.

An der Schule wird mit Hochdruck gearbeitet

Nicht mal mehr zwei Wochen sind es noch bis zum Beginn des neuen Schuljahres. Bis dahin soll der zentrale Pausehof auf dem Gelände der Grund- und Mittelschule an der Ferdinand-Maria-Straße von den Kindern benutzt werden können. Deshalb wird derzeit mit Hochdruck auf der Baustelle gearbeitet, sogar Samstags. Die zuständigen Abteilungen des Starnberger Rathauses betreuen gleich mehrere wichtige Maßnahmen nebeneinander. Am Ende soll es einen durchgehend barrierefreien und modernisierten Schulcampus für die Kinder geben.

Für die Maßnahmen hatte der Stadtrat im November 2016 und im Zuge der Haushaltsberatungen diesen Jahres grünes Licht gegeben. So wird nun für rund 800000 Euro die Schulturnhalle am Hirschanger energetisch saniert. Dafür hat die Regierung von Oberbayern 230000 Euro Förderung zugesagt. Die Halle erhält eine Wärmedämmung, die Fenster werden ausgetauscht und das Flachdach wird saniert. Am Schulgebäude entsteht gerade der Aufzugsschacht außen. Wenn der neue Aufzug in Betrieb geht, sind alle Stockwerke barrierefrei zu erreichen. Weil es im Inneren der Schule noch eine kleine Treppe gibt, wird diese um einen Treppenlift ergänzt, so dass es fortan keinerlei Hindernisse mehr gibt. Als letztes wird der zentrale Pausehof wieder hergerichtet. Der Verkehrserziehungsplatz entsteht neu, ein Weidendschungel soll künftig den Kindern phantasievolle Spiele ermöglichen, und es entsteht eine Unterstellmöglichkeit für Spielgeräte. Sehr abenteuerlich sah in den letzten Tagen noch der Pausehof vor der Grundschule aus. Dort klafften große Löcher im Hang zur Schul- und Ferdinand-Maria-Straße. Auf Forderung des Abwasserzweckverbandes entstehen hier für 445000 Euro zwei große Regenwasserrückhalteanlagen unter der Erde, damit von den großen Pausehofflächen bei Starkregen nicht unkontrolliert Wasser Richtung Straßen und Regenwasserkanal strömen kann. Eine Forderung, die der Verband inzwischen bei jedem größeren Bauvorhaben erhebt.

Was direkt auf dem Schulgelände gilt, soll auch im Umfeld Standard sein. Der bisherige Zebrastreifen südlich der Kreuzung Schul-/Ferdinand-Maria- und Himbselstraße ist aufgehoben worden. Stattdessen gibt es nun abgesenkte Bürgersteige und künftig zwei neue Zebrastreifen an den Übergängen auf der Ostseite der Ferdinand-Maria-Straße über die Himbselstraße und nördlich der obigen Kreuzung über die Ferdinand-Maria-Straße. In der Schulstraße werden Kurzparkplätze markiert für die schnelle Verabschiedung zwischen Eltern und Kind vor der Schul- oder Kita-Tür. Kurzparkplätze gibt es ebenfalls neu am Hirschanger, dort ebenso einen Wendekreisel für Papa- und Mama-Taxis.

 

 

 

Platz jetzt barrierefrei

Im Rahmen eines Pressetermins hat Bürgermeisterin Eva John heute Mittag darauf hingewiesen, dass der Tutzinger-Hof-Platz ab sofort wieder freigegeben und nun auch barrierefrei gestaltet ist. Bei strahlendem Sonnenschein genossen schon etliche Starnberger die Freischankfläche vor dem neuen Burger-Restaurant „Hans im Glück“, das erst vor wenigen Tagen eröffnet hat. Da passte es gut, dass nun auch der Platz wieder uneingeschränkt benutzbar ist.

Im vergangenen Jahr hatte der Bauausschuss des Stadtrates auf die vielfach von Bürgern, Seniorenbeirat und Behindertenverbänden geäußerte Kritik am bisher doch sehr unebenen Pflaster reagiert und zugestimmt, dass die Hauptlaufflächen nicht nur glatter, sondern zugleich mit den für die Barrierefreiheit für Mobilitätseingeschränkte und Sehbehinderte nötigen Bodenindikatoren und Leitlinien in dunklen Basalt-Kleinsteinen ausgestattet werden. Eingebracht worden war der Antrag von der FDP. Ab Februar dieses Jahres waren die Pflastersteine zuerst ausgebaut, dann bei einer Spezialfirma in Norddeutschland geschnitten und die Oberflächen geglättet worden. In den letzten Wochen erfolgte der Wiedereinbau. So sollte nun der Weg entlang der Nordseite des Platzes vor den Geschäften kein Problem mehr für Rollstuhlfahrer und Benutzer eines Rollators sein. Babys werden im Kinderwagen nicht mehr durchgerüttelt. Ebenso wenig Probleme nun auf der Fläche entlang der Hauptstraße, an der Bushaltestelle vorbei zur Raiffeisenbank.

Damit sich das Chaos der Baustellenzeit nicht fortsetzt, kündigte John an, dass die kommunale Verkehrsüberwachung nun wieder ein Auge darauf haben wird, wer falsch parkt. Denn über den Platz führt auch ein Rettungsweg, den es dauerhaft frei zu halten gilt. Die Bürgermeisterin sagte, sie sei „sehr, sehr stolz auf das gelungene Projekt“, das neben Luise Gareis vom städtischen Tiefbauamt vor allem der Inklusions- und Seniorenbeirat begleitet hätten. Gareis, Christine Offtermatt vom Inklusionsbeirat und Willi Illguth vom Seniorenbeirat waren beim Pressetermin dabei. Der Umbau des Platzes hat laut John zwischen 90000 und 100000 Euro gekostet. Die Stadt könne mit einer 60prozentigen Förderung aus dem Städtebauförderungsprogramm des Freistaates rechnen. Das Fußwegenetz sei nun zwischen dem bereits barrierefrei ausgebauten Gehweg im unteren Teil der Hanfelder Straße und der Bushaltestelle hindernisfrei begehbar, freute sich die Bürgermeisterin.