Söckinger arbeiten begeistert mit

Rund 100 Söckinger Bürger – jung und alt – haben sich gestern Abend in der Franz-Dietrich-Halle eingefunden. Es ging darum der Auftaktveranstaltung für das Integrierte Stadtentwicklungskonzept (ISEK) für ihren Ortsteil zum Erfolg zu verhelfen. Die große Turnhalle war zweigeteilt. Vor der Bühne gab es Sitzplätze, wo die Besucher dem einführenden Vortrag lauschen konnten, hinter dem teilenden Vorhang hingen an den Wänden zahlreiche Plakate mit Stadtentwicklungsthemen, zu denen bereits Stärken, Schwächen, Entwicklungschancen und besondere Herausforderungen aufgelistet waren. Aufgabe der Söckinger Bürger war es, diese Listen mit ihren Ideen und konkreten Vorschlägen oder ihrer Kritik an den bestehenden Zuständen zu ergänzen. Auch bekamen sie von dem europaweit tätigen Büro „sweco“ ein umfangreiches Umfrageheft in die Hände gedrückt, das bereitwillig ausgefüllt wurde. Bei allen Fragen ging es um Söcking, wie es ist und wie es werden sollte.

„sweco“ plant und gestaltet laut Homepage des Büros „die nachhaltigen Städte und Gemeinden der Zukunft“. Das ISEK für Söcking soll bis zum Jahresende fertig sein und gibt der Stadt Starnberg dann einen Maßnahmenkatalog an die Hand, der Grundlage sein kann für positive Veränderungen, die wiederum der Freistaat Bayern mit Städtebaufördermitteln unterstützen würde, wenn sich der Stadtrat dazu durchringt, diese Maßnahmen umzusetzen und Fördermittel zu beantragen. In der Stadt Starnberg selbst ist schon so verfahren worden. Jetzt kommt also Söcking an die Reihe. Das hatte der Stadtrat so beschlossen und das Büro beauftragt. Einbezogen in die Arbeit werden alle beim Stadtbauamt bereits vorhandenen Datengrundlagen, wie zum Beispiel das Stadtentwicklungskonzept „Vision Starnberg 2025“. Vertreter des Inklusionsbeirates und des Stadtbauamtes begleiten den Prozess.

„Wir brauchen Ihre Ideen und Ihr Interesse“, lud die für die Bürgerbeteiligung zuständige Gwendolin Dettweiler von „sweco“ zum Mitmachen ein. Städteplaner Tobias Bakken von „sweco“ erläuterte nochmals, was ein ISEK ist: „Ein ganzheitliches Konzept über die Wohn- und Lebensverhältnisse, das Wohnumfeld und den öffentlichen Raum, die Mobilität und Barrierefreiheit sowie zu den Verkehrs- und Umweltbelastungen. Betrachtet würden auch die Grünflächen und die umgebende Landschaft, der Einzelhandel und die Wirtschaft, Soziales, Bildung, Kultur und Vereine. Bis zu den Pfingstferien soll noch ein öffentlicher Workshop mit den Bürgern folgen, bis zu den Herbstferien werden Ergebnisse vorliegen, die dann im Stadtrat und der Öffentlichkeit vorgestellt werden. Bis zu den Weihnachtsferien haben die Gremien Zeit darüber zu entscheiden.

Gut eine Stunden arbeiteten die Söckinger gemeinsam mit Sweco-Vertretern an den Plakaten. Anregungen wurden schriftlich festgehalten. Die Umfragehefte wurden ausgefüllt und werden den Planern genauso Grundlage für ihre Arbeit sein. Hier das erste Fazit zu den wichtigsten Themen der Auftaktveranstaltung:

  • Grünflächen, Landschaft, Klima: Vorhandenes Grün und Landschaftsflächen in Söcking müssen geschützt werden, aber auch zugänglich und erreichbar sein. Es fehlen noch Wegeverbindungen. Ganz wichtig ist den Bürgern der Schutz der Maisinger Schlucht.
  • Soziales, Kultur, Vereine: Vermisst wird ein Dorfstammtisch, erhalten bleiben sollen Theater, die Feuerwehr und die vorhandenen Einkaufsmöglichkeiten. Manko sind fehlende Treffpunkte für die Jugend, eine Plattform für Informationen und Angebote, die Einheimische und Neuzugezogene verbinden könnte. Dringend ist der Wunsch – das zog sich auch durch alle anderen Themen – nach einem Fußweg zum „Pförtnerhaus“, einem beliebten Lokal am westlichen Ortsende. Der Sportplatz könnte für alle geöffnet werden, nicht nur für Mitglieder. Zu den Herausforderungen für die Zukunft wurde Wohnraum für junge Menschen oder Mehrgenerationenwohnen benannt.
  • Baukultur und Identität: Der Ortskern von Söcking muss aufgewertet werden, da war man sich einig. Das gelte auch für die Architektur der Gebäude und die schwierige Parkplatzsituation. Entwicklungspotenzial wird zwischen dem Höhenweg und der Andechser Straße gesehen, wobei Bedingung sein muss, dass die schöne Aussicht vom Höhenweg nicht zugebaut werden darf. Wichtig war den Teilnehmern auch, dass Starnberg und Söcking wie bisher durch Grün getrennt bleiben,und dass eine gute Balance zwischen Nachverdichtung und Erhalt des Bestandes gefunden wird.
  • Mobilität und Radverkehr: Durchgangsverkehr soll reduziert und verlangsamt werden, bei Buslinien sind engere Takte und ein Angebot nach 21 Uhr stark nachgefragt. In der Alpspitzstraße fühlen sich Fußgänger bisher „sehr an den Rand gedrängt“.
  • Einzelhandel und Wirtschaft: Was in der Ortsmitte schon da ist, soll auch da bleiben, aber Weiterentwicklungen könnten für Verbesserungen sorgen, zum Beispiel für Betriebe und Handwerker, für das Nachtleben der Jugend und zum Erhalt des Know-How am Ort. Als fehlend wurden genannt ein Bioladen und ein Cafe oder Bistro im Zentrum.
  • Straßen, Wege, Plätze: In den Wohngebieten müsste das Parken besser geordnet werden. Öffentliche Toiletten, Ruhebänke und etwas gegen den zunehmenden Verkehrlärm tun, waren wichtige Wünsche. Ihr Trambahnbergl samt besonders guter Aussicht auf die Berge und der Maibaumplatz sind den Söckingern heilig. Von Letztgenanntem müsse der Verkehr besser fern gehalten werden.

Bürgermeisterin Eva John bedankte sich am Ende für die vielen wertschätzenden Gespräche der Teilnehmer. Es gebe nun Nüsse zu knacken, doch sie sei zuversichtlich, „dass wir das schaffen“. John machte darauf aufmerksam, dass  ein Fragebogen bis 15. März 2020 noch bei der Stadtverwaltung abgegeben werden kann, wenn jemand ihn lieber in Ruhe zu Hause ausfüllt. Wer die Abgabefrist einhalte, könne sicher sein, dass seine Anregungen noch Berücksichtigung fänden. Der Fragebogen ist über die Homepage der Stadt herunterzuladen und kann ausgefüllt an ISEK(at)starnberg.de zurückgesandt werden. „Dank an alle, es war ein guter Abend für Söcking“, schloss die Bürgermeisterin.

Inzwischen hat die Stadt auch eine Pressemitteilung herausgegeben, die Sie hier im Wortlaut finden:

Söcking: Große Beteiligung der Söckingerinnen und Söckinger an der Auftaktveranstaltung

Rund 100 Söckingerinnen und Söckinger sind der Einladung zur Auftaktveranstaltung gefolgt. „Miteinander ins Gespräch kommen, gemeinsam überlegen und Wünsche und Ideen für Söcking einbringen. Ein buntes Publikum, jung und alt, Mitglieder von Vereinen und Verbänden und viele Interessierte, beteiligten sich mit großen Einsatz“, so Erste Bürgermeisterin Eva John.

Die Veranstaltung markierte den Startschuss für die Öffentlichkeitsbeteiligung. Es sind noch zwei weitere Veranstaltungen geplant, voraussichtlich im Mai und im Juli diesen Jahres. Das von der Stadt Starnberg beauftragte Planungsbüro SWECO aus München hat mit den Söckingerinnen und Söckingern gemeinsam die Bestandsanalyse des Planungsbüros zu den Themen Wohnen, Arbeiten, Freizeit/Sport, soziales Leben, Verkehr, Ortsbild und Landschaft überprüft und ergänzt. „Mit dieser ersten Ideensammlung haben wir eine gute Basis für die weiteren Planungen in Söcking“, so Erste Bürgermeisterin Eva John.

Für alle interessierten Söckinger besteht bis zum 15. März die Möglichkeit sich mittels eines Fragebogens zu beteiligen. Was zeichnet Söcking aus? Wo können wir etwas verbessern und was muss dafür getan werden? Diese und andere Fragen werden im Fragebogen thematisiert. Der Fragebogen ist unter „Aktuelles“ auf der Homepage der Stadt zu finden. Wer mitmachen möchte, schickt ihn ausgefüllt zurück an ISEK(at)starnberg.de.

Kamin: Rat fordert neues Gutachten

Ein Umdenken hat bei der Stadtratsmehrheit in Sachen Abluftkamin für den geplanten B2-Tunnel stattgefunden. Bisher hatten die Räte von CSU, UWG, Grünen, SPD, DPF und BLS stets Nein gesagt, wenn Iris Ziebart (FDP) oder die Bürgerinitiative um ihren Mann, Wolfgang Ziebart sowie den Starnberger Markus Lehmann-Horn gebeten hatten, man möge dafür sorgen, dass das Staatliche Bauamt Weilheim das für den Tunnel erforderliche Gutachten zu den erwarteten Luftschadstoffen auf das richtige Datum aktualisieren lässt (siehe NO2: Grenzwerte sind eingehalten und Abluftkamin: Planung anpassen und Ratsmehrheit will den Abluftkamin und Druck gegen Abluftkamin erzeugen und Unterschriften gegen Abluftkamin). In der letztjährigen Bürgerversammlung wurde ein entsprechender Antrag von Lehmann-Horn von den Starnbergern jedoch mit großer Mehrheit angenommen. Über diesen Antrag musste der Stadtrat jetzt beraten.

In der Begründung zum Antrag in der Bürgerversammlung war angeführt worden, dass der Tunnel ursprünlich mit einer Längslüftung geplant worden sei, dann aber wegen der prognostizierten Nichteinhaltung der neuen Grenzwerte der Europäischen Union eine Entlüftung mit Mittenabsaugung und einem Abluftkamin am Schlossgarten versehen worden war. Zu der Anlage gehört ein sehr groß dimensioniertes und teures unterirdisches Betriebsgebäude, für das der Schlossberg unter dem Finanzamtsparkplatz massiv abgetragen werden muss. Die Bürgerinitiative um das Ehepaar Ziebart und Lehmann-Horn befürchtet neben Verschwendung von Steuergeld Belästigungen für die in der Umgebung wohnende Bevölkerung während der Bauzeit und im Betrieb und hat Unterschriften gegen das Projekt gesammelt. Das Staatliche Bauamt Weilheim hatte das Immissionsgutachten 2018 aktualisieren lassen. Der Züricher Firma war als Prognosezeitpunkt eine Tunneleröffnung im Jahr 2020 vorgegeben worden. Dieses Gutachten sagte aus, dass ohne den Abluftkamin am Nordportal des Tunnels in den Jahren 2020 bis 2025 nicht auszuschließen sei, dass an einem Punkt im Bereich des Nordportals Grenzwerte überschritten werden. Gegen den vorgegebenen Prognosezeitpunkt für dieses Gutachten ist die Bürgerinitiative um Ziebarts und Lehmann-Horn Sturm gelaufen, denn spätestens seit Februar 2017 stand in allen Veröffentlichungen der Weilheimer Behörde, die Inbetriebnahme des Tunnels sei 2026 zu erwarten. Die Gegner des Abluftkamins, die wieder zurück zur Längslüftung im Tunnel wollen, führten an, die Luftschadstoffe aus dem Autoverkehr seien bereits kontinuierlich gesunken und würden dank neuer Technik sowie mehr Elektromobilität spürbar weiter sinken. Vergleichbare Prognosen gab es auch vom Umweltbundesamt. Dennoch lehnte der Stadtrat einen neuerlichen Antrag,  Möglichkeiten die Tunnelplanung anzupassen zu prüfen, auch im Mai letzten Jahres wieder ab. Beim Staatlichen Bauamt in Weilheim selbst stießen die Initiatoren der Bewegung gegen den Kamin weiter auf taube Ohren. Der Antrag aus der Bürgerversammlung war der vorerst letzte Versuch, zumindest die Beurteilungskriterien für die Notwendigkeit des Bauwerks zu aktualisieren.

Stefan Frey (CSU) war zwar immer noch überzeugt: „Wir kommen nicht umhin den Abluftkamin zu akzeptieren, gerade im Brandfall.“ Das sei auch die Haltung des Ersten Kommandanten der Feuerwehr, denn der Rauch müsse ja aus dem Tunnel raus. Doch er, Frey, stehe einem solchen Auftrag, das Gutachten zu aktualisieren, nicht entgegen. „Sehen wir mal, was da rauskommt“, sagte er. Patrick Janik (UWG) schloss sich ihm an. Den damaligen Antrag der FDP habe er eben genau wegen den Aussagen der Feuerwehr abgelehnt. Mit einem neuen Gutachten habe er nun „überhaupt keine Probleme“, versicherte Janik.

Angelika Kammerl (DPF) regte sich enorm auf: „Wie wird denn hier mit dem Steuergeld der Bürger umgegangen. Wir wissen, dass der Abluftkamin für den Brandfall lebensnotwendig ist. Was soll denn dieses Rumgeeiere? Es ist unverantwortlich, hier nochmal ein Gutachten zu verlangen – eine enorme Geldverschwendung!“

„Ich weiß jetzt gar nicht, ob ich dazu etwas sagen soll“, überlegte Iris Ziebart (FDP) laut, tat es dann aber doch: „Das Gutachten kostet 3000 Euro, die ganze Abluftanlage im Schlossberg rund 30 Millionen Euro. Da ist eine Relation durchaus gegeben.“ Wie berichtet, hatte die Initiative der Weilheimer Behörde sogar angeboten, die Aktualisierung des Gutachtens aus eigener Tasche zu bezahlen. Das war aber abgelehnt worden. Die Rauchabsaugung  sei in der Ursprungsplanung am südlichen Tunnelportal im Zusammenhang mit einem Betriebsgebäude dort geplant gewesen, versuchte Ziebart richtig zu stellen. Das hat inzwischen auch nochmals Lehmann-Horn versucht. Er schrieb nach der Stadtratssitzung an die Fraktionen:

„Ein wichtiges Detail der Angelegenheit wird allerdings immer noch unrichtig kolportiert: der Mittenkamin wurde nur für einen energiesparenden Lüftungsbetrieb nachgeplant. Für die Entrauchung wurde, laut Gutachten von 2002, der südliche Rauchauslass empfohlen, ausdrücklich nicht der Mittenkamin. Die entsprechende Seite des Gutachtens habe ich Ihnen als Anhang beigefügt.

Also wäre eine Rückführung auf die ursprüngliche Planung sogar ein Sicherheitsgewinn für den Tunnel. Aber diesen Fragen wird man ja nochmals nachgehen können, wenn das Gutachten aktualisiert wird.“

Beigefügt hat Lehmann-Horn einen Auszug aus dem alten Gutachten:

„Die Tunnelstrecke verläuft unter einem Hügelrücken. Seine ostseitige Flanke fällt stetig ab zum Starnberger See, im mittleren Bereich liegen die Bauten des Ortskerns und südseitig dazu liegen hochwertige Wohnzonen. Die Westseite des Hügelzugs fällt zu einem Tal hinab, dessen Gegenhang wieder stark ansteigt. Die ansteigende Hanglage ist wiederum eine bevorzugte Wohnlage. Im mittleren Bereich des Tunnels steht auf der Hügelkuppe das Schloss Starnberg, südseitig gefolgt von einer Parkanlage. Unter Berücksichtigung der Bebauungssituation wäre es denkbar, einen Kamin im Bereich Schlossgarten (Tunnelmitte) oder in der Nähe des Südportals zu plazieren. Die Untersuchung der Tunnellüftung in [2] hat für die bevorzugten Lüftungssysteme ergeben, dass ein Kamin am Südportal für die Brandabluft genutzt werden sollte. Ein Betrieb des südlichen Kamins zur Verminderung von Portalabluft ist durch den hohen Energieverbrauch sehr ungünstig. Falls die Tunnellüftung eingesetzt werden sollte, um das Ausströmen von Portalabluft zu vermindern, empfehlen wir die Anordnung des Kamins im Bereich der Tunnelmitte. „
Franz Heidinger (BLS) wollte an dem Kamin festhalten, die Aktualisierung des Gutachtens jedoch befürwortete er: „Für die Befriedung.“ Markus Mooser (WPS) fand ein neues Gutachten „zwingend notwendig“. Es gehe auch darum, dass die jahrhundertalte Ansicht des Schlossbergs durch „ein solches neues Wahrzeichen“ verändert werde. Er sprach von einem „Krematoriumsturm“. „Wer diese Stadt liebt, kann da nicht zustimmen“, so Mooser. Michael Mignoli (BLS) forderte an dieser Stelle einen Abruch der Debatte und erhielt dafür die Mehrheit mit 16:10 Stimmen. Dem Antrag aus der Bürgerversammlung, beim Staatlichen Bauamt Weilheim die Überarbeitung des Gutachtens mit einem Prognosehorizont 2026 zu verlangen, folgte die Mehrheit mit 23:3 Stimmen.

Bienenfreundlichste Kommune?

Geht es nach dem Willen der SPD-Stadtratsfraktion, dann sollte Starnberg im kommenden Jahr bienenfreundlichste Kommune in Oberbayern werden. Sich dafür zu bewerben, haben Tim Weidner und Christiane Falk jetzt bei Bürgermeisterin Eva John beantragt. Es handelt sich um einen Wettbewerb, den der Bezirk Oberbayern 2017 angesichts des Insektensterbens ausgeschrieben hatte. In diesem Jahr haben laut Weidner aber von den 500 eingeladenen Kommunen nur 30 teilgenommen. Weidner beantragt auch, dass die Vorbereitung der Teilnahme in Starnberg in enger Absstimmung mit den örtlichen Imkern, Naturschutzverbänden sowie der STAgenda 21 durchgeführt werden soll.

Seine Begründung lautet wie folgt:

„Im Sinne des Artenschutzes wäre es wünschenswert, wenn die Stadt Starnberg weitere Maßnahmen im Bereich des Natur- und Umweltschutzes ergreift. Das angestrebte Ziel der Teilnahme sollte sein, dass die ergriffenen Maßnahmen auf Grund ihrer Wirksamkeit zu einer Auszeichnung bei Wettbewerben führen. Dies kann – aus unserer Sicht – gelingen, wenn zum Beispiel das von der SPD-Stadtratsfraktion beantragte „7-Punkte-Programm für den Artenschutz“ nicht nur beschlossen, sondern auch zügig umgesetzt wird.

Heuer hat die Gemeinde Kirchanschöring im Landkreis Traunstein den 1. Platz belegt. Die Gründe dafür waren unter anderem:

  • Ein ökologischer Grünflächen-Pflegeplan,
  • keine Pestizide auf verpachteten und bewirtschafteten Flächen,
  • größere Streuobstwiesenbestände,
  • eine Glatthafer- und Salbeiwiese mit Erdhummelzucht.“

(Siehe auch Artenschutz: Konzept beauftragt)

 

Es wird weiter gemessen

Der Ausschuss für Umwelt, Energie und Mobilität hatte im Oktober keine Entscheidung treffen wollen (siehe Was wird aus Messstationen?). Es ging um die Frage, ob die beiden Messstellen für Luftschadstoffe in der Haupt- und Hanfelder Straße weiterbetrieben oder aufgegeben werden sollen. Mit 17:11 Stimmen hat der Stadtrat nun entschieden, dass weitere sechs Jahre gemessen wird. Unter den Gegenstimmen war die CSU-Fraktion. So war Thomas Beigel (CSU) der Ansicht: „Wir bauen doch den Tunnel. Was sollen wir dann noch beweisen können sollen?“ Bürgermeisterin Eva John antwortete, es dauere ja noch bis zu dessen Eröffnung.

Geklärt ist inzwischen, dass die gemessenen Werte jederzeit bei gerichtlichen Auseinandersetzungen herangezogen werden können. Die Kosten der fortgesetzten Messung betragen 45600 Euro pro Jahr. Von einer Verlegung einer der Messstationen wird abgesehen, da dadurch hohe Kosten verursacht würden und man neue Messergebnisse nicht mehr mit früheren vergleichen könnte.

Brunnangerhalle: Neue Beleuchtung

Der Bauausschuss wurde vom Bauamt darüber informiert, dass die Sanierung der Beleuchtung in der Sporthalle „Brunnangerhalle“ nicht wie geplant 2018 durchgeführt werden konnte. Weil auf die öffentliche Ausschreibung keine Angebote eingegangen seien, wurde die Maßnahme neu durchgeplant, der alte Förderantrag zurückgezogen und ein neuer ausgearbeitet. Die alte Beleuchtung samt Steuerung ist inzwischen 32 Jahre alt, verbraucht viel zu viel Strom, was viel CO2-Ausst0ß bedeutet, und ist bei Veranstaltungen nicht mehr ausreichend. Nach nunmehr neuer Planung entstehen inklusive aller erforderlichen Nebenarbeiten, wie zum Beispiel eine Verstärkung der Decken für die neuen Leuchten, Kosten in Höhe von 325000 Euro. An staatlichen Fördermitteln werden 70000 Euro erwartet. Der Bauausschuss des Stadtrates billigte einstimmig, die Maßnahme, die ein Beitrag der Stadt zum Klimapakt des Landkreises ist, jetzt 2020 umzusetzen, einen Fachplaner zu beauftragen und die schon vorhandenen Haushaltsmittel als Haushaltsreste auf das nächste Jahr zu übertragen.

Was wird aus Messstationen?

In Starnberg wird seit etwas mehr als zwei Jahren mit Hilfe von zwei Messstellen kontrolliert, in welchem Maß Luftschadstoffe auftreten – und zwar an der Hanfelder Straße 11 und an der Hauptstraße 4. Die Ergebnisse sind den Stadträten regelmäßig vorgestellt worden. Die interessierten Bürger konnten sich über die Homepage der Stadt bisher über die täglichen Messwerte informieren. Zum Jahresende läuft der Vertrag mit der die Messstellen betreuenden Firma ACCON aus. Diese hat angeboten, sie weiter zu betreiben, wenn die Stadt dies für einen Zeitraum von mindestens sechs Jahren beauftragt. Pro Jahr würden dafür 45600 Euro anfallen. Der Ausschuss für Umwelt, Energie und Mobilität sah sich noch nicht imstande, eine Entscheidung zu empfehlen. Bis zur Sitzung des für zuständig erklärten Gesamtstadtrates sollen noch offene Fragen geklärt werden. Dafür sprach sich der Ausschuss einstimmig aus.

„Es gibt ein gewisses öffentliches Interesse, auch im Hinblick auf das, was auf uns zukommt“, empfahl Bürgermeisterin Eva John, die Messstellen weiter zu betreiben. Ihr Blick richtete sich auf den geplanten Bau des B2-Tunnels. Dagegen fand Franz Heidinger (BLS): „Das ist alles rausgeschmissenes Geld. Wir bewegen uns am Rande eines Luftkurortes. Zumindest könnte man die Messungen eine Zeit lang aussetzen. „Ins gleiche Horn“ stoßen wollte Patrick Janik (UWG). Ihnen widersprach der Umweltschutzbeauftragte der Stadt, Carl Christian Zimmermann: „Als Luftkurort stellt sich das nicht dar. Zwar werden die zulässigen Jahresmittelwerte deutlich unterschritten, aber es gibt tageweise durchaus Überschreitungen.“ Er empfahl weiter zu messen, schon damit man reagieren könne, wenn – wie im Sommer 2018 geschehen – die Deutsche Umwelthilfe wieder einmal „völlig falsche Luftschadstoffbelastungen in Starnberg gemessen haben sollte. Auch könnten weitere Messungen helfen festzustellen, wie sich die Werte während der Bauphase des Tunnels verändern.

Stefan Frey (CSU) wollte wissen, ob die hier ermittelten Messwerte eine Verbindlichkeit für den Luftreinhalteplan Münchens, Teilplan Stadt Starnberg, haben, und ob sie dort überhaupt einfließen. Das soll noch geklärt werden. Anton Wiesböck (FDP) sprach sich dafür aus, zumindest eine der Stationen zu behalten. Klaus Huber (WPS) plädierte für die Fortsetzung kontinuierlicher Messreihen, weil man dann Belege für eine Entwicklung der Belastung in Starnberg vorweisen könne. In der Vergangenheit zeigten die Werte, dass die Luft deutlich bessere Qualität hat als befürchtet und die Schadstoffe eher sinken (siehe Luftschadstoffe reduziert und NO2: Grenzwerte sind eingehalten).

Kriterienkatalog angepasst

Der Ausschuss für Umwelt, Energie und Mobilität sowie der Stadtrat haben der Anpassung und Fortschreibung des 2014 erstmals beschlossenen ökologischen Kriterienkatalogs einstimmig grünes Licht erteilt. Vorgenommen hat die Überarbeitung der STAgenda-Arbeitskreis Energie unter der Leitung von Karin Wurzbacher. Die Fortschreibung sei für die Aktualität notwendig begründete sie es. Dabei hätten sich „nicht wahnsinnig gravierende Änderungen“ ergeben. Vielmehr mussten inzwischen erlassene gesetzliche Vorgaben und Stadtratsbeschlüsse eingearbeitet werden. „Der Katalog ist eine Empfehlung für das Bauen in der Stadt Starnberg“, so Wurzbacher. Er sei allerdings nicht bindend.

Zustimmung fand der Katalog auch in der folgenden Stadtratssitzung (einstimmig). Lediglich in der Frage, ob der Kriterienkatalog  auch in der Bauleitplanung in die Abwägung einzustellen und in der Begründung zu Bebauungsplänen darzustellen ist, war man sich nicht ganz einig (25:3). Klar gestellt wurde, dass die Kriterien für private Bauherren eine Empfehlung ist. Für die Stadt soll er jedoch Verpflichtung sein, wenn sie selbst etwas baut. Markus Mooser (WPS) merkte an, der Staat verstoße eklatant gegen das ökologische Bauen, wenn er zum Beispiel den B2-Tunnel „aus reinem Beton“ baue, das „obwohl der Tunnel völlig unnötig ist“. Wie immer, wenn das Thema Tunnel auf den Tisch kommt – Aufstöhnen bei der Stadtratsmehrheit.

Artenschutz: Konzept beauftragt

Auf Antrag der SPD-Stadtratsfraktion hat der Ferienausschuss des Stadtrates einstimmig die Verwaltung beauftragt, ein Umsetzungskonzept für das von den Genossen vorgeschlagene Sieben-Punkte-Programm für den Artenschutz in der Stadt Starnberg zur Beratung im Ausschuss für Umwelt, Energie und Mobilität vorzulegen. Dabei sollen Vorschläge gemacht werden, was wie umsetzbar ist.

Das sind die sieben Punkte:

  • Mehr Streuobstwiesen
  • Mehr Blühwiesen und Blühstreifen
  • Mehr Trockenmauern – mehr Totholzhaufen – mehr Insektenhotels
  • Biotope besser vernetzen
  • Gewässerstreifen verbreitern und Bäche freilegen
  • Kommunales Programm zur Begrünung von Dach-, Fassaden- und Entsiegelungsflächen
  • Eindämmung von Steingärten (Kies- und Schottervorgärten)

SPD-Stadtrat Tim Weidner sagte, als Kommune sei Starnberg aufgefordert etwas für den Artenschutz zu tun. Zusätzliche Vorschläge aus der Bürgerschaft bezeichnete er als „durchaus erwünscht“.

Starnberg ist Fair-Trade-Stadt

Jetzt ist es offiziell: Starnberg ist Fairtrade-Stadt. Erste Bürgermeisterin Eva John nahm bei der Auszeichnungsfeier im Rahmen des Stadtfestes die Urkunde und den offiziellen Titel von Daniel Caspari von Trans Fair e.V. aus Köln in Empfang. Die Steuerungsgruppe hat es nach dem positiven Stadtratsbeschluss im Mai 2017 für eine Bewerbung geschafft, alle Kriterien für den Titel zu erfüllen.

Die Steuerungsgruppe aus Ehrenamtlichen und Mitarbeitern der Stadtverwaltung nahm ihre Arbeit Anfang 2018 erstmalig auf und erarbeitete einen Projektplan. „Ich freue mich darüber, dass wir eine sehr kreative und tatkräftige Gruppe in Starnberg haben, die hierbei vorangeht und der wir es auch zu verdanken haben, dass wir heute diese Auszeichnung erhalten: Ich danke den Mitgliedern der Steuerungsgruppe und den zahlreichen Partnern, die sich für den fairen Handel in Starnberg stark machen und uns die erfolgreiche Zertifizierung ermöglicht haben“, so Erste Bürgermeisterin Eva John. Neben dem Starnberger Gymnasium konnten die Kirchengemeinden, die STAgenda 21, der Weltladen Starnberg sowie Gastronomen, Einzelhändler und Vereine als Partner gewonnen werden.

Erste Bürgermeisterin Eva John hob hervor, dass der Titel ein erster wichtiger Schritt sei, aber klar verbunden mit dem Auftrag, sich auch weiterhin Gedanken zu machen, wie jeder Einzelne fairen Handel in der Stadt vorantreiben kann. In der Region solle man all das einkaufen, womit die heimische Landwirtschaft gestützt werden kann. Kaffee, Kakao und solche Artikel, die hier nicht hergestellt werden, seien am besten über fairen Handel zu erwerben.

Damit gehört Starnberg nun zur internationalen Familie der Fairtrade Towns mit über 2.000 Fairtrade- Städten in 36 Ländern. In Deutschland tragen inzwischen rund 600 Kommunen den Titel. In allen Fair- trade-Städten haben sich Akteure aus Politik, Zivilgesellschaft und Wirtschaft vernetzt und fördern den fairen Handel auf kommunaler Ebene.

Erste Bürgermeisterin Eva John nahm die Verleihungsurkunde entgegen von Daniel Caspari (Trans Fair e.V.) und dankte der Steuerungsgruppe mit Marius Schwender (Gymnasium Starnberg), Birgit Wüsthoff (Weltladen Starnberg), Stephanie Wüsthoff-Groh (Weltladen Starnberg), Birgit Dischner (Katholische Kirchengemeinde) und den Unterstützern mit Carmen Witschel (Naturmode mit Charme), Franz Kaiser (Wieners- Der Kaffeeröster), Jan Thunig (Eiswerkstatt) sowie Richard Rothdauscher (TSV Perchting-Hadorf) für ihre Arbeit.

Förderprogramm überarbeitet

Das im Jahr 2011 erstmals eingeführte Förderprogramm über 100000 Euro zur Steigerung der Quote für Sanierungen an Häusern unter Energiespargesichtspunkten ist redaktionell überarbeitet und erweitert worden. Gültig ist die neue Version seit dem 1. Juli 2019.

Nach Schilderung der Leiterin des STAgenda-Arbeitskreises Energie, Karin Wurzbacher, läuft das Förderprogramm bisher sehr gut. Es gebe jedes Jahr genug Anträge von Bürgern und der Finanzrahmen werde „immer gerade nicht ausgeschöpft“. Bei der aktuellen Anpassung gehe es um Maßnahmen zur Heizungsmodernisierung, mit denen die Energieeffizienz der jeweiligen gesamten Heizsysteme verbessert werden könnten. Als Beispiele nannte sie Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen, thermische Solarkollektoranlagen und effiziente Biomasseheizungen. Aber es brächten auch schon kleine Maßnahmen etwas, wie der Pumpentausch, der Tausch der Themostatventile und Heizkörper oder die Dämmung von Rohrleitungen.

Mit dem Förderprogramm will die Stadt die Energiewende im Landkreis Starnberg unterstützen, indem man Anreize für die Hausbesitzer schafft. In 2018 waren elf Anträge mit einen Fördervolumen von 84000 Euro ausgestattet worden. Der Ausschuss für Energie, Umwelt und Mobilität des Stadtrates stimmte der Fortführung und Anpassung des Programms ohne Einwände zu.