Wer wird BürgermeisterIn?

Vier Kandidaten haben sich in Starnberg um das Amt des Rathauschefs oder der Chefin beworben. Gestern Abend stellten sie sich auf Einladung des Starnberger Merkur den Fragen der Redaktion sowie Fragen aus der Bürgerschaft. „Unserer Meinung nach sind das die zentralen Themen für Starnberg, über die wir reden wollen“, erläuterte Chefredakteur Peter Schiebel im Rahmen der Begrüßung von Amtsinhaberin Eva John (Kandidatin von BMS,WPS), Patrick Janik (Kandidat von CSU, UWG, SPD und BLS), Kerstin Täubner-Benicke (Grüne) und Marc Fiedler (FDP). Die große Schlossberghalle war sehr gut gefüllt, unter den Besuchern auch zahlreiche Kandidaten für die Stadtratswahl, die wie die Wahl des Bürgermeisters am 15. März 2020 stattfindet.

Die „wichtigsten Themen“ – das waren Lösungen für  das Wohnraumproblem, die geplante Erweiterung des Gewerbegebietes in Schorn, Verkehrslösungen für Starnberg, die Seeanbindung und das, was Schiebel unter dem Begriff „Starnberger Verhältnisse“ ankündigte. Gemeint war damit das Klima im Stadtrat, das von Streit und Schuldzuweisungen geprägt ist. Zur Sprache kam dann noch die Haltung der Kandidaten zu Klimaschutz und zum eventuellen Bau von Windrädern auf Stadtgebiet sowie die Lage bei den städtischen Finanzen. Zum Schluss durften noch Fragen aus dem Publikum gestellt werden. Unter anderem ging es dabei um die Möglichkeiten, Starnberg attraktiver zu machen.

Die Berichterstattung wird das Augenmerk in erster Linie auf die Aussagen der Kandidaten lenken, die Unterschiede zwischen den Bewerbern verdeutlichen.

Wohnen:

Für Eva John „das allerwichtigste Thema“, das sie stark forcieren will. Um bezahlbaren Wohnraum zur Verfügung stellen zu können, brauche es eine gewisse Unterstützung der öffentlichen Hand. In der Innenstadt sieht sie kaum Möglichkeiten günstig Wohnungen herzustellen und anzubieten. Ihrer Ansicht nach ist es der richtigere Weg, günstig Bauland zu finden und zur Verfügung zu stellen. Sie verwies auf die schon geschafften Einheimischenmodelle Am Wiesengrund, in Percha und anderen Ortsteilen und kündigte erstmals ein Projekt für Söcking an. Die Stadt habe sich Richtlinien gegeben, wonach bei der Ausweisung neuen Baulands die Hälfte der Flächen einer Einheimischenbindung unterliegen. Insgesamt hält John die Schaffung von Wohnraum für eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.

Marc Fiedler will Geschosswohnungsbau im Kernbereich der Stadt zulassen, zum Beispiel an der Hauptstraße. „Wir müssen es schaffen, die Menschen ins Eigenheim zu bringen“, sagte er, weshalb die Stadt Flächen suchen, finden und zur Verfügung stellen sollte. Zwei bis drei weitere Einheimischenmodelle dürften schon noch kommen. Außerdem könne man die Rahmenbedingungen für den privaten Wohnungsbau verbessern.

Auch Patrick Janik sprach von „Verdichtung auf gut gelegenen Bezirken der Innenstadt.“ Die Eigenheime Am Wiesengrund sind seiner Ansicht nach schon zu teuer, weshalb die Stadt auch Eigentumswohnungen herstellen sollte. Zudem solle man damit aufhören, in Bebauungsplanverfahren die Anzahl der zulässigen Wohneinheiten vorzuschreiben.

Für Kerstin Täubner-Benicke ist eine wichtige Maßnahme, keine weiteren 3000 Arbeitsplätze in Schorn zu schaffen. Beim Geschosswohnungsbau sollten eher kleinere Einheiten mit flexibleren Grundrissen entstehen, damit der Wohnflächenbedarf nicht weiter steigt. Beratungsstellen für Bauwillige sieht sie als Aufgabe für Stadt und Landkreis zusammen. Die Trennung von Wohnen und Arbeiten solle aufgehoben werden und die Stadt mit Hilfe der Sozialgerechten Bodennutzung am Wertzuwachs beteiligt werden, wenn Bauland neu ausgewiesen werde.

Schorn:

Für Fiedler steht fest, dass die Stadt um ihre Aufgaben erfüllen zu können, mehr Gewerbesteuer einnehmen muss, zumal der Einzelhandel „gerade am Sterben ist, alle miteinander“. Schorn solle infrastrukturell gut angebunden werden. Er wolle einen Autobahnvollanschluss und eine gute ÖPNV-Anbindung. Wangen dürfe nicht die Ableitung von Schorn werden.

Janik sagte, 3000 Arbeitsplätze mehr schreckten ihn nicht. Die Kosten der Infrastruktur trage der Investor für das Gewerbegebiet in Schorn, weshalb auch eine gewisse Größe nötig sei, um ein rentables Projekt zu schaffen. Er verlangte statt des schon ausgehandelten Autobahnhalbanschlusses an die A95, einen Vollanschluss nachzuverhandeln. Die Erschließung des Gewerbegebietes nach Süden dürfe nicht durch Wangen verlaufen. Janik plädierte für eine Abstufung des Autobahnastes A952 nach Starnberg.

Auch John erinnerte daran, dass die Flächen nicht der Stadt sondern dem Investor gehören, bezweifelte aber, ob die geplante Größe, die die Bebauung von 21 Hektar, teilweise im Landschaftsschutzgebiet liegend, vorsieht, möglich sein wird. Die verkehrliche Erschließung ist für sie „wichtigstes Thema“, weshalb nächste Woche Gespräche mit Schäftlarn geführt würden. „Ich bin zuversichtlich, wenn sich eine breite Mehrheit für Schorn findet, können wir die Vertreter vom Bund auch für einen Vollanschluss an die Autobahn überzeugen“, sagte John. Eine Absage erteilte sie Plänen, das neue Gewerbegebiet um jeden Preis und in jeder Größe zu entwickeln, um Gewerbesteuer zu generieren. Sie lobte die gute Arbeit der Unternehmerschaft in Starnberg, die  jetzt schon für relativ hohe Gewerbesteuerzahlungen sorgten.

Täubner-Benicke sieht dagegen diese Steuerart als unsichersten Faktor in den städtischen Finanzen. Sie setzt auf ein Flächenmanagement für Gewerbeflächen in der Stadt und auf die Schaffung „eines kleinen Campus“ im Rahmen der Seeanbindung. In Schorn nur die heute schon bestehende Gewerbefläche zu entwickeln, dagegen hätten die Grünen nichts. Die Erweiterung darüber hinaus lehnten sie strikt ab. Angesichts der Klimaprobleme könne die Stadt nicht immer weiter wachsen und alles zubauen. Einzelhandel an der Peripherie zuzulassen sei ein Fehler. Insgesamt erteilte sie dem in ihren Augen „ruinösen Wettbewerb zwischen den Gemeinden“ hinsichtlich der Ausweisung von Gewerbegebieten eine Absage. Sollte Schorn doch kommen, benötige es neben dem unbedingten Autobahnvollanschluss eine gute ÖPNV-Anbindung.

Verkehr:

Die Kandidaten waren gebeten worden, sich zu Vorschlägen unter anderem denen der STAgenda (Projekt „Lebendiges Starnberg“, siehe “Lebendiges Starnberg” ist das Ziel) zu äußern, Durchgangsverkehr zu verbannen, oberirdisch vom Auto genutzte Flächen zurückzubauen, Geschwindigkeiten drastisch zu reduzieren, Einbahnstraßen und Sharded-Space-Flächen einzuführen, wenn möglich das alles schon vor der Fertigstellung des geplanten B2-Tunnels.

Täubner-Benicke lehnt eine Nord-Ost-Umfahrung für Starnberg ab. Sie will Verkehr vermeiden helfen durch Verbesserungen für den Rad- und Fuß-Verkehr und verlangt Tempo 30 überall, auch auf Staatsstraßen. Ab wann, sagte sie nicht.

Fiedler konterte: „Tempo 30 nein, Shared Space ja.“ Man müsse den Starnbergern weiter die Möglichkeit geben, mit dem Auto in die Innenstadt zu fahren. Helfen könne ein Parkleitsystem und ein Innenstadtbus. Eine Verkehrsart gegen die andere auszuspielen, lehne er ab.

John unterstützte die aufgezählten Maßnahmen mit „uneingeschränkt ja“, auch noch vor dem Tunnel, gerne zusätzlich die Umfahrung. Die STAgenda habe gute Vorarbeit geleistet, die fortgesetzt werden müsse. Eine Temporeduzierung werde „ganz sicher“ nötig, ebenso eine Neuverteilung der Verkehrsflächen für alle Verkehrsarten, worunter keiner leiden werde müssen. Sie hoffe auf sehr viel Verständnis beim neuen Stadtrat und in der Bürgerschaft.

Janik glaubt, dass Tempo 30 keine Umgewöhnung erfordert, weil man heute schon nicht schneller auf Starnbergs Straßen fahren kann. Er setzt auf eine bauliche Umgestaltung der Hauptstraße nach der Inbetriebnahme des B2-Tunnels, die Schaffung eines dann einheitlichen Einkaufserlebnisses entlang der Hauptverkehrsader. Überhaupt werde der Tunnel die Innenstadt vom Verkehr entlasten, wenn es ein abgestimmtes Gesamtkonzept zur Verkehrsführung gebe, was ihm bisher noch fehle.

Warum es bisher mit der Umfahrung nicht vorwärts gegangen sei, war die nächste Frage.

John erinnerte an die Weigerung des Stadtrates, schon 2016 die notwendigen Untersuchungen in Auftrag zu geben, was nun kürzlich geschehen ist. Der Mehrheitsbeschluss vom Februar 2017 – „B2-Tunnel bauen, ortferne Umfahrung planen“ habe das Projekt weiter zurückgeworfen. Der Freistaat habe schon immer gesagt, dass die Stadt die Planung für eine Umfahrung selbst erstellen müsse. „Auf dem Weg sind wir jetzt“, so John. Die Finanzierung wie bei der Westumfahrung in kommunaler Sonderbaulast mit hohem Zuschuss des Freistaates hält sie für möglich. „Ich bin enttäuscht, dass es nicht gelungen ist, statt des Tunnels die Umfahrung voran zu treiben“, schloss sie. Enttäuscht sei sie über Vorwürfe, sie habe dieses Projekt liegen lassen. Dies sei nicht gerechtfertigt und „es stimmt einfach nicht“, denn die Verwaltung tue alles, um Projekte des Stadtrates positiv zu begleiten.

Janik glaubt, dass Fortschritte anfangs nicht gelungen sind, weil eine in seinen Augen höchstproblematische ortsnahe Umfahrung noch im Gespräch gewesen ist. Den Beschluss vom Februar 2017 betrachtet er als Kompromiss. Ohne den Bau des Tunnels hätte die Umfahrung nie eine Realisierungschance gehabt. Er halte sich an das Versprechen, die ortsferne Umfahrung „planreif“ zu bekommen. Grundsätzlich hätte er sich eine höhere Arbeitsgeschwindigkeit gewünscht. Aber weil die Untersuchungen für die Umfahrung ohnehin länger dauerten, falle das nicht so ins Gewicht.

Täubner-Benicke glaubt gerade daran nicht, denn die Hindernisse bei Landschafts- und Naturschutz seien zu schwerwiegend. Viele Besucher lachten bei ihrer Behauptung, der Tunnel werde in sechs Jahren fertig sein. Dann sehe man, welche Entlastungswirkung er habe. Außerdem setzt sie darauf, dass sich die Mobilität in den nächsten Jahren verändert. Lange Planungszeiten verhinderten die Realisierung der Umfahrung sicher sowieso.

Fiedler glaubt, dass man die Planung der Umfahrung auch schneller hinkriegt, wenn man sich an die Beschlüsse hält. Liege die dann vor, komme es zum Schwur. Bei positivem Ergebnis der Untersuchungen müsse die Umfahrung auch gebaut werden.

Seeanbindung:

Janik glaubt, die Stadt habe „das Blatt überreizt“, aber auch weiter an einen Kompromiss mit der Bahn. Beide – Stadt und Bahn – müssten die Lösung im Vergleich suchen. „Die Visitenkarte unserer Stadt darf  uns auch etwas wert sein. Da ist Tafelsilber gut investiert“, sagte er. Tafelsilber, damit sind städtische Grundstücke und Immobilien gemeint, die für die Seeanbindung verkauft werden könnten. Wenn die Stadt der Bahn die Infrastruktur baue, müsse sie genauso Fördermittel bekommen wie wenn die Bahn selbst baue. „Beim Willen zu einer einvernehmlichen Lösung werden wir mit der Bahn auch über Dächer auf den Bahnsteigen reden können“, so Janik.

Fiedler verlangte, sich in die Bahn hineinzuversetzen. Die sei nämlich dem Bund als Eigentümer verpflichtet. Starnberg müsse endlich klären, was es wolle und was es dafür ausgeben würde. „Die Seeanbindung kann nur funktionieren, wenn der Stadtrat mit einer Stimme spricht“, ist er sich sicher.

Was das laut Janik überreizte Blatt angeht, wies John darauf hin, dass dieser bei der Mediation dabei gewesen sei. Ihren Worten nach bestand die „Krux“ zum einen in der nicht vorhandenen Finanzierbarkeit des Projektes für die Stadt, und in der von den Mediationspartnern vereinbarten Vertraulichkeit. Deshalb sei es jetzt wichtig, für die Öffentlichkeit begreiflich zu machen, um was es ging und geht. Für sie sei zu allererst eine Empfehlung aus der Bürgerschaft an den Stadtrat nötig, was realisiert werden soll. Nach der Suche nach der bestmöglichen Lösung komme der Versuch diese zu finanzieren. „Dann bekommen wir auch einen barrierefreien Bahnhof hin“, ist John überzeugt. Sie hat Verständnis dafür, dass die Bahn versucht, ihre Ansprüche aus dem 1987 zwischen Stadt und Bahn geschlossenen Vertrag durchzusetzen, hält aber auch eine außergerichtliche Einigung jederzeit für möglich und will diese auch anstreben. Wenn es nach ihr geht, werden die in der Mediation diskutierten Varianten visualisiert, die Kosten ermittelt und dann könne abgewogen und entschieden werden, welche Lösung weiter verfolgt werden soll. Sie selbst habe bei der Bahn immer den Willen, zu einer Einigung zu kommen, erkannt.

Für Täubner-Benicke gilt: „Verträge sind einzuhalten.“ Mit der Bahn seien sofort wieder Gespräche zu suchen. Die Stadt müsse zeigen, dass sie an einer Lösung interessiert sei.  Die „Riesenchance Seeanbindung“ dürfe Starnberg nicht vergeben.

Starnberger Verhältnisse

Wie kann man sie überwinden, was würde jeder der Kandidaten dafür tun, wenn er gewählt würde? Das war die Frage.

Janik will Transparenz und Fairness, mehr Einbindung des Stadtrates und die Wiedereinführung der Fraktionsvorsitzendenbesprechungen, wie es sie unter Altbürgermeister Ferdinand Pfaffinger  und dessen Amtsvorgänger Heribert Thallmair gegeben hat. „Bei diesen Dingen ist deutlich Luft nach oben“, sagte er.

Täubner-Benicke will auf die Einhaltung der Geschäftsordnung achten, den Stadtrat einbinden, keine kurzfristigen Sitzungen anberaumen, die dann Überlänge haben, und sie sprach sich für die Live-Übertragung der Sitzungen aus. Das werde die Stadträte disziplinieren und zu einem anderen Ton untereinander beitragen. Ratsprotokolle sollten für die Bürger nachlesbar sein. Mehr Dialog und ein Ende des Polarisierens wünsche sie sich.

John stellte fest: „Es geht nur im Miteinander.“ Hinterzimmerpolitik, zu der für sie die Fraktionsvorsitzendenbesprechungen gehören, lehne sie ab. Mit Blick auf die aktuellen Verhältnisse im Stadtrat sagte sie: „Ich habe ein Problem damit, wenn Menschen auf einen Wert oder auf eine Handlung reduziert werden. Jeder einzelne müsse seine Arbeit im Rat verrichten können, jeder dem anderen ordentlich begegnen.“ Dagegen sei der Ton in der Vergangenheit „manchmal schon etwas grob und verletzend“ gewesen. Wenn es nach ihr gehe, sollten die Inszenierungen weggelassen und stattdessen die Ergebnisse angeschaut werden. So habe man in den vergangenen Jahre viel erzielt. Die meisten der Beschlüsse seien einstimmig gefasst worden. So gut  und so oft wie möglich sollte öffentlich getagt werden. „Wenn man sich anständig begegnet, dann klappt auch das Miteinander“, so John.

Fiedler sprach sich dafür aus, andere Meinungen zu respektieren und anständig miteinander umzugehen. Er hätte auch gern Live-Übertragungen der Sitzungen. Bürgermeister, Verwaltung und Stadtrat müssten zusammenarbeiten.

Klimaschutz – Windräder:

Grundsätzlich vorstellen kann sich Janik Windräder. Er habe sich an den Anblick der Berger Windräder gewöhnt und könne sich das auf Stadtgebiet durchaus vorstellen. Es gebe ja schon sensibel ausgewählte Konzentrationsflächen.

John sagte, sie sei anfangs skeptisch gewesen, besonders weil mit dem Berger Forst aus ihrer Sicht grob umgegangen worden sei. Inzwischen sei die Akzeptanz für Windräder in der Bürgerschaft verbessert. Die Festlegung möglicher Standorte sei bereits getroffen. Der Klimaschutz erfordere Maßnahmen, also könne sie sich das auch für Starnbergs Zukunft vorstellen.

„Nicht gegen die Menschen“, warnte dagegen Fiedler. Wenn es unbedingt notwendig wäre, dann „Ja“.

Täubner-Benicke will Windräder nur, wenn es eine Mehrheit im Stadtrat dafür gibt. Würden die Bürger Möglichkeiten zur finanziellen Beteiligung erhalten, sehe sie Chancen, auf diese Weise energieautark zu werden. Dafür sollte die Stadt an vielen Punkten ansetzen, sich die Windkraft aber nicht vergeben.

Städtische Finanzen:

„Die Stadt kann keinen Vertrag unterschreiben, der 170 Millionen Euro für die Seeanbindung bedeutet“, mahnte John. Unter anderem vor dem Hintergrund der Mehrheitsentscheidung für den Bau des B2-Tunnels, der eine deutliche Belastung der Stadt mit Millionenbeträgen bedeute. Dennoch gelte, alles was im Interesse der Stadt sei, müsse im Haushalt abgebildet werden. „Wir haben zuverlässige Gewerbesteuerzahler, hohe Beteiligungen an der Einkommensteuer. Trotzdem wird die Luft dünner, wenn man die Aufgaben und Pläne des Landkreises berücksichtigt.“ Die Kreisumlage werde über 50 Prozent ansteigen. Starnberg zahle allein 20 Prozent der Umlage an den Landkreis, was eine überproportionale Steigerung bedeute. Gleichzeitig werde die normale Aufgabenerfüllung nicht billiger. Nötig sei eine Abwägung. „Die Stadt kann allein weder für die Seeanbindung, noch für den Tunnel oder die für diesen erforderlichen Zusatzanforderungen an die Feuerwehr aufkommen“, mahnte John. Sie lobte die Selbstdisziplin des Stadtrates, der entschieden habe, vor der Aufnahme neuer Kredite zuerst die Rücklagen zu verbrauchen bevor man für diese Strafzinsen zahle. Trotz allem habe man sich Einiges geleistet und zudem deutlich den Schuldenstand zurückgefahren, freute sie sich.

Fiedler schlug vor, den Gewerbesteuerhebesatz zu senken, um mehr Betriebe nach Starnberg zu locken, die dann hier Steuerzahler würden. Wegen der Großprojekte müsse die Stadt auf den Bund zugehen und um Fördermittel bitten.

Täubner-Benicke sieht das Heil in einer Priorisierung der städtischen Projekte und lehnt eine Hebesatzsenkung bei der Gewerbesteuer ab.

Auch Janik ist für eine Priorisierung, aber die Projekte Tunnel und Seeanbindung tuen seiner Auffassung nach der Stadt gut, auch wenn sie etwas kosten. Das solle sich Starnberg leisten. Mehr Disziplin müsse an den Tag gelegt werden bei Dingen, die nur „schön zu haben“ seien. „Wir haben in den letzten Jahren immer etwas über  unsere Verhältnisse gelebt. Wir brauchen mehr Selbstdisziplin“, verlangte Janik.

Anbindung des Einheimischenmodells Am Wiesengrund ohne Nutzung der Jahnstraße:

Janik will eine direkte Verbindung vom Einheimischenmodell an die B2.

Täubner-Benicke will prüfen, was machbar ist.

John erinnerte daran, dass der Stadtrat bereits beschlossen habe, eine direkte Anbindung an die B2 zu verfolgen.

Die würde auch Fiedler unterstützen, und er riet, mit Pöcking gemeinsam zu bauen.

Lärmbelästigung durch den Bau des B2-Tunnels:

Janik rechnet nur mit geringen Belästigungen und warb um Verständnis dafür, dass es Beeinträchtigungen geben wird.

John weiß, dass Gründungen im Boden schon extreme Lärmbelästigungen erzeugen können. Sie hält die Baumaßnahme über mehrere Jahr mit den zusätzlichen oberirdisch nötigen Baustellen für eine „extreme Belastung für die Menschen“ in der Stadt. „Ich sehe das Gute, was Herr Janik in dem Projekt sieht, nicht so und hätte deshalb lieber abseits der Stadt eine Umfahrung bauen lassen“, sagte sie.

Auch Täubner-Benicke glaubt, dass der Tunnelbau Belastungen nach sich zieht. Sie wolle dafür werben, diese Jahre zu überstehen – für den dann am Ende deutlich reduzierten Verkehr in der Stadt.

Attraktivität von Starnberg – was tun?

Janik will die Innenstadt so attraktiv wie möglich machen, auch noch einmal mit dem Architekten des Kirchplatzes reden, ob der nicht in einzelnen Punkten von seinem Urheberrecht abrückt, was bisher Veränderungen verhindere. Weiter setzt er auf die Projekte Tunnel und Seeanbindung, eine geringe Reduzierung der Parkplätze in der Maximilianstraße und die Einführung eines Parkleitsystems.

Für Fiedler kommt Hilfe durch den Ausbau des kulturellen Angebots in der Stadt. Die Straßen sollten nach dem Vorbild der Maximilianstraße gestaltet, und für die Jugend mehr Angebote geschaffen werden.

Täubner-Benicke will mehr Platz für Fußgänger und Radfahrer, eine bessere Auslastung der Parkhäuser, und oberirdische Parkplätze teurer machen als die im Parkhaus. Der geplante Kulturbahnhof, das Kino und der Blick auf den See sind in ihren Augen die größten Pluspunkte.

John kann die von den Vorrednern genannten Maßnahmen unterstützen, erinnert aber daran, dass unter dem Kirchplatz die Tiefgarage der Sparkasse liegt und Baumpflanzungen wegen der geringen Überdeckung nicht möglich sind. Für sie ist wesentlich, dass der öffentliche Raum angenehm  und barrierefrei ist. Da habe man die letzten sechs Jahre viel hinbekommen und das müsse fortgesetzt werden. Sie kämpfe dafür, dass der Bürgerpark erhalten bleibt. Wie berichtet sehen andere Fraktionen dieses Grundstück als Tafelsilber, das für die Seeanbindung verkauft werden könnte. Beim Parken rechnet sie in Kürze mit der Einführung einer „Brötchentaste“ an den Gebührenautomaten, damit anfangs eine kurze Zeit gebührenfrei geparkt werden kann. Sie rief die Bürger auf, Verbesserungsvorschläge im Rathaus vorzubringen, dann würden diese diskutiert.

5G-Mobilfunkstandard:

Fiedler steht nach eignen Worten voll dahinter diesen einzuführen.

John sagte, sie könne Sorgen und Ängste hinsichtlich der Unbedenklichkeit der Strahlung verstehen und habe kein gutes Gefühl bei der gesetzlich vom Bund beschlossenen Einführung. „Man muss nicht bedingungslos jeder neuen Technologie nachlaufen“, sagte sie und kündigte an, dem Stadtrat vorschlagen zu wollen, in jedem Fall einer Sendeanlage sorgfältig abzuwägen. „Eine generelle Verhinderung werden wir aber nicht hinbekommen“, glaubt sie.

Täubner-Benicke will die Risikoabschätzung noch abwarten. Ihr wäre ein flächendeckend funktionierender Standard mit 4G erst einmal wichtiger.

Für Janik ist die Schädlichkeit der Technik bisher nicht nachgewiesen, müsse aber noch geprüft werden.

Barrierefreiheit Bahnhof See:

Laut Janik eine Angelegenheit der Bahn.

Für John ist das ein 100prozentiger Wunsch der Bürger und des Stadtrates. Sie hofft, dass die Bahn der Stadt eine temporäre Hilfe zur Überwindung der Treppen auf den Bahnsteig erlaubt. Einen Ratsbeschluss dazu gibt es bereits.

Was wollen Sie für die Ortsteile tun?

Fiedler will die ÖPNV-Anbindung verbessern, Schulbusse wieder einführen und einen städtischen Ausbau verhindern.

John liegen nach ihrer Aussage die Ortsteile genauso am Herzen wie die Kernstadt. Für die lebendigen Dorfgemeinschaften sollten deren Wünsche politisch umgesetzt werden, so bei den Kinderbetreuungsangeboten, dem Stadtentwicklungskonzept für die Mitte von Söcking und bei Dorfentwicklungen wie in Wangen.

Täubner-Benicke findet das Leben in den Ortsteilen schön und will ebenfalls das ÖPNV-Angebot stärken.

Das will auch Janik, die bauliche Entwicklung behutsam fortführen und den dörflichen Charakter erhalten.

BI informiert ihre Mitglieder

Im Rahmen des Neujahrsempfangs der Bürgerinitiative „Pro Umfahrung – Contra Amtstunnel“ (BI) wurde vom Vorsitzenden Klaus Huber auch auf neue Informationen hingewiesen.

So hat eine Anliegerin der Vordermühlstraße dem Staatlichen Bauamt schriftlich insgesamt 19 Fragen zu den im Bereich ihres Wohnsitzes geplanten Baumaßnahmen für den B2-Tunnel gestellt und umfangreich Auskunft erhalten. Die Fragen und Antworten sind bisher nicht in der Fragen-Antworten-Liste enthalten, die die Weilheimer Behörde auf ihrer Homepage zum Bauprojekt B2-Tunnel veröffentlicht. Dort enden die Beiträge mit dem Datum 28.März 2019. Die Antwort an die Bürgerin sind von 11. Juni 2019. BI-Vorstand Klaus Huber bat seine Gäste eindringlich, sich die Beantwortung des Fragenkatalogs aufmerksam durchzulesen, damit man informiert sei. Es geht um nötige Baumfällungen, das Abtragen des Hanges unterhalb des Parkplatzes des Finanzamtes, die beiden in der Vordermühlstraße geplanten Notausstiege, die Wege der Lkw und ihre Aufstellflächen, die Anfahrbarkeit der Wohnhäuser für Krankenwagen und Notarzt während der dreieinhalbjährigen Bauphase, eventuelle Grundwasserprobleme und die Zugänglichkeit der eigenen Häuser in der Zeit des Baus, der laut Staatlichem Bauamt Anfang 2023 beginnen soll. Der Fragenkatalog und die Antworten können Interessierte bei der BI per Mail anfordern: mail(at)pro-umfahrung.de.

Die zweite Information bezog sich auf das Schreiben, dass die Vertreter der BI an den Vorsitzenden und die Mitglieder des Ausschusses für Verkehr und Digitale Infrastruktur des Deutschen Bundestages gesandt haben. Sie bitten darin eindringlich, der Ausschuss möge sich dafür einsetzen, dass der Bundestag beschließen möge, das planfestgestellte Bauvorhaben „B2-Tunnel Starnberg“ einer erneuten Kosten-/Nutzen-Analyse zu unterziehen. Der BI-Vorstand verweist auf die aktuelle Klimadebatte und beklagt einen „unverantwortliche Ressourcen-Verbrauch“ sowie verkehrspolitischen und ökonomischen „Anachronismus“ durch den Tunnelbau. Das Projekt verstoße eklatant gegen die drei wesentlichen Ziele der Agenda 21, nämlich hinsichtlich ökonomischer, ökologischer und sozialer Nachhaltigkeit. Verwiesen wird auf die zu erwartenden Kostensteigerungen bis zur Fertigstellung des Tunnels, die schwierigen hydrologischen Verhältnisse im Starnberger Untergrund, die nun statt der planfestgestellten zwei neu fünf Düker-Bauwerke erforderten. Wobei die zusätzlichen Düker nicht Teil der Baugenehmigung für den Tunnel gewesen seien. Wenn sie gebaut werden sollen, sei ein ergänzendes Planfeststellungsverfahren erforderlich, schreibt die BI. Gegen die soziale Nachhaltigkeit verstoße das Projekt wegen der langen Bauzeit und der durch sie zu erwartenden negativen Folgen für die Stadt Starnberg und deren Wirtschaftskraft, aber auch wegen der unerwartet hohen finanziellen Beteiligung, die die Stadt an dem Bauwerk und durch dafür nötige Folgeeinrichtungen wie zum Beispiel die Feuerwehr tragen soll.

 

Tunnel auf Facebook

Das Staatliche Bauamt Weilheim teilt mit:

„Ab sofort hat das Großprojekt Tunnel Starnberg ein eigenes Facebook- Konto: unter (at)teamtunnelstarnberg ist das Projektteam ab sofort erreichbar.

‚Der neue Facebook-Auftritt als erster Social-Media-Kanal für das Projekt Tunnel Starnberg rundet unser Kommunikationsangebot an interessierte Bürgerinnen und Bürger ab‘, fasst Raphael Zuber, Abteilungsleiter Tunnelbau am Staatlichen Bauamt Weilheim, zusammen. ‚Abonnieren Sie unsere neue Seite des Projektteams vom Tunnel Starnberg mit (at)teamtunnelstarnberg.
Wir freuen uns über Ihre Likes und über Ihre konstruktiven Beiträge sowie Rückfragen zu aktuellen Themen rund um den Tunnelbau‘, ergänzt Zuber.“

Assistenzkraft für die Feuerwehr

Mit 10:3 Stimmen hat der Projektausschuss für Feuerwehr- und Rettungsdienstangelegenheiten des Stadtrates beschlossen, Bürgermeisterin Eva John zu ermächtigen, zur Entlastung der Feuerwehrkommandanten eine Assistenzkraft auf 450 Euro-Basis einzustellen. Diese soll die Einsatznachbearbeitung in der Starnberger Feuerwehr, eventuell auch die der Ortsteilfeuerwehren sicher stellen und die Erledigung weiterer Verwaltungsaufgaben übernehmen. Entsprechende Finanzmittel werden in den Haushalt der Stadt für 2020 und die Finanzplanung der nächsten Jahre aufgenommen.

John berichtete, Kommandant Markus Grasl habe dargestellt, dass diese Arbeiten für die ehrenamtlich tätigen Feuerwehrler nicht mehr leistbar seien. Markus Mooser (WPS) wollte wissen, warum die Stadt für die Fahrzeuge der Feuerwehr zur digitalen Unterstützung Tablets anschaffe, wenn diese dann nicht zur Einsatznachbearbeitung zum Einsatz kämen. Laut Grasl fehlt den Tablets jedoch eine Schnittstelle zur für die Nachbearbeitung von Einsätzen nötigen Software. Außerdem werde der Verwaltungsaufwand eher mehr als weniger. Sein um einen Mann verstärktes Kommandanten-Team sei im Übrigen voll ausgelastet durch alles, was zu den zukünftigen Zusatzaufgaben durch Bau und Betrieb des B2-Tunnels anfalle. Gerd Weger (CSU) wunderte sich, warum es nicht mehr gehen solle, dass die Einsatzberichte von den Gerätewarten geschrieben werden. Fritz Obermeier (CSU) wollte die Einstellung der Assistenzkraft nur unterstützen, wenn diese auch für die Ortsteilfeuerwehren arbeite, denn nach seinem Wissen werde diese Kraft allein durch die Aufgaben bei der Starnberger Wehr nicht ausgelastet. Grasl wies darauf hin, dass diese Kraft ohnehin nur nach geleistetem Stundenaufwand bezahlt werde. Klaus Huber (WPS) meinte, der bürokratische Aufwand werde sicher weiter zunehmen und da solle man der Feuerwehr Unterstützung zukommen lassen. Weger, Mooser und Anton Wiesböck (FDP) sahen das anders und stimmten gegen die Einstellung.

Verkehrsmodell mit Westumfahrung

Im jüngsten Projektausschuss Verkehrsentwicklung des Stadtrates hat Frank Trebus vom Ingenieurbüro Vössing das Ergebnis der neuesten Verkehrszählung nach Eröffnung der Westumfahrung vorgestellt und gemeinsam mit seinem Kollegen von SHP eine Prognose für die Verkehrszahlen im Jahr 2035 abgegeben. Dank der Westumfahrung kommt es zu einer Reduzierung der Verkehrsbelastung an der Stadteinfahrt auf der Hanfelder Straße. Je weiter man aber auf dieser Richtung Tutzinger-Hof-Platz fährt, desto geringer ist die Entlastung jetzt schon. Begründung des Experten: „Wer Straßen sät, wird Verkehr ernten. Durch ein neues Angebot verändert sich der Verkehr im Raum.“

Bei der letzten Verkehrszählung 2015 wurden am Beginn der Bebauung im Norden der Hanfelder Straße noch 16500 Fahrzeuge gezählt, in diesem Jahr nur noch 13100. Im Bereich Oßwaldstraße sank die Belastung von 18600 auf 15200 Fahrzeuge. Im weiteren Verlauf bis zum Tutzinger-Hof-Platz (jetzt gezählt 24600) sind die Zahlen fast unverändert gegenüber 2015. Auf dem Neubaustück der Westumfahrung wurden heuer 7100 Fahrzeuge gezählt, sie wird also gut angenommen, vor allem von Verkehr von und nach Weilheim. Das zeigt auch das Ergebnis auf dem Stück zwischen dem neuen Kreisverkehr westlich von Söcking und dem Maxhof-Knoten: die Zahl stieg hier von 4900 auf 11600 Fahrzeuge. Entlang der Weilheimer Straße im Bereich der Stadt Starnberg veränderte sich dagegen nur marginal etwas. Auf der Andechser Straße in Söcking reduzierte sich das Aufkommen von 9400 auf 8200, aber wo die Söckinger Straße Richtung Starnberg und B2 verläuft, sind es nur 200 Fahrzeuge weniger.

Zum Vergleich legte Trebus die neueste Prognose für 2035 vor. Mit berücksichtigt hat er den dann planmäßig schon fertiggestellten Tunnel. Spürbar bleibt die allgemein steigende Verkehrsbelastung der nächsten Jahre auch auf den Starnberger Straßen. Am Autobahnende in Percha sind dann nach Einmündung der Berger Straße 49100 Fahrzeuge zu erwarten, auf der Weilheimer Straße nach dem südlichen Tunnelportal zwischen 23400 und 25500. Am Tutzinger-Hof-Platz werden 18800 Fahrzeuge erwartet, also nur rund 6000 weniger als heute. Jörn Janssen vom Ingenieurbüro SHP aus Hannover ergänzte: Im Tunnel werden voraussichtlich 22700 Fahrzeuge unterwegs sein, womit dieser wie schon berichtet „randvoll“ sei. In der Hauptstraße sinkt die Belastung gering: von heute 24 00 auf 18800. Auf der Söckinger Straße werden 9800  erwartet. Heute sind es 7700. Positiv: am Bahnhofsplatz sinken die Zahlen von heute 9600 auf dann 2500. Wo sich kaum etwas verändert, liege das daran, dass sich der hausgemachte Ziel- und Quellverkehr ohne zusätzliche Maßnahmen der Stadt nicht verändern werde.

Untersuchungen in Auftrag gegeben

Nach der Vorberatung im Oktober im Projektausschuss Verkehrsentwicklung hat nun der Stadtrat die für die Umweltverträglichkeitsstudie notwendigen hydrogeologischen Untersuchungen und faunistischen Kartierungen für das Projekt „Ortsferne Umfahrung“ in Auftrag gegeben. Es gab nur eine Gegenstimme: Annette von Czettritz (Grün).

Die Verwaltung teilte den Räten vor der Entscheidung die zu erwartenden Grobkosten für den Bau der Umfahrung mit: 51,1 Millionen Euro für den Bau, 1,6 Millionen Euro für Grunderwerb sowie 7,3 Millionen Euro für Ausgleichsmaßnahmen. Laut Bürgermeisterin Eva John muss wie bei anderen Projekten auch mit Abweichungen bis zu 40 Prozent gerechnet werden, die aber auch nicht eintreten können. Bei Realisierungswunsch muss geprüft werden, ob die Umfahrung in kommunaler Sonderbaulast erstellt werden kann. Dabei trägt der Freistaat, der eine volle Kostentragung abgelehnt hat, den größten Teil der Investitionskosten, die Stadt den Rest.

Im Projektausschuss Verkehrsentwicklung war dessen Mitgliedern wie berichtet eine Vorabschätzung zur Umweltverträglichkeit vorgestellt worden. Dies ist ein erster Grundstein, auf den die Studie aufgebaut werden kann. Die faunistische Kartierung, bei der das Vorkommen seltener Tierarten geprüft wird, hält die Stadtverwaltung für den Punkt, der zuerst in Angriff genommen werden muss. Die Kontrolle soll über ein Jahr vorgenommen werden. Vom Ergebnis hängt ab, ob die Umfahrung als FFH-verträglich einzuschätzen ist. Der Projektausschuss hatte festgelegt, dass den Nachbargemeinden Gauting und Schäftlarn Abstimmungsgespräche auf Arbeitsebene angeboten werden. (siehe auch Sachstand: ortsferne Umfahrung)

Petersbrunner Straße frei

Eine Mitteilung aus dem Rathaus:

„Die im Zuge der Bauarbeiten in der Petersbrunner Straße erforderliche Einbahnstraßenregelung im Bereich zwischen Gautinger Straße und Moosstraße ist heute Mittag aufgehoben worden. Der Stra- ßenabschnitt ist nun wieder in beiden Richtungen zu befahren. Die Baustelle wurde winterfest ge- macht. Die Fortführung der Bauarbeiten ist witterungsabhängig. Sie ist für März 2020 eingeplant.“

Geothermie am Almeidaweg

Im Ausschuss für Umwelt, Energie und Mobilität hatten sich die Stadträte schon dafür ausgesprochen, den für den B2-Tunnel-Bau vorgsehenen Düker am Almeidaweg geothermisch zu nutzen. Düker sammeln Grundwasser auf der einen Seite des Tunnel und leiten es auf der anderen Seite wieder ab, damit es zu keinem Aufstau kommt. Nach Angaben von Karin Wurzbacher vom STAgenda Arbeitskreis Umwelt und Energie hat das Grundwasser in dem Bereich eine Temperatur von durchschnittlich 9,5 Grad Celsius. Dem könnten bis zu fünf Grad entzogen werden, um mit Hilfe der Wärmepumpentechnik Fernwärme für Anschlusswillige bereitstellen zu können (siehe Düker-Geothermie?) Noch sind zwar keine neuen Wohngebiete geplant, die diese Wärme abnehmen könnten, doch was nicht ist, kann ja noch werden. Deshalb sollen beim Bau des Dükers entsprechende Vorkehrungen zur Versorgung der Pumpstationen und der dazu benötigten Saug- und Querleitung getroffen werden. Mit dem Staatlichen Bauamt Weilheim, das für den Tunnelbau verantwortlich ist, müssen entsprechende Vereinbarungen getroffen werden. Der Stadtrat hat dies nun mit nur einer Gegenstimme bestätigt und beschlossen, eine Planung zur Konkretisierung der technischen Grundlagen und baulichen Maßnahmen in Auftrag zu geben, über die der Ausschuss dann wieder berät. Die Planung wird geschätzt 7000 Euro kosten. Wurzbacher sagte, es gehe um eine Investition in die Zukunft. Markus Mooser (WPS) befürchtet einen hohen Energieaufwand für die Wärmepumpe, was Wurzbacher anders beurteilt. Klaus Huber (WPS) sieht Probleme in dem in Starnberg festgestellten hohen Druck,  unter dem das Grundwasser vielfach stehe. Das könne die Sacher teuer machen, sagte er.

Kommt Tunnel Stadt teuer zu stehen?

Zu einem Schlagabtausch zum Thema B2-Tunnel ist es in der jüngsten Stadtratssitzung zwischen Stefan Frey (CSU) und Markus Mooser (WPS) gekommen, wobei Frey eigentlich nicht viel gesagt hat. Das Wenige war aber geeignet, Mooser auf die Palme zu bringen.

Auf Antrag von Mooser war der Punkt aus dem nichtöffentlichen Teil in den öffentlichen Teil der jüngsten Stadtratssitzung gehievt worden. Nach Angaben von Bürgermeisterin Eva John war es ohnehin ein Versehen der Verwaltung gewesen,  die Aufteilung der Kosten für den Umbau von Kreuzungen im Zusammenhang mit dem Bau des B2-Tunnels auf die nichtöffentliche Tagesordnung zu setzen. Es gehe da im Übrigen um den Vollzug öffentlicher Gesetze, so dass Moosers Wunsch nachvollziehbar sei. Moosers Antrag erhielt nur zwei Gegenstimmen. John informierte die Stadträte über die Kreuzungen, an deren Umbau die Stadt auf Grund des Bundesfernstraßengesetzes, des Bayerischen Straßen- und Wegegesetzes sowie der Straßen-Kreuzungsrichtlinie finanziell beteiligt werde. Durch die Tunnelbaumaßnahme sind folgende Kreuzungen betroffen:

  • Franz-Heidinger-Straße/B2
  • Leutstettener Straße/B2
  • Gautinger-/Uhdestraße/B2
  • Moos-/Perchastraße/B2
  • Petersbrunner-/Strandbadstraße/B2

Bei der Änderung höhengleicher Einmündungen sind die Änderungskosten im Verhältnis der Fahrbahnbreiten der an der Kreuzung beteiligten Straßenäste aufzuteilen, heißt es in der dem Stadtrat vorgelegten Beschlussvorlage. Die prozentuale Verteilung der Kosten werde auf Grundlage der Straßenbreiten der jeweiligen Straßenäste nach der Baumaßnahme und der Verkehrsbelastung aus dem Gutachten von Professor Harald Kurzak für das Jahr 2010 (Planfall vor Bau des Tunnels auf der B2) ermittelt. Keine Kostenbeteiligung komme in Betracht, wo  die Verkehrsbelastung auf den Seitenstraßen weniger als 20 Prozent der Belastung auf der B2 an dieser Stelle beträgt (Bagetellklausel). Unter die Bagatellklausel fallen die Einmündung Franz-Heidinger-Straße (Vergabe der Baumaßnahme für Ende 2020 geplant), Gautinger-/Uhdestraße sowie  Moos-/Perchastraße. Die Kostenbeteiligung für die Stadt soll bei der Leutstettener-/Rheinlandstraße /B2 nach den Ermittlungen des Staatlichen Bauamtes Weilheim 37,98 Prozent betragen. Die Weilheimer Behörde konnte laut Stadtverwaltung lediglich Umbaukosten aus 2017 nennen, aber keine aktuellen. Mit den Werten aus 2017 müsste die Stadt rund zwei Millionen Euro zahlen.

Dissens herrscht zwischen der Stadt Starnberg und dem Staatlichen Bauamt hinsichtlich der Kreuzung Petersbrunner-/Strandbadstraße/B2. Weilheim will von der Stadt 27,10 Prozent, was bei Werten aus 2017 einen Anteil von 1,35 Millionen Euro bedeuten würde und 2021 zu bezahlen wäre. Die Stadt betont jedoch, es handele sich nach der Öffnung der Petersbrunner- zur Münchner Straße um einen neuen Straßenast, somit um eine neue Kreuzung. Eine solche falle unter die Baulast des Trägers, somit des Freistaates.

Nebenbaukosten für Versorgungsleitungen, Grunderwerb, Baufeldfreimachung, Verkehrssicherung, Baustelleneinrichtung, Verkehrseinrichtung und Straßenbeleuchtung sind ebenfalls entsprechend den festgestellten prozentualen Beteiligungen durch die Stadt zu tragen. In der Beschlussvorlage heißt es abschließend: „Entsprechend der allgemeinen Wirtschaftsprognosen und der Aussagen des Staatlichen Bauamtes Weilheim, …, wird sich der Anteil der Stadt Starnberg an den Gesamtkosten B2-Tunnel Starnberg bis zur voraussichtlichen Verkehrsfreigabe im Jahr 2026 deutlich erhöhen.“ John bat um Zustimmung, der Weilheimer Behörde die Stellungnahme der Stadt zu übermitteln.

Hier meldete sich Stefan Frey (CSU) zu Wort: „Das ist eine mehr oder weniger technische Vereinbarung. Ich will um diese Uhrzeit ( etwas nach 22 Uhr) keine Anti-Tunnel-Diskussion mehr. Lassen Sie uns abstimmen, wie von der Verwaltung vorgeschlagen.“ Erbost äußerte sich Mooser in seiner Gegenrede darauf: „Das ist ein Zeichen für das demokratische Verständnis der CSU. Hier geht es nicht nur um eine technische Vereinbarung, sondern um die Tatsache, dass die Stadt entgegen bisheriger Aussagen doch Kosten für den Tunnel zu tragen hat. Immer hieß es, Starnberg koste der Tunnel keinen Cent. Jetzt sind es schon über vier Millionen Euro in den nächsten vier Jahren, die schon im Finanzplan für die nächsten Jahre stehen, und zu denen noch diese  beiden Kreuzungen hinzu kommen.“ Mooser hatte alle schriftlich vorliegenden Aussagen zusammengetragen. So habe der Verein „Umweltbewusste Verkehrsentlastung“ unter der Leitung von Ex-UWG-Stadtrat Jürgen Busse zum Besten gegeben, die Stadt trage lediglich Kosten für vorbereitende und nachbereitende Maßnahmen an der Münchner Straße. Auch im auf Betreiben der Tunnelmehrheit aus CSU, UWG, Grünen, SPD, DPF und Teilen der BLS in der ganzen Stadt verteilten Protokoll über das Gespräch zwischen Oberster Baubehörde und Vertretern von Rathaus und Stadtrat habe es geheißen, dass laut Stand 2014 die Stadt nicht mehr als 3,2 Millionen Euro beizusteuern habe. „Man hält sich nicht mehr dran, auch nicht an die Aussage, die Stadt habe keine Teuerung zu tragen. Da kann die Stadt schon aus haushaltsrechtlichen Gründen nicht zustimmen“, so Mooser aufgebracht. Ohne die Benennung konkreter Beträge könne die Stadt ihren Haushalt nicht aufstellen. „Wenn sie selbst die Einsicht nicht haben, wird Ihnen das die Rechtsaufsicht im Landratsamt bestätigen.“ Die wolle von der Stadt sonst auch immer konkrete Zahlen wissen. Es sei eine „Unverschämtheit“ der CSU, hier von einer technischen Vereinbarung zu sprechen und diese einfach durchwinken zu wollen. Dies führe die Stadt in Nirvana, so Mooser.

Der Antrag von Frey, ohne weitere Debatte abzustimmen sowie die Bitte von John, Weilheim die Stellungnahme übermitteln zu dürfen, wurde trotzdem mit der oben genannten Mehrheit gebilligt (18:10). Mooser gab daraufhin zu Protokoll: „Ich beantrage, diesen Beschluss der Rechtsaufsicht vorzulegen. Wir gehen unbekannte finanzielle Verpflichtungen ein, die nicht den Anforderungen des Haushaltsgrundsätzegesetzes entsprechen. Weilheim hat unsere Kostenanteile nicht ausreichend benannt.“ Diese Vereinbarung erfülle nicht die Grundlagen kommunaler Haushaltsführung, da keine Absolutbeträge in Euro enthalten seien, geschweige denn Kostenkalkulationen zugrunde lägen. Klaus Huber (WPS) stellte fest: „Der Stadtrat hat sich durch den damaligen Leiter der Weilheimer Behörde und die Oberste Baubehörde täuschen lassen.“ Zudem sei die Ratsmehrheit, die im Oktober im Rahmen der Beratung über die Zulässigkeit des zweiten Bürgerbegehrens „Kein Tunnel in Starnberg“ beschlossen habe, ihren Beschluss von 20. Februar 2017 „B2-Tunnel bauen – ortsferne Umfahrung planen“ aufzuheben (siehe Rat verweigert 2. Bürgerbegehren ),  mit der heutigen Entscheidung, für Tunnelmaßnahmen zu zahlen, sich selbst untreu geworden.

Winterpause im Tunnelinfocenter

Eine Mitteilung des Staatlichen Bauamtes Weilheim:

„Das zur Bürgerinformation eingerichtete und von der Starnberger Bevölkerung gut angenommene Infocenter beim Landratsamt macht vom 12. Dezember 2019 bis einschließlich 16. April 2020 Winterpause.

Mit dem bevorstehenden Einläuten der Winterpause der Baustelle für den Straßenbau an der künftigen Zulaufstrecke zum Tunnel-Nordportal (wir berichteten) steht parallel die Winterpause des Infocenters Tunnel Starnberg bevor. Diese beginnt am Donnerstag, 12. Dezember 2019 und dauert bis zum 16. April 2020. Die Wiedereröffnung des Infocenters ist aus heutiger Sicht für Donnerstag, den 23. April 2020 geplant.“