BI Presseerklärung zur Westumfahrung

Heute erreichte „Lokales aus Starnberg“ die folgende Presseerklärung der Bürgerinitiative „Pro Umfahrung – Contra Amtstunnel“:

„Presseerklärung

Ein guter Tag für Starnberg. Einweihung und Eröffnung der Westumfahrung sind ein Meilenstein für die Verkehrsentlastung der Stadt Starnberg und seiner Ortsteile Perchting und Hadorf. Die Westumfahrung stellt neben einer besseren Verkehrsanbindung für den Ortsteil Söcking auch eine für den gesamten Landkreis Starnberg leistungsfähige Umgehungsstraße dar. Hinzu kommt, dass solche Umfahrungsbauten – anders als ein Tunnelbau – ohne Beeinträchtigung Starnbergs, seiner Bürger und seiner Geschäfte vonstatten gehen.

Die Westumfahrung wird auf Basis der Zahlen von 2016 allein rd. 50 % des Starnberger Durchgangsverkehrs in Richtung A96 (AS Gilching) verlagern, das sind 4.500 von rd. 9000 Kfz/24h B2-Durchgangsverkehr.
Die BI freut sich daher mit allen Starnberger Bürgern. Ist diese Westumfahrung doch die Hälfte der von ihr seit Jahren verfolgten Gesamtumfahrungsidee Starnbergs.

Ohne das Engagement von BI, Bürgermeisterin Eva John, WPS, FDP und BMS wäre diese zügige Realisierung nicht möglich gewesen.

Die Geschichte der Westumfahrung begann im Jahre 2007. Sie wurde damals fälschlicher Weise als Kreisstraße und nicht als Staatsstraße konzipiert. Am 10. Oktober 2011 forderte die WPS, politischer Arm der BI, in einem Schreiben an die Regierung von Oberbayern die zügige Durchführung des Planfeststellungsverfahrens. Der Planfeststellungsbeschluss erging dann am 15. Januar 2013.

Am 28. Februar 2015 demonstrierten BI, WPS, BMS und FDP mit einem symbolischen Spatenstich den Baubeginn der Westumfahrung (106 Starnberger Bürger nahmen daran teil). Das Bayerische Fernsehen berichtete darüber am 4. März 2015. Der offizielle Spatenstich durch die Erste Bürgermeisterin Eva John mit Vertretern der Stadtbauamtes und des Staatlichen Bauamtes Weilheim konnte dann ein Jahr später, am 07. April 2016 erfolgen. Grund für diese Verzögerung waren noch nicht abgeschlossene Grunderwerbe. Es waren 40 Eigentümer / Grundstückskaufverträge abzuschließen. Der notwendige Grunderwerb betrug 216.400 m2. Davon waren laut Mitteilung von Bürgermeister Pfaffinger im Bauausschuss am 26. September 2013 noch null erledigt.

Sie sehen, der Einsatz der BI und ihrer Unterstützer hat sich für Starnberg ausgezahlt.“

Anmerkung der Redaktion „Lokales aus Starnberg“:

Ende Januar 2014 hatte der damalige Bürgermeister Ferdinand Pfaffinger auf Nachfrage von WPS-Stadtrat Günther Picker geantwortet, dass erst vier der insgesamt 40 Notarverträge zum Erwerb der für den Bau der Westumfahrung nötigen Grundstücke abgeschlossen worden seien.

Westumfahrung gefeiert

Mehr als 200 Starnberger haben am heutigen Samstagmittag  die Fertigstellung der Westumfahrung gefeiert. Mit Kind und Kegel, auf Inlineskates, Rollern oder mit Fahrrädern nahmen sie die neue Straße zur Entlastung der Kreisstadt in Augenschein und genossen es, dies ungestört vom Autoverkehr tun zu können. Denn die Inbetriebnahme ist erst am Montag, 3. Dezember 2018 vorgesehen. Dann wird das Staatliche Bauamt Weilheim die insgesamt 5,9 Kilometer lange Staatsstraßenverbindung zwischen dem Kreisverkehr „Waldkreuzung“ und dem wie berichtet schon fertiggestellten Kreisverkehr im Westen von Söcking für den Verkehr freigeben. Zur Begrüßung und  Unterhaltung der Gäste spielte auf einem im Tunnel unter der Grünbrücke aufgebauten Podest die Starnberger Stadtkapelle einige Märsche und auch die Bayernhymne. Eine Abordnung des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC) demonstrierte mit ihren Rädern und einem großformatigen Transparent dagegen, dass die neue Straße ohne begleitenden Radweg gebaut worden ist, und obendrein bisherige Wegeverbindungen gekappt wurden. Auf dem Transparent war zu lesen: „Autofahren wird immer schneller – Wo bleibt der Rad- und Fußverkehr“. Von den Starnberger Stadträten waren nur wenige vertreten. SPD und BLS blieben geschlossen fern. Die Nachbargemeinde Pöcking war von deren stellvertretender Bürgermeisterin Ameli Ehrhard repräsentiert, weil Rathauschef Rainer Schnitzler die Grippe erwischt hatte. Die Bürgerinitiative „Pro Umfahrung – Contra Amtstunnel“ (BI) verteilte 300 Nadelbaumsetzlinge zur Erinnerung „an diesen so denkwürdigen Tag“.

Zum Bürgerfest herzlich begrüßt wurden die Besucher von Sarah Buckel, im Rathaus für Standortförderung, Kultur und Öffentlichkeitsarbeit zuständig. Sie bedankte sich besonders bei denen, die mitgeholfen hatten, dass das Fest gelingt: der TSV Perchting-Hadorf, der städtische Betriebshof sowie die MitarbeiterInnen ihrer Abteilung im Rathaus. Bürgermeisterin Eva John freute sich in Ihrer Eröffnungsrede über den „so schönen Herbsttag“. Petrus habe es gut mit ihnen gemeint, sagte sie. Die Starnberger hätten einen guten Grund zum Feiern, denn die Westumfahrung sei in diesem Jahr nun schon das zweite Großprojekt, das 2015 gestartet und nun fertig gestellt sei – das Seebad und und nun die neue Umfahrungsstraße, die eine ganz große Bauleistung, Investition und ein „wirklicher Meilenstein für die Entlastung der Stadt und ihrer Ortsteile vom Verkehr ist“. Gern hätte man die Vertreter des Staatlichen Bauamtes Weilheim und die verantwortlichen Politiker der Freistaates begrüßt, aber der Leiter der Weilheimer Behörde, Uwe Fritsch, habe die Teilnahme für alle abgesagt. „Das hat uns überraschend getroffen“, so John, denn Fritsch sei als Redner eingeplant gewesen. Wer ihn hören wolle, könne dies am Montag. (Anm. d.Red.: Die Veranstaltung des Staatlichen Bauamtes Weilheim findet am Montag, 3. Dezember 2018 um 11 Uhr an der Verbindungsstraße Hadorf-Waldkreuzung statt. Bürger dürfen auch ohne persönliche Einladung kommen. Die Anfahrt ist nur über Perchting – Hadorf möglich. Parkplätze sind vorhanden.) Abgesagt hatten für das Bürgerfest laut John auch mehrere Stadträte, Altbürgermeister Ferdinand Pfaffinger und Landrat Karl Roth.

Die Bürgermeisterin lobte die ganz tolle Bauleistung der Baufirmen Hubert Schmid sowie Strommer und die Projektleitung der Vertreter des Staatlichen Bauamts Weilheim. Sie hätten termin- und kostengerecht gearbeitet. Besonderen Dank richtete sie an ihre Mitarbeiterin im Rathaus, Kathrin Spielbauer, die rund um die Geburt ihrer Zwillinge trotzdem Unglaubliches geleistet habe, sowie stellvertretend für die anderen Mitarbeiter der Stadt an Stadtbaumeister Stephan Weinl. Die Westumfahrung schaffe bessere Verbindungen – zwischen den Autobahnen A95 und A96, zwischen München und dem Oberland sowie zwischen Gilching und Pöcking. „Bis jetzt mussten alle über Starnberg oder die dazwischenliegenden Dörfer fahren, jetzt geht’s kürzer, geht’s schneller und vor allem nicht mehr durch die Dörfer. Hadorf, Perchting, Maising, Aschering, die Bürgerinnen und Bürger von Söcking, sie alle können aufatmen“, hob John hervor. Als „Mann der ersten Stunde“, der ihr schon in der Zeit als sie noch Kreiskämmerin im Landratsamt gewesen sei, bei jedem Treffen nachdrücklich nahe gelegt habe: „Evi, da müsst’s wirklich was machen“, begrüßte sie Helmut Wagner, der im Volksmund auch „heimlicher Bürgermeister von Hadorf“ genannt wird. Der habe schon früh und politisch aktiv nach Entlastungsmöglichkeit gesucht. Die Geschichte bis zum Baubeginn der Westumfahrung wollte John nicht noch einmal erzählen. Nur so viel: Eine Stadtratsmehrheit habe sich entschieden, die Straße in kommunaler Sonderbaulast zu bauen und vorzufinanzieren, als – nach der Entscheidung, dass der Landkreis die Westumfahrung nicht baut –  bekannt geworden war, dass ein Neubau allein in Verantwortung des Freistaates wegen dessen damals knappen Haushaltsmitteln bis nach 2025 verschoben worden wäre. Das sei jetzt aber alles Geschichte.

Die Bürgermeisterin bedankte sich noch einmal bei den 40 Grundeigentümern, die bereit gewesen waren, etwas von ihrem Grund für die neue Straße zu verkaufen, besonders bei dem Einen, der seine schon eingelegte Klage gegen das Projekt zurückgenommen habe. „Das war das wirklich grüne Licht. Sie alle sind Mütter und Väter der Westumfahrung, nicht die zwei Männer in dunklen Mänteln“. Damit spielte John auf einen Pressetermin diese Woche an, zu dem Altbürgermeister Ferdinand Pfaffinger und Altlandrat Heinrich Frey an die Westumfahrung geladen hatten, um – wie in den lokalen Zeitungen zu lesen war – darauf hinzuweisen, dass sie es waren, die das Projekt aufs Gleis gesetzt hätten. „Lokales-aus-Starnberg“ war übrigens von Pfaffinger und Frey nicht eingeladen worden. Dank sprach die Bürgermeisterin auch den beiden Perchtingern Josef Bartl und Martin Zerhoch aus, die den 53 Tonnen wiegenden, bei den Bauarbeiten gefundenen Findling auf einen Ehrenplatz am südlichen Ende der Grünbrücke verfrachtet hatten. Das Setzlingsgeschenk der BI, der John ebenso wie früheren Stadtratsmitgliedern für die Unterstützung des Projektes dankte, mache darauf aufmerksam, dass man trotz der Bauarbeiten, die von Menschen für Menschen durchgeführt wurden, sorgsam und verantwortungsbewusst mit der Natur umgehen müsse, was bei der Westumfahrung gelungen sei und bei der in Planung befindlichen Nord-Ost-Umfahrung zwischen Waldkreuzung und A95 noch gelingen müsse. Doch trotzdem sei dem Freistaat etwas passiert, was in heutiger Zeit eigentlich gar nicht mehr passieren dürfe: „Uralte Wegebeziehungen wurden durch die Verlegung der Straße und die Errichtung eines riesigen Walls zerschnitten, die Wegeverbindungen nicht ersetzt.“ An dieser Stelle übergab John das Mikrofon an den Kreisrat der Grünen und Kreisvorsitzenden des ADFC, Anton Maier, der ankündigte: „Wir wollen dem Freistaat ein Radverkehrskonzept abtrotzen.“ Nicht nur in Mamhofen, sondern auch in der Stadt Starnberg brauche man sichere Überquerungsmöglichkeiten, von denen heute noch viele fehlten. In der Stadt gehe man zudem auf die Riesenbaustelle B2-Tunnel zu, die viele Erschwernisse für das ADFC-Klientel mit sich bringen werde. „Deshalb ist ein Planergänzungsverfahren zum Planfeststellungsbeschluss Tunnel unbedingt notwendig, damit der Radverkehr an der Oberfläche geführt werden kann“, so Maier. John begrüßte unter den Gästen auch Oliver Jauch von der Starnberger Polizei, der neuer Chef für Verkehrsangelegenheiten ist: „Auch Sie werden in die Interessen der Radfahrer mit eingebunden.“

Anlässlich der Eröffnungsfeier waren im Vorfeld zwei City-Roller für Kinder verlost worden, die die Bürgermeisterin an jeweils zwei Geschwisterpaare übergab. Das richtige Werkzeug für den von den Organisatoren aufgebauten Geschicklichkeitsparcours. Sie sagte, es müsse gemeinsames Ziel aller sein, bessere Verbindungen zu schaffen. „Zweieinhalb Jahre nach dem offiziellen Spatenstich kann heute die Eröffnung gefeiert werden.“ Die Stadt habe 13 Millionen Euro investiert, damit die Westumfahrung viel früher habe gebaut werden können, als es dem Freistaat möglich gewesen wäre. „80 Prozent werden als staatliche Förderung wieder an die Stadt zurückfließen“, informierte John. Die Eigenleistung der Stadt in Höhe von knapp drei Millionen Euro sei „wahrlich gut eingesetztes Kapital“. Sie gratulierte den besonders durch die letzten Baumaßnahmen belasteten Bürger an der Hanfelderstraße und halb Söckings: „Die Folgen der halbjährigen Sperrung der Verbindungsstraße Waldkreuzung – Hadorf und deren Folgen sind nun passé.“ Wie berichtet, hatte das Staatliche Bauamt diese Sperrung verfügt, weil der Bau des Bypasses an der Waldkreuzung in Richtung Hadorf vom Bauherren Landkreis nicht so früh genug gestartet wurde, dass er zeitgleich mit der Westumfahrung fertig hätte werden können. John freute sich, dass Starnberg nun die Herrschaft, sprich Straßenbaulast, für die Söckinger- und Hanfelder Straße zurückübertragen bekomme und versprach: Wir werden mit diesen verantwortlich umgehen. Zu spüren solle das bereits am Montag sein, wenn das von Landratsamt in Richtung Ortsanfang versetzte Ortsschild an der Straße Söcking-Perchting auf seinen alten Platz am Beginn der Bebauung zurückversetzt und Tempo 50 bis dorthin wieder eingeführt werde. Fahrrad-Schutzstreifen auf der Hanfelder Straße sollten folgen ebenso wie mehr Querungen für Fußgänger und Tempobegrenzungen vor Schulen und Kindergärten sowie der Ausbau von Bushaltestellen. „Wir werden die Veränderungen sehr zügig und strukturiert angehen“, sagte sie und forderte die Bürger auf, die dafür notwendigen Baumaßnahmen ruhig konstruktiv kritisch zu begleiten, aber dann zu helfen, Starnberg wieder zu einer menschenfreundlichen Stadt zu machen, bei der alle Bürger und Verkehrsteilnehmer gleichberechtigt berücksichtigt werden.

Nach der Segnung der neuen Westumfahrung durch die Pfarrer der katholischen und evangelischen Kirche, Andreas Jall und Stefan Koch, die göttlichen Beistand erbaten, dass die Straße Menschen miteinander verbindet, und die Nutzer vor Unfall und Gefahr bewahrt bleiben, damit sie sicher an ihr Ziel kommen, durchschnitt John zusammen mit ihnen und Starnberger Kindern das dicke rote Band südlich der Grünbrücke. „Banddurchschneiden ist eine alte Tradition  und bedeutet Neubeginn. Die Westumfahrung wird als Tor zur Straßenwelt um Starnberg herum eröffnet“, sagte sie vieldeutig und wünschte allen eine unfallfreie und sichere Fahrt.

Auf den offiziellen Teil folgte der lockere Teil der Veranstaltung. Bei Vertretern des TSV Perchting-Hadorf war der Vorrat an Fleisch und Bratwürsten in Semmeln sowie Punsch und Glühwein bald aus.

Geschichte am Rande: Die BI hatte die beabsichtigte Verteilung der Baumsetzlinge im Rathaus schon im Vorfeld angekündigt und eine Genehmigung dafür erhalten. An die Stadtratsfraktionen erging gleichzeitig mit der Information darüber von Seiten des Rathauses die Anregung, sich auch mit Aktionen an dem Bürgerfest zur Einweihung der Westumfahrung zu beteiligen. Folge waren aber nur geharnischte E-Mails von Stadträten, die beklagten, die Neutralität sei nicht gewahrt. Stefan Frey (CSU) überlegte, ob er rechtliche Schritte einleite. Martina Neubauer (Grüne) forderte das Rathaus auf, die Genehmigung zurückzunehmen. Frey war beim Bürgerfest anwesend, Neubauer nicht.

Wieder wenig Interesse an Tunnel-Infos

Wie schon am Vortag hielten die Vertreter des Staatlichen Bauamtes Weilheim ihre Informationsvorträge zum Projekt B2-Tunnel vor weitgehend leeren Stuhlreihen. Nicht einmal ganz hundert Besucher waren in die Schlossberghalle gekommen. Die Organisation rundum war im großen und ganzen die gleiche wie am Abend zuvor, nur war die Polizei diesmal mit nur zwei Vertretern präsent. In der Einladung zu den Veranstaltungen hatte es noch geheißen, es werde an beiden Abenden den identischen Vortag geben. Daran hat sich die Behörde aber nicht gehalten, denn sie hatte wohl aus negativem Feedback zum Ablauf des Vorabends gelernt, beantwortete diesmal obendrein gleich Fragen von Besuchern der ersten Info-Veranstaltung. Auch der Ablauf war ein anderer: Die Vorträge wurden im Block gehalten, Zwischenfragen waren diesmal nicht gewünscht. Das hatte den positiven Effekt, dass die Fragerunde schon früher beginnen konnte, wenngleich auch diesmal die meisten Besucher in der dazwischen geschalteten Pause Hut und Mantel nahmen und lieber nach Hause gingen. An der Fragerunde ab 21.30 Uhr nahmen deshalb nur noch etwa 35 Bürger teil. Sie stellten teils andere Fragen als die Besucher des Vortages, weshalb es Zusätzliches zu berichten gibt (siehe auch Wenig Interesse am B2-Tunnel).

  • Auch beim Bau der fünf Dücker und sechs Notausstiege wird baubegleitend die Einhaltung des Lärmschutzes durch einen Gutachter gemessen.
  • „Den Abtransport des Aushubs aus den Baustellen in der Stadtmitte wollen wir über die Hanfelder Straße bewältigen“, sagte Projektleiter Herwig Ludwig. In der Stadtmitte werden zwei Notausstiege sowie das Lüftungsbauwerk auf dem Schlossberg gebaut.
  • Setzungen im Geländeniveau erwartet er besonders im Norden zwischen Polizeistation und Bahnbrücke, weil der Boden dort besonders schlecht sei und man nur noch mit einer geringen Überdeckung der Tunnelröhre arbeite.
  • Ludwig hat den Plan für den Notausstieg 1 bei der Pizzeria nahe der Einmündung  Jahnstraße in die Weilheimer Straße gezeigt. Der Schacht ist 17,60 Meter tief. Die Tür vom Tunnel zum Notaufstieg lasse sich mit dem Kraftaufwand öffnen, der dem Gewichtsdruck einer Tafel Schokolade entspreche. Wer laufen könne und sich im Notfall hinter diese Tür gerettet habe, laufe über die im Schacht befindlichen Treppenhäuser nach oben zum Ausstieg. Mobilitätseingeschränkte müssten warten bis Hilfe kommt.
  • Auf die Frage, ob der Abluftkamin am Schlossberg notwendig ist, obwohl die Abgase der Fahrzeuge immer sauberer würden und später überwiegend Elektroautos führen, antwortete Ludwig kurz und knapp: „Ganz klar ja.“
  • Neu war auch die Präsentation einer Folie, auf der ein Unfall im Tunnel dargestellt wurde, und anhand der Ludwig erläuterte, wie die Experten rechnen, dass Pkw-Lenker in dem Fall reagieren. Man gehe davon aus, dass sich die Fahrspur jeweils vor und hinter der Unfallstelle schnell leere, so dass über diese die Feuerwehr oder der Rettungsdienst einfahren könne. Von einem Besucher nach Vorschriften für Gefahrguttransporte gefragt, berichtete der Projektleiter, eine Gefahrgutanalyse besage, dass diese im Starnberger Tunnel problemlos durchzuführen seien. „Wenn aber ein Laster brennen sollte, dann brennt er aus. Da geht keine Feuerwehr rein um zu löschen“, so Ludwig. Die Bewehrung der Tunnelwände sei auf solche Fälle ausgelegt. Größere Schäden seien da nicht zu erwarten.
  • Ein Besucher befürchtete, die Baustellen für das Einheimischenmodell Am Wiesengrund und für das Gewerbegebiet von Pöcking könnten mit den Tunnelbaumaßnahmen kollidieren. Dazu gebe es noch keine konkreten Überlegungen, aber man werde das mit der Stadt besprechen und versuchen, sich zeitlich zu einigen, antwortete Ludwig.
  • Nortrud von Redwitz wollte wisse, ob die Würmbrücke am Beginn der A952 stabil genug für die zu erwartenden Erdtransporte sei. Der Chef des Staatlichen Bauamtes Weilheim, Uwe Fritsch, antwortete: „Sie gehört nicht zum Projekt B2-Tunnel.“ Die Brücke sei nicht im besten Zustand und müsse in den nächsten Jahren erneuert werden, sei aber noch tragfähig genug.
  • Ein Gast wollte wissen, ob die B2 nach der Tunneleröffnung im Untergrund verlaufe und was mit den Straßen auf der Oberfläche geschehe. Ja, der Tunnel sei dann die Bundesstraße, oberirdisch könnten die Straßen abgestuft werden. Bei Fragen hierzu müsse man sich aber an die Stadt wenden.
  • Gefragt nach den  Belästigungen für Anwohner der Baustellen erläuterte Ludwig am Beispiel des Notausstiegs 2 (Fischzucht), man müsse dort mit 30 Baustellenfahrzeugen pro Tag rechnen. Beeinträchtigender könnte der Bau der fünf Dücker werden. Die bedeutenderen konzentrierten sich auf den Bereich zwischen dem Edeka-Markt an der Weilheimer Straße und dem Bereich Lindenweg, denn „die Musik in Sachen Grundwasser spielt auf Höhe der Fischzucht“. An der Pizzeria hätten die beiden Schächte, die für den Dücker gebaut werden, sechs bis acht Meter Durchmesser, seien 30 Meter tief und erforderten neun bis zehn Monate Bauzeit. Am Beginn des Lindenweges gehe es dagegen um „Mordsschächte“, 35 Meter tief, Bauzeit knapp zwei Jahre. Den Durchmesser nannte er nicht.
  • Ein Besucher sorgte sich um die Statik der Häuser im Umfeld von Düker-Bauwerken, nachdem Ludwig Schemazeichnungen gezeigt hatte, in denen zu erkennen war, dass von den Dückerschächten kleinere Stollen in die Umgebung getrieben werden, an denen wie die Zacken eines Kammes Grundwassersammelrohre anschließen. Er fragte, ob auch für Häuser außerhalb des von der Weilheimer Behörde festgelegten Beweissicherungskorridors Beweissicherungen durchgeführt würden. Antwort von Ludwig: „Wer vom Tunnelbauwerk nicht betroffen ist, kann die Beweissicherung nur privat machen.“
  • Fragen gab es auch zur Verkehrführung in den Bauphasen des Nord- und Südportals des Tunnels. Laut Ludwig muss man sich das vorstellen wie beim Bau des Tunnels am Luise-Kiesselbach-Platz in München. Die Fahrbahnen würden immer dorthin verschwenkt, wo gerade nicht gebaut werde. So gebe es am Südportal vier Bauphasen, am Nordportal derzeit noch elf, „was ich aber noch optimieren lasse“.
  • Günther Krawitz hätte gern die Kosten eines Dükers gewusst. Darüber wollte Ludwig nichts sagen, weil das kontraproduktiv im Ausschreibungsverfahren sei. Im Moment sei man dabei, die Entwurfs- in die Ausschreibungsplanung überzuführen. Als Krawitz nachhakte und sich für eventuell mögliche Kostensteigerungen interessierte, meldete sich Fritsch zu Wort: „Als staatliche Behörde sind wir der Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit verpflichtet. Wir werden vom Bundesrechnungshof und vom Bund der Steuerzahler ausreichend kontrolliert.“
  • Ein Besucher wollte wisse, wer die Betriebskosten des fertigen Projektes Tunnel trage. „Betrieb und Unterhalt der Bund, ausgenommen die Feuerwehr-Ertüchtigung. Das ist Aufgabe der Stadt. Die Kostenhöhe können wir noch nicht sagen, weil wir die betriebstechnischen Komponenten erst noch erarbeiten und es noch keinen betriebstechnischen Entwurf gibt.“
  • „Fräst die Tunnelbohrmaschine auch Findlinge“, lautete die letzte Frage des Abends. „Ja, solche Findlinge werden dann in handlichen Stücken abgefördert“, sagte Ludwig.
  • Auf Nachfrage des Blogs gab er noch Auskunft über den Zeitpunkt, zu dem die Bahnbrücke zwischen Leutstettener- und Gautinger Straße verbreitert werden soll. Ludwig nannte das Jahr 2023. Mit der Bahn, die für diese Maßnahme zuständig ist, wolle man aber vielleicht verhandeln, das etwas vorzuziehen.

 

Wenig Interesse am B2-Tunnel

Das Staatliche Bauamt Weilheim hatte weder Kosten noch Mühen gescheut. Für etwa 500 Besucher waren im Großen Saal der Schlossberghalle Stühle bereit gestellt worden. In sechsfacher Besetzung stand die Polizei parat, sollte es zu Zwischenfällen kommen. Genauso war das Rote Kreuz zur Absicherung da. Es gab einen Sicherheitsdienst und eine Firma, die die Informationsveranstaltung über den B2-Tunnel im Ablauf organisiert hatte, und es gab sogar einen Moderator. Das Tunnelteam – so nannte es Behördenleiter Uwe Fritsch – war komplett aus Weilheim angereist und weltweit im Tunnelbau tätige Experten obendrein. Es fehlten lediglich die Starnberger. Stadträte, Experten und Behördenvertreter abgezogen, waren am Dienstagabend nämlich nur etwas mehr als 100 Interssierte gekommen. Sie wurden vom Projektleiter für den B2-Tunnel, Herwig Ludwig, über Bauablauf, -technik, geologische und hydrologische Hintergründe sowie die Organisation der Baustellen informiert. Der Vortrag nahm mit dazwischen möglichen Verständnisfragen durch die Bürger drei Stunden in Anspruch. Als es dann nach einer kurzen Pause einige Minuten nach 22 Uhr mit dem eigentlichen Frageteil weiter gehen sollte, waren nur noch 27 Besucher anwesend. Die Fragen des Abends konzentrierten sich hauptsächlich auf das Thema Sicherheit und Notwendigkeit des am Schlossberg geplanten Abluftkamins sowie die Baustellenzufahrten dazu. Es gab keine besonderen Vorkommnisse. Fritsch bedankte sich am Ende für den „fairen Umgang“.

Die Informationen, die Ludwig gab, deckten sich weitgehend mit dem Inhalt der Broschüre, die das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur, sowie das Bayerische Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr im Oktober 2018 zum Projektauftakt herausgegeben hat. Fritsch bezeichnete in seiner kurzen Begrüßungsrede den Starnberger Tunnel als „ganz dicken Brocken“. Er mahnte die Besucher: „Heute werden wir keine Für und Wider zum Projekt diskutieren.“ Kurz und knapp der Einstieg von Ludwig: „Das Projekt zieht sich insgesamt über eine Strecke von 3,1 Kilometer, der Tunnel selbst ist 2,18 Kilometer lang, hat zwei Fahrspuren, die je 3,75 Meter breit sind, und er ist ein Gegenverkehrstunnel.“ Breiten Raum nahm der Bericht von Michael Meister ein. Er ist für den Informations- und Dialogprozess zuständig. Im Dezember werde es  um die Themen Sicherheit, Rettung und Portalgestaltung gehen, auch in Abstimmung mit der Stadtverwaltung. Was die Architektur der Tunnelportale angehe, werde das Weilheimer Bauamt gemeinsam mit der Stadt Starnberg einen Architektenwettbewerb ausloben und die Bürger über einen Workshop beteiligen.

Willi Illguth kritisierte, dass die Notausstiege vom Tunnel nicht barrierefrei gebaut würden: „Die Stadt will bis 2023 barrierefrei sein und sie bauen so. Teils sind die Notausstiege zehn Stockwerke hoch“, so der ehemalige Wirt der „Starnberger Alm“. Ludwig versicherte, der Tunnel werde nach den gültigen Richtlinien gebaut, und manches habe man schon nachgebessert. So gebe es vor den Notausstiegen jetzt keine hohen Bordssteinkanten mehr, sondern nur noch drei Zentimeter hohe. Der Tunnel werde auch im Brandfall komplett rauchfrei gehalten, so dass Betroffene genug Zeit hätten, zum nächsten Notausstieg zu gelangen. Die Türen zu diesen ließen sich ganz leicht öffnen und dahinter befinde man sich im sicheren Bereich. „Hinter der Tür kann man sich stundenlang aufhalten“, so Ludwig. Dann erklärte er die Funktionsweise der Tunnelbohrmaschine und versicherte, Menschen würden die Vibrationen der Arbeiten unter Tage an der Oberfläche nicht spüren: „Sensible Tiere merken das eher.“ Die Tunnelbohrmaschine werde außer an Weihnachten jeden Tag arbeiten, Abraum werde aber nur zwischen Montag und Samstag abgefahren, und zwar nach Süden, wo dieser auf der großen Wiese gegenüber der Einfahrt zur Franz-Heidinger-Straße gelagert, beprobt und von dort aus weitertransportiert werde. Den überwiegenden Teil des Abraums – vor allem Sand und Kies – versuche man zu verkaufen.

Doch bevor die eigentliche Tunnelbohrung starte, müssten noch die fünf Dückerbauwerke sowie sechs Notausstiege und das Lüftungsbauwerk am Schlossberg gebaut werden. Der Zeitplan gestalte sich folgendermaßen:

  • Bis Mai 2020 sollen die drei Kreuzungen an der nördlichen Zulaufstrecke zum Tunnel, also die Kreuzung Petersbrunner/Strandbadstraße mit dem Durchstich zwischen Petersbrunner und Münchner Straße, die Kreuzung Moosstraße sowie die Kreuzung Gautinger Straße so umgebaut sein, dass sie nach Inbetriebnahme des Tunnels den Verkehrsfluss vor/nach dem Portal flüssiger machen. (siehe auch Änderungen durch die Tunnelplanung)
  • Zwischen 2020 und 2021 werden in dem Bereich zwischen der Bahnunterführung und der Polizeistation die hier sehr zahlreichen Leitungen für Strom, Gas, Wasser, Telefon und so weiter verlegt.
  • 2021 bis 2022 geht es um vorbereitende Maßnahmen für den Tunnelbau, insbesondere das Einrichten der Baustelle im Süden der Stadt.
  • Zwischen 2022 und 2025 ist der eigentliche Tunnelbau sowie der Bau der Dücker, Notausstiege und des Abluftbauwerks am Schlossberg geplant. Wann im Terminplan die Bahnbrücke auf Höhe des Gaßner-Hochhauses erfolgt, dazu sagte Ludwig nichts.
  • Ab 2025 soll die Tunnelröhre innen ausgebaut werden und der Tunnel seine Betriebsausstattung erhalten.
  • Bis 2026 erfolgen Restarbeiten.

Die Geologie unter Starnberg bezeichnete Ludwig als „wahre Herausforderung“: Fünf verschiedene Bodenarten, darunter auch Seeton, sowie drei markante Grundwasserbereiche. Fünf Dückerbauwerke würden die Grundwasserströme unter der Tunnelröhre durchleiten. Das seien „komplexe Bauwerke“.

Was den Verkehr während der Bauzeit angehe, wolle man keine Fahrspuren schließen, manche nur verengen oder provisorisch um Baustellen herumleiten. Kompliziert sieht auch der Projektleiter die innerstädtischen Maßnahmen Abluftkamin und Notausstiege sowie Dücker. Wo sie geplant seien herrsche Platznot, um die Bohrpfähle bis zu 40 Meter tief einzubringen,  Abraum zu lagern und abzufahren. Das könnte schon die Schlossberg- und Söckinger Straße Richtung Hauptstraße, und die Vordermühl- und Augustenstraße Richtung Hanfelder Straße berühren. Genaue Lösungen müssten aber erst noch erarbeitet werden. Im Norden fahre man Richtung Autobahn ab, im Süden Richtung Weilheim.

Setzungen an Gelände und Hausfundamenten bewegen sich nach Ludwigs Angaben zwischen null und 2 Zentimeter, was jede Fundamentstatik aushalte. Es werde aber ein Beweissicherungskorridor festgelegt, innerhalb dessen jedes Haus vor und nach dem Bau des Tunnels untersucht werde. Maximal könnten Risse im Putz entstehen. Auf die Frage von Hannelore Hartmann, wie man verhindere, dass der Siebenquellenbach versiege und die Fischzucht Probleme bekomme, verwies Ludwig auf ein Beweissicherungs- und Frühwarnsystem, das eingerichtet werde. BMS-Stadtrat Josef Pfisters Frage nach den Durchmessern der innerstädtischen Baustellen und ob die Dücker von oben gebaut würden, wollte er nicht beantworten. „Das sprengt völlig den zeitlichen Rahmen“, vertröstete Ludwig ihn auf den späteren Fragenteil oder lud Pfister zu einem Besuch im Info-Container an der Strandbadstraße ein. Im Fragenteil interessierte sich niemand mehr für das Thema. Markus Lehmann-Horn befürchtete noch mehr als heute „verstopfte Verkehrsachsen“ während dieser Bauabschnitte. Ludwig verwies darauf, dass man erst in etwa vier Monaten die Logistikrouten, also die Fahrrouten für die Lkw, kenne, wenn das Bodenverwertungsgutachten vorliege, dass man in Auftrag gegeben habe. Vermutlich müsse man den Abfuhrunternehmen in der Ausschreibungsplanung Vorgaben machen. „Wir werden das mit den Anwohnern diskutieren, aber wegzaubern können wir das nicht“, so der Projektleiter. Peter Altwickler wollte wissen, wie die Baugruben für die Dücker gesichert werden. Laut Ludwig dürfen keine Spundwände ins Erdreich gerammt werden, weshalb man Bohrpfähle setze.  Er benannte als Nutzen durch das Tunnelbauwerk „mindestens 18000 Fahrzeuge pro Tag weniger auf der Hauptstraße, die Verbesserung des Verkehrsflusses und Reduzierung des Schleichverkehrs auf Nebenstraßen sowie die Verminderung von Lärm und Abgasen“. WPS-Stadtrat Klaus Huber hielt ihm aber die durch den fertigen Tunnel erwartete Sogwirkung entgegen: Laut einem Gutachten betrage die 14000 Fahrzeuge pro Tag, die dann mehr als heute durch Starnberg wollten. Ludwigs Antwort: „Was über die Planfeststellung festgelegt ist, ist leider nicht mehr diskutabel.“

Das bekam nach der anschließenden Pause auch Wolfgang Ziebart zu spüren, der sich einen Schlagabtausch mit Ludwig über die Notwendigkeit des Abluftkamins sowie des „gigantischen“ Betriebsgebäudes unter dem Finanzamtsparkplatz lieferte. Er warf der Behörde vor, bei der Überprüfung des Lüftungsgutachtens für den Tunnel bewusst als Bezugsjahr 2020 angegeben zu haben, obwohl klar sei, dass die Röhre erst frühestens 2026 in Betrieb gehe, und zu diesem Zeitpunkt wegen der verbesserten Motorentechnik der Autos gar kein Stickoxyd-Problem mehr bestehe. Ziebart schlug vor, nur Tempo 60 statt der beabsichtigten 80 Kilometer pro Stunde zu erlauben, dann fielen die Abgase noch unschädlicher aus. Ludwig zog sich auf das Argument zurück, man könne nicht gesichert sagen, dass 2026 Grenzwerte nicht doch überschritten würden, denn es gebe bisher ja nur Prognosen. Außerdem könnten ja hin und wieder auch mehr als 18000 Pkw den Tunnel befahren. Und die Weltgesundheitsorganisation spreche sich nur für die Hälfte des gültigen Grenzwertes aus. „Wir haben den Auftrag ein planfestgestelltes Projekt umzusetzen und sind zu dem Schluss gekommen, wir können auf den Abluftkamin nicht verzichten. Sonst würde sich die komplette Betroffenheit von Anliegern verändern. Das ist ein nicht gangbarer Schritt. Wir werden wie planfestgestellt bauen“, so Ludwig. Vielleicht müsse der Kamin dann nur zweimal zwei Stunden am Tag laufen, entgegnete er Lehmann-Horn, der ihm vorgeworfen hatte: „Sie bauen etwas, was dann gar nicht läuft.“ Iris Ziebart bat am Ende noch zu klären, wer denn nun wirklich die Betriebskosten zu tragen habe: Die Stadt oder der Bund? Dazu gebe es unterschiedliche Aussagen. Ludwig konnte die Frage nicht beantworten, er glaubte aber die Stadt. Das will er klären.

Gutachten Brandschutz im Tunnel ist da

Auf Nachfrage von Stefan Frey (CSU) hat Bürgermeisterin Eva John in der jüngsten Stadtratssitung mitgeteilt, dass das bei Brandschutzexperte Dirk Schneider in Auftrag gegebene Gutachten zur Notwendigkeit einer Brandbekämpfungsanlage für den geplanten B2-Tunnel und Feuerwehr-Aufzügen in dessen Notausstiegen  dem Rathaus inzwischen vorliegt. John sagte zu, es dem Stadtrat in der Dezembersitzung vorzustellen. Das Gutachten vom Stadtrat genehmigen zu lassen, sei aber nicht Teil eines Beschlusses gewesen. Vorab, um die vom Staatlichen Bauamt Weilheim gesetzte Frist bis 30. November einhalten zu können, solle das Rathaus aber die aus dem Gutachten zu folgernden Forderungen der Stadt in Sachen Brandschutz in einem Schreiben an die Weilheimer Behörde formulieren, meinte die Bürgermeisterin. Sie informierte darüber hinaus, dass das Staatliche Bauamt am 10. Dezember in Starnberg eine Veranstaltung plane, bei der im Großen Saal der Schlossberghalle das Feuerwehr-Grobkonzept für den Tunnel vorgestellt werden solle. Frey stellte daraufhin einen Dringlichkeitsantrag, die Stadt solle nicht eigene Forderungen formulieren, sondern das komplette  Gutachten Weilheim zusenden. Im Dezember könne es dann im Stadtrat und mit der Feuerwehr diskutiert werden. Aus dieser Diskussion sich ergebende Aspekte könnten dann der Weilheimer Behörde nachgereicht werden. Auf Antrag von Markus Mooser (WPS) sollen die Stadträte vor der Dezember-Sitzung Gelegenheit zur Einsichtnahme in das Gutachten erhalten. Beschlossen wurde das mit der einzigen Gegenstimme von Klaus Huber (WPS).

Infoveranstaltungen zum Tunnel

Das Staatliche Bauamt Weilheim teilt mit:

„Das Staatliche Bauamt Weilheim stellt den Bürgerinnen und Bürgern am Dienstag, 27. und Mittwoch, 28. November – jeweils ab 19 Uhr – in der Schlossberghalle die Fakten zum Tunnelprojekt vor.

Ziel ist es, die Bürgerinnen und Bürger transparent und ausführlich mit Sachinformationen zum Tunnel zu versorgen. Die beiden Referenten, Behördenleiter Uwe Fritsch und Projektleiter Herwig Ludwig, werden aufzeigen, wie das Projekt zukünftig gebaut wird. Ihr Motto lautet „Sachinformationen zum Tunnel: Zahlen, Daten, Fakten“.

Diskussionen um Historie oder politische Meinungen zum Tunnel Starnberg sind daher nicht Thema dieser Veranstaltungen. Um den zeitlichen Rahmen einzuhalten, werden sonstige Baumaßnahmen im Starnberger Bereich, die keinen unmittelbaren Bezug zum Tunnel haben, nicht behandelt.

Folgende Themen erwarten das Publikum bei einer Präsentation in Vortragsform:

 Trassenverlauf, Nutzen, Terminplan
 Straßenbau Ortseinfahrt Münchner Straße (von A952): Zweck und Bauphasen

 Tunnel: Portale, Bauwerke, Lüftung
 Geologie, Grundwasser, Tunnelbautechnik
 Baustellen, Verkehrsfluss, Einzelhandel
 Sicherheit und Rettung

 

In einem anschließenden Fragenteil hat die Bürgerschaft die Möglichkeit, dem Staatlichen Bauamt Weilheim Fragen zum Projekt zu stellen. Diese werden umfänglich beantwortet.
Detailfragen, die einen größeren zeitlichen Rahmen beanspruchen würden, werden grundsätzlich im Infocenter Tunnel Starnberg in Einzelgesprächen erörtert. Einzelgespräche dieser Art sind für die beiden skizzierten Veranstaltungsabende explizit nicht vorgesehen.

Die beiden Veranstaltungsabende sind in Ihrem Ablauf jeweils identisch. Für jeden Abend stehen bis zu 500 Sitzplätze zur Verfügung. Zutritt erfolgt über den Haupteingang.“

 

Haushalt mit Tunnelkosten belastet

Die erste Beratung über den städtischen Haushalt des Jahres 2019 sowie des Finanzplanes 2020 bis 2015 erbrachte noch keinerlei Hinweis darauf, wie die Stadträte das derzeit im Entwurf noch bestehende Defizit im Vermögenshaushaushalt von 13,5 Millionen Euro ausgleichen möchten. Niemand stellte Anträge, auch nicht dafür, das eine oder andere Projekt zu streichen. Dafür entbrannte eine Diskussion über die Kosten für das B2-Tunnel-Projekt, die von der Stadt Starnberg zu tragen sind. Im betroffenen Zeitraum summieren sie sich geschätzt auf rund 8 Millionen Euro.

Während Markus Mooser und Günther Picker (beide WPS) an Aussagen von Tunnelbefürwortern erinnerten, das Bauwerk werde die Stadt „keinen Cent“ kosten, hielt ihnen allen voran Ludwig Jägerhuber (CSU) entgegen, alte Hasen im Stadtrat hätten schon immer gewusst, dass die Stadt mit einem bestimmten Anteil einen Beitrag zu leisten habe. Dazu hatte es im Protokoll der Obersten Baubehörde über das Gespräch mit der Stadt Starnberg – inzwischen versandt an alle Haushalte – geheißen: „Frage: Muss sich die Stadt Starnberg an den Kosten für den B2-Entlastungstunnel beteiligen (z.B. für im Zusammenhang mit dem B2-Tunnel erforderliche Änderungen an bestehenden Knotenpunkten)?“ Antwort: „Grundsätzlich gilt, dass der Straßenbaulastträger (hier: Bundesrepublik Deutschland) neben den eigentlichen Projektkosten auch die Kosten für alle erforderlichen, im Zusammenhang mit dem Projekt notwendig werdenden Folgemaßnahmen im nachgeordneten Netz zu tragen hat. Laut letzter Kostenberechnung (Kostenstand 2014) ist die Kommune mit einen Kostenanteil von 3,2 Millionen Euro an der Maßnahme beteiligt (Gesamtkosten für Bau und Grunderwerb 162 Millionen Euro, die Planungskosten sind in diesem Betrag nicht enthalten). Das Staatliche Bauamt Weilheim wird der Stadt Starnberg die ihrem Kostenanteil zugrundeliegenden Einzelmaßnahmen in der am 20.2.2017 geplanten Stadtratssitzung näher aufschlüsseln.“ Unter der Rubrik „Fragen und Antworten zum B2-Tunnel“ auf der Internetseite des von CSU und UWG geprägten Vereins „Umweltbewusste Verkehrsentlastung Starnberg“  ist aktuell Folgendes zu lesen. „Frage: Wer bezahlt den B2-Tunnel? „Antwort: „Der Bund übernimmt 95 Prozent der Kosten.Die Bahn übernimmt die Kosten der Verbreiterung der Bahnbrücke und die Stadt übernimmt lediglich die Kosten für vorbereitende und nachbereitende Maßnahmen an der Münchner Straße.“ Weitere Frage: „Wer zahlt, wenn der Tunnelbau teurer als heute veranschlagt wird?“Antwort: „Jeder der drei beteiligten Baulastträger (Bund, Deutsche Bahn, Stadt Starnberg) ist für seinen Teilbereich verantwortlich. Steigende Kosten werden vom jeweils betroffenen Baulastträger übernommen. Die Stadt Starnberg zahlt keine Gelder, wenn der Tunnel teurer wird.“ Auf der gleichen Homepage heißt es an anderer Stelle zum Thema Finanzierung: „Die Kosten der Errichtung des Tunnels sowie des laufenden und des künftigen Betriebs trägt der Bund. (Am Umbau der einmündenden Straßen sind der Freistaat Bayern, die Deutsche Bahn und die Stadt Starnberg beteiligt.)

Moosers Frage, warum überhaupt Kosten für den Tunnel im städtischen Haushalt stünden, löste die Diskussion aus, in der es zeitweise hoch her ging, so dass Bürgermeisterin Eva John dazwischen gehen musste, um die weitere Beratung fortsetzen zu können. Sie erläuterte, es gehe um den Umbau der Kreuzungen zwischen der Bundesstraße und städtischen Straßen. Die Kreuzungen an der Strandbadstraße, Moosstraße und Gautinger Straße seien im Moment betroffen, wenn das Staatliche Bauamt Weilheim die nördliche Zulaufstrecke zum Tunnel umbaue. Insgesamt sei derzeit mit vier Millionen Euro zu rechnen, so John. Hinzu kämen noch die Kosten für den Umbau der Petersbrunner Straße, wenn Weilheim den Durchstich von dieser zur Münchner Straße umsetze. Wie berichtet müssen dann Geh- und Radwege so angepasst werden, dass die Wegenetze geschlossen bleiben. Kosten hierfür 2,2 Millionen Euro, wovon der Freistadt eventuell 49 Prozent übernehmen will. Eine feste Zusage oder einen genauen Zuschussbetrag gebe es aber noch nicht (siehe 2019 Umbau Petersbrunner Straße). Vollkommen offen sind auch noch eventuelle weitere Kostenbeteiligungen am Umbau der Kreuzung mit der Leutstettener Straße oder der Forderung nach weiteren Radwegen entlang der B2 nach Westen hin. Zwischen der Petersbrunner- und Leutstettener Straße sind bisher nämlich keine vorgesehen (siehe Schmölzer bittet um Nachbesserung). Für Angelika Kammerl (DPF) ist das alles jedoch „keine Beteiligung an den Tunnelbaukosten“. Für sie zählen somit nur die reinen Aufwendungen für das Tunnelbauwerk, nicht jedoch die Bereiche vor und nach dem Tunnel.

Mooser unkte aber: „Mal sehen, was da noch alles kommt.“ Sein Fraktionskollege Günther Picker rechnete schon weiter: „65000 Euro für das Brandschutzgutachten.“ „Was die Feuerwehr anmelden wird?“, überlegte Michael Mignoli (BLS) laut. „Da sind wir bald bei 10 Millionen Euro. Wie soll die Stadt das bezahlen?“, fragte Picker. Laut John sind 480000 Euro für den Umbau des Feuerwehrhauses für 2019 angemeldet. Eine konkrete Planung sei aber noch nicht ausgearbeitet. Dass die Straßenbeleuchtung an der dann neu gestalteten B2 kommunale Aufgabe sei, hatte Uwe Fritsch, Leiter des Staatlichen Bauamtes Weilheim schon im Februar vor dem Stadtrat gesagt (siehe Tunnelbefürworter schweigen). Nach Johns Aussage kommt die Stadt an der Kostenbeteiligung an den Kreuzungen nicht vorbei, weil dies gesetzlich so geregelt sei. Für diese Teile werde es jedoch keine staatlichen Zuschüsse geben. Das tue natürlich weh. „Finanzpolitisch gesehen, wäre zu erwarten, dass solche Kosten von dem getragen werden, der sie veranlasst“, sagte sie.

Aufgebracht reagierte Jägerhuber: „Dass der Tunnel gebaut wird, war ein politische Mehrheitsentscheidung. Da müssen nicht unnötig Emotionen geschürt werden. Auch bei einer Umfahrung hätten solche Kosten entstehen können.“ Dem steht aber entgegen: Die Umfahrung wäre nach den Vorgaben der Obersten Baubehörde ohnehin nur in der Regie der Stadt und somit auf deren Kosten denkbar gewesen. Jägerhuber appellierte, nicht immer wieder von vorn Grundsatzdebatten zu führen. „Wir wollen keine Grundsatzdebatten, sondern die Öffentlichkeit aufklären“, hielt ihm Mooser entgegen. „Alte Stadträte wussten von Beginn an, dass uns der Tunnel was kostet. Neu ist nur die Brandschutzgeschichte. Aber das ist gut investiertes Geld“, sagte Jägerhuber.

John beendete die Diskussion mit der Bemerkung: „Es gibt andere Projekte, die der Stadt etwas bringen und auch etwas kosten. Werden Anträge gestellt?“ Antwort von Winfried Wobbe (UWG): „Nächstes Mal vielleicht.“

Dies sind einige Unwägbarkeiten in Sachen Tunnelkosten:

Der damalige Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) sagte beim Spatenstich für den B2-Tunnel am 20. Juli 2018: „Wir hoffen, dass wir die Verkehrsentlastung bis 2026 schaffen.“ Für das Bauwerk gibt es noch keine Ausführungsplanung, weshalb alle bisher genannten Kosten nicht detailliert sind. Bis 2011 ging man von Gesamtbaukosten von 162 Millionen Euro ohne die Planungskosten aus. Im Bundeshaushalt 2018 steht das Projekt mit 193,7 Millionen Euro. Gebaut wird es laut Staatlichem Bauamt Weilheim aber erst ab frühestens 2021. Bis dahin können die Bau- und Planungskosten nochmals kräftig steigen, somit auch der Anteil, der auf die Stadt Starnberg entfällt. Offen ist auch noch, ob der Bund sogenannte Sonderwünsche der Stadt bezahlt. Zum Beispiel beim Sicherheitskonzept für die Rettungsdienste, die bisherige Planungen teils kritisch sehen und Nachbesserungen fordern (siehe Tunnel: Gutachten zum Brandschutz). Oder bei der Gestaltung der Tunnelportale. Auf Nachfrage des Blogs im Juli 2018 hatte der Leiter der Weilheimer Behörde geantwortet: „Der Tunnel Starnberg ist Bestandteil einer Bundesstraße. Daher liegt die Kostentragung nahezu ausschließlich beim Bund. Der Bund lässt dieses Bauwerk nach einem einheitlich festgelegten (sehr hohem) Sicherheitsstandard bauen und ausstatten. Darüber hinausgehende Sicherheitsausstattung ist grundsätzlich nicht durch die aktuelle Finanzierung gedeckt. Die Kostenträgerschaft (durch Dritte) ist im Einzelfall zu klären.“

Sachstand ortsferne Umfahrung

Auf Antrag von Klaus Rieskamp (DPF) hat Bürgermeisterin Eva John im Stadtrat einen Sachstandsbericht zum Thema „ortsferne Umfahrung“ gegeben: Das Ingenieurbüro Vössing sei von der Stadt damit beauftragt, verschiedene Varianten einer ortsfernen Umfahrung  sowie dadurch entstehende Verkehrsknotenpunkte (Kreuzungen mit anderen Straßen) zu prüfen, so John. Dabei gehe es auch um Auswirkungen auf das Radwegenetz, die Umwelt und Naturschutzziele. Sie hoffe, dem Stadtrat spätestens im Dezember einen Zwischenbericht der Ergebnisse der Prüfung geben zu können.

„Der Beschluss ‚B2-Tunnel bauen – ortsferne Umfahrung planen‘ ist vom 20. Februar 2017 und damit eindreiviertel Jahre her. Das bedauere ich sehr“, sagte Rieskamp. Die Pläne der Stadt zur Erweiterung des Gewerbegebietes in Schorn zeigten, dass man die Umfahrung brauche. Tatsache ist aber, dass die Zeitpläne des Staatlichen Bauamtes Weilheim für die Vorbereitung des Tunnelbaus  von der Stadtratsmehrheit aus CSU, UWG, Grünen, SPD, DPF und Teilen der BLS stets als dringlich gesehen wurden und dem Rathaus die Einstellung eines Ingenieurs für die Planung eigener Straßen sowie eine externe Vergabe der Arbeit von dieser Mehrheit verweigert worden war. Das städtische Bauamt hat keinen diesbezüglichen Experten in seinen Reihen und arbeitet ohnehin am Limit.

B2-Tunnel: Vermessung

Das Staatliche Bauamt Weilheim teilt mit:

„Tunnel Starnberg –Vermessungsarbeiten im Tunnelbereich

Ab Montag den 29. Oktober 2018 führt das Staatliche Bauamt Weilheim Vermessungsarbeiten im Bereich der zukünftigen Tunnelbaustellen aus.

Die Vermessungsdaten werden für die Detailplanung der Portale, Notausstiege sowie für die Logistikrouten und die Spartenverlegungen benötigt. Betroffen sind vor allem die Weilheimer Straße, Almeida Weg, Vordermühlstraße, Augustenstraße, sowie die Münchnerstraße zwischen Tutzinger-Hof-Platz und Bahnbrücke.

Nach jetzigem Stand wird es auch erforderlich sein, private Grundstücke zu betreten. Das Staatliche Bauamt bittet die Grundstücksbesitzer, Anwohner und sonstige Berechtigte in dieser Zeit dem Vermessungstrupp Zutritt zu gewähren und dankt für das Verständnis und das Entgegenkommen.“

B2-Tunnel: Themenblöcke

Das Staatliche Bauamt Weilheim informiert:

„Tunnel Starnberg – Themenblöcke im Infocenter

Das Staatliche Bauamt Weilheim informiert interessierte Besucher immer donnerstags von 15 – 18 Uhr im Infocenter Starnberg. Zu den nächsten vier Terminen können sich die Bürger über folgende Themenblöcke informieren und den Experten des Projektes Fragen stellen:

1. Termin am 25.10.2018: Straßenbau Ortseinfahrt Münchner Straße
– Zweck der Straßenbaumaßnahme
– Geänderte Wege/Fahrstreifen für Fußgänger, Radfahrer, Autofahrer

2. Termin am 08.11.2018: Umfahrung, Lage Tunnelportale und Nutzen – Ortsumfahrung contra Tunnel
– Lage der Tunnelportale
– Nutzen des Tunnels

3. Termin am 15.11.2018: Bauphasen
– Baustellen, Verkehrsfluss: Wo, wird wann, wie lange gebaut?
– Sicherheit während der Bauphase: Beweissicherung von Häusern und Grundstücken

4. Termin am 22.11.2018: Sicherheit und Betrieb
– Flucht und Rettung, Sicherheitseinrichtungen – Lüftung: System, Betriebs- und Brandfall

Das Infocenter Tunnel Starnberg befindet sich neben dem Landratsamt an der Einbiegung der Münchner Straße in die Strandbadstraße. Besucher, die den Bus

nehmen, steigen am besten direkt beim Landratsamt aus. Für Fahrradfahrer stehen rechts neben dem Eingang zum Infocenter Fahrradständer bereit.“