Restarbeiten

Eine Mitteilung aus dem Rathaus:

„Die Bauarbeiten im Kreuzungsbereich der Gautinger Straße, Petersbrunner Straße und Leutstettener Straße sind fast beendet.
Der östliche Teil der Kreuzung und die Petersbrunner Straße wurden am Mittwoch, 30. September fertig asphaltiert.

Dieser Bereich der Kreuzung kann nun für den Verkehr wieder freigegeben werden und die Petersbrunner Straße wird wieder, bis zum Ende der Baumaßnahme, zur Einbahnstraße in Richtung Moosstraße.

Nun wird der westliche Bereich der Kreuzung für Fräs- und Asphaltierungsarbeiten gesperrt. Diese Arbeiten erfolgen nachts ab 20.30 Uhr bis zum nächsten Morgen 06.00 Uhr. Ein Abbiegen in die Leutstettener Straße ist während dieser Sperrzeiten nicht möglich.

Die Busse aus Richtung Leutstetten und Berg weichen über die B2 und dann über die Leutstettener Straße zum Bahnhof Nord aus.

Tagsüber ist der Kreuzungsbereich beschränkt befahrbar.

In der Nacht von Montag, 5. Oktober auf Dienstag, 6. Oktober ab 20.30 Uhr muss der Kreuzungsbereich zur Leutstettener Straße wegen des Aufbringens der Deckasphaltschicht wieder gesperrt werden.
Diese Arbeiten dauern bis Dienstag 06.00 Uhr. Die Markierungsarbeiten erfolgen bei laufendem Verkehr am Dienstag.

Somit werden die von der Stadt Starnberg durchgeführten Arbeiten im Kreuzungsbereich rechtzeitig fertig, so dass der am Mittwoch, 7. Oktober beginnende Schienenersatzverkehr nicht beeinträchtigt ist.“

BMS zur Planänderung B2 Tunnel

Hier die Stellungnahme von Bündnis Mitte Starnberg (BMS) zum Planänderungsverfahren für den B2 Tunnel. Alle Stadtratsfraktionen sollten Stellung nehmen, was dann in die Stellungnahme der Stadt Starnberg einfließen soll. Mit dieser befasst sich heute ab 18 Uhr der Ferienausschuss des Stadtrates, da die Frist für Einwendungen und Anregungen am 28. August 2020 endet und der Gesamtstadtrat bis dahin nicht mehr tagt.

„Sehr geehrter Herr Bürgermeister,

sehr geehrte Stadtratskollegen,

im Hinblick auf die Beratung dieser Angelegenheit in der Sitzung des Ferienausschusses am 17.08.2020 möchten wir folgende Stellungnahme abgeben:

Der Stadt Starnberg ist es aus unserer Sicht aus nachfolgenden genannten Gründen verwehrt, das Planänderungsverfahren wie in der Beschlussvorlage 2020/299 vorgeschlagen „zu begrüßen“ und/oder eine Zustimmung zu erteilen.

1. Anforderungen Brandschutz und BOS

Der fachlichen Stellungnahme der Feuerwehr Starnberg vom 05.08.2020, die auf den bereits dem Staatlichen Bauamt übersendeten Gutachten von Phoenix Fire (Gutachterliche Stellungnahme zum B2-Tunnel) und der International Fire Academy vom 04.11.2018 (Grobkonzept Intervention Straßentunnel) beruht, schließen wir uns inhaltlich an. Über die dort genannten und auch im Planänderungsverfahren nicht erfüllten Anforderungen der BOS-Dienste hinaus bleibt die tatsächliche Umsetzung notwendiger Maßnahmen fraglich. Der Erläuterungsbericht bleibt vage, an mehreren Stellen ist dort nur von einer „möglichen Ausstattung“ die Rede, es gibt keine verbindliche Aussage zur tatsächlichen Umsetzung. Ab einem Schwellenwert von 20.000 Kfz/24 h ist ein Doppelröhrentunnel mit Richtungsverkehr vorgeschrieben. Die Planung eines solchen Tunnels wird seit jeher bewusst und unter Inkaufnahme der Gefährdung Feuerwehrdienstleistender umgangen, indem eine Uralt-Verkehrsprognose zugrunde gelegt wird.

2. Landschaftsschutz

Durch Planfeststellungsbeschluss geregelt war bisher bereits der Verlust einer unglaublich großen Fläche von 0,57 ha biotopwürdiger Gehölzbestände und 0,2 ha biotopwürdiger Buchenwald. Die zusätzliche Flächenversiegelung lag bei rund 0,9 ha. Im Planänderungsverfahren ergeben sich Verluste von nunmehr 0,8 ha an Biotopen und einer zusätzlichen Flächenversiegelung von 1,43 ha. Der dadurch für die Stadt Starnberg entstehende ökologische Schaden wird noch nicht mal im Stadtgebiet ausgeglichen, sondern fernab in Greifenberg bzw. Greiling. Welch katastrophale Auswirkungen das Tunnelbauwerk und insbesondere die Düker-Bauwerke auf die natürlichen Boden- und Wasserverhältnisse haben, kommt deutlich zum Ausdruck, insbesondere durch den Düker 3 (neu), der in den wasserführenden Schichten geplant wird und damit den Grundwasserstrom zum Starnberger See abschneidet. Die geplanten, weil notwendigen, Maßnahmen zur Bodenverfestigung mittels Düsenstrahlverfahrens führen dazu, dass Unmengen von Beton in den Boden eingebracht werden müssen. Die sensible Hydrogeologie und der Schutz des Grundwassers sind extrem gefährdet. Der massive Eingriff ist absolut unverantwortlich. 

3. Städtebau

Aufgrund der Abwehr des Staatlichen Bauamtes zur Anpassung und Aktualisierung des planfestgestellten Lüftungskonzeptes kommt es dazu, dass ein Lüftungskamin an der denkmalgeschätzten Mauer des Schlossgartens in Starnberg gebaut wird. Trotz erwiesener Entbehrlichkeit des Lüftungsbauwerkes wird an dieser Maßnahme festgehalten, obwohl sie kostentechnisch und im Sinne des Denkmalschutzes und Städtebaus unverantwortlich ist.
Welch städtebauliche Verwerfungen dieses Tunnelbauwerk mit Zufahrtsrampen im Stadtbild der Stadt Starnberg auslöst ist deutlich zu erkennen. 4- bis 7-spurige Fahrbahnen trennen die Stadt zukünftig in zwei voneinander getrennte Gebiete, nämlich eines nördlich der B2 und eines südlich der B2. Eine nicht hinnehmbare Entwicklung!

4. Verkehrsbelastung

Schon die in der Kurzbeschreibung des Gesamtvorhabens verwendete Formulierung „durch den Bau eines Entlastungstunnels im Zuge der B2 wird die Leistungsfähigkeit und die Verkehrsqualität für den Durchgangsverkehr deutlich erhöht. Gleichzeitig profitiert die Stadt Starnberg durch eine erhebliche Verkehrsreduktion auf der Hauptstraße und durch die Beseitigung von Schleichverkehren auch auf den Nebenstraßen.“ ist sachlich falsch. Stadtrat und Stadtverwaltung ist bekannt, dass durch den Bau des B2 Tunnels sogar wesentlich mehr Verkehr auf die Stadt Starnberg zukommt (vgl. Prognosefall). Durch den Bau des Tunnels werden innerstädtisch sogar über 2 km mehr Straßenverkehrsfläche für den motorisierten Verkehr geschaffen. Durch das erhöhte Verkehrsaufkommen durch den Tunnel ergeben sich durch die Signalanlagen vor dem Tunnelportal in Spitzenzeiten nicht tragbare Stausituationen auf der Münchner Straße und am Autobahnende, die erwarten lassen, dass die heutigen Staulängen von 400 bis 900 m zukünftig bei weitem überschritten werden. Als Staufolge erhöhen sich CO2- und Abgasemissionen sowie der Verkehrslärm. Die Leistungsberechnung aus dem Planfeststellungsbeschluss beruht auf einer Prognose für 2015, die für die Verkehrsentwicklung in der Boomregion München mit einer Stagnation/negativen Einwicklung der Kfz-Mobilität ausgegangen ist. Dass dem nicht so ist, ist allen bekannt und klar. Eine Aktualisierung der Prognose bzw. eine neue Leistungsberechnung für die Zulaufstrecke Nord wurde vom Vorhabensträger nicht durchgeführt, vermutlich aus gutem Grund, würde sie doch das absolute Versagen des Tunnels zur Verkehrsentlastung der Stadt Starnberg zeigen. Regelungen, die eine Entscheidungsfreiheit der Stadt Starnberg bei der erforderlichen Umgestaltung des ehemaligen Straßenraums der B2 innerorts sowie der angrenzenden Straßenzüge ermöglichen, sind nicht vorhanden. 

5. Kommunal- und haushaltsrechtliche Hindernisse

Anders als von Vorhabensträgerseite regelmäßig behauptet, kommen auf die Stadt Starnberg Kostenbeteiligungen und Finanzierungsanforderungen in einer unfassbaren Größenordnung zu, die selbst bei sparsamster Haushaltsführung niemals zu bewerkstelligen sind.

Gänzlich ungeklärt ist bis heute, in welcher Höhe die Stadt Starnberg tatsächlich an den Straßenumbaumaßnahmen finanziell beteiligt wird. Dies betrifft die Umbaumaßnahmen an den diversen Kreuzungen ebenso wie die straßenräumlichen Umgestaltungen an den Tunnelportalen. Dies betrifft weiterhin die anfallenden Kosten durch die Spartenverlegungen bzw. deren Neubau (beispielsweise Wasser und Abwasser). Weder beziffert noch geregelt ist die Übernahme aller Kosten, die durch das geringe Sicherheitsniveau der Tunnelplanung als Gegenverkehrstunnel, auf die Stadt Starnberg als Träger der örtlichen Feuerwehr für Investitionsmaßnahmen und laufend anfallende Betriebs- und Personalkosten zukommen werden.  

6. Unsere Forderungen:

– keine Zustimmung zum beantragen Planänderungsverfahren!

– hilfsweise vor Abschluss des Planänderungsverfahrens verbindliche Regelungen zur vollständigen Kostenübernahme der finanziellen Folgelasten durch den Vorhabensträger

– hilfsweise vor Abschluss des Planänderungsverfahrens verbindliche Regelungen zur Entscheidungsfreiheit über die Gestaltung des oberirdischen Straßenraums durch die Stadt Starnberg

– besser noch:

Abbruch des einige Hundert Millionen Euro teuren Vorhabens und Einstellung jeder weiterer Planungen, die die Ausdehnung der B2 im Starnberger Stadtgebiet vorsieht, dafür eine Verlegung der B2 auf die Westumfahrung ab dem Maxhof-Kreisel und Abstufung der bisherigen B2 zur Staatsstraße 

Abkehr von dieser längst überholten Ausrichtung der Kleinstadt Starnberg auf den höchstmöglichen Durchfluss von Pkw und Lkw. Stattdessen gerechte Aufteilung vorhandener Verkehrsräume auf alle Verkehrsarten.
 

Schlagabtausch zu Verkehrskosten

Zu einem heftigen Schlagabtausch ist es in der jüngsten Sitzung des Hauptausschusses des Stadtrates zwischen Bürgermeister Patrick Janik (UWG) und Markus Mooser (WPS) gekommen. Auslöser war die Debatte, welche Beträge aus dem Haushaltsentwurf vom Jahresbeginn nach den gerade laufenden Streichrunden in den endgültig dem Stadtrat vorzulegenden Entwurf übernommen werden sollen – und zwar in Sachen Verkehrsentwicklungsplanung.

Bisher waren 60000 Euro eingestellt. Laut Stadtbaumeister Stephan Weinl könne die Hälfte gestrichen werden, weil es dabei um Umsetzungsstrategien aus dem beschlossenen Verkehrsentwicklungsplan zum Thema „Maßnahmen zur Änderung des Verkehrsverhaltens“ gehe, die heuer nicht mehr in Angriff genommen würden. Weg vom Auto, hin zu Fahrrad und öffentlichen Verkehrsmittel lautet die Devise. Dagegen sollten 30000 Euro im Haushalt bleiben, zum Beispiel weil bei der Planung der Portale für den geplanten B2-Tunnel Gutachten oder Beratung nötig werden könnten. Den Streichungen wäre auch die Entwicklung des Schulwegsicherheitskonzeptes für die weiterführenden Schulen in Starnberg zum Opfer gefallen. Dagegen wandte sich Eva John (BMS). Der Stadtrat habe dieses bereits beschlossen. Es koste 10000 Euro, die sie wieder im Haushalt berücksichtigt sehen wollte. Was die Beträge angehe, die mit dem Tunnel im Zusammenhang stünden, erwarte sie, dass diese nicht auf dieser Haushaltsstelle sondern auf der Haushaltsstelle des B2 Tunnels berücksichtigt werden. Das erntete schon Missfallensbekundungen im Gremium. Noch mehr der Hinweis von Mooser, es gebe Beschlüsse des Rechnungsprüfungsausschusses und des Stadtrates, im Haushalt auf einer Haushaltsstelle alles abzubilden, was zu den Projektkosten gehört. Unter der Vorgängerin des amtierenden Bürgermeisters Janik, Eva John, hatten er und die ihn unterstützende Mehrheit vehement darauf gedrängt, dass zum Beispiel die überraschend aufgetauchte notwendige Beseitigung von Altlasten bei der Ertüchtigung des Seebades zu dessen Projektkosten dazu gerechnet werden. Jetzt verlangte Mooser „Transparenz für den Bürger, was der Tunnel die Stadt Starnberg tatsächlich kostet.“ Thomas Beigel (CSU) nannte Moosers Beitrag „Schmarrn“. Mooser explodierte, erinnerte sich, dass Janik kürzlich einen seiner Wortbeiträge  als „Folklore“ abgetan hatte. „Ich bin vom Bürger als Stadtrat gewählt und vertrete hier die Meinung vieler Starnberger.“ Er verbitte sich einen solchen Umgang. Das sei eine Frage des Stils und befeuere Hasssprache im Internet. Janik fiel ihm mehrfach ins Wort und wollte die Angelegenheit beenden, stellte dann aber doch den Antrag von John und Mooser zur Abstimmung, die Beratungs- und Gutachterkosten (8000 Euro) zu den Tunnelportalen auf der Haushaltsstelle Tunnel zu buchen. Der Ausschuss lehnte es mit 5:8 Stimmen ab.

Einstimmig votierte man für die Halbierung der 60000 Euro. John gab anschließend zu Protokoll: „Das steht im Widerspruch zu Beschlüssen des Stadtrates und des Rechnungsprüfungsausschusses.“ Mooser schloss sich für die WPS-Fraktion an.

Nächste Bauphase

Eine Mitteilung aus dem Rathaus:

Nächste Bauphase im Kreuzungsbereich Petersbrunner Straße und Gautinger Straße startet am Montag, 22.06.2020

Die Bauarbeiten im Kreuzungsbereich Petersbrunner Straße und Gautinger Straße schreiten weiter voran. Ab Montag, den 22.06.2020 wird die Baustelle im Norden der Gautinger Straße eingerichtet. Als nächstes stehen der Wasserleitungsausbau in der nördlichen Gautinger Straße und die Fertigstellung der Gehwegbereiche auf Höhe des Creative Centers an. Diese Arbeiten werden voraussichtlich drei Wochen in Anspruch nehmen.

In dieser Zeit wird das Befahren der Gautinger Straße, Leutstettener Straße und Petersbrunner Straße weiterhin möglich sein. Die Einbahnstraßenregelung in der Petersbrunner Straße bleibt bestehen. Der Begegnungsverkehr wird weiterhin über die bestehende Ampelanlage gesteuert.

Die Fußgängerüberwege über die Leutstettener Straße, Petersbrunner Straße und Gautinger Straße Nord (in Richtung Gauting) werden in dieser Bauphase gesperrt bleiben. Fußgänger und Radfahrer können den Überweg über die Gautinger Straße Süd (in Richtung Bundesstraße B2) nutzen. Im gesamten Baustellenbereich wird Tempo 30 angeordnet.

Der Öffentliche Personennahverkehr wird uneingeschränkt aufrechterhalten. Die Haltestelle „Moosstraße“ wird für die Buslinien in Richtung Ostufer von der Gautinger Straße wieder in die Moosstraße verlegt. Die Buslinien in Richtung Ostufer verkehren auf dem normalen Linienverlauf. Die Haltestelle „Moosstraße“ in Richtung Bahnhof Nord verbleibt in der Gautinger Straße als Ersatzhaltestelle. Der Münchner Verkehrs- und Tarifverbund (MVV) informiert über eine entsprechende Fahrgastinformation.

Weitere Änderungen der Verkehrsführung im Kreuzungsbereich werden frühzeitig bekannt gegeben.“

Auslobungstext bleibt Geheimnis

Wie sollen die Portale des geplanten B2-Tunnels aussehen? Wie werden die Notausstiege an der Oberfläche gestaltet, wie der Abluftkamin am Schlossberg? Die Antworten soll ein Realisierungswettbewerb bringen, für den der Stadtrat gerade erst den nicht veröffentlichten Auslobungstext genehmigt hat, mit 24:7 Stimmen.

Zuvor war durch Nachfrage von Markus Lehmann-Horn unter der Rubrik „Bürgerfragen“ bekannt geworden, dass es das Staatliche Bauamt Weilheim ablehnt, dem Wunsch der Stadt und dem dementsprechenden Stadtratsbeschluss nachzukommen, das Gutachten, das die angebliche Notwendigkeit für den Bau des Abluftkamins belegt, auf den tatsächlich geplanten Fertigstellungstermin des Tunnels 2026 zu aktualisieren. Das Bauamt hatte das Gutachten wie berichtet mit der Vorgabe des Beurteilungszeitpunktes für 2020 in Auftrag gegeben. Eine Bürgerinitiative bezweifelt, dass der Abluftkamin angesichts der stetigen technischen Verbesserungen an den Pkw bei Eröffnung des Tunnels überhaupt noch notwendig ist. Weilheim will offenbar keine weitere Diskussion über das Thema. Von seiten des Stadtrates gab es deshalb sieben Gegenstimmen zum Auslobungstext. Laut Presseberichten stammten sie von BMS und WPS.

Den Antrag von Franz Sengl (Grüne), den Wunsch des STAgenda Arbeitskreises Verkehr – Projekt „Lebendiges Starnberg“- umzusetzen und für den Wettbewerb schon jetzt vorzugeben, dass an der Kreuzung Äußere Leutstettener Straße/Münchner Straße auf eine der geplanten sieben Fahrspuren verzichtet wird, damit Raum für den Bau von ordentlichen Geh- und Radwegen bleibt, die dort bisher nicht so berücksichtigt sind, lehnte Bürgermeister Patrick Janik ab. Dies obwohl der Stadtrat dem STAgenda-Projekt im vergangenen Jahr einstimmig seine Unterstützung zugesagt hatte. Dem Vernehmen nach erwartet das Staatliche Bauamt von den Wettbewerbsteilnehmern Vorschläge für beide Varianten – mit (sieben Fahrspuren) und ohne Linksabbiegespur (sechs Fahrspuren) in Richtung Bahnhof Nord.

 

 

Für Interessierte hier der am 30. Januar 2020 erschienene Artikel zum Stadtratsbeschluss zum Abluftkamin und dazugehörigem Gutachten:

Kamin – Rat fordert neues Gutachten (30.1.20) (siehe auch Kamin: Rat fordert neues Gutachten)

Ein Umdenken hat bei der Stadtratsmehrheit in Sachen Abluftkamin für den geplanten B2-Tunnel stattgefunden. Bisher hatten die Räte von CSU, UWG, Grünen, SPD, DPF und BLS stets Nein gesagt, wenn Iris Ziebart (FDP) oder die Bürgerinitiative um ihren Mann, Wolfgang Ziebart sowie den Starnberger Markus Lehmann-Horn gebeten hatten, man möge dafür sorgen, dass das Staatliche Bauamt Weilheim das für den Tunnel erforderliche Gutachten zu den erwarteten Luftschadstoffen auf das richtige Datum aktualisieren lässt (siehe NO2: Grenzwerte sind eingehalten und Abluftkamin: Planung anpassen und Ratsmehrheit will den Abluftkamin und Druck gegen Abluftkamin erzeugen und Unterschriften gegen Abluftkamin). In der letztjährigen Bürgerversammlung wurde ein entsprechender Antrag von Lehmann-Horn von den Starnbergern jedoch mit großer Mehrheit angenommen. Über diesen Antrag musste der Stadtrat jetzt beraten.

In der Begründung zum Antrag in der Bürgerversammlung war angeführt worden, dass der Tunnel ursprünlich mit einer Längslüftung geplant worden sei, dann aber wegen der prognostizierten Nichteinhaltung der neuen Grenzwerte der Europäischen Union eine Entlüftung mit Mittenabsaugung und einem Abluftkamin am Schlossgarten versehen worden war. Zu der Anlage gehört ein sehr groß dimensioniertes und teures unterirdisches Betriebsgebäude, für das der Schlossberg unter dem Finanzamtsparkplatz massiv abgetragen werden muss. Die Bürgerinitiative um das Ehepaar Ziebart und Lehmann-Horn befürchtet neben Verschwendung von Steuergeld Belästigungen für die in der Umgebung wohnende Bevölkerung während der Bauzeit und im Betrieb und hat Unterschriften gegen das Projekt gesammelt. Das Staatliche Bauamt Weilheim hatte das Immissionsgutachten 2018 aktualisieren lassen. Der Züricher Firma war als Prognosezeitpunkt eine Tunneleröffnung im Jahr 2020 vorgegeben worden. Dieses Gutachten sagte aus, dass ohne den Abluftkamin am Nordportal des Tunnels in den Jahren 2020 bis 2025 nicht auszuschließen sei, dass an einem Punkt im Bereich des Nordportals Grenzwerte überschritten werden. Gegen den vorgegebenen Prognosezeitpunkt für dieses Gutachten ist die Bürgerinitiative um Ziebarts und Lehmann-Horn Sturm gelaufen, denn spätestens seit Februar 2017 stand in allen Veröffentlichungen der Weilheimer Behörde, die Inbetriebnahme des Tunnels sei 2026 zu erwarten. Die Gegner des Abluftkamins, die wieder zurück zur Längslüftung im Tunnel wollen, führten an, die Luftschadstoffe aus dem Autoverkehr seien bereits kontinuierlich gesunken und würden dank neuer Technik sowie mehr Elektromobilität spürbar weiter sinken. Vergleichbare Prognosen gab es auch vom Umweltbundesamt. Dennoch lehnte der Stadtrat einen neuerlichen Antrag, Möglichkeiten die Tunnelplanung anzupassen zu prüfen, auch im Mai letzten Jahres wieder ab. Beim Staatlichen Bauamt in Weilheim selbst stießen die Initiatoren der Bewegung gegen den Kamin weiter auf taube Ohren. Der Antrag aus der Bürgerversammlung war der vorerst letzte Versuch, zumindest die Beurteilungskriterien für die Notwendigkeit des Bauwerks zu aktualisieren.

Stefan Frey (CSU) war zwar immer noch überzeugt: „Wir kommen nicht umhin den Abluftkamin zu akzeptieren, gerade im Brandfall.“ Das sei auch die Haltung des Ersten Kommandanten der Feuerwehr, denn der Rauch müsse ja aus dem Tunnel raus. Doch er, Frey, stehe einem solchen Auftrag, das Gutachten zu aktualisieren, nicht entgegen. „Sehen wir mal, was da rauskommt“, sagte er. Patrick Janik (UWG) schloss sich ihm an. Den damaligen Antrag der FDP habe er eben genau wegen den Aussagen der Feuerwehr abgelehnt. Mit einem neuen Gutachten habe er nun „überhaupt keine Probleme“, versicherte Janik.
Angelika Kammerl (DPF) regte sich enorm auf: „Wie wird denn hier mit dem Steuergeld der Bürger umgegangen. Wir wissen, dass der Abluftkamin für den Brandfall lebensnotwendig ist. Was soll denn dieses Rumgeeiere? Es ist unverantwortlich, hier nochmal ein Gutachten zu verlangen – eine enorme Geldverschwendung!“
„Ich weiß jetzt gar nicht, ob ich dazu etwas sagen soll“, überlegte Iris Ziebart (FDP) laut, tat es dann aber doch: „Das Gutachten kostet 3000 Euro, die ganze Abluftanlage im Schlossberg rund 30 Millionen Euro. Da ist eine Relation durchaus gegeben.“ Wie berichtet, hatte die Initiative der Weilheimer Behörde sogar angeboten, die Aktualisierung des Gutachtens aus eigener Tasche zu bezahlen. Das war aber abgelehnt worden. Die Rauchabsaugung sei in der Ursprungsplanung am südlichen Tunnelportal im Zusammenhang mit einem Betriebsgebäude dort geplant gewesen, versuchte Ziebart richtig zu stellen. Das hat inzwischen auch nochmals Lehmann-Horn versucht. Er schrieb nach der Stadtratssitzung an die Fraktionen:
„Ein wichtiges Detail der Angelegenheit wird allerdings immer noch unrichtig kolportiert: der Mittenkamin wurde nur für einen energiesparenden Lüftungsbetrieb nachgeplant. Für die Entrauchung wurde, laut Gutachten von 2002, der südliche Rauchauslass empfohlen, ausdrücklich nicht der Mittenkamin. Die entsprechende Seite des Gutachtens habe ich Ihnen als Anhang beigefügt.
Also wäre eine Rückführung auf die ursprüngliche Planung sogar ein Sicherheitsgewinn für den Tunnel. Aber diesen Fragen wird man ja nochmals nachgehen können, wenn das Gutachten aktualisiert wird.“
Beigefügt hat Lehmann-Horn einen Auszug aus dem alten Gutachten:

„Die Tunnelstrecke verläuft unter einem Hügelrücken. Seine ostseitige Flanke fällt stetig ab zum Starnberger See, im mittleren Bereich liegen die Bauten des Ortskerns und südseitig dazu liegen hochwertige Wohnzonen. Die Westseite des Hügelzugs fällt zu einem Tal hinab, dessen Gegenhang wieder stark ansteigt. Die ansteigende Hanglage ist wiederum eine bevorzugte Wohnlage. Im mittleren Bereich des Tunnels steht auf der Hügelkuppe das Schloss Starnberg, südseitig gefolgt von einer Parkanlage. Unter Berücksichtigung der Bebauungssituation wäre es denkbar, einen Kamin im Bereich Schlossgarten (Tunnelmitte) oder in der Nähe des Südportals zu plazieren. Die Untersuchung der Tunnellüftung in [2] hat für die bevorzugten Lüftungssysteme ergeben, dass ein Kamin am Südportal für die Brandabluft genutzt werden sollte. Ein Betrieb des südlichen Kamins zur Verminderung von Portalabluft ist durch den hohen Energieverbrauch sehr ungünstig. Falls die Tunnellüftung eingesetzt werden sollte, um das Ausströmen von Portalabluft zu vermindern, empfehlen wir die Anordnung des Kamins im Bereich der Tunnelmitte. “

Franz Heidinger (BLS) wollte an dem Kamin festhalten, die Aktualisierung des Gutachtens jedoch befürwortete er: „Für die Befriedung.“ Markus Mooser (WPS) fand ein neues Gutachten „zwingend notwendig“. Es gehe auch darum, dass die jahrhundertalte Ansicht des Schlossbergs durch „ein solches neues Wahrzeichen“ verändert werde. Er sprach von einem „Krematoriumsturm“. „Wer diese Stadt liebt, kann da nicht zustimmen“, so Mooser. Michael Mignoli (BLS) forderte an dieser Stelle einen Abruch der Debatte und erhielt dafür die Mehrheit mit 16:10 Stimmen. Dem Antrag aus der Bürgerversammlung, beim Staatlichen Bauamt Weilheim die Überarbeitung des Gutachtens mit einem Prognosehorizont 2026 zu verlangen, folgte die Mehrheit mit 23:3 Stimmen.