Ruhige Bürgerversammlung

Keine Transparente, kein Geschrei, keine Häme – die diesjährige Bürgerversammlung ist gestern Abend in der Schlossberghalle ruhig und sehr sachlich verlaufen. Nach dem etwas mehr als eine Stunde dauernden Rechenschaftsbericht von Rathauschefin Eva John gab es für die rund 250 interessierten Besucher noch eine lange Runde für Fragen und Anträge aus der Bevölkerung. Über elf Bürgeranträge wurde abgestimmt, die meisten davon erhielten die Unterstützung einer Mehrheit. Angenommene Anträge müssen nun innerhalb von drei Monaten dem Stadtrat zur Beratung vorgelegt werden. Er entscheidet dann, wie weiter verfahren wird. Um was es dabei ging, ist Thema eines weiteren Berichtes, der demnächst hier folgt.

„Zahlen, Daten, Fakten“ hatte John ihren Rechenschaftsbericht überschrieben. Starnberg hat seit den zuletzt veröffentlichten  Zahlen 150 Einwohner mehr. 168 Geburten standen 266 Sterbefälle gegenüber. Seit 1. Januar dieses Jahres sind im Rathaus 262 Gewerbeanmeldungen eingegangen, was zu etlichen Veränderungen in der Welt der Geschäfte und der Gastronomie geführt hat. Die Bürgermeisterin erläuterte die hohe Steuer- und Umlagekraft der Stadt, freute sich, dass die Pro-Kopf-Verschuldung inzwischen  unter der des Landesdurchschnitts vergleichbarer Gemeinden liegt und verwies darauf, dass dank einer jährlichen Schuldentilgung im Rahmen von rund 1,7 Millionen Euro die Stadt derzeit den niedrigsten Schuldenstand seit 2014 aufweise. „Nun zeige ich Ihnen, was mit Ihrem Geld hier passiert“, leitete sie den Blick auf die Arbeit der Verwaltung und abgearbeitete Projekte.

Die Erfolge in den einzelnen städtischen Einrichtungen wurden dargestellt. So gab es im Museum Starnberger See mit über 9000 Besuchern einen Rekord. Die nun moderne Bücherei mit erweiterten Öffnungszeiten – aus samstags -, der Kulturbahnhof, Jugendtreff und dann die Schulen, die sich die Stadt wie immer wieder berichtet heuer viel kosten ließ, wurden benannt. Bei der Kinderbetreuung gibt es keine Warteliste. Die „Spielinsel“ kann, nachdem die provisorische Container-Anlage an der Ecke Ludwig-Straße/Bahnhofsplatz nur noch innen fertig zu stellen ist, voraussichtlich im Januar dorthin umziehen. Wenn der Neubau am Seufzerberg (Bahnhof-/Dinardstraße ) fertig gestellt ist, wird die Einrichtung dort neue Räume beziehen können. Vieles erneuert und ergänzt worden ist auf Spielplätzen und vor allem auf Friedhöfen. Mit dem Beginn der Umsetzung des neuen Parkpflegewerkes konnte man dem Mausoleum in Söcking – „dem schönen Denkmal“ zu mehr Aufmerksamkeit verhelfen. Dank der Tatsache, dass der Freistaat Bayern derzeit relativ viel Geld über die Städtebauförderung zu verteilen hat, entschied der Stadtrat die Sanierungen in der Ortsmitte von Söcking, rund um den Bahnhof Nord und in der Innenstadt von Starnberg zu planen. Beifall erntete die Stadtverwaltung für die barrierefreien Umgestaltungen von Gehwegen, zum Beispiel an der Musikschule, die neuen Buswartehäuschen, verbesserten Grünanlagen mit neuen, in der Schreinerei des eigenen Betriebshofes hergestellten Bänken. Für private Baumpflegemaßnahmen hat die Stadt laut John heuer schon 22000 Euro Zuschüsse auf Grund von 17 Anträgen ausgezahlt. Die Stadtgärtnerei und der Betriebshof säen wo immer es geht Blühwiesen an und stellen Insektenhotels auf. Einen Preis des Landkreises bekamen die Stadtgärtner für die Gestaltung des Rondells vor dem Bayerischen Hof.

Was die Luftqualität in der Haupt- und Hanfelder Straße angeht, wird gerade der Jahresbericht über die dort durchgeführten Messungen erstellt. Der werde dem Stadtrat vorgelegt und „dann werden wir sehen, welche Konsequenzen daraus zu ziehen sind“, sagte John. Sie lobte die hohe Einsatzbereitschaft der Feuerwehr und wies auf die Informationsveranstaltungen des Staatlichen Bauamtes Weilheim in der nächsten Woche (27. und 28. November ab 19 Uhr in der Schlossberghalle) hin, bei der die Bürger auch Fragen zur Sicherheit im geplanten B2-Tunnel stellen könnten.

Zum Schluss der Ausblick auf das nächste  Jahr 2019:

  • Nach dem Willen des Stadtrates soll der Verkehrsentwicklungsplan neu ausgeschrieben werden.
  • Anfang 2019 wird das beauftragte externe Büro erste Erkenntnisse zu Trassenvarianten einer ortsfernen Umfahrung vorstellen.
  • Erste Maßnahmen zur Verkehrsentlastung Perchas sollen in Angriff genommen werden.
  • Der Straßenbau nach dem Kanalbau in Hanfeld wird im Frühjahr abgeschlossen
  • Für den Bayerischen Hof werden private Investoren gesucht. Verkaufen wird die Stadt die Immobilie nicht.
  • Auch für das Gebäude Bahnhof See wird ein Investorenwettbewerb ausgeschrieben
  • Was die Mediation zwischen Stadt und Bahn AG in Sachen Seeanbindung angehe, sei man „in der letzten Kurve“. Ergebnisse würden dann der Öffentlichkeit zur Diskussion gestellt.
  • Als „sehr belastend“ prophezeite die Bürgermeisterin den Umbau der Petersbrunner Straße, der schon im August/September fertig sein müsse, bevor das Staatliche Bauamt mit der Realisierung des Durchstichs auf die Münchner Straße beginne, die Teil der Planfeststellung für den B2-Tunnel ist.
  • An der Himbselstraße gestaltet die Stadt gemeinsam mit der Genossenschaft Starnberger See den Straßenraum neu.
  • Die geplanten bezahlbaren 15 Wohneinheiten Am Schlosshölzl müssen eine weitere Rund drehen, weil die erste Suche nach einem privaten Investor nicht von Erfolg gekrönt war. „Wir lassen nicht locker“, versprach John.
  • Zwei neue Bushaltestellen werden eingerichtet, eine an der Kaiser-Wilhelm-Straße auf Höhe der Evangelischen Kirche, eine in Percha im Bereich der Kirche, die auch für die Schüler des Gymnasiums Kempfenhausen Erleichterung bringt.
  • Nach der Inbetriebnahme der Westumfahrung und der darauf folgenden Abstufung von Söckinger- und Hanfelder Straße zu Ortsstraßen sind die Anlage von Fahrrad-Schutzstreifen und die gerechtere Aufteilung des Straßenraumes für alle Verkehrsteilnehmer geplant, so dass auch das Radwegenetz der Stadt verbessert werden kann.
  • In Perchting beginnt der Bau des neuen Kinderhauses.
  • Am Wiesengrund startet das Bewerberverfahren für Grundstücke im Einheimischenmodell. Die Bürgermeisterin benannte den Kaufpreis mit „knapp unter 500 Euro pro Quadratmeter“, die Höhe des Erbbauzinses mit 14, 58 Euro.

„Die Mitarbeiter der Stadt geben jeden Tag ihr Bestes“, versicherte John, so dass ein ansehnliches Gemeinschaftswerk für alle Bürger entstehe. Sie dankte allen, die sich für Starnberg engagieren.

 

Schmölzer bittet um Nachbesserung

Wie kaum eine andere steht Andrea Schmölzer, Mitorganisatorin des jährlichen Stadtradelns, in Starnberg für den Kampf um verbesserte Bedingungen für die Radfahrer. In dieser Eigenschaft hat sie sich in der jüngsten Stadtratssitzung unter der Rubrik „Bürger fragen“ zu Wort gemeldet. Sie habe sich im neuen Info-Container zum Bau des B2-Tunnels informieren lassen und sei entsetzt wieder heraus gekommen: „An der künftigen B2 wird es ab der Moosstraße stadteinwärts bis zur Leutstettener Straße keinen Radweg und nur weniger Fußgängerüberwege als heute geben. Man hat uns aber mit dem Bau des Tunnel ein oberirdisches Paradies versprochen.“ Sie wolle jetzt keine Schuldzuweisungen aussprechen aber einen deutlichen Appell an die Stadträte richten: „Bitte bessern Sie das Konzept für Radler und Fußgänger nach.“ Der für den Bau Zuständige beim Staatlichen Bauamt Weilheim habe gesagt, ein solches Planergänzungsverfahren setze entsprechenden politischen Willen voraus. Das solle die Stadt sofort angehen und damit den Blick auch für andere Verkehrsteilnehmer neben dem Autofahrer öffnen. Bürgermeisterin Eva John bestätigte Schmölzers Feststellung und bezeichnete die Planung als „aus einem anderen Jahrhundert“. Die Stadt habe deshalb schon entlang der nördlichen Zulaufstrecke zum Nordportal des Tunnels im Bereich der geplanten neuen Einmündung der B2 in die Petersbrunner Straße – hier ist ein Durchstich geplant – ein Radwegkonzept entworfen und werde das umsetzen (siehe Tunnel erfordert neue Geh- und Radwege). Im restlichen Bereich gehe die Tunnelplanung jedoch nur vom flüssigen Autoverkehr aus. Sie werde ein solches Planergänzungsverfahren im nächsten Gespräch mit den für den Tunnelbau verantwortlichen Behörden ansprechen, versprach die Bürgermeisterin.

E-Busse und Ladeinfrastruktur

Einstimmig hat der Ausschuss für Umwelt, Energie und Mobilität der Stadtverwaltung den Auftrag erteilt, ein Konzept zum Einsatz von E-Bussen (mit Elektroantrieb) auf innerstädtischen Buslinien zu erstellen und mit dem MVV sowie dem Landratsamt abzustimmen, gemeinsam geeignete Buslinien auszuwählen und Aussagen über die nötige Ladeinfrastruktur zu treffen. Das Konzept könnte Grundlage für künftige Ausschreibungen von Beförderungsleistungen durch den Landkreis werden.

Klaus Huber (WPS) hat sich schlau gemacht und hält den E-Antrieb für „unverzichtbar“, auch wenn die Autoindustrie diese Antriebsform nach seiner Beobachtung wegen der Langlebigkeit der Motoren nicht so begeistert einsetzen wolle. Da aber die Akkus immer noch viel Platz beanspruchten und Gewicht im Fahrzeug bedeuteten, sehe er, Huber, den Entwicklungsdurchbruch noch nicht. Klaus Rieskamp (DPF) wollte die Angelegenheit gleich komplett um ein Jahr vertagen: „Es fehlt noch die richtige Technologie.“

Das sah Bürgermeisterin Eva John anders: „In anderen Ländern fahren überall E-Busse.“ Franz Sengl (Grüne) wollte darüber nachdenken, dass die Stadt einen eigenen E-Bus anschafft. John berichtete, die Stadt habe bereits bei der Jahresfahrplankonferenz angefragt, ob die Stadt nicht schlecht an den ÖPNV angeschlossene Orte vorerst mit einem E-Bus anbinden könne. Das sei aber von den übergeordneten Behörden noch nicht entschieden worden. Auch für Josef Pfister (BMS) ist „Abwarten keine Option“. Gegen die Konzepterstellung allein könne doch niemand etwas haben. Stefan Frey (CSU) unterstützte dies.

Der Antrag von Rieskamp, die Angelegenheit zu vertagen, wurde mit 9:2 Stimmen abgelehnt.

SzS: 5 Forderungen an Mediationsergebnis

Weil schon im Vorfeld klar war, dass der Vorsitzende des Bürgervereins „Schöner zum See (SzS)“, Maximilian Ardelt – auch Stadtrat der WPS – als Teilnehmer an der Mediation zwischen der Deutschen Bahn AG (DB) und der Stadt Starnberg über die hinter verschlossenen Türen behandelten Themen und möglichen Ergebnisse nichts sagen darf, hielt sich die Teilnehmerzahl an der Jahresmitgliederversammlung gestern Abend im Bayerischen Hof sehr in Grenzen. Von den eigentlich 445 Mitgliedern waren nur zwölf gekommen. Neben der Neuwahl des Vorstandes ging es um die konkreten Forderungen, die der Verein mit dem Mediationsergebnis verbindet. Wie berichtet verhandeln Stadt und Bahn nach Auslaufen des alten, aus 1987 stammenden Vertrages, wie sich die Bahnanlagen und ihr Umfeld am Bahnhof Starnberg See einvernehmlich verbessern lassen. Die Wortmeldungen zeigten einmal mehr, wie groß die Wut der Bahnnutzer darüber ist, dass die Bahnsteige seit fast sechs Jahren nicht überdacht sind.

Der alte, nun für die Vergangenheit entlastete Vorstand ist weitgehend auch der neue Vorstand. Lediglich Marion Eisenberger zieht sich aus persönlichen Gründen vom Amt des Schriftführers des Vereins zurück. Ardelt bleibt Vorsitzender, Günther Krawitz sein Stellvertreter. Krawitz übernimmt interimsweise Eisenbergers Aufgaben, bis ein neuer Schriftführer gefunden und gewählt ist. Schatzmeister bleibt der 2017 in das Amt gewählte Thomas Ammerschläger. Sein Bericht zeigte, dass der Verein unter dem Stillstand der Entwicklung leidet: „Auch finanziell haben wir Stillstand.“

Im Lagebericht schilderten Ardelt und Krawitz nochmals den Werdegang des Vereins seit seiner Gründung 2012. Sei man anfangs erfolglos gegen das bis dahin von Altbürgermeister Ferdinand Pfaffinger und seinem Stadtrat verfolgte Projekt Seeanbindung mit großer Gleisverlegung vorgegangen, hätten sich bei den Kommunalwahlen 2014/15 die Mehrheitsverhältnisse geändert, was die kritische Begutachtung des Projektes unter der neuen Bürgermeisterin Eva John ermöglicht habe. In diesem Prozess sei deutlich zutage getreten, das SzS mit seiner Kostenschätzung von 110 Millionen Euro für dieses Seeanbindungsprojekt richtig gelegen sei, im Gegensatz zu damaligen Prognosen des Rathauses von 63 Millionen Euro unter Pfaffinger. Die Überprüfung, deren Ergebnis im Sommer 2017 dazu führte, dass sich auch die Starnberger CSU von der Gleisverlegung verabschiedete, erbrachte Kosten von 115 Millionen Euro (siehe auch Geschichte der Seeanbindung). Kurz vor dem Auslaufen des Vertrags zwischen Bahn und Stadt habe die Bahn der Stadt dann gedroht, sie auf Schadensersatz zu verklagen, wenn sie den Vertrag nicht erfülle. Der beinhaltete unter anderem, dass die Stadt sämtliche Kosten der vereinbarten Seeanbindung zu tragen habe. „Die Stadt hatte versäumt, eine Regelung zu vereinbaren, was passiert, wenn Bedingungen – wie die Finanzierbarkeit – nicht erfüllbar sind“, sagte Ardelt. Ende 2017 habe der Vertrag ohnehin nicht mehr verlängert werden können, weil die Höchst-Laufzeit von 30 Jahren zu Ende gewesen sei. Aus seiner Sicht waren die Drohungen der DB somit haltlos.

Seit Februar 2018 laufe nun der Mediationsprozess mit dem Ringen um eine Lösung, aber, ohne die Bürger zu beteiligen, hinter verschlossenen Türen. Wer seitens des Stadtrates daran beteiligt sei, sehe sich mit einer Strafe von 5000 Euro bedroht, sollte er unerlaubt „plaudern“. Das werde er nicht tun, begründete Ardelt sein Schweigen über Mediation und mögliche Ergebnisse. Krawitz monierte, dass es nicht einmal Zwischeninformationen für die Bürger gebe. Zum Verfahren sagte Ardelt nur so viel: „Das ist ein Klage aufschiebendes Verfahren, die Suche nach einer gemeinsamen Lösung. Wenn das scheitert, kann die Bahn immer noch klagen. Wir gehen davon aus, dass die Mediation zum Jahresende abgeschlossen werden kann.“ Dann müssten die Gremien der Bahn sowie der Starnberger Stadtrat entscheiden, ob sie das Ergebnis billigen. Sein Fazit über die Tätigkeit von SzS: „Unser Hauptziel, die große Gleisverlegung zu verhindern, ist seit dem Umschwenken der CSU (siehe Gleisverlegung: CSU schwenkt um) erreicht. Unser Einsatz muss sich künftig auf eine möglichst attraktive Gestaltung des Bahnhofs See und seines Umfeldes konzentrieren, nachdem unser Vorschlag ‚Erneuern und Bewahren‘ vom Stadtrat abgelehnt worden ist (siehe SzS: Erneuern und Bewahren).“ Ardelt kritisierte scharf, dass sich Stadt und Stadtrat bisher nicht selbst auf ein eigenes Konzept für eine Seeanbindung geeinigt hätten, das als Grundlage für die Mediation geeignet gewesen wäre. Auch die Sanierung des Bahnhofsgebäudes sei durch das Nicht-Einvernehmen blockiert. Er und Krawitz empfahlen den Mitgliedern, dennoch die wichtigsten Forderungen zu formulieren, was dann auch geschah:

  • Die Lösung muss den freien Blick auf den See und die Berge von der Stadt aus ermöglichen, gleichzeitig aber die Identität stiftenden historischen Gebäude erhalten
  • Egal welche Maßnahmen ergriffen werden – das Risiko, dass Schallschutzwände entlang der Gleise entstehen, muss verhindert werden
  • Alle Maßnahmen müssen sich im Rahmen einer gesicherten Finanzierung bewegen
  • Parallel zu den Großbaustellen, die der B2-Tunnel verursacht, dürfen rund um den Bahnhof keine weiteren entstehen, weil ein Verkehrskollaps über mehrere Jahre verhindert werden muss.
  • Zeitnah müssen die unsäglichen Zustände am Bahnhof See beseitigt werden, selbst wenn das nur für eine Übergangszeit von vier bis fünf Jahren bis zur Realisierung einer endgültigen Lösung möglich sein sollte. Schließlich sei der Bahnhof nicht mehr verkehrssicher.

Krawitz empfahl als weitere Forderung die nach einem Konzept der Stadt: „Die Bahn sagt sicher ganz deutlich was sie will, und die Stadt?“ Ardelt mahnte: „Großer Knackpunkt wird das Geld sein. Das Mediationsergebnis muss sich im städtischen Haushalt wiederfinden.“

Laut Klaus Huber, WPS-Stadtrat, geht es in fast allen Bereichen und auf allen Entscheidungsebenen um „politische Entscheidungen“. Das betreffe die Fragen, wie lange es auf der Bahnstrecke durch Starnberg noch Güterverkehr geben dürfe, mit welcher Taktung die Bahn zwischen ihren Zielen verkehre, wovon Fragen wie das Erforderniss für ein Wende- und Überholgleis abhänge, und das Durcheinander bei den Bahnsteighöhen für Züge und die S-Bahn. Das die Verlegung des Regionalzughaltes vom See- zum Nordbahnhof, die der Stadtrat im Sommer 2013 bereits beschlossen hat, am Bahnhof Nord eine Verdoppellung der Bahnsteiglängen mit unterschiedlichen Höhen zur Folge  habe, sei „absoluter Irrsinn, der bisher politisch gewollt ist“. Damit entstünden zahlreiche Probleme bei der Umsetzung von Barrierefreiheit. Huber wies auch noch einmal darauf hin, dass der Bahnverkehr in Starnberg still gelegt werde, wenn für den Bau des B2-Tunnels die Eisenbahnbrücke im Bereich des McDonalds verbreitert werden muss.

Was die fehlenden Bahnsteigdächer angeht, habe er die Erfahrung gemacht, dass die meisten Bahnnutzer den Starnberger Stadtrat für total unfähig oder unwillig hielten, berichtete ein Mitglied. Eine Dame fragte: „Macht der Stadtrat eigentlich wirklich Druck?“ Ammerschläger wies noch einmal auf die Gefahr hin, dass Bürger nach dem Umbau der Gleise, gleich in welcher Form, wegen Zuglärm gegen die Bahn klagen könnten, was dann den Bau von Schallschutzwänden zur Folge habe. „Das wird gerne herunter gespielt, wie gesehen beim Dieselfahrverbot“, so Ammerschläger. Ardelt unterstützte dies. Es gebe solche Fälle  in Bayern, und man müsse bedenken, dass der Bahnverkehr in Zukunft auch noch zunehme.

Sichere Radwege an Westumfahrung

Renate Richter konnte gestern Abend vor dem Stadtrat die Tränen kaum hinunter schlucken. Unter der Rubrik „Bürger fragen“ wandte sie sich in verzweifeltem Ton an die Stadträte: „Sie schaffen mit der neuen Westumfahrung tolle Bedingungen für Autofahrer, aber verschlechtern die für Radfahrer“. Welche Angebote die Stadt künftig den Radlern, vor allem den Alltagsradlern außerhalb des Stadtgebietes machen wolle, fragte sie.

Bürgermeisterin Eva John berichtete von den neuesten Bemühungen des Rathauses, doch noch eine Lösung zu finden. Wie berichtet gibt es künftig für Radfahrer im Bereich von Gut Mamhofen keine Möglichkeit mehr, die dort vom Landkreis gebaute neue Straßen-Verbindung zwischen der Waldkreuzung und Einmündung in die neue Westumfahrung vor Hadorf sicher zu überqueren. Bisher hatten Radler aus Unering oder  Oberbrunn nur ein kurzes Stück auf der alten Staatsstraße zu überwinden um aus dem dortigen Waldweg  die Verbindung südlich des Gutes nach Hanfeld zu erreichen. Das wurde nun durch den Neubau des Landkreises gekappt. Außerdem soll auf dieser neuen Straße Tempo 100 möglich sein. Ein Queren für Radler oder Fußgänger wäre lebensgefährlich. Die Eigentümerin von Gut Mamhofen war nicht bereit gewesen, über die für den Straßenbau nötigen Flächen hinaus noch weitere für einen begleitenden Radweg zur Verfügung zu stellen. „Wir haben uns mit dem Staatlichen Bauamt Weilheim und dem Landratsamt Starnberg auf eine zweigleisige Strategie geeinigt“, berichtete John in der Ratssitzung. Als Ersatz solle der besonders holprige Teil der Wegeverbindung zwischen Hadorf und Hanfeld mit einer wassergebundenen Wegdecke hergerichtet werden. Zudem erhalte das Stück zwischen der Waldkreuzung und der dortigen, dann zur Ortsstraße abgestuften Hanfelder Straße auf etwa 800 Meter Länge einen straßenbegleitenden Radweg. „Wir sind auch etwas unglücklich mit dieser Lösung, aber hoffen, dass sie vom Landkreis zügig realisiert wird“, sagte John und tröstete Richter: „Sie haben Verbündete im Stadtrat.“

Heute morgen hat das Rathaus zu dem Thema eine Pressemitteilung mit folgendem Inhalt übersandt:

„Westumfahrung: Sichere Wegeverbindung für Radfahrer

 

Durch die Verlegung der bisherigen Kreisstraße im Bereich von Gut Mamhofen und der damit entfallenden Radwegeverbindung von Hanfeld nach Oberbrunn sowie der Querverbindung von Hadorf zur Waldkreuzung besteht die Notwendigkeit der Neuordnung des Radwegnetzes in diesem Bereich. Um zum Zeitpunkt der Verkehrsfreigabe der Westumfahrung Ende November 2018 eine durchgehende Radwegeverbindung anbieten zu können, wurde von der Stadt Starnberg in Abstimmung mit dem Staatlichen Bauamt Weilheim und dem Landratsamt eine Zwischenlösung entwickelt.

„Zur Verkehrssicherheit der Radfahrer wird ein Teilstück des Geh- und Radweges zwischen Hanfeld und Hadorf mit einer wassergebundenen Decke ausgestattet, so dass auch für Alltagsradler ein vorläufiges Angebot gemacht werden kann“, so Erste Bürgermeisterin Eva John.

Voraussichtlich am 25.10.2018 baut die von der Stadt beauftragte Fachfirma das grobkiesige Teilstück des land- und forstwirtschaftlichen Weges für Radfahrer zwischen der Dorfstraße in Hadorf und dem Jägerweg in Hanfeld aus. In dieser Zeit ist dieser Bereich des Weges gesperrt, Radfahrer und Fußgänger können die gesperrte Stelle jedoch weiterhin passieren, allerdings müssen Radfahrer absteigen und ihr Rad schieben.

Im Rahmen der endgültigen Neuordnung des Radwegenetzes soll neben der Umfahrung Ober-/Unterbrunn bis zur Waldkreuzung ein neuer straßenbegleitender Radweg realisiert werden, der die Radfahrer dann ab der Waldkreuzung auf der abgestuften Hanfelder Straße weiter bis auf den Radweg zwischen Hanfeld und Hadorf leitet. Dieses Projekt wird vom Staatlichen Bauamt Weilheim und dem Landkreis Starnberg betreut.“

(Siehe auch John soll’s richten)

Am Landratsamt ohne Geh- und Radweg

Das Staatliche Bauamt Weilheim teilt mit:

„Tunnel Starnberg – Nordzulauf: Ab 26. Oktober Wegfall des südlichen Geh- und Radweges im Bereich des Landratsamts: Umleitungen für Fußgänger und Radler

Ab Freitag, 26. Oktober 2018 bis voraussichtlich Ende November 2018 entfällt an der Südseite der Bundesstraße 2 im Bereich des Landratsamts baustellenbedingt der Geh- und Radweg. Umleitungen für Fußgänger und Radler werden eingerichtet.

In der Nacht von Donnerstag, 25. Oktober auf Freitag, 26. Oktober 2018 gibt es an der Baustelle des Tunnel-Nordzulaufs für Fußgänger und Radfahrer eine wichtige Änderung: Ab Freitag, 26. Oktober fällt der Geh- und Radweg an der Südseite der B 2 im Bereich des Landratsamts baustellenbedingt weg. Die Lösung für Fußgänger: Nutzung des Gehwegs auf der Nordseite der B 2 oder die Umleitungsstrecke via Schiffhüttenweg, Nepomukweg und Strandbadstraße. Radfahrer können die B 2 in beiden Richtungen befahren oder auch sie nutzen die oben genannte Umleitungsstrecke. Die Maßnahme dauert bis voraussichtlich Ende November 2018. Aufgrund des bevorstehenden Winters kann es zu zeitlichen Verschiebungen kommen.“

Tunnel: Vollsperrung Almeidaweg

Das Staatliche Bauamt Weilheim teilt mit:

„Tunnel Starnberg – Aktualisierung Erkundungsprogramm: Vollsperrung Almeidaweg wegen Bohrarbeiten

Wie bereits berichtet, finden zwischen September und Dezember 2018 im Stadtgebiet Starnberg Bohrarbeiten statt. Neben den Vollsperrungen Waldstraße und Possenhofener Str. wird ab dieser Woche der Almeidaweg vollständig gesperrt.

Nachdem die erste Grundwassermessstelle mit der halbseitigen Sperrung Anfang dieser Woche abgeschlossen sein wird, ist für die weiteren Arbeiten eine Vollsperrung notwendig. Voraussichtlich wird die Ausführung innerhalb dieser Woche abgeschlossen sein.

Eine direkte Zufahrt von der B2 aus wird dann zeitweise nur noch in den Lindenweg möglich sein.

Die Anwohner des Almeidawegs werden im Vorfeld mit einem separaten Schreiben informiert.

Das Staatliche Bauamt Weilheim bittet um Verständnis für die notwendigen Untersuchungen und damit verbundene Einschränkungen.“

 

Heute Nachmittag erreichte das Blog eine neuerliche Pressemitteilung aus Weilheim mit folgendem Inhalt:

„Tunnel Starnberg – Aktualisierung Erkundungsprogramm: Vollsperrung Almeidaweg wegen Bohrarbeiten erst nach den Ferien

Wie bereits berichtet, finden zwischen September und Dezember 2018 im Stadtgebiet Starnberg Bohrarbeiten statt. Entgegen der gestrigen Ankündigung wird die Vollsperrung am Almeidaweg jedoch erst nach den Ferien eingerichtet.

Dies resultiert aus unvorhergesehenen technischen Störungen bei der ersten Grundwassermessstelle am Almeidaweg (halbseitige Sperrung).
Die zweite Bohrung, für die eine Vollsperrung des Almeidawegs notwendig ist, wird daher auf die Woche nach den Herbstferien verschoben. Der Grund für die Verschiebung ist eine weitere Bohrung, die während der Schulferien ausgeführt werden soll und im Bauablauf dazwischengeschoben wird.

Die Anwohner des Almeidawegs werden im Vorfeld mit einem separaten Schreiben informiert.

Das Staatliche Bauamt Weilheim bittet um Verständnis für die notwendigen Untersuchungen und damit verbundene Einschränkungen.“

Verkehrsentlastung für Percha

Der Starnberger Ortsteil Percha soll einen eigenen Verkehrsentwicklungsplan bekommen, weil er weder durch den Bau des B2-Tunnels noch durch eine ortsferne Umfahrung vom Verkehr entlastet würde. Eher ist das Gegenteil der Fall, haben vergangene Untersuchungen gezeigt. Geholfen hätte nur eine ortsnahe Umfahrung der Stadt, die der Stadtrat aber nicht weiter verfolgen will. Am Dienstagabend präsentierte August Janello vom Ingenieurbüro Vössing – schon seit den Runden Tischen 2002 noch unter Altbürgermeister Ferdinand Pfaffinger für die Stadt tätig – ein mögliches Entlastungskonzept im Umwelt-, Energie- und Mobilitätsausschuss des Stadtrates. Sein Fazit: Derzeit mache nur die Verfolgung eines Halbanschlusses an die Autobahn A 952 bei Buchhof einen Sinn. Aber heute schon ließe sich mit einfachen Maßnahmen ohne größere Umbauten die Situation und Sicherheit für Fußgänger und Radfahrer verbessern. Einstimmig  entschieden die Ausschussmitglieder, für den Halbanschluss und die vorgeschlagenen Maßnahmen am Knotenpunkt Würm-/Berger-/Buchhofstraße eine Entwurfsplanung erarbeiten zu lassen. Über einen späteren möglichen Umbau der heutigen Autobahnanschlussstelle Percha wollen die Fraktionen zunächst intern beraten.

Laut Janello ist Percha „eingezwängt zwischen Autobahn, Staats(Berger)straße und sehr großer Verkehrsnachfrage“. Sein Büro habe auch einen Autobahnvollanschluss südlich des Parkplatzes der Munich International School untersucht, sei aber zu dem Ergebnis gekommen, dass ein solcher, abgesehen von dem dafür nötigen sehr großen Flächenverbrauch (insgesamt rund 38000 Quadratmeter), nur im Zusammenhang mit einer „ziemlich aussichtslos erscheinenden“ Umfahrung Perchas im Südosten Sinn machen würde. Hinzu kämen die hohen Kosten mit geschätzt 4,64 Millionen Euro. Ein Halbanschluss würde im Vergleich dazu nur rund 935500 Euro kosten und nur 4110 Quadratmeter Fläche benötigen. Aufgefallen ist dem Ingenieurbüro bei seiner Analyse, dass es in Percha „breite Fahrbahnen und schmale Gehwege“ gibt, dazu einen starken Verkehrsstrom über die Würm- in die Berger Straße sowie vom Süden her über die Berger Straße Richtung Autobahn. Die Leistungsfähigkeit des Knotens liege auf der Skala von A bis F hier bei E, was bedeute: „Gerade noch leistungsfähig, die Reserve liegt nur noch bei fünf Prozent“. Ein wichtiger Verkehrserzeuger sei die Internationale Schule, deren Schüler aber zu 80 Prozent den Bus benutzten. Hinzu kämen die rund 300 Lehrer, die zu 70 Prozent mit dem eigenen Auto kämen. Als weitere Verkehrserzeuger nannte Janello die Marianne-Strauß-Klinik und das Gymnasium Kempfenhausen. Ein wichtiger Verkehrsstrom sei auch der aus Richtung Wangen, der ebenfalls am Knoten auftreffe und nach Starnberg wolle.

Der Halbanschluss an die Autobahn würde eine Ableitung südlich des MIS-Parkplatzes aus Richtung Starnberg und eine Auffahrtsmöglichkeit von Wangen her Richtung Starnberg im Bereich der bestehenden Brücke bedeuten, mit der die „alte B2“ die Autobahn südlich von Wangen unterquert. Stellung genommen hat Janello auch zu einer etwa 10 Jahre alten Planung von Ingenieur Dieter Gier, die nach dem Stand 2009 damals 2,15 Millionen Euro gekostet hätte. Sie würde aber einen Umbau der heutigen Autobahnanschlussstelle Percha bedeuten, der zu einer deutlichen Entlastung der Würmstraße führen könnte. Das hieße, die Würmstraße als Einbahnstraße Richtung Berger Straße mit Zwei-Richtungs-Fahrradspuren zu führen. Die Leistungsfähigkeit des Knotens stiege in dem Fall auf „C“, der Verkehr auf der Berger Straße nähme aber zu. Die Geschäfte und das neue Parkhaus an der Würm wären nicht mehr im gleichen Maße erreichbar, was im Gremium einhellig dazu führte, sich diese Variante erst noch einmal genauer ansehen zu wollen. Viel Gestaltungsspielraum sieht Janello im Bereich Würmstraße und den südlich daran angrenzenden Gebieten jetzt bereits: durch die Anordnung von Tempo 30 und die Verschmälerung des Straßenraums dort, wo er heute überbreit ist. So könnte für mehr Sicherheit von Fußgängern und Radfahrern gesorgt werden. Unter die Lupe nehmen will man zudem die Ampelschaltung am Knoten.

Bürgermeisterin Eva John empfahl nach der Präsentation vordringlich den Halbanschluss und den Knotenumbau weiter zu verfolgen. Tim Weidner (SPD) und Winfried Wobbe (UWG) verlangten, nicht nachzulassen, in dem Bemühen, die Autobahndirektion Süd zu bearbeiten, die bisher jegliche zusätzliche Anschlüsse an die A 952 strikt abgelehnt hatte. Der Halbanschluss fand auch die Zustimmung von Stefan Frey (CSU). Dieser und die kurzfristig möglichen Maßnahmen seien zu planen und, wo möglich, in Angriff zu nehmen, sagte er. Fremder Grund soll laut John aber nicht in Anspruch genommen werden. Das wäre zum Beispiel bei der Lösung Gier nötig, weshalb Frey da mit „massivem Widerstand“ rechnet. John versicherte, nichts überstülpen zu wollen, sprich: nichts ohne die Anlieger zu unternehmen. Franz Sengl (Grüne) wollte die kleineren Maßnahmen „am liebsten sofort beschließen“. Gegen die Gier-Planung sprach sich Anton Wiesböck aus: „Ab in die Schublade damit!“ Das bedeute sechs Fahrspuren zwischen Percha Nord und Percha Süd. Außerdem müsse noch nachgearbeitet werden, um den Badeverkehr außerhalb von Percha führen zu können, forderte er. „Weitermachen, nicht nachlassen“ war die Devise von Josef Pfister (BMS), der über die Gier-Lösung zunächst einmal mit betroffenen Grundstückseigentümern und grundsätzlich über alle Lösungen mit der Autobahndirketion reden möchte. Denn bisher sei „eine wirkliche Entlastung Perchas noch nicht in Sicht“.

Maßnahmen schnellstens umsetzen

Sowie die neue Westumfahrung Anfang Dezember dieses Jahres in Betrieb genommen werden kann, will die Stadt schnellstmöglich eine Reihe von Maßnahmen ergreifen, die Verkehrsteilnehmern deutlich machen, dass die Söckinger-/Andechser Straße sowie die Hanfelder Straße fortan keine Staats- sondern nur mehr Ortsstraßen sind. Das bedeutet, dass der Straßenraum zu Gunsten aller Verkehrsarten neu geordnet wird, und zwar ohne zu diesem Zeitpunkt bereits größere Umbauten vorzunehmen. Im Rahmen einer Ortsbegehung hatten Bürgermeisterin Eva John und rund zehn Stadträte Vorschläge gesammelt, die im Ausschuss für  Umwelt, Energie und Mobilität am Dienstagabend Grundlage für die Beratung waren. Es ging darum, Rahmenbedingungen festzulegen, mit denen die Stadtverwaltung Planungen ausarbeiten kann.

Einstimmig hat man sich auf die folgenden Punkte geeinigt:

  • Die Straßen sollen eine Mindestfahrbahnbreite von 6,50 Meter behalten, dieses Maß auch bei heute vorhandenen größeren Breiten nicht überschreiten. Zur Erhöhung der Verkehrssicherheit aller Verkehrsteilnehmer müssen die dann festgesetzten Flächen in die Bereiche Fahrbahn, Parken und Fahrradschutzstreifen aufgeteilt werden
  • Bergauf ist ein möglichst durchgehender Fahrradschutzstreifen anzustreben
  • Wo nötig sollen Ampelanlagen, Querungsinseln oder Zebrastreifen helfen, das Queren von Fußgängern und Radfahrern sicherer zu machen
  • Beim Landratsamt soll das Rathaus ein LKW-Durchfahrtsverbot für Lastzüge mit 12 Tonnen Gesamtgewicht beantragen, wenn möglich auch für leichtere Gespanne
  • Man wird versuchen, während der Nachtzeit (22 bis 6 Uhr) ein Tempolimit auf 40 Kilometer pro Stunde zu realisieren
  • Die Verwaltung erhielt den Auftrag, die erfoderlichen Maßnahmen schnellstmöglich umzusetzen und wo erforderlich entsprechende Anträge beim Landratsamt Starnberg als zuständige Straßenverkehrsbehörde zu stellen.

Vollkommen in eigener Zuständigkeit kann die Stadt bei den genannten Straßen nicht agieren, weil diese immer noch die Verbindung zwischen einer Staatsstraße (künftige Westumfahrung) und der Bundesstraße B2 durch Starnberg darstellen, und Veränderungen somit Auswirkungen auf die Staats- oder Bundesstraße haben können. Deshalb wird das Landratsamt voraussichtlich bei der Tempobeschränkung und dem LKW-Durchfahrtsverbot mitreden.

Hauptziel ist laut John nicht wie bisher, den Autoverkehr möglichst komfortabel zu bedienen. Fahrradschutzstreifen engen den Straßenraum optisch ein, Querungsinseln, Ampeln und Zebrastreifen verlangsamen den Verkehr, weil Autos so öfter anhalten müssen. Am Ortseingang von Söcking (vom neuen Kreisverkehr kommend) kann voraussichtlich auch das Ortsschild wieder weiter Richtung Perchting, also stadtauswärts, gerückt werden, hofft die Bürgermeisterin, die betonte: „Wir sehen das alles etwas stadtfreundlicher.“

Franz Sengl (Grüne) lobte das Maßnahmenpaket, an dem er selbst mitgearbeitet hatte: „Im ersten Schritt sind keine riesigen Umbaumaßnahmen nötig. Wir können aber deutlich machen – hier ist man jetzt im Ort -. Erst im zweiten Schritt soll es dann ein Komplettkonzept geben, vor dessen Umsetzung die Bürger eingebunden werden. Wir lösen mit den einfachen Maßnahmen das Versprechen ein, dass die beiden Straßen Ortsstraßen werden.“ Josef Pfister (BMS) bat um „sofortige  Umsetzung, wo ausreichend Platz“ sei. Laut John geht es um „Markierungen, Beschilderungen und Aufzeichnen“. Vor größeren Umbaumaßnahmen müsse die Stadt ohnehin noch die technische Begutachtung der Straßen abwarten, die dann erst ergäben, welche Sanierungsmaßnahmen der bisherige Straßenbaulastträger Freistaat noch durchführen müsse, bevor die Stadt sie übernimmt, beziehungsweise wie man das finanziell regeln wolle. So sei zum Beispiel früher beim Straßenbau die Entwässerung nicht unbedingt ein Thema gewesen, was heute aber ganz wesentliche Bedeutung habe.

Die Bürgermeisterin rechnet mit der Freigabe der Westumfahrung am 30. November 2018. Dann solle zwei Tage lang gefeiert werden, bevor der Verkehr dort fließe. Von dem Zeitpunkt an gelte, „dass alles was nicht nach Starnberg rein muss, auf der Westumfahrung fahren muss“. Von da an solle die Durchfahrt durch die Stadt in diesen beiden Straßen auch „relativ unkommod“ sein. Zu allen Maßnahmen, die man ergreifen will, wird laut John eine Stellungnahme der Polizei angefordert. Per Protokollnotiz forderte Anton Wiesböck (FDP) auf die Belange der Landwirtschaft Rücksicht zu nehmen.

Radler haben Vorrang

Viel ist in der Vergangenheit gestritten worden darum, wie man in der Seestraße in Percha mit dem engen Straßenraum umgehen soll. Das Starnberger Rathaus wollte wie berichtet auf Grund von Bitten aus der Bevölkerung die Sicherheit von Fahrradfahrern erhöhen und hatte dort für eine Testphase auf der Südseite einen Fahrradschutzstreifen angelegt (siehe auch Percha: Ein Jahr Test in der Seestraße). Das bedeutete für etliche Anlieger, dass sie nicht mehr wie gewohnt entlang der Straße vor ihrer Haustür parken konnten. Zusätzlich erschwerte ihnen das Parken die Anordnung „Rettungsweg“ auf der Nordseite der Straße. Folge waren Auseinandersetzungen mit dem Rathaus in Starnberg und Beschimpfungen der Verantwortlichen. Gestern Abend hat der Ausschuss für Umwelt, Energie und Mobilität mit nur einer Gegenstimme beschlossen, aus der Seestraße eine „Fahrradstraße mit Kraftfahrzeugverkehr“ zu machen. Das bedeutet, Radler haben im Fall des Falles Vorrang, dürfen weder gefährdet noch behindert werden, Autos müssen auch mal hinter ihnen herfahren. Die Anordnung erstreckt sich zudem auf den Schiffbauerweg zwischen Würmstraße und Lüßbachweg. In der Seestraße soll „Rettungsweg“ künftig auf der Südseite gelten. Der dort aufgemalte Rad-Schutzstreifen wird beseitigt. Geparkt werden darf dann auf der Nordseite, so lange eine Straßenbreite von fünf Meter zum Durchfahren erhalten bleibt.

Viel Fahrradverkehr gibt es in diesem Bereich von Percha vor allem in den Sommermonaten. Ziel der Radler sind dann die Erholungflächen am Starnberger See in Percha und Kempfenhausen. Sport- und Alltagsradler sind aber das ganze Jahr unterwegs. Laut Bürgermeisterin Eva John erleidet mit dieser Festlegung der Fahrradstraße kein Verkehrsteilnehmer „einen besonderen Verlust“. Klaus Rieskamp (DPF) erinnerte daran, dass der Vorschlag von seiner Gruppierung gekommen sei, und kündigte seine Zustimmung an. Auf Winfried Wobbes (UWG) Einwand, dort führen doch gar nicht so viele Radler, erläuterte die Bürgermeisterin, dass man hier eine Lücke im Radwegnetz schließen wolle. Schließlich ende der Radweg entlang der Berger Straße abrupt an der Einmündung in die Seestraße. Sie warb für den vorgeschlagenen Kompromiss, der den Schutz der Radfahrer in den Vordergrund stelle. Franz Sengl (Grüne) sah in den Plänen den „richtigen Weg“, denn ohne Umbauten könne so mehr für Sicherheit und Gleichberechtigung der Verkehrsteilnehmer getan werden. Die einzige Gegenstimme kam von Anton Wiesböck (FDP).