Hochwald: Aufwärtstrend

Der dritte Bericht der Experten über die Frage, ob der Bau des Rückeweges „Am Hochwald“ zu Schäden an den Bäumen am Wegrand geführt hat – was von Stadträten und Anwohnern so behauptet wurde – hat dies nicht bestätigt. Vielmehr heißt es im Fazit des vom Rathaus in der Beschlussvorlage für den Ausschuss für Umwelt, Energie und Mobilität beschriebenen Untersuchungsberichtes: „Bei dem überwiegenden Teil der untersuchten Bäume war keine maßgebliche Veränderung im Vitalitätszustand im Vergleich zu 2016/2017 erkennbar. Die beobachteten Schadsymptome entstehen aufgrund langjähriger verringerter Zuwächse. Es kann daher aus fachlicher Sicht ausgeschlossen werden, dass die dergestalt geschädigten Bäume erst durch die Wegebaumaßnahme im März 2016 geschwächt wurden. Die Vitalität dieser Bäume ist vielmehr bereits seit einigen Jahren rückläufig.“ Die Verwaltung hatte deshalb empfohlen, die vom Stadtrat beschlossenen besonderen Pflegemaßnahmen wie den Eintrag von Laubstreu und Wässerungsgänge in Trockenperioden zu beenden. Das Ökosystem Wald habe die Fähigkeit, sich selbst zu regenerieren, hieß es zur Begründung, was auch die Stadtgärtnerei bestätigt hatte. (Siehe auch Weg am Hochwald bleibt und Hochwald: Keine Schäden durch Weg)

Martina Neubauer (Grüne) wollte dem nicht folgen: „Ein Zusammenhang der vorhandenen Schäden mit dem Wegebau wird nicht bestätigt, aber auch nicht ausgeschlossen.“ Die Erholung der Bäume könnte also auch an den besonderen Pflegemaßnahmen liegen. Klaus Rieskamp (DPF) wollte das weitere Monitoring des Waldstückes sofort beendet wissen: „Wir kaprizieren uns hier auf eine winzige Fläche im Vergleich zum gesamten städtischen Wald.“ Anders sah es Anton Wiesböck (FDP), der vehement dafür warb, wenigstens das Bewässern in Trockenperioden beizubehalten. Stefan Frey (CSU) ging es vor allem darum: „Nicht feststellen, dass der Wald durch den Wegebau keinen Schaden genommen hat.“ Christine Lipovec (BMS) zog aus den Äußerungen der Ratskollegen den Schluss: „Wenn wir den Gutachtern nicht glauben, können wir in Zukunft jegliche Gutachten sparen.“

Der Ausschuss nahm den Zwischenbericht zur Kenntnis und stimmte einhellig zu, künftig auf den Eintrag von Laubstreu zu verzichten. Der Antrag von Rieskamp, das Monitoring zu beenden, scheiterte bei Stimmengleichheit (6:6). Einstimmig befürwortet wurde die Anregung von Wiesböck, jegliches Totholz im Wald zu lassen, auch wenn es von gefällten Bäumen stammt. Der Antrag von Angelika Wahmke (UWG), die Bewässerung in Trochenperioden fortzusetzen wurde mit 7:5 Stimmen befürwortet.

Stadtbücherei renoviert

Eine Mitteilung aus dem Rathaus:

Ausleihe vom 4. bis 11. November und vom 18. bis 23. November eingeschränkt

Stadtbücherei von 11. bis 16 November 2019 komplett geschlossen

Ob Kochbücher, Bewerbungsratgeber oder die neuste Biographie von Edward Snowden – alle Sachbücher aus dem ersten Obergeschoss der Stadtbücherei Starnberg werden aus den Regalen geholt und in Umzugskisten gepackt. Etwa 12.000 Bücher verstaut das Bücherei-Team sicher in Kisten, da im November Renovierungsarbeiten im ersten Stock anstehen. Ein neuer Teppichboden wird verlegt, die Verkabelung wird erneuert und die Wände erhalten einen neuen Anstrich. „Die Renovierungsarbeiten im ersten Stockwerk sind notwendig, da die 26 Jahre Nutzung natürlich nicht spurlos an den Räumlichkeiten vorüber gegangen ist und beispielsweise der Teppichboden seit Bezug durch die Stadtbücherei im Jahre 1993 bisher noch nie erneuert wurde“, so Erste Bürgermeisterin Eva John.

Vom 4. bis zum 11. November bzw. vom 18. bis zum 23. November wird den Nutzern ein laufender Büchereibetrieb im Erdgeschoss und im zweiten Obergeschoss ermöglicht, es ist aber mit Beeinträchtigungen durch Lärm zu rechnen. Vom 11. bis zum 16. November muss die gesamte Stadtbücherei auf Grund des dann zu erwartenden Lärmpegels geschlossen bleiben.

Das beliebte Lesecafé ist während der Renovierungsarbeiten durchgehend geschlossen, da der Zugang zum Lesecafé nur über das erste Stockwerk möglich ist und der Platz für die Zwischenlagerung der Regale benötigt wird.

Während dem gesamten Renovierungszeitraum kann auf die Sachbücher aus dem ersten Stock nicht zugegriffen werden, da diese in Kisten verstaut sind. Eine kleine Auswahl gibt es dennoch – wie gewohnt sind die neu erschienenen Sachbücher und die Sachbücher-Bestseller im Erdgeschoss der Bücherei zu finden. Alternativ kann rund um die Uhr auf das digitale Angebot der Stadtbücherei in der Onleihe zugegriffen werden, in dem rund 4.300 Sachbücher zur Verfügung stehen.

Nach den Renovierungsmaßnahmen werden die Regale im ersten Stock neu angeordnet, sodass mehr Platz für Lern- und Arbeitsbereiche entsteht. Zudem werden neue Sitzmöglichkeiten angeschafft. Die Ausstattung wird von der bayerischen Landesfachstelle für das öffentliche Bibliothekswesen finanziell bezuschusst.

Die Stadt Starnberg investiert in die Sanierungsmaßnahme rund 27.000 Euro.“

Wildblumenwiesen

Eine Mitteilung aus dem Rathaus:

„Heimische Wildblumenwiesen sind bunte Refugien, wo es summt und brummt und sich Bienen und Insekten richtig wohl fühlen. Sie sind nicht nur schön anzuschauen, sondern bewahren und stärken vor allem eines: Die Artenvielfalt von Tieren und Pflanzen. Genau dieses Ziel verfolgt das Projekt „Starnberger Land blüht auf!“ der Solidargemeinschaft „Starnberger Land e.V.“ und dem Kreisverband für Gartenbau und Landespflege Starnberg.

Die Stadt Starnberg ist neben Andechs, Seefeld und Tutzing als Pilotgemeinde dabei. „Wir haben bereits in der Vergangenheit auf naturnahe öffentliche Grünflächen gesetzt, um die Biodiversität zu stärken. Als das Projekt 2018 startete, haben wir passende Flächen im Stadtgebiet angemeldet und wurden von der Solidargemeinschaft als Pilotgemeinde auserkoren“, so Erste Bürgermeisterin Eva John und fügt hinzu: „Es freut mich besonders, dass unsere städtischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ihre Kenntnisse in Sachen Artenvielfalt nun weiter ausbauen können und gemeinsam mit den Experten von „Starnberger Land e.V.“ städtische Flächen in heimische Insektenrefugien verwandeln.“

In Starnberg werden die Streuobstwiesenfläche am Mausoleum Söcking, eine Fläche am Bahnhof Nord, eine Wiesenfläche an der Possenhofener Straße und ein Randstreifen an der Gautinger Straße in naturnahe öffentliche Wildblumenwiesen umgewandelt.

Am ersten Praxistag in Starnberg konnten die Betriebshofmitarbeiter gemeinsam mit den Naturplanern Dr. Reinhard Witt und Katrin Kaltofen; Jana Schmaderer von „Starnberger Land e.V.“ sowie Anna Neppel, Erste Vorsitzende des Kreisverbands für Gartenbau und Landespflege Starnberg und Erste Bürgermeisterin von Andechs und Erster Bürgermeisterin Eva John die Flächen am Bahnhof Nord und den Randstreifen an der Gautinger Straße anlegen. Dabei wurden konkrete Methoden zum Anlegen und Pflegen von naturnahen öffentlichen Flächen mit echten heimischen Wildpflanzen, Wiesenblumen und Gräsern vermittelt. Zwei weitere Flächen folgen dann im Frühjahr und Sommer 2020. Dann liegt der Schwerpunkt beim Thema Pflege.“

Blumenschmuckwettbewerb

Eine Mitteilung aus dem Rathaus:

„Die Tage werden kürzer. An den Bäumen färben sich die Blätter. Dann ist die Zeit, in der in Starnberg die prachtvollsten blühenden Oasen prämiert werden, die dank aufopferungsvoller Pflege der engagierten Gärtnerinnen und Gärtner in den Frühlings- und Sommermonaten blühen und gedeihen durften. Aus diesem Anlass führt die Stadt Starnberg den alljährlichen Blumenschmuckwettbewerb in der Schlossberghalle durch. Am Mittwoch, 23.Oktober 2019, war es wieder soweit: Erste Bürgermeisterin Eva John prämierte 120 Pflanzenfreunde im Namen der Stadt Starnberg und der örtlichen Gartenbauvereine.

Erste Bürgermeisterin Eva John dankte den Siegern des Blumenschmuckwettbewerbs für ihr blumiges Engagement und allen Bürgern, die ihre Häuser, Vorgärten und Balkons in jedem Jahr aufs Neue mit Blumen schmücken und damit für ein freundliches Stadtbild sorgen. „Sie schaffen es damit, für alle unsere Heimat noch ein bisschen schöner zu machen“, freute sich die Bürgermeisterin und unterstrich das Engagement der Gärtner mit einem Zitat von Garten-Philosoph Karl Foerster: „Ein Menschheitstraum ist es, die Erde in einen blühenden Garten zu verwandeln. Wer Träume verwirklichen will, muss tiefer träumen und wacher sein als andere.“

Außerdem hielt die Buchautorin Bärbel Steinberger einen interessanten Vortrag zum Thema „Alte Pflanzenschätze wiederentdeckt“. Die Preisträger durften sich dieses Jahr über ein handangefertigtes Bienenhotel in Herzform freuen.“

Düker-Geothermie?

Im Ausschuss für Umwelt, Energie und Mobilität hat die Leiterin des STAgenda-Arbeitskreise Energie und Umwelt, Karin Wurzbacher über die Möglichkeiten referiert, über das für den B2-Tunnel geplante Dükerbauwerk am Almeida Weg Nahwärme zu gewinnen. Der Ausschuss hat einstimmig eine Machbarkeitssstudie in Auftrag gegeben (Kosten 7000 Euro), und das Rathaus erhielt den Auftrag, das für den Tunnelbau zuständige Staatliche Bauamt Weilheim um die Berücksichtigung der dafür nötigen Vorkehrungen bei Bau des Dükers zu bitten.

„Wir beschäftigen uns sei 2014 mit dem Thema Geothermie beim Tunnel“, sagte Wurzbacher. Zunächst sei die Weilheimer Behörde sehr zögerlich darauf eingegangen, inzwischen habe sich das aber geändert. Über das den Düker durchlaufende Grundwasser könnte eine technische Lösung mit einer Wärmepumpe betrieben werden. Vorreiter seien die Ingenieure beim U-Bahn-Bau in München, die so etwas schon machten, was auch vom Bayerischen Staat gefördert werde. Die STAgenda habe sich bei der Technischen Universität in München rückversichert, die bestätigt habe, dass das in Starnberg gut zu realisieren wäre. Verzichte man darauf, würden gute Ressourcen verschwendet, denn verglichen mit München, wo zehn Düker zusammengefasst werden mussten,  um eine ausreichende Grundwassermenge zu erhalten, reiche in Starnberg einer. Erforderlich sei ein Wasserdurchfluss von 100 bis 300 Liter pro Sekunde.

Wurzbacher riet der Stadt sich schon frühzeitig Gedanken über den Aufbau eines Leitungsnetzes zu machen, mittels dem die Wärme zu den anschlusswilligen Abnehmern transportiert werden könne – „bevor der Tunnel in zehn Jahren fertig ist“. Das Angebot richte sich vor allem an neue, heute noch nicht bestehende Wohngebiete. Die Leitungslänge könne bis zu 4,5 Kilometer betragen.

Stefan Frey (CSU) begrüßte es, die positiven Seiten des Tunnels zu nutzen. Anton Wiesböck (FDP) befürchtete Umweltbelastungen durch die mit dem Projekt verbundene Abkühlung des Grundwassers. Wurzbacher dazu: „Ich sehe keine großen Umweltbelastungen.“ Mit dem Wasserwirtschaftsamt sei man allerdings noch nicht in Kontakt gewesen.

Klaus Huber (WPS) sagte, seine Gruppierung stimme trotz ihrer ablehnenden Haltung gegenüber dem Tunnel zu, da die beabsichtigte Planung helfen werde „Fakten zu klären“.

Bürgermeisterin Eva John will den Beschluss zusätzlich noch vom Stadtrat bestätigt wissen.

Durchstich beginnt

Das Staatliche Bauamt Weilheim teilt mit:

Bei den laufenden Bauarbeiten an der nördlichen Zulaufstrecke des künftigen Tunnels Starnberg fällt dem Durchstich der Petersbrunner Straße zur B 2 eine Schlüsselrolle zu. Beim notwendigen Gebäuderückbau beachtet das Staatliche Bauamt drei Aspekte:

Planerische Seite

Ein wichtiges planerisches Ziel ist es, Rückstauungen in den Tunnel Starnberg auch in den Hauptverkehrszeiten zuverlässig zu vermeiden. Auf Basis eines Verkehrsgutachtens erfolgt aktuell der Umbau der Kreuzungen im Nordzulauf.

Der Planfeststellungsbeschluss für den Tunnel Starnberg sieht konkret vor, dass an der Kreuzung B2/Gautinger Straße/Uhdestraße eine Mittelinsel das Linksein- und abbiegen verhindert und zusätzlich zur Kreuzung Moosstraße in größerem Abstand zum späteren Tunnelportal eine neue Anbindung an die B 2 durch Verlängerung der Petersbrunner Straße zur B 2 geschaffen wird (Durchstich).

Dieses Konzept gewährleistet auch in den Stoßzeiten eine kontinuierliche Verkehrsabwicklung und eine ausreichende Leistungsfähigkeit der B2.

 

Bauliche Seite

Der Gebäuderückbau betrifft die Grundstücke an der Münchner Straße 29 und 31. Das Baufeld umfasst insgesamt zwei Wohnhäuser, vier Nebengebäude (inkl. einer Werkstatt), eine Fertiggarage, einen Bremsenprüfstand und einen unterirdischen Benzinabscheider.

Beide Hauptgebäude wurden in den Jahren 1948/49 errichtet, die Werkstatt mit Nebengebäude 1950; in den 1990er Jahren erfolgte eine Sanierung.
Im Rahmen der Voruntersuchungen zur Ausschreibung wurden insgesamt 30 Materialproben entnommen und 23 Bohrungen ausgeführt und die Gebäudebaustoffe untersucht.

Der Rückbau dieses Gebäudeensembles wird wie folgt ablaufen:

  1. 1.)  Schutz der angrenzenden öffentlichen Verkehrsflächen sowie der angrenzenden Nachbarbebauung
  2. 2.)  Entkernung und Schadstoffsanierung aller eingebauten Bauteile; zum größten Teil in Handarbeit
  3. 3.)  Vollständiger Rückbau durch maschinellen Einsatz eines Greifbaggers inkl. Ausbau von Fundamenten

Zeitplan und Verkehr
 Geplanter Baubeginn 4. November 2019
 Geplantes Bauende 10. Januar 2020
 Die Maßnahme ist von der Witterung abhängig.
 Es ist keine Verkehrsbeeinträchtigung zu erwarten.

Menschliche Seite

In den vom Rückbau betroffenen Gebäuden haben Familien gelebt und Menschen in einer dort ansässigen Autowerkstatt gearbeitet. Für die Familien sowie die Inhaber einer Autowerkstatt bedeutet der Tunnel Starnberg eine Zäsur in ihrem Wohn-, Lebens- und Arbeitsumfeld. In zahlreichen Gesprächen zwischen dem Staatlichen Bauamt und den Beteiligten konnten allerdings zufriedenstellende Lösungen für die Betroffenen gefunden werden. Aktuell nahm die Weilheimer Behörde erneut Kontakt mit allen auf, um nach dem Umzug zur Jahresmitte 2019 nachzufragen, wie sie sich in ihrer neuen Umgebung eingelebt haben.“

Biergarten „In der Au“ sichern

Einstimmig hat der Bauausschuss die Aufstellung eines Bebauungsplanes sowie die dazugehörigen Ziele und die Erarbeitung eines Entwurfs beschlossen, die dem Erhalt des Biergartens des Gasthauses „In der Au“ dienen sollen (siehe auch Bebauungsplan soll Biergarten sichern). Nur knapp hatte der Antrag von Gerd Weger (CSU) Erfolg, beim Landesamt für Denkmalschutz zu beantragen, das dazugehörige Gasthaus in die Liste der schutzwürdigen Denkmäler aufzunehmen (7:6 Stimmen).

In der Beschlussvorlage des Bauamtes heißt es: „Die Gaststätte In der Au ist mit dem stadtbildprägenden Baukörper und dem Biergarten mit einem eindrucksvoll prägenden Baumbestand identitätsstiftend.“ Aufgrund der Sanierungsbedürftigkeit des Gasthausgebäudes müsse aber befürchtet werden, dass die vorhandene Nutzung aufgegeben und eine immobilienwirtschaftliche Entwicklung angestrebt werde. Es liege zwar noch kein Antrag vor, doch habe es 2016 und 2017 schon Gespräche gegeben, die solche Absichten erkennen lassen hätten. Das Bauamt empfahl deshalb einen großen Bebauungsplanumgriff, damit gesichert werden kann, dass durch umliegende Bebauung keine immissionsschutzrechtlichen Konflikte mit der Biergartennutzung entstehen. Der Umgriff umfasst nun den Bereich zwischen der Bahnlinie, der Münchener-, Leutstettener und Josef-Jägerhuber-Straße. Ziel der Bauleitplanung soll sein:

  • Erhalt des stadtbildprägenden Baukörpers, sowie die gastronomische Nutzung des Gasthofes In der Au
  • Erhalt des Biergartens
  • Erhalt des ortsbildprägenden Baumbestandes
  • Sicherung des Gebietscharakters unter Erhalt der bestehenden Mischnutzung
  • Maßvolle Nachverdichtung der vorhandenen Mischnutzung durch Wohn- und Geschäftsgebäude.

Wegers Antrag bezog sich nicht nur auf den eventuellen Denkmalschutz. Er wollte auch den Umgriff für die Bauleitplanung verkleinern. Sein Argument: Sonst gebe es im Bereich der Münchener Straße Probleme mit dem geplanten B2-Tunnel. Das sah Stadtbaumeister Stephan Weinl nicht so. Was seinen Wunsch betrifft, das Gasthaus in die Denkmalliste aufzunehmen, verwies Weger auf den alten Namen „Staltacher Hof“ und Zusammenhänge mit Hugo von Maffei.

Im in der Reihe „Starnberger Stadtgeschichte“ vom Kulturverlang der Stadt Starnberg herausgegebenen Buch mit dem Titel „Siedlungs- und Baugeschichte von Starnberg“, Band 9/1, heißt es dazu zum Bereich der Josef-Jägerhuber-Straße, an der das Gasthaus liegt:

„Das letzte Haus vor der Bahnlinie wurde 1839 vom Posthalter Michael Jung errichtet. Der als ‚Gasthof zur Neuen Post‘ bezeichnete Bau konnte zunächst noch gut vom wachsenden Durchgangsverkehr profitieren. Als 1881 Hugo von Maffei den Gasthof erwarb, ließ er ihn stark erweitern und belegte ihn mit dem neuen Namen „Staltacher Hof“. 1927 gelangte das Haus in den Besitz der Paulaner-Brauerei München. Der im Äußeren sehr schlicht und ohne besondere Details konzpierte Bau, heute als ‚Gasthof in der Au‘ bekannt, ist, in seiner Außenerscheinung zumindest, noch halbwegs gut überliefert. Von ganz besonderem Wert ist der gut erhaltene Biergarten mit seinem alten Baumbestand.“ Man darf nun gespannt sein, wie das Denkmalamt urteilt.

Ludwig Jägerhuber (CSU) erinnerte an einen alten Wunsch der Stadt, entlang des Bahndammes zwischen Kaiser-Wilhelm- und Münchener Straße eine Fußwegverbindung zu schaffen. Das könnte im Rahmen des Bebauungsplanverfahrens versucht werden. Bürgermeisterin Eva John meinte: „Das finden wir gut und nehmen es mit auf.“ Josef Pfister (BMS) bedauerte in diesem Zusammenhang, dass solche Weg auch anderswo längst gewünscht, teils sogar im Bauleitplanverfahren festgesetzt, aber nicht umgesetzt wurden, zum Beispiel im Bereich der Vordermühle, wo gerade große Neubauten entstehen.

 

 

70. Geburtstag Iris Ziebart

Wenn im Frühjahr 2020 ein neuer Stadtrat seine Arbeit aufnimmt, wird Iris Ziebart nicht mehr dabei sein. „Es ist genug“, hat sie nach dann 18 Jahren Mitarbeit im Rat entschieden, in denen sie alle Höhen und Tiefen der Kommunalpolitik durchleben konnte. Die Zukunft soll nun mehr Zeit für sich selbst bringen, für die Familie und Dinge, die mehr Aussicht auf Realisierung haben. Stadt- und Verkehrsentwicklung sowie Seeanbindung waren ihre wichtigsten Themen als Stadträtin der FDP, seit 2015 auch Dritte Bürgermeisterin. Heute feiert Iris Ziebart ihren 70. Geburtstag und hat trotz der langen Stadtratszugehörigkeit nichts von ihrer positiven Lebenseinstellung eingebüßt.

Geradlinigkeit, Hartnäckigkeit, Stehvermögen sowie Loyalität zeichnen sie aus. Ebenso Erfindungsreichtum, wenn sie einen von der Mehrheit schon abgelehnten Antrag nochmals so veränderte, dass er doch noch einmal diskutiert und abgestimmt werden musste. Man kann sich auf den Standpunkt stellen, Ziebart habe am Ende nichts Konkretes erreicht. Doch wer das sagt, will all das nicht sehen, was gerade ihr zu verdanken ist. Zum Beispiel, dass der Vertrag zwischen Stadt und Bahn von 1987 nicht einfach umgesetzt sondern in jedem Punkt kritisch hinterfragt wurde und immer noch wird. Sie hat die Knackpunkte der damals zwischen Otto Gaßner (heute UWG) und der Bahn verabredeten neuen Gleislage aufgezeigt und wurde und wird nicht müde, die Bevölkerung für die damit einhergehenden Probleme zu sensibilisieren – zum Beispiel die unvertretbare Nähe der neuen Gleise zum denkmalgeschützten Seebahnhof oder die dann entstehende Enge der Seepromenade im Bereich Undosa und davor. Immer wieder lud sie zu Ortsbegehungen ein und machte aufmerksam auf Missstände im öffentlichen Raum, die eigentlich leicht zu beseitigen wären, wenn man nur wollte. Dass war aber genau das, was ihre Gegner eben nicht wollten – und sei es nur aus dem Grund, dass man Ziebart ganz offen keinen Erfolg gönnte. In die Knie hat sie das nicht gezwungen. „Aufstehen – Krönchen richten – weiter machen“ ist ihre Devise. Ihre Handschrift trägt nicht nur der Platz vor dem Gasthaus Tutzinger Hof. Die Kreissparkasse konnte sich beim Neubau ihres Gebäudes am Kirchplatz nicht ganz so durchsetzen wie sie wollte, und der Geh- und Radweg auf dem ehemaligen Gleis 1 am Seebahnhof wäre ohne Ziebarts Hartnäckigkeit nie gebaut worden.

Harte Zeiten bescherte ihr Altbürgermeister Ferdinand Pfaffinger, der  – obwohl sie als Regierungsbaumeisterin und einzige Architektin im Stadtrat  als Stadtplanungsreferentin gewählt worden war – sie in Sachen Seeanbindung oder Verkehrsentwicklungsplan ausbremste wo immer es ging. Entnervt legte Ziebart 2012 ihre Mitarbeit im Arbeitskreis Seeanbindung und kurz darauf das Amt der Referentin nieder, rechnete aber öffentlich mit ihren Gegnern ab. Ziebarts eigene Ideen und Planungsvorschläge für eine bezahlbarere Seeanbindung ohne die im Bahn/Stadt-Vertrag vereinbarte teure Gleisverlegung trug sie unverdrossen in die Öffentlichkeit und erhielt viel Zustimming. Für eine Seeanbindung laut Bahnvertrag Starnbergs Tafelsilber wie Bayerischer Hof, Alte Oberschule und Schifffahrtswiese (heute Bürgerpark) zu verkaufen, oder um Finanzmittel zu generieren, das Baurecht am Seeufer raufzuschrauben, kommt für sie im Gegensatz zu anderen Fraktionen, nicht in Frage. Eine verbreiterte Seepromenade könnte es schon seit Jahren geben, wenn Pfaffinger und die ihn stützende Mehrheit sich damals dahinter geklemmt hätte, die von Ziebart mit der Bahn ausgehandelte Verkürzung der Bahnhofs- und Undosa-Unterführung zu realisieren statt sie bis zur Unmöglichkeit zu verschleppen. Als es mit dem Referat Stadtplanung aus war, stürzte sie sich in die Arbeit als neue Referentin für Gewerbe, seit 2015 ins Amt der dritten Bürgermeisterin.

Die Starnberger belohnten Iris Ziebart mit Achtungserfolgen bei den Wahlen. Auch 2015 erzielte sie mehr Stimmen für die kleine liberale Partei als zum Beispiel die SPD-, Bürgerlisten- oder die UWG-Kandidaten (ausgenommen Winfried Wobbe). Bei der Bürgermeisterwahl 2008 erhielt sie mit 8,6 Prozent deutlich mehr Stimmen für ihre Bewerbung als die Kandidatinnen von SPD und Grünen.

Im jetzigen Stadtrat ist sie diejenige, die die Kollegen nicht nur immer wieder mahnt einen anderen Umgang miteinander zu pflegen, sondern auch fordert, es müsse um Lösungen für Starnberg gehen statt um den Krieg gegen Bürgermeisterin Eva John. Sie bleibt unermüdlich daran zu erinnern, wie Stadtratsarbeit eigentlich aussehen sollte. „Still“ wird sie, so wie man sie kennt, auch in Zukunft nicht zusehen, wie es in Starnbergs weitergeht. Iris Ziebart ist an vielen Netzwerken beteiligt, die gern von ihrer Erfahrung und ihrem Wissen profitieren und sich weiter zum Wohle Starnbergs einmischen wollen. Deshalb wird es auch viele Glückwünsche zum Geburtstag geben.

Gestaltungsbeirat ab 2020?

Im März 2017 hatte der Bauausschuss des Stadtrates beschlossen, die Verwaltung möge Entscheidungsgrundlagen für die Einrichtung eines Gestaltungs- und Entwicklungsbeirates zur Beratung vorlegen und Auswirkungen einer solchen Einführung auf den Personal- und Kostenaufwand darstellen. Es geht um die bauliche Entwicklung von Starnberg, die Qualität von Planungen bei  der Errichtung neuer Gebäude. Man erinnere sich an die heftigen Diskussionen über das sogenannte „goldene Haus“ in der Maximilianstraße oder das geplante neue Haus mit goldenem Dach an der Hauptstraße, das demnächst realisiert wird.

Stadtbaumeister Stephan Weinl hat ausgeführt, dass für Organisation, Vorbereitung und Dokumentation der Sitzungen eines Gestaltungsbeirates mindestens eine halbe Stelle mehr im Bauamt geschaffen werden müsste. Als Finanzausstattung hält er 50000 Euro jährlich für ausreichend. Weil weder die Stelle noch die Finanzmittel bisher im städtischen Haushalt berücksichtigt sind, könne der Beirat frühestens 2020 eingerichtet werden, so Weinl.

Auf Antrag von Ludwig Jägerhuber (CSU) wurde dieses Thema, einschließlich der Frage, wie eine Geschäftsordnung für einen solchen Beirat aussehen sollte, einstimmig zur Beratung in die Fraktionen verwiesen. Wenn die Stellung genommen haben, kann der Punkt wieder auf die Tagesordnung gesetzt werden.

Bushaltestelle nochmals verlegen?

Auf Antrag von Stefan Frey (CSU) berichtete Bürgermeisterin Eva John im Ausschuss für Umwelt, Energie und Mobilität nochmals über die Hintergründe für die vom Rathaus vorgenommene Verlegung der Bushaltestelle in Söcking Mitte. Dies hatte zu Differenzen mit einem Anlieger geführt, der darauf hin 270 Unterschriften sammelte und der Bürgermeisterin in der Sitzung übergab, damit die Verlegung rückgängig gemacht wird. Angebot von John: Bei einem Ortstermin soll eine eventuell neue Lage mit Anliegern nochmals diskutiert und dann die bestmögliche Entscheidung getroffen werden. Freys Antrag, alles wieder rückgängig zu machen und der Antrag von Günther Picker (WPS) zunächst eine Ortsbesichtigung mit den Ausschussmitgliedern durchzuführen, wurden bei Stimmengleichheit (6:6) abgelehnt.

John wiederholte im Ausschuss was sie zuvor wie berichtet gegenüber der Presse vertreten hatte (siehe Bushaltestelle in Söcking verlegt). Sie widersprach Beschwerden, die Grundschüler seien jetzt gefährderter: „Seit zwei Jahren haben die Schüler eigene Haltestellen an der Schule und an der Prinz-Karl-Straße.“ Bushaltestellen würden von der Stadt regelmäßig überprüft und diese habe Mängel aufgewiesen. Die Verlegung der Haltestelle auf der Südseite der Söckinger Straße sei auch im Vorgriff auf die beschlossene barrierefreie Umgestaltung des Zugangs zur Kirche Sankt Stephan geschehen, um die Baustelle einrichten zu können. Gerüchten, die Verlegung habe eine Rolle beim Tauschgeschäft mit dem Eigentümer der Flächen rund um Sankt Stephan gespielt, widersprach John: Das Tauschgeschäft betreffe ausschließlich Flächen im Gartenbereich des Anliegers der Kirche. Die Verwaltung empfehle, nach dem Umbau des Kirchenzugangs im Rahmen der ohnehin für Söcking Mitte geplanten Neugestaltung mit barrierefreiem Ausbau eine geeignete Position für die Haltestelle festzulegen. Wie berichtet ist die Söckinger- und Andechser Straße nach der Eröffnung der Westumfahrung seit einigen Monaten nicht mehr Staatsstraße sondern gehört in den Verantwortungsbereich der Stadt. Im Stadtrat besteht seit vielen Jahren Einigkeit, dass die Straße und die Ortsmitte ab diesem Zeitpunkt für Fußgänger und Fahrradfahrer freundlicher und ungefährlicher gestaltet und andere städtebauliche Missstände beseitigt werden sollen. Sogar eine Planung liegt bereits vor, die schrittweise umgesetzt werden könnte, mit Ergänzung der Barrierefreiheit.

Frey beantragte, den alten Zustand wieder herzustellen, denn die neue Lage der Haltestelle schaffe Unsicherheit, weil der Gehweg dort sehr knapp bemessen sei. Im Winter werde sich die Situation mit Schnee noch verschärfen. Martina Neubauer (Grüne) fand die neue Lage „extrem unbefriedigend“. Sie unterstütze Freys Antrag und wollte, dass am neuen Standort auch noch ein Buswartehäuschen Platz habe. Dafür sei der alte Standort zu kurz und zu schmal, so John. Auch Patrick Janik sprach von einer „Verschlechterung gegenüber früher“. Am alten Standort habe es deutlich mehr Platz gegeben. Frey sagte, er brauche keine Ortsbesichtigung. Dass die Haltestelle geändert werden müsse, stehe für ihn außer Frage: „Nur wohin neu?“ Neubauer schlug als Kompromiss vor, den Grundsatzbeschluss zu fassen, dass es eine Änderung der Lage geben soll, den genauen Standort dann aber erst bei einem Ortstermin festzulegen. Dieser Antrag erhielt mit 7:5 Stimmen eine Mehrheit.

Nach der Abstimmung sagte die Bürgermeisterin an die im Zuhörerraum anwesenden Anlieger gerichtet, „Wir wollen alle eine gute Lösung. Ich biete an, uns vor Ort zu treffen und das zu besprechen.“