Abzug Brandrauch in der Stadtmitte?

Wolfgang Ziebart läuft Sturm gegen die Pläne von Bund und Freistaat, vertreten durch das Staatliche Bauamt Weilheim, beim Bau des B2-Tunnels in Starnberg die Ableitung der Tunnelabluft über einen Kamin an der Mauer des Schlossgartens vorzunehmen. Nicht in seiner Eigenschaft als stellvertretender Vorsitzender des Ortsverbandes der FDP, sondern als Starnberger Bürger. Wie berichtet hat er bisher vergeblich mit der Weilheimer Behörde darüber verhandelt, einen anderen Ort für das Ausblasen der Abluft zu finden. Die soll nach den bisherigen Plänen mit hoher Geschwindigkeit über den Kamin in große Höhen ausgestoßen und dort dann verwirbelt werden (siehe Rettet den Schlossgarten). Dass im Falle eines Brandes im Tunnel auch die teils gesundheitsgefährdenden Rauchgase über den Abluftkamin über der Innenstadt ausgestoßen würden, treibt Ziebart insbesondere nach den Vorträgen von Feuerwehrexperten vor dem Stadtrat im November 2018 und im Januar dieses Jahres um (siehe B2-Tunnel braucht Nachrüstung und Tunnel: Nachrüstung zwingend erforderlich). Er hat sich an einen der Experten, den Chef von „Phoenix Fire“, einem Zusammenschluss von Experten der Rettungswissenschaften, Dirk Schneider, gewandt und von diesem Antwort erhalten.

Ziebart glaubt, der Stadtrat habe durch die Vorträge der Experten und Aussagen des Staatlichen Bauamtes Weilheim (siehe Wenig Interesse am B2-Tunnel) den Eindruck gewonnen, der Abluftkamin sei, wenn nicht schon aus Gründen der Schadstoffbelastungen aus dem Autoverkehr (NOx), dann auf jeden Fall zur Entrauchung des Tunnels im Brandfall nötig. Schneider hat geantwortet, dass das Tunnelbauwerk ohne Zweifel eine Einrichtung für den Abzug von Wärme und Brandgasen benötige, es hierfür verschiedene technische Möglichkeiten gebe. Wichtig sei, dass man sehr darauf achten müsse, wohin die Brandgase abgeführt werden. Denn in unterirdischen Verkehrsanlagen sei mit der Entstehung erheblicher Mengen solcher Gase zu rechnen, die dort, wo sie austreten, aufsteigen, dann abkühlen und an anderer Stelle, je nach Dichte und chemischer Zusammensetzung, sich niederschlagen. Dabei sei eine Gefährdung von Dritten durch sinkfähige Anteile des Brandrauches zu vermeiden, sagt Schneider.

Iris Ziebart, die das Anliegen ihres Mannes  unterstützt, dies aber nicht in ihrer Eigenschaft als FDP-Stadträtin sondern als Bürgerin, hält den Austrittsort des Brandrauches im dicht besiedelten und genutzten Gebiet rund um den Schlossgarten mit Blick auf die dort befindlichen Schulen (Berufs-, Musik- und Grundschulen), den Kirchplatz und den Bereich bis zum Tutzinger-Hof-Platz für problematisch. Sie und ihr Mann halten Austrittsöffnungen für die Ableitung von Tunnelabluft und Brandrauch für vertretbarer in Bereichen, in denen sich kaum Personen aufhalten. So ihr Fazit aus Schneiders Stellungnahme. Das vom Staatlichen Bauamt gewählte Entlüftungskonzept des Tunnels mit einem geschlossenen Abluftkanal über den Fahrbahnen gebe dazu  Freiheiten, meint Wolfgang Ziebart.

Das Staatliche Bauamt hält bisher aber am Abluftkamin am Schlossgarten fest (siehe “Abluftkamin unverzichtbar”). So ist es auch einer Liste von Bürgerfragen und den dazugehörigen Antworten der Behörde auf deren Homepage zu entnehmen:

Frage eines Bürgers an das Staatliche Bauamt Weilheim:

  • Lüftung im Brandfall: Wo wird das System gebaut werden. Gibt es Versuche mit Theaterrauch?

Antwort:

  • Der Lüftungskamin befindet sich als Mittelabsaugung am Schlossberg. Simulati- onen vor Inbetriebnahme mit Rauchstoffen erfolgen (Brandversuch nach RABT).

(Quelle Staatliches Bauamt Weilheim, Homepage, „Tunnel Starnberg –  Antworten auf Bürgerfragen“)

Wolfgang Ziebart und sein Mitstreiter, Markus Lehmann-Horn, haben sich inzwischen auch an Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer gewandt. Anfang Dezember 2018 wiesen sie den Minister darauf hin, dass der am Schlossgarten geplante Abluftkamin nach dem jüngsten vom Staatlichen Bauamt Weilheim in Auftrag gegebenen Lüftungsgutachten zum B2-Tunnel eigentlich nicht mehr nötig sei, weil bis zu dessen Fertigstellung in 2026 die Luftschadstoffe aus dem Autoverkehr so gesunken seien, dass ein solches riesiges und immens teueres Bauwerk überflüssig sei. Die Antwort aus Berlin stellte die beiden Starnberg nicht zufrieden. Es sei nur wieder auf die Notwendigkeit des Projektes B2-Tunnel insgesamt eingegangen und die Haltung des Staatlichen Bauamtes Weilheim wiedergegeben worden. Im nun neuerlichen Schreiben an das Bundesverkehrsministerium weisen sie nochmals darauf hin, dass das Lüftungskonzept des Tunnels ihrer Ansicht nach vollständig überholt ist, es die Starnberger Bürger während der Bauphase und im Betrieb massiv belastet und zudem einen zweistelligen Millionenbetrag kostet. Die Weilheimer Behörde habe für das neue Gutachten die falschen Parameter eingesetzt und somit die Ergebnisse absichtlich „manipuliert“, schreiben sie. Bemühungen ihrerseits, mit dem Gutachterbüro  zu einer Nachberechnung mit korrekten Zahlen zu kommen, wofür Ziebart und Lehmann-Horn selbst die Kosten getragen hätten, habe das Staatliche Bauamt nicht zugelassen.  Beide betonen gegenüber dem Ministerium, es nicht akzeptieren zu können, dass die Stadt belastet und Steuergeld sinnlos verschwendet werde.

Je nachdem, welche Antwort nun aus Berlin kommt, überlegen Ziebart und Lehmann-Horn weitere Schritte.

Wieder wenig Interesse an Tunnel-Infos

Wie schon am Vortag hielten die Vertreter des Staatlichen Bauamtes Weilheim ihre Informationsvorträge zum Projekt B2-Tunnel vor weitgehend leeren Stuhlreihen. Nicht einmal ganz hundert Besucher waren in die Schlossberghalle gekommen. Die Organisation rundum war im großen und ganzen die gleiche wie am Abend zuvor, nur war die Polizei diesmal mit nur zwei Vertretern präsent. In der Einladung zu den Veranstaltungen hatte es noch geheißen, es werde an beiden Abenden den identischen Vortag geben. Daran hat sich die Behörde aber nicht gehalten, denn sie hatte wohl aus negativem Feedback zum Ablauf des Vorabends gelernt, beantwortete diesmal obendrein gleich Fragen von Besuchern der ersten Info-Veranstaltung. Auch der Ablauf war ein anderer: Die Vorträge wurden im Block gehalten, Zwischenfragen waren diesmal nicht gewünscht. Das hatte den positiven Effekt, dass die Fragerunde schon früher beginnen konnte, wenngleich auch diesmal die meisten Besucher in der dazwischen geschalteten Pause Hut und Mantel nahmen und lieber nach Hause gingen. An der Fragerunde ab 21.30 Uhr nahmen deshalb nur noch etwa 35 Bürger teil. Sie stellten teils andere Fragen als die Besucher des Vortages, weshalb es Zusätzliches zu berichten gibt (siehe auch Wenig Interesse am B2-Tunnel).

  • Auch beim Bau der fünf Dücker und sechs Notausstiege wird baubegleitend die Einhaltung des Lärmschutzes durch einen Gutachter gemessen.
  • „Den Abtransport des Aushubs aus den Baustellen in der Stadtmitte wollen wir über die Hanfelder Straße bewältigen“, sagte Projektleiter Herwig Ludwig. In der Stadtmitte werden zwei Notausstiege sowie das Lüftungsbauwerk auf dem Schlossberg gebaut.
  • Setzungen im Geländeniveau erwartet er besonders im Norden zwischen Polizeistation und Bahnbrücke, weil der Boden dort besonders schlecht sei und man nur noch mit einer geringen Überdeckung der Tunnelröhre arbeite.
  • Ludwig hat den Plan für den Notausstieg 1 bei der Pizzeria nahe der Einmündung  Jahnstraße in die Weilheimer Straße gezeigt. Der Schacht ist 17,60 Meter tief. Die Tür vom Tunnel zum Notaufstieg lasse sich mit dem Kraftaufwand öffnen, der dem Gewichtsdruck einer Tafel Schokolade entspreche. Wer laufen könne und sich im Notfall hinter diese Tür gerettet habe, laufe über die im Schacht befindlichen Treppenhäuser nach oben zum Ausstieg. Mobilitätseingeschränkte müssten warten bis Hilfe kommt.
  • Auf die Frage, ob der Abluftkamin am Schlossberg notwendig ist, obwohl die Abgase der Fahrzeuge immer sauberer würden und später überwiegend Elektroautos führen, antwortete Ludwig kurz und knapp: „Ganz klar ja.“
  • Neu war auch die Präsentation einer Folie, auf der ein Unfall im Tunnel dargestellt wurde, und anhand der Ludwig erläuterte, wie die Experten rechnen, dass Pkw-Lenker in dem Fall reagieren. Man gehe davon aus, dass sich die Fahrspur jeweils vor und hinter der Unfallstelle schnell leere, so dass über diese die Feuerwehr oder der Rettungsdienst einfahren könne. Von einem Besucher nach Vorschriften für Gefahrguttransporte gefragt, berichtete der Projektleiter, eine Gefahrgutanalyse besage, dass diese im Starnberger Tunnel problemlos durchzuführen seien. „Wenn aber ein Laster brennen sollte, dann brennt er aus. Da geht keine Feuerwehr rein um zu löschen“, so Ludwig. Die Bewehrung der Tunnelwände sei auf solche Fälle ausgelegt. Größere Schäden seien da nicht zu erwarten.
  • Ein Besucher befürchtete, die Baustellen für das Einheimischenmodell Am Wiesengrund und für das Gewerbegebiet von Pöcking könnten mit den Tunnelbaumaßnahmen kollidieren. Dazu gebe es noch keine konkreten Überlegungen, aber man werde das mit der Stadt besprechen und versuchen, sich zeitlich zu einigen, antwortete Ludwig.
  • Nortrud von Redwitz wollte wisse, ob die Würmbrücke am Beginn der A952 stabil genug für die zu erwartenden Erdtransporte sei. Der Chef des Staatlichen Bauamtes Weilheim, Uwe Fritsch, antwortete: „Sie gehört nicht zum Projekt B2-Tunnel.“ Die Brücke sei nicht im besten Zustand und müsse in den nächsten Jahren erneuert werden, sei aber noch tragfähig genug.
  • Ein Gast wollte wissen, ob die B2 nach der Tunneleröffnung im Untergrund verlaufe und was mit den Straßen auf der Oberfläche geschehe. Ja, der Tunnel sei dann die Bundesstraße, oberirdisch könnten die Straßen abgestuft werden. Bei Fragen hierzu müsse man sich aber an die Stadt wenden.
  • Gefragt nach den  Belästigungen für Anwohner der Baustellen erläuterte Ludwig am Beispiel des Notausstiegs 2 (Fischzucht), man müsse dort mit 30 Baustellenfahrzeugen pro Tag rechnen. Beeinträchtigender könnte der Bau der fünf Dücker werden. Die bedeutenderen konzentrierten sich auf den Bereich zwischen dem Edeka-Markt an der Weilheimer Straße und dem Bereich Lindenweg, denn „die Musik in Sachen Grundwasser spielt auf Höhe der Fischzucht“. An der Pizzeria hätten die beiden Schächte, die für den Dücker gebaut werden, sechs bis acht Meter Durchmesser, seien 30 Meter tief und erforderten neun bis zehn Monate Bauzeit. Am Beginn des Lindenweges gehe es dagegen um „Mordsschächte“, 35 Meter tief, Bauzeit knapp zwei Jahre. Den Durchmesser nannte er nicht.
  • Ein Besucher sorgte sich um die Statik der Häuser im Umfeld von Düker-Bauwerken, nachdem Ludwig Schemazeichnungen gezeigt hatte, in denen zu erkennen war, dass von den Dückerschächten kleinere Stollen in die Umgebung getrieben werden, an denen wie die Zacken eines Kammes Grundwassersammelrohre anschließen. Er fragte, ob auch für Häuser außerhalb des von der Weilheimer Behörde festgelegten Beweissicherungskorridors Beweissicherungen durchgeführt würden. Antwort von Ludwig: „Wer vom Tunnelbauwerk nicht betroffen ist, kann die Beweissicherung nur privat machen.“
  • Fragen gab es auch zur Verkehrführung in den Bauphasen des Nord- und Südportals des Tunnels. Laut Ludwig muss man sich das vorstellen wie beim Bau des Tunnels am Luise-Kiesselbach-Platz in München. Die Fahrbahnen würden immer dorthin verschwenkt, wo gerade nicht gebaut werde. So gebe es am Südportal vier Bauphasen, am Nordportal derzeit noch elf, „was ich aber noch optimieren lasse“.
  • Günther Krawitz hätte gern die Kosten eines Dükers gewusst. Darüber wollte Ludwig nichts sagen, weil das kontraproduktiv im Ausschreibungsverfahren sei. Im Moment sei man dabei, die Entwurfs- in die Ausschreibungsplanung überzuführen. Als Krawitz nachhakte und sich für eventuell mögliche Kostensteigerungen interessierte, meldete sich Fritsch zu Wort: „Als staatliche Behörde sind wir der Wirtschaftlichkeit und Sparsamkeit verpflichtet. Wir werden vom Bundesrechnungshof und vom Bund der Steuerzahler ausreichend kontrolliert.“
  • Ein Besucher wollte wisse, wer die Betriebskosten des fertigen Projektes Tunnel trage. „Betrieb und Unterhalt der Bund, ausgenommen die Feuerwehr-Ertüchtigung. Das ist Aufgabe der Stadt. Die Kostenhöhe können wir noch nicht sagen, weil wir die betriebstechnischen Komponenten erst noch erarbeiten und es noch keinen betriebstechnischen Entwurf gibt.“
  • „Fräst die Tunnelbohrmaschine auch Findlinge“, lautete die letzte Frage des Abends. „Ja, solche Findlinge werden dann in handlichen Stücken abgefördert“, sagte Ludwig.
  • Auf Nachfrage des Blogs gab er noch Auskunft über den Zeitpunkt, zu dem die Bahnbrücke zwischen Leutstettener- und Gautinger Straße verbreitert werden soll. Ludwig nannte das Jahr 2023. Mit der Bahn, die für diese Maßnahme zuständig ist, wolle man aber vielleicht verhandeln, das etwas vorzuziehen.

 

„Abluftkamin unverzichtbar“

Wolfgang Ziebart und seine Mitstreiter haben sich wie berichtet auf die Fahne geschrieben, alles zu unternehmen um zu verhindern, dass für den geplanten B2-Tunnel wie im Planfeststellungsbeschluss vorgesehen, die Entlüftung über einen Abluftkamin im Bereich des Starnberger Schlossgartens geschieht (siehe Abluftkamin Tunnel: Ziebart macht Ernst). Er ist der Ansicht, angesichts der durch neue Technologien bereits deutlich gesunkenen  und weiter sinkenden Schadstoffe in den Abgasen von Fahrzeugen reiche bei Inbetriebnahme des Tunnels, die für 2026 geplant ist, eine Längslüftung. Somit könne auf den Abluftkamin am Schlossgarten verzichtet werden, gegen den auch der Denkmalschutz Sturm läuft. Dem widerspricht heute das Staatliche Bauamt Weilheim mit einer Pressemitteilung. Sie lautet wie folgt:

„Tunnel Starnberg – Aktualisiertes Gutachten bestätigt Notwendigkeit des Lüftungskamins am Schlossberg

Im Rahmen der Ausschreibungsplanung für den Tunnel Starnberg war zu klären, ob wegen des in Zukunft immer geringeren Schadstoffausstoßes der Fahrzeuge unter Umständen auf den Bau des planfestgestellten Lüftungskamin auf dem Schloßberg verzichtet oder dieser zumindest kleiner dimensioniert werden kann. Das Staatliche Bauamt Weilheim hat zur Klärung dieser Frage das Immissionsgutachten aktualisieren lassen. Ergebnis: Der Lüftungskamin am Schlossberg ist in der bisher geplanten Form auch in Zukunft unverzichtbar.

Der Planfeststellungsbeschluss für den Tunnel Starnberg sieht folgendes Lüftungskonzept vor:

  • Durch eine Längslüftung mit Mittelabsaugung wird durch die Tunnelportale Frischluft angesaugt. Die Abluft wird über einen Kamin auf der Höhenlage des Schlossbergs in die Atmosphäre abgegeben.
  • Dieses Lüftungssystem bietet die Möglichkeit, die an den Portalen austretende Abluftmenge zu minimieren und damit das Umfeld der Tunnelportale vor übermäßigen Schadstoffeinträgen zu schützen.

Anlass für die nun erfolgte Begutachtung der Schadstoffimmissionen im Zusammenhang mit dem Tunnel Starnberg ist die Prognose, dass der Ausstoß an Luftschadstoffen bis zur Inbetriebnahme des Tunnels aufgrund einer moderneren Fahrzeugflotte sinken wird. Folgende Fragestellungen waren deshalb zu klären:

  •  Ist eine Absaugung der Abgase im Normalbetrieb zukünftig vollständig entbehrlich?
  • Ist es möglich und sinnvoll den Lüftungskamin am Schlossberg entfallen zu lassen?
  • Falls nein, können die Abmessungen des Kamins kleiner ausfallen?

 Das aktualisierte Immissionsgutachten zeigt, dass für den Normalbetrieb nicht auf die planfestgestellte Längslüftung mit Mittelabsaugung verzichtet werden kann, da ansonsten eine Grenzwertüberschreitung am Nordportal nicht sicher auszuschließen wäre. Aussagen des Gutachtens im Einzelnen:

  • Die abgesaugten Schadstoffe werden mittels Abluftkamin effektiv verdünnt. Die Immissionsbelastung im Umfeld des Abluftkamins bleibt dabei nahezu unverändert, die Erhöhung liegt sogar außerhalb des messbaren Bereichs, bei gleichzeitig deutlicher Entlastung im Bereich des Nordportals und ohne Verschlechterung am Südportal.
  • Ein alternatives System mit durchgehender Längslüftung würde hingegen im Wesentlichen die Abluft aus dem Tunnel lediglich auf die beiden Portale verteilen.
  • Für eine effektive Reduzierung der Abgaskonzentration und damit zum Schutz der Anwohner in der Umgebung des Abluftkamins, sind die geplanten Abmessungen des Kamins unabhängig von dessen Betriebsumfang auch in Zukunft erforderlich. Somit kann der Kamin am Schlossberg nicht verkleinert werden.

     

Im Ergebnis bestätigt das aktualisierte Immissionsgutachten, dass das geplante Lüftungskonzept mit Mittelabsaugung nach wie vor die Bürgerinnen und Bürger in Starnberg am besten vor Abgasen schützt.“

Ziebart hat das Staatliche Bauamt Weilheim jetzt darum gebeten, Einsicht in das neue Gutachten nehmen zu dürfen.

Abluftkamin Tunnel: Ziebart macht Ernst

Wolfgang Ziebart macht Ernst. Er sucht Mitstreiter in seinem Bestreben, den Abluftkamin am Starnberger Schlossgarten zu verhindern. Der ist Teil der Baugenehmigung für den B2-Tunnel. Ziebart, der zwar stellvertretender Vorsitzender des FDP-Ortsverbandes ist, diese Aktion aber ausdrücklich privat betreibt,  hält den Kamin angesichts drastisch gesunkener Luftschadstoffe aus dem Verkehr für überflüssig und hatte am 1. August 2018 zu einem Treffen mit Gleichgesinnten in den Bayerischen Hof eingeladen. Etwa 45 Starnberger waren gekommen. In einem zweiten Treffen soll, sobald das vom Staatlichen Bauamt Weilheim in Auftrag gegebene neue Immissionsgutachten vorliegt, festgelegt werden, wie man weiter vorgehen kann. Das könnte in etwa zwei Wochen der Fall sein.

So die Einladung vom August im Wortlaut:

„RETTET DEN SCHLOSSGARTEN

An der Schlossgartenmauer ist der Abluftkamin des B2-Tunnels geplant. Er ist 13 m hoch und so „dick“ wie der Kirchturmsockel von St.Joseph. Die Abluft aus dem Tunnel strömt mit bis zu 64 km/h aus, Windstärke 7 Bft. Der Energieverbrauch entspricht dem von 500 Haushalten in Starnberg!! Das darunter liegende Bauwerk dazu kostet einen 2-stelligen Millionenbetrag.

Damit ist der Schlosspark als einer der letzten Oasen der Ruhe in Starnberg zerstört. Niemand wird neben einem solchen Kamin mehr sitzen wollen. Aber das Schlimmste ist: Er ist vollständig überflüssig. Er war für eine Tunnel-Eröffnung im Jahre 2010 berechnet und geplant worden. Nun soll der Tunnel erst im Jahre 2026 eröffnet werden, aber schon heute sind die Abgaswerte der Fahrzeuge soviel besser geworden, dass die gängige Tunnel-Längslüftung ausreicht und man auf den Kamin vollständig verzichten kann.

Wir wollen als Starnberger Bürger diese Zerstörung des Schlossgartens nicht hinnehmen. Daher bitte ich alle Betroffenen und Interessierten zu unserem Treffen am 1. August 2018, 19:30 Uhr, Hotel Bayerischer Hof, Frühstückszimmer, zu kommen. Ich werde dort die Sachlage erläutern, Fragen klären und wir können besprechen, ob und wie wir gemeinsam diesen Kamin verhindern können.“

 

Im Juli 2018 hatte „Lokales-aus-Starnberg“ dem Staatlichen Bauamt Weilheim zur Notwendigkeit des Abluftkamins eine Frage gestellt und die folgende Antwort erhalten:
Frage: In der heuer neu aufgetretenen Diskussion ist nun der Abluftkamin am Starnberger Schlossgarten. Für den Fall, dass sich herausstellen sollte, dass dieses Bauwerk nicht mehr benötigt wird, weil angesichts sinkendem Schadstoffausstoß der heutigen Fahrzeuge auch eine Längslüftung ausreicht  – die ja auch schon einmal geplant war, dann aber mit einer Tektur durch die Mittenabsaugung mit Kamin ersetzt worden ist : Wäre in diesem Fall wegen der Änderung an den Planfeststellungsunterlagen ein förmliches Änderungsverfahren mit Beteiligung der Öffentlichkeit – neue Tektur – nötig?
Antwort Weilheim: „Das Staatliche Bauamt Weilheim strebt den Bau eines Tunnels nach neustem Stand der Technik an. Daher wurde beschlossen, im Sinne einer möglichen Optimierung des Bauwerksentwurf den Lüftungskamin noch einmal überprüfen zu lassen. Das Immissionsgutachten (Stand 2002, 2005) wird aktuell überarbeitet. Basierend auf den Ergebnissen erfolgt im Anschluss die Überarbeitung des Lüftungsgutachtens (Stand 2002, 2005). Dieses aktualisierte Lüftungsgutachten wird dann ausweisen, ob und inwiefern bauliche Optimierungen möglich sind. Planungsrechtliche Aspekte sind derzeit noch nicht Gegenstand der Überlegungen.“
Unter den Gästen von Ziebarts Info-Veranstaltung war auch Kreisheimatpfleger Gerhard Schober. Er mahnte, den bisher geplanten Abluftkamin nicht fälschlicherweise mit einem der kleinen Wassertürme in der Schlossgartenmauer zu verwechseln. Der Abluftkamin hätte laut Ziebart ein Maß von vier mal fünf Meter Grundfläche, wäre ab seinem Austritt aus dem Erdreich zehn Meter hoch, wobei das Dach – sollte es ein solches überhaupt geben, was die geplante hohe Ausblasgeschwindigkeit von 36 bis 64 Kilometer pro Stunde eher unwahrscheinlich erscheinen lasse – noch nicht mitgerechnet sei. Die Lüftungstechnik solle täglich zwischen 7 und 19 Uhr in Betrieb sein und werde 2,321 Millionen Kilowattstunden Energie pro Jahr verbrauchen. So viel, wie 500 Vier-Personen-Haushalte pro Jahr. Ziebart zeigte die Baupläne des Staatlichen Bauamtes, auch für das Betriebsgebäude unter dem Kamin, das im Schlossberg versenkt gebaut werden muss. „Ein gigantisches Bauwerk“, so der Ingenieur, „mit zwei Gebläsen mit je drei Meter Durchmesser, Transformatoren und einem sehr tiefen Schacht. Kosten locker im zweistelligen Millionenbereich.“ Gebaut würde das Betriebsgebäude unter der Schlossbergstraße bis in die Hangkante hinein. Es hätte Außenmaße an der breitesten Stelle von etwa 40 mal 20 Meter und eine Höhe von sechs Meter. Alles unter der Erde, weshalb der Schlossberg dafür abgetragen werden müsse. Das eigentliche Lüftungsrohr, von unten aus dem Tunnel kommend, habe als mehrschaliges Bauwerk 11,25 Meter Durchmesser und gehe 40 Meter in die Tiefe. Das entspreche einem zwölfgeschossigen Hochhausturm, schreibt Ziebart aktuell an seine Mitstreiter und bittet sie, die Bevölkerung über diese angeblich wenig bekannten Pläne zu informieren. Denn noch sei ja drei Jahre Zeit, bis der Bau des B2-Tunnels beginne. Also könne die Planung noch geändert werden. Er sehe die Möglichkeit, die Änderung durch öffentlichen Druck in Gang zu bringen, damit nicht wie beim Kramertunnel vor Garmisch Änderungen an der Planung erst nach dem Baubeginn vorgenommen werden müssen, weil es Probleme gibt. Ziebart zeigte auch Grafiken, die das Umweltbundesamt im Rahmen der Weiterentwicklung von Prognosen für Luftschadstoffe zur Luftqualität 2020/2030 veröffentlicht hat. Demnach werde sich der Ausstoß von NOx (Stickoxid) allein aus dem Personenverkehr auf Straßen von 330 Kilotonnen pro Jahr in 2005 bis zum Jahr 2020 auf etwa 130 Kilotonnen, im Jahr 2030 auf 90 Kilotonnen reduzieren. Werde auch der Güterverkehr auf Straßen berücksichtigt sinke die insgesamte NOx-Belastung von 750 auf etwa 110 Kilotonnen pro Jahr. Der B2-Tunnel soll bekanntlich erst 2026 in Betrieb gehen und ab 2021 begonnen werden.
„Der Denkmalschutz hat dieses Vorhaben vehement abgelehnt – nicht nur wegen der Störung des Schlossgartens, sondern wegen der großen Tragweite, die der Abluftkamin für die Stadtsihouette hätte“, berichtete Schober. Er verlangte, mit einem Ballon zu simulieren, wo der Turm mit welcher Höhe zu Stehen komme. Iris Ziebart, FDP-Stadträtin in Starnberg, berichtete von der letzten Stadtratssitzung, in der sie versucht habe, die Kollegen dazu zu gewinnen, den Architektenwettbewerb für die Gestaltung des Abluftkamins noch nicht zu beschließen, bevor die Weilheimer Behörde das Lüftungsgutachten neu überarbeitet hat (siehe Stadt soll bei Gestaltung mitreden). Die Stadtratsmehrheit habe das verhindert. Maximilian Ardelt, WPS-Stadtrat, sprach sich im August dafür aus, nochmals einen entsprechenden Antrag im Stadtrat zu stellen oder eine Petition an den Landtag zu starten.

Minimaler Schaden – Maximaler Nutzen

Kurz vor dem Spatenstich für den B2-Tunnel am Freitag haben sich heute noch einmal der stellvertretende FDP-Ortsvorsitzende Wolfgang Ziebart und die Kreisrätin der Liberalen, Britta Hundesrügge, in Vertretung ihres Fraktionsvorsitzenden Oswald Gasser,  zu Wort gemeldet. Beide machten keinen Hehl daraus, dass sie für Starnberg lieber nur eine Umfahrung gewünscht und den Tunnel bisher abgelehnt hätten. „Ich bedauere, dass der Tunnel gebaut wird“, sagte Hundesrügge. Aber die Mehrheitsverhältnisse pro Umfahrung hätten sich im Stadtrat geändert und ein Bürgerbegehren sei nicht zugelassen worden. Ihrer Ansicht nach hätte dessen Durchführung – wie das Beispiel Gauting zeige – am Ende zur Akzeptanz des Ergebnisses geführt. Aber in Starnberg habe im Februar 2017 die Ratsmehrheit den Doppelbeschluss „B2-Tunnel bauen, ortsferne Umfahrung planen“ gefasst. Die FDP in Stadt und Landkreis sei in der Lage, sich Mehrheiten zu beugen. Das gehöre zu ihrem demokratischen Selbstverständnis. „Wir werden den Bau des Tunnels nun konstruktiv und kritisch begleiten, dafür sorgen, dass es tatsächlich eine Entlastung vom Verkehr gibt und die Stadt die Möglichkeit zur Verschönerung bekommt“, so die Kreisrätin, die auch Landtagskandidatin ihrer Partei und Gemeinderätin in Gauting ist. Wie diese Begleitung aussehen soll, erläuterte Ziebart, der die verhinderte Ortsvorsitzende Heike Barall-Quiring vertrat.

„Es müssen einige essentielle Dinge korrigiert werden“, so Ziebart. Punkt eins: Ohne zusätzliche Umfahrung bringt der Tunnel nicht genug Nutzen. Weder sei damit das Durchfahrtsproblem durch die Stadt gelöst noch gebe es eine wirkliche Entlastung. Der Tunnel helfe lediglich den Durchfahrtsverkehr besser zu bewältigen, der aber nur 30 Prozent des gesamten Starnberger Verkehrs ausmache. Größter Brocken bleibe der Ziel- und Quellverkehr, den man nur mit einer Umfahrung aus der Stadt heraushalten könne, an die dann die nach Starnberg führenden Staatsstraßen angebunden würden. Weil der Tunnel durch Ampeln vor und nach den Portalen nicht genug „Durchsatz“ habe, müsse die Frage erlaubt sein, ob die 200 Millionen Euro dafür gerechtfertigt seien. Professor Peter Kirchhoff habe mit seinem Gutachten gezeigt, dass die Verkehrswirksamkeit des Bauwerks nicht ausreiche. Auch Hundesrügge glaubt, dass ähnlich wie am neuen Tunnel am Luise-Kiesselbach-Platz der Verkehr wieder an die Oberfläche ausweicht, sobald es im Tunnel nicht mehr flüssig vorangeht. Punkt zwei: Bisher beruhe das Sicherheitskonzept des Bundes auf dem Prinzip der Selbstrettung, sollte es im Tunnel zu einem Unfall oder Brand kommen. Die Tunnelplanung entspreche zwar dem Gesetz, nicht aber dem Stand der Technik. „Wir versuchen da das Maximum rauszuholen“, so Ziebart, der die Vertreter des Staatlichen Bauamtes Weilheim als konstruktive Gesprächspartner lobte.

Punkt drei ärgert den FDP-Vize „grenzenlos“: „Es ist mein ganz persönlicher Punkt – der Abluftkamin am Schlossgarten“. Ein altes Gutachten von 2002, das zu dem Ergebnis gekommen sei, am nördlichen Tunnelportal würden die Grenzwerte für Luftschadstoffe in die Nähe des Grenzwertes rücken, habe dafür gesorgt, dass der Bund vor der Erteilung der Baugenehmigung für den Tunnel noch einmal das Entlüftungskonzept geändert habe. Statt der Längslüftung sei man auf die Ansaugung der Luft von den Portalen zu einem Kamin  – in die Schlossgartenmauer integriert  – umgeschwenkt, der die Dimension eines Kirchturms bekommen solle und zudem mit einer „gigantischen“ unterirdischen Steuerzentrale verbunden sei. Der zehn Meter hohe Turm schleudere die Abluft mit 60 Kilometer pro Stunde heraus und sei dementsprechend laut. Die dafür benötigten zwei Gebläse  verbrauchten täglich die elektrische Energie von 500 Vier-Personen-Haushalten, also fast zehn Prozent des privaten Stromverbrauchs in Starnberg. Dabei hätten neuere Messungen und Untersuchungen belegt, dass der Ausstoß von Stickoxyd durch neue Fahrzeugtechnik drastisch gesunken sei. Bis zur Fertigstellung des Tunnels in 2026 würden es wohl nur noch ein Drittel der 2010 prognostizierten Werte sein. „Der Grund für den Kamin ist damit vollständig weg. Dieses Thema muss auch aus der Planung weg“, sagte Ziebart, der es unverantwortlich fände, so viel Geld – „im zweitelligen Millionenbereich“ – in ein völlig sinnloses Bauwerk und dem damit verbundenen Energieverbrauch zu stecken. Es gehe somit darum, Schäden durch die alte Planung zu minimieren und diese so zu verbessern, dass die Starnberger maximalen Nutzen erhielten.

Hundesrügge sieht gute Chancen, dass man das mit der Regierung von Oberbayern hinbekommt. Beim Brandschutz ist sie weniger optimistisch, aber „Wir werden darauf drängen, dass maximale Sicherheit gegeben ist.“ Die Weilheimer Behörde habe zugesagt, bis Ende dieses Monats das damalige Gutachten zur Lüftung zu überarbeiten, so Ziebart. Er geht davon aus, dass man zur Längslüftung zurückkehrt und auf den Kamin verzichtet. Der Bauherr habe doch sicher selbst ein Interesse, dass der Tunnelbau nicht von ständigen Protesten begleitet werde. Und der Bau einer ortsfernen Umfahrung ist in den Augen der beiden Liberalen „nur einer Frage des Wollens“. Schließlich koste die nur ein Bruchteil des Tunnels. Man müsse mit ihrem Bau auch nicht warten bis der Tunnel fertig sei. Auf die schon in Auftrag gegebene Trassenplanung müsse zeitnah ein entsprechender Stadtratsbeschluss folgen, forderten sie im Gespräch mit der Presse.

Das Staatliche Bauamt antwortet:

Nach der Berichterstattung in den Zeitungen im Anschluss an ein Treffen der Vertreter des Staatlichen Bauamtes Weilheim mit Vertretern der Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS-Dienste), am 21. Juni 2018 im Weilheimer Amt, hat „Lokales aus Starnberg“ an Behördenleiter Uwe Fritsch Fragen gestellt, die dieser beantwortet hat. Fragen und Antworten werden hier im Wortlaut wiedergegeben:

Blog: Ist es richtig, dass die Starnberger Feuerwehr den Einbau einer Mittelwand im Tunnel gefordert hat, dies aber auf Grund der engen Verhältnisse im Untergrund nicht realisierbar ist?

Fritsch: Der Tunnel Starnberg ist ein einspuriger Tunnel mit Gegenverkehr und entspricht dem regelkonformen Standardquerschnitt für Tunnel für Bundesstraßen mit sehr hohem Sicherheitsniveau. Eine Vielzahl von Tunneln wird bundesweit seit Jahrzehnten mit diesem Konzept sicher betrieben. Der neueste sicherheitstechnische Standard nach der relevanten Richtlinie RABT wird eingeplant. Eine Trennwand in einem einspurigen Tunnel vorzusehen, hätte zwei erhebliche Nachteile: Zum einen würde die Selbstrettung der Verkehrsteilnehmer und die Einfahrt der BOS-Dienste in den Tunnel erschwert. Zum anderen würde der Querschnitt des Tunnel erheblich größer ausfallen, sodass dieser hinsichtlich vorhandener Bebauung und geotechnischer Randbedingungen des Tunnelbaus nicht sicher herzustellen wäre. 

Blog: Stimmt es, dass Ihre Behörde über den Einbau von Aufzügen in den Treppenhäusern der Notausstiege nachdenkt? Ebenso über den Einbau einer Schaumlöschanlage?

Fritsch: Zur Zeit werden die vorhandenen Entwurfsplanungen in ausschreibungsreife Planungen überführt. Das heißt, alle Bestandteile der Planung werden standardmäßig noch einmal detailliert betrachtet und entsprechend verfeinert ausgeplant. In diesem Zuge werden auch die Fragen von vertikaler Beförderung in den Notausstiegsschächten und die Möglichkeiten von „stationären Löschanlagen“ mit betrachtet. Es wird dabei jedoch immer auch geprüft, ob denkbare Optimierungen zum einen mit dem vollziehbaren Planfeststellungsbeschluss kompatibel sind und zum anderen die damit verbundenen Mehrkosten in einem angemessenen Verhältnis zum zusätzlichen Nutzen stehen.


Blog: Wer müsste diese „Sonderausstattung“ bezahlen?

Fritsch: Der Tunnel Starnberg ist Bestandteil einer Bundesstraße. Daher liegt die Kostentragung nahezu ausschließlich beim Bund. Der Bund lässt dieses Bauwerk nach einem einheitlich festgelegten (sehr hohem) Sicherheitsstandard bauen und ausstatten. Darüber hinausgehende Sicherheitsausstattung ist grundsätzlich nicht durch die aktuelle Finanzierung gedeckt. Die Kostenträgerschaft (durch Dritte) ist im Einzelfall zu klären.

 

Blog:  In der heuer neu aufgetretenen Diskussion ist nun der Abluftkamin am Starnberger Schlossgarten. Für den Fall, dass sich herausstellen sollte, dass dieses Bauwerk nicht mehr benötigt wird, weil angesichts sinkendem Schadstoffausstoß der heutigen Fahrzeuge auch eine Längslüftung ausreicht  – die ja auch schon einmal geplant war, dann aber mit einer Tektur durch die Mittenabsaugung mit Kamin ersetzt worden ist : Wäre in diesem Fall wegen der Änderung an den Planfeststellungsunterlagen ein förmliches Änderungsverfahren mit Beteiligung der Öffentlichkeit – neue Tektur – nötig?

Fritsch: Das Staatliche Bauamt Weilheim strebt den Bau eines Tunnels nach neustem Stand der Technik an. Daher wurde beschlossen, im Sinne einer möglichen Optimierung des Bauwerksentwurf den Lüftungskamin noch einmal überprüfen zu lassen. Das Immissionsgutachten (Stand 2002, 2005) wird aktuell überarbeitet. Basierend auf den Ergebnissen erfolgt im Anschluss die Überarbeitung des Lüftungsgutachtens (Stand 2002, 2005). Dieses aktualisierte Lüftungsgutachten wird dann ausweisen, ob und inwiefern bauliche Optimierungen möglich sind. Planungsrechtliche Aspekte sind derzeit noch nicht Gegenstand der Überlegungen.

Blog:  Könnten andere Änderungen, zum Beispiel durch Veränderungen am Sicherheitskonzept, ebenfalls ein solches Verfahren nötig machen?

Fritsch: Für Planungsänderungen die gegenüber dem vollziehbaren Planfeststellungsbeschluss zu erheblichen neuen oder zusätzlichen Betroffenheiten führen, ist grundsätzlich ein Planänderungsverfahren erforderlich.  

Muss Abluftkamin wirklich sein?

Angesichts sinkender Luftschadstoffe, insbesondere der Stickoxide, stellte Wolfgang Ziebart, Mitglied des örtliche FDP-Vorstandes, in der Stadtratssitzung am Montag unter der Rubrik „Bürger fragen“ die Frage, was die Stadt Starnberg zu unternehmen gedenke, um den seiner Ansicht nach inzwischen „vollständig sinnlosen“ Abluftkamin des geplanten  B2-Tunnels im Bereich des Schlossgartens „nicht zur Ausführung zu bringen“. Der Tunnel soll, wenn er voraussichtlich 2026 in Betrieb geht, über eine sogenannte Mittenabsaugung entlüftet werden. Ein riesiges Betriebsgebäude ist unterirdisch unter dem heutigen Parkplatz des Finanzamtes geplant. Die Abluft soll mit hoher Geschwindigkeit über den im Stadtbild nicht zu übersehenden Kamin in großer Höhe über Starnberg ausgestoßen und in oberen Luftschichten verwirbelt werden. Ziebart hält eine Längslüftung zwischen den Tunnelportalen für ausreichend.

Die Längslüftung ist nach seinen Recherchen die ursprünglich vorgesehene Lüftung für den B2-Tunnel gewesen. Erst nach Kenntnis eines 2002 erstellten Gutachtens, das Stickoxidwerte nahe der Grenzwerte errechnet hatte, sei in einer Tektur diese Planung aufgegeben und durch den mittigen Abluftkamin ersetzt worden. Wie kürzlich berichtet ist durch Messungen an der Starnberger Hauptstraße und Hanfelder Straße belegt worden, dass die Luftschadstoffen deutlich gesunken sind, seit die Autoindustrie strenge Abgasnormen zu erfüllen hat. Der Abluftkamin, der nach den Plänen des Staatlichen Bauamtes Weilheim als Zusatzturm in die den Schlossgarten umfassende Mauer integriert werden soll, war stets ein veritabler Stein des Anstoßes in der öffentlichen Debatte zwischen Starnberger Tunnelgegnern und -befürwortern. Ziebart sagt, der Grund für die Wahl der Entlüftung in der Tunnelmitte sei entfallen, zudem habe diese massive Nachteile für die Starnberger Bürger. „Am Schlosspark, einem idyllischen Ort der Ruhe in Starnberg, wird ein mindestens zehn Meter hoher Kamin mit einem Lüftungsdurchmesser von vier Meter gebaut, aus dem die gesamte Abluft, die im Tunnel entsteht, mit einer Geschwindigkeit von 60 Kilometer pro Stunde ausströmt. Dort wird sich niemand mehr aufhalten wollen.“ Der Ingenieur benennt den jährlichen Energieverbrauch mit den Zahlen aus dem 2002er Gutachten mit 2321,4 Megawattstunden, was dem Jahresverbrauch an elektrischer Energie von 450 Vier-Personen-Haushalten entspreche. Seiner Ansicht nach sollten die Planer des Staatlichen Bauamtes in Weilheim zum ursprünglichen Konzept mit Längslüftung zurückkehren.

Bürgermeisterin Eva John antwortete, die Rathausverwaltung werde sich kundig machen und dann den Stadtrat über die Erkenntnisse informieren.