Tunnelteam bespricht Rettungskonzept

Eine Mitteilung des Staatlichen Bauamtes Weilheim:

„Am Montag, 22. Juli 2019 trafen sich alle relevanten BOS-Kräfte zur fünften Sitzung im Staatlichen Bauamt Weilheim. Ziel dabei war, nach intensiven gemeinsamen Abstimmungsrunden einen Gesamtüberblick über das Gesamtpaket an Maßnahmen zu erhalten, das den vorgesetzten Dienststellen jetzt vorgelegt wird.

Fast auf den Tag genau ein Jahr nach der ersten BOS-Runde fand am Montag, 22. Juli 2019 bereits die fünfte Zusammenkunft aller relevanten Behörden und Organisationen mit Sicherheitsaufgaben (BOS) im Staatlichen Bauamt Weilheim statt. Diese Arbeitskreistreffen mit unterschiedlichen Schwerpunkten zum Thema Tunnelsicherheit starteten im letzten Jahr am 27. Juli 2018 und versammeln seither regelmäßig Kreisbrandrat, Feuerwehr, Rettungsdienst, Notarzt, Bayerisches Rotes Kreuz sowie das Technische Hilfswerk aus Starnberg am runden Tisch zum Gespräch mit dem Tunnelteam.

Die Vorstellung der gemeinsam erarbeiteten Abstimmungsergebnisse und die daraus resultierende finale Planung zum Themenkreis BOS standen im Mittelpunkt des fünften Treffens. Im Einzelnen ging es um Themenschwerpunkte wie Aufstellflächen, Aufzug- und Hebeanlagen sowie die Brandbekämpfungsanlage.

Im weiteren Verlauf werden oben genannte Themenschwerpunkte im Genehmigungslauf den vorgesetzten Dienststellen zur Entscheidung vorgelegt.

 

Die Teilnehmer der fünften BOS-Abstimmungsrunde im Staatlichen Bauamt Weilheim am Montag, 22. Juli 2019:
Walter Kohlenz, Vorsitzender der DLRG Pöcking-Starnberg (Deutsche Lebens- Rettungs-Gesellschaft), Philipp Hennen, Fachberater THW Starnberg, Georg Rötzer, Bereichsleiter Einsatzdienste des BRK Starnberg, Korbinian Witzlinger, Teamleiter Tunnelbau Tunnel Starnberg am Staatlichen Bauamt Weilheim, Herwig Ludwig, Projektleiter Tunnel Starnberg am Staatlichen Bauamt Weilheim, Sebastian Schürzinger, Tunnelmanager Tunnel Starnberg Landesbaudirektion Südbayern, Prof. Wolfgang Baltzer, Sachverständiger (BUNG Ingenieure AG) für das Staatliche Bauamt Weilheim, Peter Bauch, Kreisbrandrat der Stadt Starnberg, Kathrin Spielbauer, Sachgebietsleiterin öffentliche Sicherheit und Ordnung der Stadt Starnberg, Arie Reimers, Zugführer der Freiwilligen Feuerwehr Starnberg, Erwin Hagenmaier, Sicherheitsbeauftragter Tunnel Starnberg Autobahndirektion Südbayern, Helmut Schweickart, Kreisbrandinspektor Stadt Starnberg, Andreas Kraus, Stellvertretender Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Starnberg und Markus Grasl, Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Starnberg.“

Die BI antwortet auf DIALOG:

Nachdem das Staatliche Bauamt Weilheim derzeit Flyer unter dem Titel „DIALOG“ an Starnberger Haushalte verteilt und darin Informationen über den geplanten B2-Tunnel abdruckt, hat nun die Bürgerinitiative „Pro Umfahrung – Contra Amtstunnel“ (BI) mit der unten abgedruckten Presseerklärung reagiert:
„Sicherheitskonzept des B2-Tunnels ohne Akzeptanz
Das Staatliche Bauamt in Weilheim erläutert in seinem Flyer „Dialog“ Teil 1 unter anderem das Sicherheitskonzept des B2-Tunnels so: „Nach Durchschreiten der Notausstiegstüre betritt man den Rettungsstollen. Bereits hier befinden sich flüchtende Personen im sicheren Bereich.“ „Durchschreiten“ kann ein Flüchtender diese Notausstiegs- bzw. Fluchttüre aber nur, wenn diese geöffnet werden kann. Das setzt voraus, dass die zweite Türe der Schleuse geschlossen ist. Andernfalls kann er im Tunnel geduldig warten bis er schwarz wird.
Die brennende Frage im Brandfall ist aber speziell: Wie kommen Gesunde, Verletzte
oder Menschen mit Mobilitätseinschränkung überhaupt bis zu den Fluchttüren? Deren
Abstand von 300 m bei einer Fahrbahn-Längsneigung von 3,5 % ist einfach tödlich! Das
Argument, die Entfernung zum nächsten Notausstieg sei maximal nur die Hälfte von 300 m, ist falsch. Im Brandfall gibt es nur eine sichere Flucht-Richtung, nämlich die vom Feuer weg.
München hat sich die Sicherheit im Luise-Kiesselbach-Tunnel Millionen kosten
lassen. Dort trennt eine massive Stahlbetonwand die beiden Fahrbahnrichtungen. Alle 60
Meter (i.W. sechzig) ist eine Fluchttür in der Trennwand, durch die man im Katastrophenfall auf die rettende andere Fahrbahn gelangt. Entsprechend können die Fluchttüren zur Selbstrettung bei einem Rettungsstollen, einer Fahrbahntrennwand oder einem zweiten Richtungstunnel in akzeptabler Entfernung eingeplant werden. Das ist bei dem System mit Rettungsschächten ausgeschlossen.
Das System der Rettungsschächte ist wegen zu langer Fluchtwege nicht mehr Stand
der Technik. Deshalb bekommt die zweite S-Bahn-Stammstrecke in München nach aktueller Umplanung eine Rettungsröhre. Einröhrige Straßen-Tunnel werden bundesweit mit einer Fahrbahn-Trennwand als Brandwand nachgerüstet.
Die Mehrheit der Tunnelfreunde im Stadtrat haben aber im Jahr 2011 einen parallel
laufenden Rettungsstollen abgelehnt, weil sie neue juristische Einsprüche und
Verzögerungen befürchteten. So sind bis heute – 12 Jahre nach Baugenehmigung –
keinerlei Verbesserungen festzustellen. Es werden auch keine mehr folgen, weil die Mehrheit der Tunnelfreunde im Stadtrat jede Planänderung scheut wie der Teufel das Weihwasser.
Der Brandschutzexperte Dr. Schneider hat im Stadtrat erklärt, dass er persönlich den
Tunnel mit seinen so genehmigten Unzulänglichkeiten nie benutzen würde. Entsprechend
werden auch viele Pendler diesen Tunnel nicht akzeptieren, weil sie bei einer Hin-und
Rückfahrt an 220 Arbeitstagen mehrere brenzliche Situationen pro Jahr erwarten dürfen.
Zum Schutz der Amphibien wurden kürzlich bei der Umfahrung Weßling die
Amphibientunnel einer „Akzeptanz-Untersuchung“ unterworfen. Es wurde festgestellt, dass Frösche Tunnel gerne meiden. Eine „Akzeptanz-Untersuchung“ beim Starnberger B2-Tunnel wäre nur recht und billig, denn „auch der Mensch ist eine Kröte“ (nach Prof. B.
Winkler).“

BI: Unterschriften für neues Bürgerbegehren

Wie schon angekündigt, wollen die beiden Bürgerinitiativen „Pro Umfahrung – Contra Amtstunnel“ (BI) und „Starnberg bleibt oben“ einen neuen Anlauf für ein Bürgerbegehren gegen den Bau des B2-Tunnels unternehmen. Seit kurzem wurde mit der Sammlung der dafür notwendigen Unterschriften gestartet. Die Gemeindeordnung schreibt bei Gemeinden mit bis zu 30000 Einwohnern vor, dass acht Prozent der Bürger unterschrieben haben, damit ein Bürgerbegehren möglich wird. In Starnberg beträgt die Einwohnerzahl derzeit etwa 23000, so dass 1840 Unterschriften geleistet werden müssen. Ein festes Datum, bis zu dem dieses Ziel erreicht sein muss, haben sich die BIs nicht gesetzt, zumal jetzt aktuell die Sommerferien begonnen haben.

Nachdem der erste Versuch für das Bürgerbegehren „Kein Tunnel in Starnberg“ vom Stadtrat als nicht zulässig beurteilt worden war, hatte das Bayerische Verwaltungsgericht München dies bestätigt. Der Bayerische Verwaltungsgerichtshof München ließ gegen diese Entscheidung aber die Berufung zu. In der Verhandlung machte der Richter den Starnberger Initiatoren gegen den Tunnel Mut, es mit einer anderen, neuen Fragestellung nochmals zu versuchen, auch wenn seine Kammer das Urteil der Vorinstanz bestätigen müsse (siehe Presseerklärung der BI zum Urteil und Bürgerbegehren – das Urteil und Bürgerbegehren – die Verhandlung). Deshalb wurde nun mit neuer Fragestellung eine erneute Unterschriftensammlung gestartet.

Die  Frage, die man den Starnbergern in einem Bürgerentscheid vorlegen möchte, lautet jetzt:

„Sind Sie gegen den Bau des geplanten B2-(Entlastungs-)Tunnels – und somit dafür, dass der Stadtratsbeschluss vom 20.02.2017 aufgehoben und an dessen Stelle die Stadtverwaltung beauftragt wird, umgehend weitere Schritte zur Realisierung einer orftsfernen Umfahrung einzuleiten?“

Zur Begründung wird angeführt, dass der Tunnel die Starnberger Verkehrsprobleme nicht löse, sondern zusätzlichen Verkehr in die Stadt ziehe. Abgase und Feinstaub würden ungefiltert aus dem Tunnel geleitet, was eine Gefahr für die Gesundheit der Bürger darstelle. Der Tunnel bewirke während der Bauzeit eine unverhältnismäßige Belastung der Starberger Bürger, Schulen und der Geschäftswelt. Und die Zustimmung des Stadtrates zur Baugenehmigung für den Tunnel widerspreche dem Mehrheitsvotum der Wähler in der 2015 wiederholten Stadtratswahl und der offiziellen Stellungnahme der Stadt zum Bundesverkehrswegeplan 2030 vom 2. Mai 2016.

Als Vertreter des Bürgerbegehrens wurden der Vorsitzende von „Pro Umfahrung – Contra Amtstunnel“, Klaus Huber, der Vorsitzende von „Starnberg bleibt oben“, Michael Landwehr, und der Starnberger Zahnarzt Johannes Glogger benannt.

Mit dem Beschluss des Stadtrates vom 20. Februar 2017 hatte sich dieser für den sofortigen Bau des B2 Tunnel ausgesprochen. Eine Mehrheit für diese Entscheidung war deshalb zustande gekommen weil die fünf Stadträte Klaus Rieskamp (damals noch BLS, inzwischen zur DPF gewechselt), Johannes Bötsch (BLS), Sieglinde Loesti  und Angelika Kammerl (beide DPF) sowie Angelika Wahmke (damals noch BLS, heute UWG) die Fronten gewechselt hatten. Waren sie bei der Kommunalwahl 2015 noch gegen den Bau des Tunnels angetreten, sprachen sie sich nun dafür aus. Teil des Beschlusses war zwar auch der Auftrag an die Stadtverwaltung, umgehend weitere Schritte zur Realisierung einer ortsfernen  Umfahrung, ergänzend zum B2-Tunnel, einzuleiten. Doch stehen einige Politiker beider Lager auf dem Standpunkt, es werde keine Genehmigung für eine Umfahrung Starnbergs im Nordosten geben, solange mit dem Tunnel eine Alternative bestehe, die die Eingriffe in die Natur und in FFH-Gebiete für eine Umfahrung überflüssig mache.

Tunnel-Infos werden verteilt

Eine Pressemitteilung des Staatlichen Bauamtes Weilheim:

„Das Tunnelteam erweitert das Medienangebot für die Starnberger Bevölkerung: die Erstausgabe des neuen DIALOG erreicht am kommenden Mittwoch, 31. Juli 2019 10.600 Haushalte in insgesamt neun Gebieten. Die DIALOG-Erstausgabe widmet sich „Fragen & Antworten Teil 1“.

„Rund um den Tunnel Starnberg gibt es eine Vielzahl spannender Themen. Deshalb haben wir das Informationsmedium DIALOG entwickelt. Hier finden Leserinnen und Leser Wissenswertes auf den Punkt gebracht“, fasst Behördenleiter Uwe Fritsch die Entstehungsgeschichte des neuen DIALOG zusammen.

„Der DIALOG greift Themen auf, die aktuell diskutiert werden, und bringt objektive Fakten ganz konkret in die Diskussion ein. Online und in Papierform“, führt Raphael Zuber, Abteilungsleiter Straßenbau für den Landkreis Starnberg am Staatlichen Bauamt Weilheim, aus. „Unsere Erstausgabe im handlichen Format wird am kommenden Mittwoch, 31. Juli 2019 an 10.600 Haushalte in Hadorf, Hanfeld, Landstetten, Leutstetten, Percha, Perchting, Söcking, Starnberg und Wangen verteilt. Für uns ist dies nach Postwurfsendungen der neuen Tunnelbroschüre im Oktober letzten Jahres und der zweiten Bürgerinformation zum Straßenbau des Nordzulaufs im Mai dieses Jahres bereits die dritte, direkte Verteilaktion in die Briefkästen der Starnberger Bürgerinnen und Bürger“, erklärt Zuber. „Ab Donnerstagnachmittag, 1. August 2019 liegt der

neue DIALOG auch im Rathaus, dem Landratsamt, bei der Polizei und im Infocenter, das ab 12. September 2019 wieder öffnet, aus“, ergänzt Zuber.

In jüngster Zeit wurden bestimmte Fragen vermehrt an das Tunnelteam gerichtet, die die DIALOG-Erstausgabe beantwortet. Es geht u. a. um Fragen zum Projekt und zur Sicherheit sowie um den Themenkreis Boden/Wasser.“

Infocenter Tunnel pausiert

Eine Mitteilung des Staatlichen Bauamtes Weilheim:

Das zur Bürgerinformation eingerichtete und von der Starnberger Bevölkerung gut angenommene Infocenter beim Landratsamt macht vom 1. August 2019 bis einschließlich 5. September 2019 Sommerpause. Letzter Öffnungstermin diesen Monat ist Donnerstag, 25. Juli 2019.

Während der Urlaubszeit orientiert sich das Infocenter Tunnel Starnberg an den Schulferien und macht daher vom 1. August bis einschließlich 5. September 2019 Sommerpause. „Ab 12. September 2019 ist unser Infocenter wieder geöffnet“, fasst Raphael Zuber, Abteilungsleiter Straßenbau für den Landkreis Starnberg am Staatlichen Bauamt Weilheim, zusammen. „Wir stehen ab der zweiten Septemberwoche wie bewährt den Bürgerinnen und Bürgern Starnbergs immer donnerstags von 16 bis 18 Uhr Rede und Antwort“, präzisiert Zuber. „In der Zwischenzeit auftretende Fragen können gern an unsere E-Mail-Adresse geschickt werden, die wir für den Bürgerdialog eingerichtet haben. Sie lautet: tunnelstarnberg(at)stbawm.bayern.de“, ergänzt Michael Meister, Leiter Presse- und Öffentlichkeitsarbeit am Staatlichen Bauamt Weilheim. „Wir freuen uns auf die Fortsetzung des direkten Dialogs mit Anwohnern, Betroffenen und interessierten Bürgerinnen und Bürgern ab Donnerstag, 12. September 2019“, so Meister weiter.

Düsenstrahlverfahren vertagt

Das Staatliche Bauamt Weilheim teilt mit:

„Das ursprünglich für die Sommerferien 2019 geplante Probefeld für das Düsenstrahlverfahren zur Anpassung an die besonderen Starnberger geologischen Verhältnisse verschiebt das Staatliche Bauamt Weilheim aufgrund externer Gründe voraussichtlich ins kommende Jahr.

Das Düsenstrahlverfahren (DSV) ist ein getestetes und bewährtes Verfahren, das zur Bodenverfestigung eingesetzt wird. Ziel ist stets, mit den vor Ort anzutreffenden besonderen Bodenverhältnissen ein optimales Ergebnis zu realisieren.

„Das Düsenstrahlverfahren wird zur Verfestigung des Bodens sowohl im Bereich des Nordportals als auch beim Südportal zum Einsatz kommen. Im Areal des Nordportals spielt der Seeton keine unwichtige Rolle. Deshalb ist es zwingend erforderlich, das DSV an die anspruchsvollen Bodenbeschaffenheiten anzupassen“, gibt Raphael Zuber, Abteilungsleiter Straßenbau für den Landkreis Starnberg beim Staatlichen Bauamt Weilheim, einen Ausblick auf den künftigen DSV-Einsatz.

„Die derzeit zu beobachtende schwierige Marktlage im Segment der Düsenstrahlverfahren hat für uns in der Konsequenz dazu geführt, dass wir aktuell leider keine annehmbaren Angebote zur Durchführung des DSV-Probefeldes erhalten haben. Somit schieben wir dieses Vorhaben voraussichtlich ins nächste Jahr und müssen damit dieses Jahr am Gymnasium Starnberg nicht eingreifen“, erklärt Zuber die Verschiebung dieses Teilprojektes.

DSV-Anwendungsfälle beim Tunnel Starnberg

In den Baugruben der offenen Bauweise gibt es zwei DSV-Anwendungsfälle: zum einen ist eine Verfestigung wegen geringer Überdeckung in beiden Portalbereichen erforderlich. Geringe Überdeckung bedeutet, dass zwischen der Oberkante des künftigen Tunnels und der Oberfläche geringer Abstand herrscht. Zum anderen ist diese Verfahren im Bereich des Nordportals auch zur Verfestigung der anstehenden Seetone unabdingbar erforderlich.

Der Seeton in Starnberg mit seinen strukturempfindlichen Tonen unterschiedlicher Konsistenzen ist Teil der geologischen Vielfalt, gerade beim Nordportal, die das Tunnel-Team u. a. in seiner im Herbst 2018 publizierten Tunnel-Broschüre thematisiert.“

BI: B2-Tunnel braucht mehr Sicherheit

Nach Bekanntwerden der neuen Sicherheitsanforderungen für die im Bau befindliche 2. Stammstrecke der S-Bahn in München hat die Starnberger „Bürgerinitiative Pro Umfahrung – Contra Amtstunnel“ (BI)  sich nun mit einer Presseerklärung zum B2-Tunnel zu Wort gemeldet:

Sicherheitskonzept des B2-Tunnels ist überholt

Das Sicherheitskonzept zur „Selbstrettung“ beim Starnberger B2-Tunnel verdient den Namen nicht. Es gilt das Prinzip „Rette sich wer kann“. Das dürfte den allerwenigsten im Katastrophenfall gelingen, mit Sicherheit nicht Kindern, alten Menschen und Menschen mit eingeschränkter Mobilität. Die Rettung über Rettungsschächte mit „haushohen“ Treppenhäusern wird seit Jahren beim Bau von Verkehrstunneln abgelöst durch befahrbare Rettungsstollen /Rettungsröhren, die parallel zum Tunnel laufen und mit diesem durch Querstollen als Fluchtweg verbunden sind.

Wie jetzt veröffentlicht wird, muss das Sicherheitskonzept der zweiten S-Bahn- Stammstrecke grundlegend geändert werden, obwohl das Projekt ohnehin zwei getrennte Richtungstunnels aufweist. Doch das Rettungssystem über Schächte muss wegen unlösbarer Probleme ersetzt werden durch eine dritte, befahrbare Rettungsröhre. Die Umplanung ist spektakulär, weil die neue S-Bahn-Stammstrecke bereits im Bau ist.

BI und WPS haben seit Baugenehmigung des B2-Tunnels im Jahr 2008 das Sicherheitskonzept „Selbstrettung“ mit Rettungsschächten heftig kritisiert und im Januar 2011 einen Antrag im Stadtrat gestellt, „das veraltete und nicht behindertengerechte Sicherheitskonzept des B2-Entlastungstunnels durch die Forderung nach einem sicherheitstechnisch zeitgemäßen und parallellaufenden befahrbaren Rettungsstollen nachbessern zu lassen“. Der Antrag wurde von der Mehrheit der Stadträte abgelehnt, weil man befürchtete, das ganze Projekt könnte damit gefährdet werden. Dabei ist die Sicherheit das oberste Gebot, wenn es um Menschenleben geht. Die schrecklichen Unfälle, die sich immer wieder in Straßentunnels ereignen, zeigen die konkrete und nicht nur herbeigeredete Lebensgefahr. Jeder Stadtrat trägt hier eine große Verantwortung.

Nach Anhörung der Starnberger Feuerwehr sowie des Gutachters der Stadt Dr. Dirk Schneider sind die geplanten Rettungsschächte mit Treppenhäusern über mehrere Stockwerke auch in Starnberg ein bisher ungelöstes Problem. Wir meinen, das gesamte Sicherheitskonzept muss abgeändert werden, zumal noch weitere Risiken des einröhrigen B2-Tunnels mit Gegenverkehr hinzukommen, wie fehlende Trennwand zwischen den Richtungsfahrbahnen, unüberwindbare Längsneigung des Tunnels für Rollstuhlfahrer oder schmalste Gehsteige entlang der Fahrbahn.

Die Hoffnung der Tunnelfreunde, die Hauptstraße würde entlastet und zu einer Idylle werden, ist illusorisch. Man muss nicht klaustrophobisch veranlagt sein, wenn man den B2- Tunnel, sollte er denn kommen, wie eine 2.000 m lange „Geisterbahn mit Gegenverkehr“ meidet und „oben umfährt“. Die Politik sollte mehr auf die Technik hören: Das Projekt ist eine Fehlplanung! Das Wort „B2-Entlastungs-Tunnel“ ist von der Technik längst gestrichen.

Mit der Westumfahrung wird die Stadt bereits zu 50 % vom Durchgangsverkehr befreit. Ergänzen wir diese geduldig mit einer Nordumfahrung, dann ist die 100%- Entlastung der Stadt auch auf den Staatsstraßen komplett. Von dieser Baustelle würden die Starnberger, genauso wenig beeinträchtigt werden wie vom Bau der Westumfahrung.“

Grünes Licht für Test am Gymnasium

Gegen die sechs Stimmen von BMS, WPS, FDP und Bürgermeisterin Eva John hat die Stadtratsmehrheit zugestimmt (20:6), dass in der Grünfläche vor dem östlichen Teil des Gymnasiums ein Düsenstrahlverfahren-Testfeld entsteht. Hauptsächlich während der Sommerferien will das Staatliche Bauamt Weilheim hier bis zu 20 Säulen mit einem Durchmesser von 1,50 Meter fünf bis sechs Meter tief im Seeton betonieren. Die Baustelleneinrichtung erfolgt noch vor den Ferien entlang der Rheinlandstraße und nimmt Flächen des neuen Geh- und Radweges sowie die neuen Parkplätze entlang der Straße in Anspruch. Vorher werden auf der Testfeldfläche auch noch Drucksondierungen durchgeführt, für die seitlich an der Böschung eine temporäre Zufahrt gebaut wird. Bürgermeisterin Eva John hatte Bedenken geltend gemacht. Das Gymnasium samt Grundstück ist Eigentum der Stadt. Die Rheinlandstraße und die betroffene Grünfläche war erst vor zwei Jahren neu hergerichtet worden. Neu gepflanzte Bäume würden gefällt. Arbeiten im Untergrund in einem Abstand von 2,50 Meter zur Außenwand des Schulgebäude bringen eventuell statische Beeinträchtigungen mit sich. Stellungnahmen von Seiten der Schule oder vom Elternbeirat sind nicht bekannt.

Das Düsenstrahlverfahren soll laut John zum Einsatz kommen, wenn das nördliche Portal sowie die ersten Meter des geplanten B2-Tunnels zwischen der Bahnbrücke und der Einmündung der Münchner- in die Ferdinand-Maria-Straße gebaut werden. Bis zu fünf Drucksondierungen wolle die Weilheimer Behörde in der Grünfläche vor den Klassenzimmern des Gymnasiums durchführen. Ein Beweissicherungsverfahren, anhand dessen dokumentiert, wie der Zustand vor und nach der Maßnahme ist, ob also dadurch Schäden entstanden sind, werde vorgeschaltet. Die Fußgänger und Radfahrer würden über den Straßenbereich umgeleitet. Die unterirdisch neu hergestellten Baukörper verblieben nach dem Test im Erdreich, was Auswirkungen auf Grundwasserströme haben könne. Bäume müssten gefällt werden. Die Stadt habe eine Verschiebung weg vom Gymnasium gefordert, was Weilheim ablehne. Laut John hat das Staatliche Bauamt gutachterlich prüfen lassen, welche Flächen für ein Testfeld in Betracht kommen, darunter die neben dem McDonalds oder eine private Fläche vor dem Hochhaus der Familie Gaßner. Letztere wurde jedoch nach den Ausagen von Raphael Zuber vom Staatlichen Bauamt nicht in Betracht gezogen, weil Mieter betroffen wären. Grundsätzlich bemühe sich das Bauamt immer, öffentlichen Grund für solche Tests in Anspruch zu nehmen, sagte er.

Auf Antrag von Stefan Frey (CSU) bekam Zuber im Stadtrat ein Rederecht eingeräumt. Er erläuterte, die sogenannten DSV-Säulen sollten helfen, den Untergrund zu verbessern. Das Nordportal und der dortige Beginn des Tunnels werde im erst in 15 Meter Tiefe beginnenden Seeton gebaut werden, was bedeute, dass dieses instabile Material im Vorfeld verfestigt werden müsse. Damit die Zuverlässigkeit des Verfahrens im nahen  Umfeld vor der Ausschreibung  des Tunnelbaus nachgewiesen sei, müsse der Test durchgeführt werden. Auf der McDonalds-Fläche lägen zu viele Sparten (Gas, Wasser, Strom, Telekom usw). Andere vom Gutachter genannte Grundstücke lägen zu weit entfernt und die private Fläche gehe mit der Beeinträchtigung von Mietern einher. Der Schulbetrieb im Gymnasium solle nicht gestört werden, weshalb zumindest der Test des Düsenstrahlverfahrens  überwiegend in den Ferien stattfinden solle. Mit Beeinträchtigungen der Grundwasserströme rechnet Zuber nicht, auch nicht mit Hebungen und Setzungen an der Erdoberfläche. Für den Fall des Falles werde aber vorsichtshalber ein Beweissicherungsverfahren durchgeführt. Sollte etwas beschädigt werden, sei es wieder herzustellen. Drei Bäume müssten aus- und später wieder eingepflanzt werden. „Kleine Einschränkungen“ werde es für den Fuß- und Radverkehr geben.

„Für mich ist es richtig und wichtig, das Bauverfahren mit möglichst wenig Betroffenen zu testen. Ich beantrage die Zustimmung“, sagte Frey. Franz Heidinger (BLS) wollte weniger „Flächenverbrauch“, aber Zuber versicherte: „Wir brauchen die Flächen zwingend schon für die Baustelleneinrichtung.“ Iris Ziebart (FDP) wies darauf hin, dass das Gymnasium sehr gut saniert sei. Sollte es nun Schäden geben, sei nicht nur das negativ, sondern auch der Umstand, dass dann Reparaturen im Schulbetrieb durchzuführen seien. Sie warnte: „Die Geräte sind größer als bei den Probebohrungen.“ Ziebart bedauerte, dass eine große Wiese westlich des Gaßner-Hochhauses gar nicht in Betracht gezogen worden sei. Dort wären nach ihrer Ansicht Mieter nicht betroffen gewesen und die Testfläche hätte eine größere Nähe zum tatsächlichen späteren Einsatzort gehabt. Markus Mooser (WPS) wollte aus Naturschutzgründen wissen, welche Mengen Beton im Untergrund verbleiben. Eine konkrete Auskunft erhielt er dazu nicht. Thomas Beigel (CSU) sagte: „Ich bin froh, dass das gemacht wird, damit wir keine weiteren Überraschungen erleben. Und das Feld wird ja wiederhergestellt. Wir sollten grünes Licht geben.“ Anton Wiesböck (FDP) fragte UWG-Stadtrat Otto Gaßner, ob seine Familie hinsichtlich seiner privaten Fläche vom Staatlichen Bauamt gefragt worden sei. „Bei mir wird ein Düker gebaut“, bekam er zur Antwort.

Düsenstrahltestfeld vor Gymnasium?

Am Donnerstag, 11. April 2019, ab 18.30 Uhr, muss sich der Stadtrat mit einem Antrag des Staatlichen Bauamtes Weilheim befassen. Es möchte im Bereich Gymnasium/Rheinlandstraße in Vorbereitung auf den B2-Tunnelbau ein Düsenstrahlverfahren-Testfeld einrichten und die entsprechende Technik dort testen. Das Gelände gehört der Stadt Starnberg.

Beim Düsenstrahlverfahren wird eine zementhaltige Bindemittelsupension unter Hochdruck ins Erdreich eingebracht und führt dort zu unterschiedlich ausgeformten Strukturen unter der Oberfläche. Auf der Homepage der Schrobenhausener Firma „BAUER Maschinen GmbH“ heißt es: „Mit dem Düsenstrahlverfahren wird der Boden von einem Flüssigkeitsstrahl mit hoher Energie aufgeschnitten und mit einer erhärtenden Suspension gemischt.“ Den Einsatzmöglichkeiten seien nahezu keine Grenzen gesetzt. Das Verfahren werde für Unterfangungen/Nachgründungen, Lückenschluss, Tief- und hochliegende Sohlen, Schirminjektionen im Tunnelbau und Dichtwände  angewendet. Risiko sind laut Fachliteratur Hebungen an der Erdoberfläche. Was genau das Staatliche Bauamt beabsichtigt, wird vormutlich am Donnerstag in der Sitzung erläutert.

Zur Sprache gekommen war der geplante Tagesordnungspunkt am Sonntag beim Frühlingstreffen der Bürgerinitiative „Pro Umfahrung – Contra Amtstunnel“ (BI), bei dem auch Bürgermeisterin Eva John zu Gast war. Der ehemalige BI-Chef, Professor Hans Jochen Diesfeld, hatte sich im Diskussionsteil der Veranstaltung pessimistisch geäußert. Der amtierende Stadtrat, besonders die ihm angehörenden Juristen, würden auch gegen ein neu aufgesetztes Bürgerbegehren gegen den Tunnelbau Bedenken vorbringen, meinte er (siehe BI bereitet neues Bürgerbegehren vor). Nach Diesfelds Ansicht verletzen die Stadträte in Mehrheit ihren Amtseid, denn der von ihnen  unterstützte B2-Tunnel „zieht Schaden in die Stadt“.

Ihm antwortete die Bürgermeisterin: „Der Stadtrat hat regelmäßig Gelegenheit die Interessen der Bürger in die Abwägung zu stellen.“ Sie verwies auf den Tagesordnungspunkt „Düsenstrahlverfahren“ am Donnerstag, klagte aber, die Stadtverwaltung werde vom Staatlichen Bauamt regelmäßig vor vollendete Tatsachen gestellt. In Sachen Zusammenarbeit habe man in den letzten Jahren eher negative Erfahrungen gemacht. Das gelte auch für die Bauarbeiten am Nordzulauf des Tunnels, wo es nun plötzlich an der Moosstraße keinen Fußgängerüberweg mehr gebe – entgegen dem Wunsch der Stadt. „Es ist schon ein bissel grob, was passiert“, so John.

Tunnel-Zulaufstrecke: Bau geht weiter

Das Staatliche Bauamt Weilheim teilt mit:

„Nach der Winterpause werden die Bauaktivitäten für den Straßenbau zum künftigen Tunnel-Nordportal ab Dienstag, 2. April 2019 wieder aufgenommen.

Den Auftakt bildet die Baustelleneinrichtung sowie Maßnahmen zur Verkehrssicherung am Dienstagabend, 2. April 2019 ab 20 Uhr – somit nach dem Berufsverkehr. Dies passiert in der Nacht auf Mittwoch und endet um ca. 6 Uhr morgens am 3. April 2019. Bei ungeeignetem Wetter muss eine kurzfristige Verschiebung dieser Maßnahme erfolgen. Die Verkehrssicherungsmaßnahmen umfassen einerseits die Sperrung der Einmündung Perchastraße; andererseits entfällt der Fußgängerüberweg an der Kreuzung Moosstraße/Perchastraße. Der Gehweg zwischen der Aral-Tankstelle und der Perchastraße wird ebenfalls gesperrt.

Der normale Baustellenbetrieb beginnt somit am Mittwoch, 3. April 2019.
In dieser Bauphase werden z. B. Spartenverlegungsarbeiten (Verlegung von Versorgungsleitungen) sowie die baulich erforderliche Verschiebung von Gehwegen etc. durchgeführt. Damit werden Eingriffe in Anliegergrundstücke verbunden sein, die vom Staatlichen Bauamt Weilheim mit den betroffenen Anwohnern und Eigentümern bereits abgestimmt worden sind.

 

Während der Bauphase sind kleinere Verlegungen der provisorischen Gehwege im Bereich des Landratsamtes und der Perchastraße gemäß aktuellem Baufortschritt möglich.

Die Arbeiten dauern voraussichtlich bis Juli 2019. Daran werden sich weitere Bauphasen anschließen.

Die Wiederaufnahme der Bautätigkeit wird flankiert durch LED-Anzeigen, die mit folgendem Hinweistext aufgestellt werden:
„Tunnel Starnberg: Ende der Winterpause – Achtung Einmündung Perchastr. gesperrt. Baubeginn: 02.04.2019“.

„Wir freuen uns, erneut unsere LED-Anzeigen für die frühzeitige Information der Autofahrer einsetzen zu können. Diese haben hohen Aufmerksamkeitswert und werden von den Verkehrsteilnehmern gut angenommen“, so Jacob Eberle, Sachgebietsleiter Straßenverwaltung und -unterhaltung für den Landkreis Starnberg beim Staatlichen Bauamt Weilheim.