Picker legt politische Ämter nieder

Mit Wirkung ab heute hat Professor Dr. Günther Picker sein Stadtratsmandat für die WPS niedergelegt. Das hat er gestern Abend Bürgermeister Patrick Janik mitgeteilt. Gesundheitliche Gründen hätten ihm keine andere Wahl gelassen. Vor ein paar Tagen war der streitbare Jurist auch vom Vorsitz bei der WPS zurückgetreten.

„Ich wünsche Ihnen und dem Stadtrat eine glückliche Hand beim Navigieren des Stadtschiffes durch die immer rauer werdende See“, hat Picker an Janik geschrieben. Es ist kein Geheimnis, dass er lieber dessen Amtsvorgängerin Eva John weiter an der Stadtspitze gesehen hätte. Doch die Wähler haben anders entschieden. Dabei ist der ehemalige Geschäftsführer des Bayerischen Bankenverbandes alles andere als ein Mensch, der einfach so die Flinte ins Korn wirft. Doch schon vor der Kommunalwahl im März 2020 war er über einen längeren Zeitraum erkrankt gewesen. Die Gesundheit richtet sich nun mal nicht nach den persönlichen Wünschen, so dass man nicht immer nach dem eigenen Grundsatz verfahren kann, dass Dinge, die man begonnen und für die man Verantwortung übernommen hat, zu Ende gebracht werden. Das war für Picker immer selbstverständlich.

Der gebürtige Ostfriese war seit 2008 Mitglied des Stadtrates. Er hatte dem Lager der Gegner des B2-Tunnel-Projektes und der entsprechenden Bürgerinitiative „Pro Umfahrung – Contra Amtstunnel (BI)“, bei der er sich ebenfalls engagierte, nicht nur ein zusätzliches Gesicht gegeben, sondern ihr auch die politische Unterstützung verschafft, die sie zuvor nie hatte. Die Wählergemeinschaft Pro Starnberg (WPS) war sein Konstrukt. Von Beginn an war er Vorsitzender und Fraktionssprecher, sorgte im Stadtrat für heftigste Debatten. „Man muss die Dinge zuspitzen, muss polarisieren, damit die Leute verstehen, worum es geht“, hat er gesagt. Gegenüber den politischen Mitbewerbern war Picker nicht zimperlich, hielt aber im Gegenzug das Echo ohne mit der Wimper zu zucken aus. Er gab den bis dato unangefochtenen Juristen der UWG, Otto Gaßner und Jürgen Busse, Contra, denn mit ihm verfügten nun auch die Tunnelgegner über einen Juristen, dem man kein X für ein U vormachen konnte.

Persönlich schwer getroffen hat Picker, der Ende letzten Jahres seinen 75. Geburtstag gefeiert hat, der Seitenwechsel seiner ehemaligen Mitstreiter Klaus Rieskamp, Angelika Kammerl und Sieglinde Loesti, die wie Angelika Wahmke und Johannes Bötsch in der Ratsperiode 2014 bis 2020 die Lager wechselten und fortan den Tunnel unterstützten. Was dazu führte, dass der Bund und der Freistaat Gas gaben, das Straßenbauprojekt in Starnberg doch noch vor Ablauf der Baugenehmigung zu beginnen. Ob das gelungen ist, ist strittig. Die Unterstützung der CSU-Bundesminister im Verkehrsministerium bewirkte trotzdem den Fluss der finanziellen Mittel, die das Staatliche Bauamt Weilheim seit 2017 im Nordzulauf für den Tunnel verbaut. Aufgegeben haben die Tunnelgegner – einschließlich Picker – aber immer noch nicht. Doch für ihn sind jetzt erst einmal andere Dinge wichtiger.

An der Spitze der WPS übernimmt Georg Stahl den Stab. Er war bisher Pickers Stellvertreter und ist auch in der BI engagiert. Nachrücker für den Stadtrat wäre laut Liste Dr. Klaus Huber, der bis zum März bereits für die WPS ein Mandat dort inne gehabt hat und sich deshalb bestens auskennt. Er ist zugleich Vorsitzender der BI. Fraglich ist, ob er noch vor der Sommerpause vereidigt werden kann, denn die Tagesordnung für die letzte Stadtratssitzung steht bereits fest, ohne die Entlassung Pickers  und die Nachbesetzung zu enthalten.