Fraktionen beraten über Baurecht

Die einen waren bei der vorgeschalteten Ortsbesichtigung dabei gewesen, die anderen nicht. Dementsprechend lagen die Argumente der Stadträte des Bauausschusses in der Frage, ob auf dem in Augenschein genommenen Grundstück südöstlich der Straße „Am Wiesengrund“ noch schützenswerter „Wald“ vorhanden ist, oder es sich, wie andere meinten, längst um einen „Garten“ handele, dessen Bebauung man zulassen sollte, weit auseinander. Um es vorweg zu nehmen, eine Einigung war nicht zuwege zu bringen. Winfried Wobbe (UWG) stellte nach langer Diskussion den Antrag, noch nicht zu entscheiden, sondern zunächst innerhalb den jeweiligen Fraktionen zu beraten. Mit 7:5 Stimmen fand das allerdings nur eine knappe Mehrheit.

Josef Pfister (BMS) schilderte seinen Eindruck von der Ortsbesichtigung: „Ein paar Fichten, 15 Meter hoch, zwei Birken und zwei weitere Laubbäume. Erst das übernächste Grundstück ist wieder richtig bewaldet. Die Ortsbesichtigung war sehr hilfreich. Der nächste Sturm macht die Fläche baumfrei. Ich verstehe das Ansinnen der Eigentümer, hier bauen zu wollen und bin dafür, das zu ermöglichen.“ Laut Bürgermeisterin Eva John gibt es am Grundstücksrand eine schützenswerte Eiche. Hintergrund der Diskussionen ist ein immens langes Bebauungsplanverfahren, dass in den 90er Jahren zum Abschluss kam und festlegte: „Die in die freie Landschaft übergreifenden Grünzüge und der Baumbestand sind aus orts- und landschaftsplanerischen Gründen sicherungwürdig.“ Dennoch hatten 2012 weitere Grundeigentümer Erfolg mit ihrem Begehren, ihre Flächen ohne Waldbestand zu Bauraum zu machen. Daran grenzt das nun in der Diskussion befindliche Grundstück an.

Annette von Czettritz (Grüne) sagte: „Ich bin nicht glücklich, weil sich die Baumbeseitigung immer weiter fortsetzt.“ Ganz anders sah das Franz Heidinger (BLS), der gleich die Hausnummern 16 und 16 a in die Bebauungsplanänderung einbeziehen wollte. Vehementer Widerstand kam von Ludwig Jägerhuber (CSU). Er sehe keinen Anlass, die jahrzehntelange Haltung zu ändern, denn das habe Signalwirkung in der gesamten Stadt. Landwirt Anton Wiesböck (FDP) sah das Grundstück aus fachlicher Sicht: „Der Fichtenbestand ist in die Erntejahre gekommen. Wahrscheinlich werden die Fichten beim Sturm von selbst umfallen. Ich kann damit leben, dass da rein gebaut wird.“ Als „schmerzfrei“ bezeichnete sich auch Angelika Kammerl (DPF): „Wir werden Baurecht innerorts ausweisen müssen.“ Jägerhuber versuchte es erneut: „Auch wenn der Wald abgewertet wird, bleibt es deshalb immer noch Wald, der dann nach einem Sturm eben wieder aufgeforstet werden muss.“ Es gehe bei diesem hochwertigen Grundstück schließlich nicht um sozialen Wohnungsbau. Ein paar Tagesordnungspunkte vorher hatte Jägerhuber nämlich gar keine Bauchschmerzen verspürt, von Vorgaben eines Bebauungsplanes abzuweichen. Da ging es um das Vorhaben des Landkreises, am Trambahnbergl in Söcking auf der eigentlich geschützten Geländekante ein sehr hohes Wohnhaus für Staatsbedienstete bauen zu wollen (siehe Ratsmehrheit erneut auf Seiten von Roth).

Pfister meinte: „Es ist ja richtig, die großen Waldzüge nicht anzugreifen. Aber man sollte nicht Bäume schützen wollen, die gar nicht mehr da sind.“ Wiesböck ergänzte: „Ich habe da zwei Gärten gesehen, keinen Wald. Meine Intention ist die Gleichbehandlung mit den angrenzenden Grundstückseigentümern Am Wiesengrund.“ Jetzt wird erst einmal intern beraten.