MIS: Herausnahme aus Landschaftsschutz?

Seit die Munich International School im vergangenen Jahr ihren neuen Masterplan vorgestellt hat (siehe Neuer Masterplan für MIS) haben Schulverantwortliche und Starnberger Bauverwaltung bereits wesentliche Schritte zur Umsetzung unternommen. Die Änderung des Flächennutzungsplans und des Bebauungsplanes wurden öffentlich ausgelegt. In der frühzeitigen Beteiligung der Öffentlichkeit gingen keine Anregungen von Bürgern, sondern lediglich von Trägern öffentlicher Belange und Behörden ein (siehe Bauleitplan MIS auf gutem Weg). Diese Einwände und Anregungen sind jetzt im Bauausschuss des Stadtrates abgewogen und einstimmig einer Entscheidung zugeführt worden. Das Ergebnis muss nochmals öffentlich ausgelegt werden. In der jüngsten Stadtratssitzung, in der das Ergebnis der Abstimmung im Bauausschuss abgesegnet werden musste, stimmten die beiden grünen Stadträte Franz Sengl und Martina Neubauer gegen diese Handhabung.

Ernsthafte Schwierigkeiten bereitet der Einwand der Unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt. Hier hat man es abgelehnt, die neuerlichen Änderungen auf dem Schulcampus wie in früheren Fällen im Wege der Befreiung von den Vorgaben der Landschaftzschutzverordnung „Starnberger See Ost“ zu ermöglichen.  Begründet worden waren diese in der Vergangenheit mit dem „besonderen öffentlichen Interesse an der internationalen Schule“. Die Untere Naturschutzbehörde verlangt jetzt, dass mit einem ordentlichen Verfahren die gesamten von der Schule benutzten Teile des Landschaftsschutzgebietes aus diesem herausgenommen werden. Dorn im Auge ist der Behörde unter anderem die geplante Einzäunung.  Es handelt sich ihrer Ansicht nach nämlich „weder um eine militärische oder kerntechnische Anlage, noch um ein Gefängnis.“  Der tatsächliche Sicherheitsgewinn im Hinblick auf eine hypothetische Gefahrenlage rechtfertige diese Einfriedung und den damit verbundenen, nachteiligen Gesamteindruck nicht, zumal der Bereich in einem regionalen Grünzug liege und damit den Belangen des Landschaftsbildes und des Naturhaushalts eine besondere Bedeutung zukomme.  Die Ausschussmitglieder hielten aber an der Einfriedung fest, sie soll begrünt werden. Entlang dieses Zaunes soll das herauszunehmende Gebiet, das etwa 13 Hektar umfasst, festgelegt werden.

„Ich begreife es nicht“, schimpfte Iris Ziebart (FDP). Das Sicherheitsbedürfnis jedes Kindergartens werde respektiert, aber: „ausgerechnet dieser Schule will man es verweigern“. Dabei habe die Schuleitung die Untere Naturschutzbehörde zur Ortsbesichtigung eingeladen und auch viele Kompromisse geschlossen. „Für mich ist es nicht nachvollziehbar, dass durch diese Forderungen das Projekt wieder verzögert wird.“ Für Bürgermeisterin Eva John ist das jedoch „eine klare Ansage“ der Landratsamtes. Das Herausnahmeverfahren müsse abgeschlossen sein, bevor der geänderte Bebauungsplan Rechtskraft erlangen könne. Für CSU-Stadt- und Kreisrat Ludwig Jägerhuber ist es „völlig gerechtfertigt, dass das Landratsamt da hinein beißt.“

Einstimmig votierte der Ausschuss dafür, dass die Stadt den Antrag auf Herausnahme aus der Landschaftsschutzverordnung bei der Kreisbehörde einreicht. Im Stadtrat lautete das Abstimmungsergebnis 25:3.

Neuer Masterplan für MIS

Zehn Jahre ist der letzte Masterplan der 1966 gegründeten Munich International School (MIS) heuer alt. Jetzt soll ein neuer Masterplan gelten. Den hat der Verwaltungsleiter der Schule, Roman Friemel sowie der beauftragte Architekt Professor Florian Burgstaller in der letzten Sitzung des Bauausschusses des Stadtrates vorgestellt. Er soll Grundlage für eine Änderung des gültigen Bebauungsplanes werden. Mit der Landeshauptstadt München und der MIS wird die Stadt Starnberg einen städtebaulichen Vertrag schließen. Betrachtungshorizont ist laut Friemel das Jahr 2035. Nur umfangreiche bauliche Ergänzungen garantierten den erfolgreichen Fortbestand der internationalen Schule, sagte er.

Der Masterplan vom Dezember 2008 hatte schon eine Obergrenze gesetzt, die auch jetzt gelten soll: Mehr als 1500 Schüler sollen auf Schloss Buchhof, in dem die Schule residiert, nicht unterrichtet werden. Derzeit seien es 1280, so Friemel, bei 1350 stoße man bereits an Kapazitätsgrenzen. Grund sei, dass man von der Tendenz her mehr Platz pro einzelnen Schüler benötige, weshalb es nun gelte, die pädagogischen Belange, die Interessen der Stadt Starnberg, auf deren Hoheitsgebiet die MIS liegt, und der Stadt München, die das Gelände gegen Erbpacht zur Verfügung stellt, in einem neuen Masterplan zu ordnen und gleichzeitig auf die historisch gewachsene Umgebung Rücksicht zu nehmen. Architekt Burgstaller sprach von einem breiten Team, mit dem er arbeite und zu dem auch Landschaftsplaner gehörten. Bekannt sei bereits, das eine Vierfach-Sporthalle benötigt werde. Die vorhandene Dreifach-Halle werde stattdessen in einen öffentlichen Treffpunkt für die Schule umfunktioniert. „Ein Treffpunkt, an dem sich endlich einmal die ganze Schule treffen könnte“, ergänzte Friemel. Am Schloss will Burgstaller einen viergeschossigen Turm ergänzen und später zum Abschluss der Erweiterungen im Süden einen Flügel für zusätzliche Klassenzimmer anbauen.

Der Masterplan 2008 hatte den Neubau für die Grund- und Oberschule gebracht, ebenso von Sporteinrichtungen und einer Kantine. Nach der nächsten Änderung des Bebauungsplanes wurde ab 2016 der Kindergarten und das Internat sowie ein Sport- und Schiedsrichterhaus erstellt, ebenso ein Empfangsgebäude. Der Pausehof und die Tribüne waren überdacht und der Sportplatz durch ein Kunstrasenspielfeld ersetzt worden.

WPS-Stadtrat Markus Mooser lobte: „Toll wie Sie Schule und Campus entwickeln. Das ist auch eine Aufwertung für Starnberg. Von uns aus steht die Ampel auf grün.“ Auch Iris Ziebart (FDP) war zufrieden: „Die Addition stellt einen überzeugenden Zusammenhang her.“ Gerd Weger (CSU) rückte jedoch wie in früheren Jahren die Verkehrsbelastung des Starnberger Ortsteils Percha gerade durch den Hol- und Bringverkehr zur MIS in den Vordergrund: „Der Verkehr ist für Percha unzumutbar. Sie müssen ernsthaft versuchen, einen direkten Autobahnanschluss zu bekommen. Auch von Seiten der Schule muss Druck erzeugt werden.“ Bekanntlich gibt es im Bereich des Parkplatzes der MIS eine provisorische Baustelleneinfahrt zur Autobahn, doch die Autobahndirktion Süd hatte sich in der Vergangenheit bei entsprechenden Vorstößen von Altbürgermeister Ferdinand Pfaffinger stets hartleibig gezeigt und einen eigenen Anschluss der Schule an die Autobahn abgelehnt. „Wenn es Möglichkeiten gibt, unterstützen wir das natürlich“, versicherte Friemel. Ludwig Jägerhuber (CSU) ließ als Protokollnotiz festhalten: Die Bürgermeisterin möge erneut bei der Autobahndirektion vorstellig werden. „Gemeinsam sind wir stark – mit der Schule und der Stadt München“, so Jägerhuber. Rathauschefin Eva John erinnerte daran, dass der Stadtrat bereits ein Verkehrskonzept für Percha in Auftrag gegeben habe: „Wir hoffen, dass sich der eine oder andere Bedenkenträger doch überzeugen lässt“, sagte sie optimistisch.

Der Bauausschuss billigte die Änderungswünsche der MIS auf Grund des neuen Masterplans, stellte anheim, dass die MIS einen Änderungsentwurf für den Bebauungsplan erarbeitet und ein städtebaulicher Vertrag geschlossen wird. Das in allen Fällen einstimmige Votum deutete John als „gute Basis für weiteres Gelingen“.