Immobilienspekulation mit Musikschule?

In der gestrigen Sitzung des Hauptausschusses des Stadtrates rieben sich so manche Besucher die Augen. Heißt es im Grundgesetz, Artikel 14, Absatz 2 „Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen.“ – so scheint das zumindest bei den Mitgliedern dieses Ausschusses noch nicht Überzeugung zu sein. Ganz offen wurde nämlich darüber geredet, dass das Gebäude der heutigen Musikschule von der Stadt verkauft werden könnte und man jetzt keine Sanierung durchführt. Besonders Ludwig Jägerhuber (CSU) warb für einen solchen Weg. Das rief bei einigen Zuhörern, durchwegs Lehrer oder Schüler der städtischen Musikschule an der Mühlbergstraße, teils Kopfschütteln hervor.

Die gute Nachricht: Eine Begehung des Gebäudes mit Fachleuten für Brandschutz, Statik, von Landratsamt und mit Vertretern der Musikschule habe zwar bestätigt, dass die Schließung im Moment nötig ist, aber mit einem „überschaubaren Aufwand“ könnten bauliche Maßnahmen vorgenommen werden, die helfen, im Brandfall Unterrichtsräume gegen Rauch aus dem Treppenhaus abzuschotten, berichtete Bürgermeister Patrick Janik (UWG). Nach den Sommerferien bestehe somit die Chance, dass der Betrieb wieder möglich ist, ausgenommen in einem der hinteren Teile des Gebäudes. Schulleiterin Cornelia Lee-Winser habe zugesichert, dass sich der Untericht trotz der Reduzierung der Räume organisatorisch bewerkstelligen lassen wird. Das wünschte Janik aber von der Sanierungsfrage unabhängig zur Kenntnis zu nehmen. Er machte einen Vorschlag, wie ansonsten weiter vorgegangen werden sollte. Janik befürchtet, dass die Erlangung der wie berichtet fehlenden Baugenehmigung (siehe Mut und Einsatz für Musikschule nötig) eine „teure Sache wird, kein so großer Unterschied zur Komplettsanierung“. Die hatte der Architekt Benedikt Sunder-Plassmann vor einer Woche mit 5,2 Millionen Euro beziffert. Der Bürgermeister plädierte dafür, zuerst beim Landratsamt die Erteilung der Baugenehmigung zu beantragen. „Dann sehen wir, was die fordern.“ Er versicherte, die Stadt stehe zu ihrer Musikschule – was auch Vertreter der Fraktionen immer wieder betonten –  doch schlug er vor, statt der ursprünglich vorgesehenen 500000 Euro für die Planung der Sanierung jetzt nur 120000 Euro im Haushalt für 2020 zu belassen. Damit könnten die aktuellen Maßnahmen bezahlt werden. Erst bei den Haushaltsberatungen für 2021 will er darüber reden, wie es mit der Schule weiter gehen soll.

Das rief BMS-Stadträtin Eva John, seine Vorgängerin im Bürgermeisteramt, auf den Plan, der dieser Vorschlag nicht ausreichend erschien. „Wenn die Musikschule nicht in Frage gestellt werden soll, dann bedarf es auch heuer des Engagements“, sagte sie. Die Planung sollte ihrer Ansicht nach sehr zügig fortgeführt werden. Dafür würden schon 200000 Euro ausreichen, plus die 100000 Euro für die Notmaßnahmen. „Einfach verschieben finden wir keinen besonders verantwortungsbewussten Umgang, denn die Mängel sind seit zwei Jahren bekannt.“ John warb dafür, für dieses Projekt einen Kredit aufzunehmen, der dank kostengünstiger Kommunalkreditbedingungen mit ganz niedrigen Zinsen über bis zu 20 Jahre abfinanziert werden könnte. Janik reagierte harsch: „Was nicht mehr funktionieren wird, ist Probleme einfach mit Geld zu bewerfen.“ Er verwies auf das aktuell noch vorhandene Haushaltsdefizit für heuer, weshalb er jetzt nichts zementieren wolle. Wie hoch dieses Defizit am Ende sein wird, ist noch nicht klar, weil auch noch nicht sicher ist, in welcher Höhe der Freistaat und der Bund Steuerausfälle für die Kommunen wegen der Corona-Pandemie erstatten werden.

Die Grünen unterstützten Janiks Vorschlag, bekräftigte Kerstin Täubner-Benicke. Dagegen warnte Markus Mooser (WPS) eindringlich davor, dass das Gebäude an der Mühlbergstraße „als Spielball von Grundstücksspekulationen unter die Räder kommt“. Er verlangte, die Musikschule müsse ihren festen Platz in der Stadt behalten und unterstellte anderen Fraktionen, sie würden die jetzt verfügte Schließung dazu verwenden, das Gebäude „marktfähig“ zu machen. Ihnen hielt er vor, dass sie für andere Dinge, wie die Vorbereitungen für den Bau des B2-Tunnels, ohne jeden Zweifel Geld zur Verfügung stellten, für die Musikschule aber nicht. Dabei gehöre diese zu den wenigen historisch bedeutsamen Gebäuden, die der Stadt gehörten. In den letzten Jahren habe man seine Meinung nach nicht Probleme mit Geld beworfen, wie von Janik behauptet, sondern sehr bewusst  in städtische Einrichtungen wie das Seebad investiert, sich somit der Verantwortung gestellt. Mooser zeigte stattdessen auf den Landkreis, der seine Probleme mit den Krankenhäusern in den westlichen Gemeinden „mit Geld bewirft“. Der Kreis solle dann genauso zum Sparen aufgefordert werden wie die Stadt. „Wir werden für dieses historische Gebäude kämpfen“, kündigte er an. Jägerhuber verwies auf die einstimmigen Beschlüsse des Kreistags zu der Krankenhausproblematik. Die Stadt könne sich nicht alle Projekte leisten und Sanierungen würden oft auch teurer als geplant ausfallen. Zum wiederholten Mal versicherte er, bei der Realisierung des Projektes „Moosaik“ im Gewerbegebiet Nord seien Flächen für solche Einrichtungen wie die Musikschule möglich. Die fraglichen Grundstücke sind aber allesamt in privater Hand. Die von der alten Stadtratsmehrheit, also auch von der CSU mitgetragene Finanzpolitik der letzten Jahre bezeichnete Jägerhuber als „falsch“. Er finde es selbstverständlich,  dass man über einen Verkauf der Fläche an der Mühlbergstraße nachdenke. Den Bestand erhalten und Baurechtsmehrungen auf dem Grundstück ermöglichen, dann könne man da was Schönes machen, dachte er laut. Und im Gewerbegebiet sei neues Baurecht innerhalb von zwei bis drei Jahren zu erreichen. Marc Fiedler von der FDP unterstützte Jägerhuber. John sprach ihren Vorrednern ab, verantwortungsvoll zu handeln, wenn sie nicht jetzt schon ein Datum für den Abschluss eines Neubaus im Gewerbegebiet nennen könnten. Sie glaubt eher an acht bis neun Jahre bis im Bereich der Petersbrunner Straße Musikunterricht gehalten werden könnte, wenn überhaupt. Seit Jahren habe die Stadt im Haushalt zwar jedes Mal eine Kreditaufnahme eingeplant, dann aber doch nie gebraucht, erinnerte sie die Kollegen. Deshalb sei es verantwortbar, sich jetzt Geld für ein Projekt zu leihen, das auch noch der nächsten Generation zugute komme. Nochmals bat sie, die Genehmigungsplanung fortzuführen. Im Vermögenshaushalt fehlten nur 1,5 Millionen Euro, auch wenn die 500000 Euro dort verblieben. „Bitte keine künstliche Konkurrenz zu anderen Projekten der Stadt herbeireden“, mahnte sie.

Für Franz Heidinger hat trotzdem die Feuerwehr und ihr Zusatzbedarf für die Zeit nach Fertigstellung des B2-Tunnels „absolute Priorität“. Das sei schließlich eine Pflichtaufgabe der Stadt. Auf Nachfrage von Stefan Kandler (BMS), wie lange die Zusage des Freistaates, zur Musikschulsanierung 900000 Euro als Zuschuss bereit zu stellen, denn erhalten bleibe, wenn die Musikschule heuer nicht voran gebracht werde, spekulierte Janik: „Wahrscheinlich steht das Geld auch nächstes Jahr noch zur Verfügung.“ Er bekräftigte nochmals: „Ich will keine Vorfestlegung durch einen Haushaltsansatz jetzt. Johns Antrag, insgesamt 400000 Euro als Betrag festzusetzen, der 2020 insgesamt zur Verfügung steht, unterstützten nur Mooser und Kandler (3:10). Ihr weiterer Antrag, wenigstens in der Finanzplanung für 2021 bis 2023 die bisherigen Investitionskosten für die Musikschule beizubehalten erfuhr die gleiche Ablehnung. Einstimmig fiel die Entscheidung, 100000 für die schnell nötigen Maßnahmen plus die noch vorhandenen Haushaltsausgabereste von 20000 Euro einzuplanen. Mit 10:3 Stimmen wurden die Ansätze für die Finanzplanung vorerst um je ein Jahr verschoben.

Mut und Einsatz für Musikschule nötig

„Musikschule ab sofort geschlossen“ titelte der Starnberger Merkur am Freitag, 3. Juli 2020 in seiner Lokalausgabe. Grund für den Schritt des neuen Bürgermeisters Patrick Janik (UWG) sei die Feststellung gewesen, dass es für das Gebäude an der Mühlbergstraße angeblich seit 1988 keine Genehmigung zur Nutzungsänderung für den Wechsel von damals „Altenheim“ zu neu „Musikschule“ gegeben habe. Darüber hinaus gebe es Probleme mit Brandschutz und Statik. Letztgenanntes kann den Stadträten nicht neu gewesen sein, wie der Blog-Artikel vom 18. Februar 2019 zeigt (siehe Musikschule in die Neuzeit führen). Neu ist vielmehr, dass die Corona-Krise den Stadtverantwortlichen die Sorgenfalten ins Gesicht schreibt hinsichtlich künftiger städtischer Finanzen.

Die Weichen für eine Sanierung des Musikschulgebäudes zu stellen, hatte der Bauausschuss Anfang 2019 bereits empfohlen, zumal auch staatliche Zuschüsse für das Projekt winkten und man die Chance sah, ein weiteres Kleinod, das der Stadt gehört, zum Strahlen weit über die Stadtgrenzen hinaus zu bringen. Nicht verschwiegen werden soll, dass es auch da schon Gegner für dieses Vorhaben gab. In der jüngsten Hauptausschusssitzung letzte Woche kam das Thema im Rahmen der Haushaltsberatungen wieder auf den Tisch. Ob es bei der ab sofort geltenden Schließung der Schule für über 1000 Schüler und ihre zahlreichen Lehrer bleibt, wird sich entscheiden, wenn eine Begehung mit der Bauaufsichtsbehörde stattgefunden habe, so der Bericht im Merkur. Weil die Sanierung aber auch schon im Vorjahr Thema war und es grünes Licht für das Projekt gegeben hatte, war die Stadtverwaltung auftragsgemäß auch schon unterwegs gewesen, für die Überbrückungszeit Ersatzquartiere zu finden. Wie weit das gediehen ist, wurde bisher nicht gesagt. Die Musikschule hätte Ende dieses Jahres also ohnehin umziehen sollen. Im Stadtrat scheint es nun aber strittig zu sein, ob die Sanierung überhaupt noch durchgeführt werden soll. Einige Politiker dachten bereits laut darüber nach, das alte Gebäude zu verkaufen und im Gewerbegebiet Nord der Stadt eine neue Musikschule zu bauen, wenn dort das Projekt  „Moosaik“ der Familie Houdek umgesetzt wird (siehe Gewerbegebiet Nord: Ein Stück Zukunft). Architekt Benedikt Sunder-Plassmann, der für die Sanierung der Schule 5,2 Millionen Euro ansetzt, rechnet nach Zeitungsberichten für einen Neubau mit 8,5 Millionen Euro, aber ohne Grundstückskosten.

Angesichts der großen Lamentos in Stadtratskreisen über die nach Corona schwierige Haushaltslage Starnbergs möchte man den Ratsmitgliedern zurufen, sie sollten nicht mutlos werden, sondern vielmehr dem Beispiel von Bayerns Ministerpräsident Markus Söder sowie der Bundesregierung folgen und mit Mut und Tatkraft voran gehen, damit das Land und die Kommunen so unbeschadet wie nur möglich aus der Krise kommen. Indem man zu schon beschlossenen Investitionen steht, schafft man Anreize für Wirtschaftstätigkeit, Arbeitsplatzerhalt und Aufträge an die heimischen Handwerker. Nur Investitionen sorgen dafür, dass auch in den nächsten Jahren Steuergeld in den Stadtsäckl fließt. Da wäre es noch zusätzlich kontraproduktiv, wenn heutige Flächen für Gewerbe in Starnbergs Norden noch mehr als bisher für nicht gewerbliche Zwecke entfremdet werden, mit denen die Stadt dann kein Geld mehr verdienen könnte. Dies ganz besonders, weil gleichzeitig der Erweiterung des Gewerbegebietes in Schorn heftiger Wind ins Gesicht bläst und nicht sicher ist, ob sich das Projekt dort verwirklichen lassen wird.

Die Musikschule, die nun schon seit 47 Jahren in Starnberg besteht, die gerade in den letzten Jahren durch vielfältiges Engagement auch außerhalb des reinen Unterrichts, zum Beispiel mit besonderen Konzertreihen im Kulturleben der Stadt immer mehr an Bedeutung gewonnen hat, ist ein städtischer Diamant, der nicht achtlos in irgendeiner Ecke verstauben sondern zu neuem Glanz aufpoliert werden sollte. Hat nicht erst in der letzten Stadtratssitzung eine Mutter eindringlich an die Stadträte appelliert, sie mögen die Bedeutung von musikalischer Ausbildung auf keinen Fall zu gering schätzen? Menschen, ob jung oder alt, brauchten die Musik wie die Luft zum Atmen!

Da noch umfangreiche Planungsarbeiten zu leisten sind, wird in diesem Jahr ohnehin kaum noch mit großen Ausgaben für die Sanierung zur rechnen sein. Für die nächsten beiden Jahre rechnen die Experten mit einem starken Wirtschaftsaufschwung. Da wäre es doch fatal, wenn Starnberg diese Chance, sich das besondere Gebäude an der Mühlbergstraße für ihre Musikschule zu erhalten,  jetzt aufgeben würde, zumal die Stadt schon eine ganze Menge investiert hat.

 

Lesen Sie hier den Bericht vom Februar 2019:

Musikschule in die Neuzeit führen (18.2.19)

 

Nach einer ausgiebigen Ortsbesichtigung und anschließender Debatte hat der Bauausschuss des Stadtrates grünes Licht dafür gegeben, dass die Planungsleistungen für die Sanierung und Erweiterung der städtischen Musikschule noch in diesem Jahr im Rahmen eines Vergabeverfahrens von Architektenleistungen nach der Vergabeordnung (VgV-Verfahren) vergeben werden können. Das Haus soll grundlegend überarbeitet und für die heutigen Anforderungen an eine Musikschule mit so hervoragendem, über Starnbergs Stadtgrenzen hinaus wirkendem Ruf hergerichtet werden. Gerechnet wird nach ersten Schätzungen durch Architekt Benedikt Sunder-Plassmann aus Greifenberg mit Kosten von 4,45 Millionen Euro. Es winken der Stadt aber  hohe Zuschüsse, unter anderem eine Million Euro aus dem Investitionspakt „Soziale Integration im Quartier“, auf das die Stadt bei einer Beratung durch die Regierung von Oberbayern im Rahmen des Projektes „Starnberg barrierefrei 2023“ aufmerksam gemacht worden ist. Darüber hinaus ist eine weitere staatliche Förderung über das Pogramm „Aktive Zentren“ in Höhe von 60 Prozent der dann noch offenen Kosten möglich, weil Starnberg bereits über ein Integriertes Stadtentwicklungskonzept (ISEK) verfügt. Die nötigen Brandschutzmaßnahmen können nochmals aus einem anderen Topf bezuschusst werden. Geplant ist, die Baumaßnahmen von Mitte 2020 bis Mitte 2022 durchzuführen, so dass die Musikschule, für die noch verschiedene Ausweichquartiere für die Bauzeit gesucht werden müssen, im Herbst 2022 wieder einziehen kann. Der Bauausschuss unterstützte den ersten Schritt dazu mit 11:2 Stimmen. Nur Angelika Kammerl (DPF) und Franz Heidinger (BLS) stimmten dagegen, weil sie andere städtische Liegenschaften als wichtiger erachten.

Zur Geschichte des Gebäudes der Musikschule an der Mühlbergstraße 4 ist im Band 9/1 der Starnberger Stadtgeschichte, erschienen im Kulturverlag der Stadt Starnberg, Folgendes nachzulesen: Im 16. Jahrhundert stand an der Stelle ein zur Kirche gehörendes Söldenhäusl, danach hatte es wechselnde Bewohner, unter anderem den Fischverkäufer Georg Schröfl. 1843 erwarb es der Distriktfonds von diesem und richtete nach einem kleinen Umbau das erste Distrikt-Krankenhaus ein, welches ab 1861 von Mallersdorfer Schwestern betreut wurde. „Im Nebenhaus wurde eine Abteilung für Blatternkranke untergebracht. Nach dem Neubau des Krankenhauses an der Leutstettener Straße wurde hier 1883 das Armenasyl eingerichtet. 1899 erfolgte der große dreigeschossige Neubau des gegenwärtigen Gebäudes für das städtische Altersheim, das ‚Sebastians-Spital‘. 1989 wurde das Haus schließlich der Städtischen Musikschule zur Verfügung gestellt.“

An der Ortsbesichtigung nahmen außer Sunder-Plassmann, Bürgermeisterin Eva John, Stadtbaumeister Stephan Weinl und Stefanie Fritz, die im Bauamt das Projekt Barrierefrei betreut, die Stadträte Annette von Czettritz (Grüne), Iris Ziebart (FDP), Josef Pfister (BMS) und Gerd Weger (CSU) teil. Die Leiterin der Musikschule, Cornelia Lee-Winser, führte durch das Haus, dass wegen der vielfältigen Holzkonstruktionen, Holztreppen und Geschossdecken aus Holz ein akkustischen Eigenleben entwickelt hat. Es knarrt an allen Enden und Ecken. Lärm aus dem Treppenhaus überträgt sich in die Unterrichtsräume, in denen für Akkustik auch noch nichts getan worden ist, was wegen des wie Lärm empfundenen ständigen Halls unangenehm ist. Der Unterschied war sofort wahrnehmbar, als Lee-Winser die Delegation in den einzigen bisher mit Akkustikdecke ausgestatteten großen Proben-Raum führte – welch angenehme Stille! Andererseits gab es viele erhaltenswerte Kleinode zu entdecken, die aber bisher wegen der Raumnot der Schule weder ins rechte Licht gesetzt noch entsprechend ihrer Besonderheit genutzt werden können. So zum Beispiel die noch vorhandene Kapelle mit einem schönen, dank einem architektonischen Kniff hervorragend belichtetem Buntglasfenster. Der Raum wird als Unterrichtsraum genutzt. Für Sunder-Plassmann erinnert der Bau der Musikschule an die großen italienischen Palazzi: „Diese Größe und Dimension würde sich heute niemand mehr zu bauen trauen.“ Es sei gut, dass das Gebäude in der Hand der Stadt sei, die die Möglichkeit habe, es zu erhalten, zu pflegen und in die Neuzeit zu führen.

Was die baulichen Notwendigkeiten angeht, machte Fritz auf die wichtigsten Punkte aufmerksam. Das Dach ist nicht mehr ganz dicht und völlig ungedämmt. Es hat einen beeindruckenden, im Inneren unbehandelten hölzernen Dachstuhl, der erahnen lässt, wie gut sich hier nach Sanierung der große Raum zu mehreren nutzbaren Einheiten ausbauen ließe. Die Fassade des Gebäudes soll außen nur ausgebessert werden. Eine Dämmung ist nicht geplant, weil es dicke Ziegelmauern hat. Wärmedämmung ist aber ein Thema im Dachgeschoss. Es gibt bisher keinen barrierefreien Zugang zum Gebäude, was vor allem Menschen mit Handicap von den hochgelobten Konzerten in der Musikschule ausschließt. So muss der vorhandene Aufzugsschacht vergrößert werden, damit ein ausreichend großer Lift eingebaut werden kann, der auch Rollstuhlfahrer befördert. Im Erdgeschoss können barrierefreie Sanitäranlagen entstehen. „Die gesamte Haustechnik ist zu erneuern, wenn wir das Haus weiter als Musikschule nutzen wollen“, sagte Fritz. Zum Beispiel fehlt eine Höranlage für hörgeschädigte Menschen. Ganz zu schweigen von den Anforderungen des Brandschutzes. Eine Brandmeldeanlage, Fluchtwege und eine neue Hauselektrik sind erforderlich. Teile der Heizungsanlage sind hundert Jahre alt. Im Kellergeschoss, das weit über dem Geländeniveau liegt, lassen sich auch noch zusätzliche Räume für die Schule gewinnen, wenn es gelingt einen barrierefreien Zugang zu schaffen. Der Hof hinter der Schule, der bisher nur als Parkplatz genutzt wird, könnte unter Einbeziehung des überdimensionierten, dann aber nicht mehr notwendigen Windfangs am rückwärtigen Eingang mit einem Atrium überbaut und die Restflächen neu geordnet werden, so dass im Atrium Konzerte zu genießen wären.

„Bisher ist hier ein bisschen, da ein bisschen repariert worden, aber das hatte keine Struktur. Es gab nie ein Gesamtkonzept für das Haus. Das liegt jetzt in Grundzügen vor“, erläuterte John. Sie verwies noch einmal auf die Verbesserungen, die die Stadt im vergangenen Jahr schon umgesetzt hat: Der repräsentative Eingang zum Gebäude an der Mühlbergstraße konnte nach der Umgestaltung des Straßenraumes und Schaffung eines kleinen Vorplatzes vor der Musikschule wieder geöffnet werden. Zuvor ging es ausschließlich über den schattigen Hintereingang hinein. Die Regierung von Oberbayern habe die Stadt auf die Musikschule in Gilching aufmerksam gemacht, die nach den gleichen Förderprogrammen ertüchtigt werde. Deshalb habe sich Starnberg auch beworben. Das einzige, was nicht bezuschusst werden, sei der bisher vernachlässigte Gebäudeunterhalt. Sunder-Plassmann, der Erfahrung mit historischen Häusern hat, für die Revitalisierung des Hotels La Villa in Niederpöcking und den alten Bahnhof in Feldafing steht, bezeichnete einige Mängel als „tickende Uhr“: Man könne warten, dass etwas kaputt geht. Die Stadt sei in der Verantwortung. John dazu: „Der wollen wir auch gerecht werden.“ Sunder-Plassmann war der Stadt bei der Beantragung der Fördermittel behilflich. Einen weitergehenden Auftrag hat er laut John nicht. Das VgV-Verfahren wird öffentlich ausgeschrieben.

Im Bauausschuss sah sich die Verwaltung gleich zu Beginn der Sitzung einer Tirade der DPF-Stadträtin Angelika Kammerl ausgesetzt. Mit beißender Ironie bemerkte diese, sie begrüße ja das Engagement der Bürgermeisterin für die Musikschule, hätte sich aber das gleiche für die ebenfalls der Stadt gehörenden Gebäude Bahnhof See und Bayerischer Hof gewünscht. Seit 2016 bemühe sich der Stadtrat vergebens um diese beiden Vorhaben. „Ich bin ausgesprochen entsetzt, dass Sie jetzt noch die Musikschule mit ins Boot nehmen. Das ist in keiner Weise gerechtfertigt. Ich beantrage bis Ende 2020 alles zurückzustellen“, so Kammerl in gehobener Stimmlage. John erläuterte daraufhin, dass es um unterschiedliche Aufgaben gehe. Das hier sei ein Schule, die beiden anderen Vorhaben sollten nach dem Willen des Stadtrates von privaten Unternehmern geschultert werden, weshalb man hier Interessensbekundungsverfahren durchgeführt habe. „Ich will nicht die Strategie der Vergangenheit fortführen, denn Salamitaktiklösungen bringen nichts. Wir haben hier ein verantwortungsvolles Konzept für die Musikschule vorbereitet, kümmern uns um Fördermittel. Das könnten Sie zumindest ein bisschen schätzen. Lassen Sie uns zuerst einmal sachlich diskutieren“, entgegnete die Bürgermeisterin ruhig. Weger begann seine Wortmeldung ebenfalls mit Vorwürfen: „Ich gebe Frau Kammerl recht. Das ist nie in Fraktionsvorsitzendenrunden besprochen worden, wir haben keine Prioritätenliste, wissen nie wo es brennt.“ Das was heute auf dem Tisch liege sei aber „ein gangbarer Beschlussvorschlag“. Im Interesse der Schule und der Schüler solle die Sanierung in einem Zug durchgezogen werden. Weger empfahl, die Kapelle so herzurichten, dass darin wieder Konzerte stattfinden könnten.

Von Czettritz sprach von einem“gelungenen Konzept“, das ihrer Meinung nach Priorität vor dem Bayerischen Hof habe. Ihr gefalle, dass man auf den Altbau eingehe und der Charakter des Hauses erhalten bleibe. Im Übrigen sei es nicht sinnvoll, Brandschutz in Abschnitten zu ertüchtigen. Ihre einzige Sorge: Wie viel muss die Stadt selbst bezahlen und hat das Bauamt genug Kapazität, dieses Bauprojekt zu betreuen? Zum Eigenanteil konnte John noch nichts Genaues sagen. Markus Mooser (WPS) versicherte, er werde von dem Projekt nicht überrascht, denn es sei ja bereits im diesjährigen Haushalt der Stadt aufgeführt gewesen. Der Bauausschuss könne jederzeit mitreden und eventuell habe er selbst noch Tipps parat, wie weitere Fördermittel erreicht werden könnten, zum Beispiel für Wärmedämmung. Seine Anregung: einen Projektsteuerer einschalten. John bekräftigte: „Das Projekt ist von Anfang an im Haushalt mitgeführt worden. Es muss dem gesamten Stadtrat bekannt sein.“ Patrick Janik (UWG) wollte vor der Umsetzung noch einmal geprüft wissen, ob sich die Stadt das leisten kann. Christiane Falk (SPD) sagte, die Musikschule verdiene jede Unterstützung, aber zu den Baukosten kämen auch noch die Miete für die übergangsweise Unterbringung der Schule hinzu. Katja Fohrmann (CSU) überlegte laut, ob nicht ein Neubau billiger komme. Die Bürgermeisterin erinnerte aber an den „Wahnsinns-immateriellen Wert“ des Hauses. Kulturschätze müsse man erhalten. Diese Aufgabe sei nach einem Neubau immer noch da. „Man kann nur begrüßen, dass sich das mit der Beratung durch die Regierung so gefügt hat und dort auch gleich angenommen wurde. Wir müssen die Verwaltung loben, dass sie die Gelegenheit gleich beim Schopf ergriffen hat“, stellte Ziebart fest. Pfister staunte: „Bei der Eröffnung hat niemand geglaubt, dass das eine so hochqualifizierte Musikschule wird. An dem Gebäude ist immer nur herumgebastelt worden. Das hat die Begehung gezeigt. Wir sitzen da auf einem Pulverfass. Wenn dann was los ist, muss die Schule genauso ausziehen.“ Als Träger der Musikschule sei die Stadt dafür verantwortlich, mahnte er.

„Wir beschließen schon wieder ein neues Projekt“, beschwerte sich Heidinger, andere fielen dafür „hinten runter“. Er nannte die Wohnungen, die die Stadt am Schlosshölzl bauen will. Doch hierfür wird wie berichtet ebenfalls ein privater Investor gesucht. „Immer ist das Fördergeld das Ausschlaggebende“ monierte der BLS-Chef. Er würde das Projekt gern zurückstellen. John erinnerte nochmals daran, dass vor Herbst 2020 voraussichtlich nicht mit Baumaßnahmen begonnen werden könne.

Die Anträge von Kammerl und Heidinger auf Zurückstellung der Entscheidung lehnte der Ausschuss mit 2:11 Stimmen ab. Das VgV-Verfahren  vorzubereiten und die Vergabevorschläge dann dem Bauausschuss vorzulegen erhielt mit 11:2 Stimmen die Mehrheit.

 

 

Aufforderung zum Tanz

In diesem Konzert der Musikschule stehen Werke mit Bezug zum Tanz im Mittelpunkt des facettenreichen Programms: von der schwungvollen barocken Hornpipe des Komponisten Henry Purcell bis hin zu Black Magic Woman von Carlos Santana.

Jugendorchester, Percussion-Ensembles, „The Green-STArs“, die Tanzgruppen „Le Papillon“ und „Le Grand Carée“, Cello-Ensemble, BIG-BAND-STArs und viele mehr präsentieren bekannte und unbekannte Werke aus verschiedenen Epochen.

Eintritt: 5 Euro

Sonntag, 9. Februar 2020, 11 Uhr
 

Schlossberghalle Starnberg, großer Saal, Vogelanger 2, 82319 Starnberg 

VERANSTALTER
Städtische Musikschule Starnberg 

Kartenvorverkauf:
Schlossberghalle Starnberg, Vogelanger 2, 82319 Starnberg 

Tel.: 08151/772-170 oder 08151/772-136

Mo, Mi, Fr 07:30 bis 12 Uhr
, Di, Do, 07:30 bis 13 Uhr, 15 bis 18 Uhr

E-Mail: info(at)schlossberghalle-starnberg.de

Städtische Musikschule Starnberg, Mühlbergstr. 4, 82319 Starnberg 

Tel: 08151/999542
 

Mo bis Do, 13 bis 17 Uhr
, Fr 8 bis 12 Uhr

E-Mail: contakt(at)musikschule-starnberg.de

Bella Figura im Schlosshof

Wer kennt sie nicht, die (Halb-) Götter und Göttinnen und Heroen der Antike wie Zeus, Hera, Eros, Prometheus oder Europa. Den bekannten Schriftsteller der Antike Lukian von Samosata (um das Jahr 120 geboren), haben sie jedenfalls zu seinen satirischen Göttergesprächen inspiriert.
In Szene gesetzt von den beiden Schauspielern Jürgen Wegscheider und Markus Maria Winkler, umrahmt mit Musik und Tänzen der Renaissance.

 

 

Karten und Reservierung
Schlossberghalle Starnberg, Vogelanger 2, 82319 Starnberg, Tel.: 08151 772-136 oder 08151 772-170,

Mo, Mi, Fr 7:30 bis 12 Uhr, Di, Do 7:30 bis 13 Uhr und 15 bis 18 Uhr sowie an der Abendkasse.
Städtische Musikschule Starnberg, Mühlbergstr. 4, 82319 Starnberg, Tel.: 08151 999542,
Mo-Do 13 – 17 Uhr, Fr 8 – 12 Uhr.

 

Sonntag, 14. Juli 2019, 19 Uhr

Schlosshof Starnberg

 

(Bei Regen findet die Veranstaltung im Orlandosaal der Städtischen Musikschule Starnberg statt.)
Eintritt 12 Euro / ermäßigt 6 Euro

 

VERANSTALTER

Städtische Musikschule Starnberg

Ergänzung durch das Rathaus:

Die Veranstaltung „Bella Figura“ am 14.07.2019, 19 Uhr muss aufgrund der schlechten Wettervorhersage vom Schlosshof in den Orlandosaal der Städtischen Musikschule Starnberg (Mühlbergstr. 4) verlegt werden. 

 

Session Musikschule Mai 2019

Die Städtische Musikschule Starnberg lädt zur Session im Mai ein.
Diesmal eine Session der leiseren Töne mit Focus auf die Bereiche Singer-Songwriter und Blues. Fortgeschrittene Schüler sowie junge Musiker aus der Region unter anderem mit der Band The Keys, Mara Pfaus, Fiona Baier, Konrad Kastenmeier und Thorsten Schilling.

Leitung: Bence Barla-Szabó
Genießen Sie Bewährtes, Neues und Ungewöhnliches in lockerer Atmosphäre.
Freitag, 24. Mai 2019, 19:30 Uhr
Orlandosaal
Städtische Musikschule Starnberg, Mühlbergstr. 4 82319 Starnberg
VERANSTALTER
Städtische Musikschule Starnberg 

Der Eintritt ist frei!

Konzert zum Muttertag

Orchester und Ensembles überreichen einen bunten musikalischen Blumenstrauß zum Muttertag. Werke vom Barock bis zur Gegenwart. Heiter, sinnlich, beschwingt!

Mit den Ensembles Flitzebögen, Froschkönige, Mühlberger Saitenwind & Tanzgruppe „Le Papillon“, Kinderchor, Juniorband Green STArs und Jugendsymphonieorchester.

Einlass ab 10:30 Uhr mit kleinem Sektempfang.

Sonntag, 12. Mai, 11 Uhr

Schlossberghalle Starnberg, großer Saal Vogelanger 2
82319 Starnberg

VERANSTALTER

Städtische Musikschule Starnberg

 

Eintritt: 5 Euro/ ermäßigt: 3 Euro, freie Platzwahl

Kartenvorverkauf: Musikschule Starnberg und Kulturamt der Stadt Starnberg, sowie an der Tageskasse ab 10:15 Uhr.

Musikschule in die Neuzeit führen

Nach einer ausgiebigen Ortsbesichtigung und anschließender Debatte hat der Bauausschuss des Stadtrates grünes Licht dafür gegeben, dass die Planungsleistungen für die Sanierung und Erweiterung der städtischen Musikschule noch in diesem Jahr im Rahmen eines Vergabeverfahrens von Architektenleistungen nach der Vergabeordnung (VgV-Verfahren) vergeben werden können. Das Haus soll grundlegend überarbeitet und für die heutigen Anforderungen an eine Musikschule mit so hervoragendem, über Starnbergs Stadtgrenzen hinaus wirkendem Ruf hergerichtet werden. Gerechnet wird nach ersten Schätzungen durch Architekt Benedikt Sunder-Plassmann aus Greifenberg mit Kosten von 4,45 Millionen Euro. Es winken der Stadt aber  hohe Zuschüsse, unter anderem eine Million Euro aus dem Investitionspakt „Soziale Integration im Quartier“, auf das die Stadt bei einer Beratung durch die Regierung von Oberbayern im Rahmen des Projektes „Starnberg barrierefrei 2023“ aufmerksam gemacht worden ist. Darüber hinaus ist eine weitere staatliche Förderung über das Pogramm „Aktive Zentren“ in Höhe von 60 Prozent der dann noch offenen Kosten möglich, weil Starnberg bereits über ein Integriertes Stadtentwicklungskonzept (ISEK) verfügt. Die nötigen Brandschutzmaßnahmen können nochmals aus einem anderen Topf bezuschusst werden. Geplant ist, die Baumaßnahmen von Mitte 2020 bis Mitte 2022 durchzuführen, so dass die Musikschule, für die noch verschiedene Ausweichquartiere für die Bauzeit gesucht werden müssen, im Herbst 2022 wieder einziehen kann. Der Bauausschuss unterstützte den ersten Schritt dazu mit 11:2 Stimmen. Nur Angelika Kammerl (DPF) und Franz Heidinger (BLS) stimmten dagegen, weil sie andere städtische Liegenschaften als wichtiger erachten.

Zur Geschichte des Gebäudes der Musikschule an der Mühlbergstraße 4 ist im Band 9/1 der Starnberger Stadtgeschichte, erschienen im Kulturverlag der Stadt Starnberg, Folgendes nachzulesen: Im 16. Jahrhundert stand an der Stelle ein zur Kirche gehörendes Söldenhäusl, danach hatte es wechselnde Bewohner, unter anderem den Fischverkäufer Georg Schröfl. 1843 erwarb es der Distriktfonds von diesem und richtete nach einem kleinen Umbau das erste Distrikt-Krankenhaus ein, welches ab 1861 von Mallersdorfer Schwestern betreut wurde. „Im Nebenhaus wurde eine Abteilung für Blatternkranke untergebracht. Nach dem Neubau des Krankenhauses an der Leutstettener Straße wurde hier 1883 das Armenasyl eingerichtet. 1899 erfolgte der große dreigeschossige Neubau des gegenwärtigen Gebäudes für das städtische Altersheim, das ‚Sebastians-Spital‘. 1989 wurde das Haus schließlich der Städtischen Musikschule zur Verfügung gestellt.“

An der Ortsbesichtigung nahmen außer Sunder-Plassmann, Bürgermeisterin Eva John, Stadtbaumeister Stephan Weinl und Stefanie Fritz, die im Bauamt das Projekt Barrierefrei betreut, die Stadträte Annette von Czettritz (Grüne), Iris Ziebart (FDP), Josef Pfister (BMS) und Gerd Weger (CSU) teil. Die Leiterin der Musikschule, Cornelia Lee-Winser, führte durch das Haus, dass wegen der vielfältigen Holzkonstruktionen, Holztreppen und Geschossdecken aus Holz ein akkustischen Eigenleben entwickelt hat. Es knarrt an allen Enden und Ecken. Lärm aus dem Treppenhaus überträgt sich in die Unterrichtsräume, in denen für Akkustik auch noch nichts getan worden ist, was wegen des wie Lärm empfundenen ständigen Halls unangenehm ist. Der Unterschied war sofort wahrnehmbar, als Lee-Winser die Delegation in den einzigen bisher mit Akkustikdecke ausgestatteten großen Proben-Raum führte – welch angenehme Stille! Andererseits gab es viele erhaltenswerte Kleinode zu entdecken, die aber bisher wegen der Raumnot der Schule weder ins rechte Licht gesetzt noch entsprechend ihrer Besonderheit genutzt werden können. So zum Beispiel die noch vorhandene Kapelle mit einem schönen, dank einem architektonischen Kniff hervorragend belichtetem Buntglasfenster. Der Raum wird als Unterrichtsraum genutzt. Für Sunder-Plassmann erinnert der Bau der Musikschule an die großen italienischen Palazzi: „Diese Größe und Dimension würde sich heute niemand mehr zu bauen trauen.“ Es sei gut, dass das Gebäude in der Hand der Stadt sei, die die Möglichkeit habe, es zu erhalten, zu pflegen und in die Neuzeit zu führen.

Was die baulichen Notwendigkeiten angeht, machte Fritz auf die wichtigsten Punkte aufmerksam. Das Dach ist nicht mehr ganz dicht und völlig ungedämmt. Es hat einen beeindruckenden, im Inneren unbehandelten hölzernen Dachstuhl, der erahnen lässt, wie gut sich hier nach Sanierung der große Raum zu mehreren nutzbaren Einheiten ausbauen ließe. Die Fassade des Gebäudes soll außen nur ausgebessert werden. Eine Dämmung ist nicht geplant, weil es dicke Ziegelmauern hat. Wärmedämmung ist aber ein Thema im Dachgeschoss. Es gibt bisher keinen barrierefreien Zugang zum Gebäude, was vor allem Menschen mit Handicap von den hochgelobten Konzerten in der Musikschule ausschließt. So muss der vorhandene Aufzugsschacht vergrößert werden, damit ein ausreichend großer Lift eingebaut werden kann, der auch Rollstuhlfahrer befördert. Im Erdgeschoss können barrierefreie Sanitäranlagen entstehen. „Die gesamte Haustechnik ist zu erneuern, wenn wir das Haus weiter als Musikschule nutzen wollen“, sagte Fritz. Zum Beispiel fehlt eine Höranlage für hörgeschädigte Menschen. Ganz zu schweigen von den Anforderungen des Brandschutzes. Eine Brandmeldeanlage, Fluchtwege und eine neue Hauselektrik sind erforderlich. Teile der Heizungsanlage sind hundert Jahre alt. Im Kellergeschoss, das weit über dem Geländeniveau liegt, lassen sich auch noch zusätzliche Räume für die Schule gewinnen, wenn es gelingt einen barrierefreien Zugang zu schaffen. Der Hof hinter der Schule, der bisher nur als Parkplatz genutzt wird, könnte unter Einbeziehung des überdimensionierten, dann aber nicht mehr notwendigen Windfangs am rückwärtigen Eingang mit einem Atrium überbaut und die Restflächen neu geordnet werden, so dass im Atrium Konzerte zu genießen wären.

„Bisher ist hier ein bisschen, da ein bisschen repariert worden, aber das hatte keine Struktur. Es gab nie ein Gesamtkonzept für das Haus. Das liegt jetzt in Grundzügen vor“, erläuterte John. Sie verwies noch einmal auf die Verbesserungen, die die Stadt im vergangenen Jahr schon umgesetzt hat: Der repräsentative Eingang zum Gebäude an der Mühlbergstraße konnte nach der Umgestaltung des Straßenraumes und Schaffung eines kleinen Vorplatzes vor der Musikschule wieder geöffnet werden. Zuvor ging es ausschließlich über den schattigen Hintereingang hinein. Die Regierung von Oberbayern habe die Stadt auf die Musikschule in Gilching aufmerksam gemacht, die nach den gleichen Förderprogrammen ertüchtigt werde. Deshalb habe sich Starnberg auch beworben. Das einzige, was nicht bezuschusst werden, sei der bisher vernachlässigte Gebäudeunterhalt. Sunder-Plassmann, der Erfahrung mit historischen Häusern hat, für die Revitalisierung des Hotels La Villa in Niederpöcking und den alten Bahnhof in Feldafing steht, bezeichnete einige Mängel als „tickende Uhr“: Man könne warten, dass etwas kaputt geht. Die Stadt sei in der Verantwortung. John dazu: „Der wollen wir auch gerecht werden.“ Sunder-Plassmann war der Stadt bei der Beantragung der Fördermittel behilflich. Einen weitergehenden Auftrag hat er laut John nicht. Das VgV-Verfahren wird öffentlich ausgeschrieben.

Im Bauausschuss sah sich die Verwaltung gleich zu Beginn der Sitzung einer Tirade der DPF-Stadträtin Angelika Kammerl ausgesetzt. Mit beißender Ironie bemerkte diese, sie begrüße ja das Engagement der Bürgermeisterin für die Musikschule, hätte sich aber das gleiche für die ebenfalls der Stadt gehörenden Gebäude Bahnhof See und Bayerischer Hof gewünscht. Seit 2016 bemühe sich der Stadtrat vergebens um diese beiden Vorhaben. „Ich bin ausgesprochen entsetzt, dass Sie jetzt noch die Musikschule mit ins Boot nehmen. Das ist in keiner Weise gerechtfertigt. Ich beantrage bis Ende 2020 alles zurückzustellen“, so Kammerl in gehobener Stimmlage. John erläuterte daraufhin, dass es um unterschiedliche Aufgaben gehe. Das hier sei ein Schule, die beiden anderen Vorhaben sollten nach dem Willen des Stadtrates von privaten Unternehmern geschultert werden, weshalb man hier Interessensbekundungsverfahren durchgeführt habe. „Ich will nicht die Strategie der Vergangenheit fortführen, denn Salamitaktiklösungen bringen nichts. Wir haben hier ein verantwortungsvolles Konzept für die Musikschule vorbereitet, kümmern uns um Fördermittel. Das könnten Sie zumindest ein bisschen schätzen. Lassen Sie uns zuerst einmal sachlich diskutieren“, entgegnete die Bürgermeisterin ruhig. Weger begann seine Wortmeldung ebenfalls mit Vorwürfen: „Ich gebe Frau Kammerl recht. Das ist nie in Fraktionsvorsitzendenrunden besprochen worden, wir haben keine Prioritätenliste, wissen nie wo es brennt.“ Das was heute auf dem Tisch liege sei aber „ein gangbarer Beschlussvorschlag“. Im Interesse der Schule und der Schüler solle die Sanierung in einem Zug durchgezogen werden. Weger empfahl, die Kapelle so herzurichten, dass darin wieder Konzerte stattfinden könnten.

Von Czettritz sprach von einem“gelungenen Konzept“, das ihrer Meinung nach Priorität vor dem Bayerischen Hof habe. Ihr gefalle, dass man auf den Altbau eingehe und der Charakter des Hauses erhalten bleibe. Im Übrigen sei es nicht sinnvoll, Brandschutz in Abschnitten zu ertüchtigen. Ihre einzige Sorge: Wie viel muss die Stadt selbst bezahlen und hat das Bauamt genug Kapazität, dieses Bauprojekt zu betreuen? Zum Eigenanteil konnte John noch nichts Genaues sagen. Markus Mooser (WPS) versicherte, er werde von dem Projekt nicht überrascht, denn es sei ja bereits im diesjährigen Haushalt der Stadt aufgeführt gewesen. Der Bauausschuss könne jederzeit mitreden und eventuell habe er selbst noch Tipps parat, wie weitere Fördermittel erreicht werden könnten, zum Beispiel für Wärmedämmung. Seine Anregung: einen Projektsteuerer einschalten. John bekräftigte: „Das Projekt ist von Anfang an im Haushalt mitgeführt worden. Es muss dem gesamten Stadtrat bekannt sein.“ Patrick Janik (UWG) wollte vor der Umsetzung noch einmal geprüft wissen, ob sich die Stadt das leisten kann. Christiane Falk (SPD) sagte, die Musikschule verdiene jede Unterstützung, aber zu den Baukosten kämen auch noch die Miete für die übergangsweise Unterbringung der Schule hinzu. Katja Fohrmann (CSU) überlegte laut, ob nicht ein Neubau billiger komme. Die Bürgermeisterin erinnerte aber an den „Wahnsinns-immateriellen Wert“ des Hauses. Kulturschätze müsse man erhalten. Diese Aufgabe sei nach einem Neubau immer noch da. „Man kann nur begrüßen, dass sich das mit der Beratung durch die Regierung so gefügt hat und dort auch gleich angenommen wurde. Wir müssen die Verwaltung loben, dass sie die Gelegenheit gleich beim Schopf ergriffen hat“, stellte Ziebart fest. Pfister staunte: „Bei der Eröffnung hat niemand geglaubt, dass das eine so hochqualifizierte Musikschule wird. An dem Gebäude ist immer nur herumgebastelt worden. Das hat die Begehung gezeigt. Wir sitzen da auf einem Pulverfass. Wenn dann was los ist, muss die Schule genauso ausziehen.“ Als Träger der Musikschule sei die Stadt dafür verantwortlich, mahnte er.

„Wir beschließen schon wieder ein neues Projekt“, beschwerte sich Heidinger, andere fielen dafür „hinten runter“. Er nannte die Wohnungen, die die Stadt am Schlosshölzl bauen will. Doch hierfür wird wie berichtet ebenfalls ein privater Investor gesucht. „Immer ist das Fördergeld das Ausschlaggebende“ monierte der BLS-Chef. Er würde das Projekt gern zurückstellen. John erinnerte nochmals daran, dass vor Herbst 2020 voraussichtlich nicht mit Baumaßnahmen begonnen werden könne.

Die Anträge von Kammerl und Heidinger auf Zurückstellung der Entscheidung lehnte der Ausschuss mit 2:11 Stimmen ab. Das VgV-Verfahren  vorzubereiten und die Vergabevorschläge dann dem Bauausschuss vorzulegen erhielt mit 11:2 Stimmen die Mehrheit.

 

 

Stade Stund

Was wäre die Adventszeit ohne die traditionelle Stade Stund‘ in der Schlossberghalle?

Mit adventlichen Weisen, Versen und Geschichten lädt die Musikschule Starnberg seit vielen Jahren ein, sich für eine Stunde aus der vorweihnachtlichen Hektik auszuklinken und sich auf Weihnachten einzustimmen.

Als Auftakt zum dritten Adventswochenende präsentieren sich verschiedene Instrumental- und Vokalensembles, Volksmusikgruppen und die Veeh-Harfengruppe.

Die Musikerinnen und Musiker spannen einen weiten Bogen von traditioneller Volksmusik aus dem alpenländischen Raum, über Werke des Barock, der Klassik, der Romantik bis hin zu Weihnachtsliedern aus dem europäischen und angloamerikanischen Raum.

Freitag, 14. Dezember 2018, 19 Uhr

Schlossberghalle Starnberg, großer Saal Vogelanger 2
82319 Starnberg

VERANSTALTER
Städtische Musikschule Starnberg http://www.musikschule-starnberg.de

Der Eintritt ist frei!

Musikschule Session

Musikschule Starnberg: Session am 19. Oktober 2018

Die Musikschule präsentiert Rock, Folk und Jazz in unterschiedlichsten Besetzungen mit fortgeschrittenen Schülern und Gastmusikern.

Leitung: Bence Barla-Szabó
Genießen Sie Bewährtes, Neues und Ungewöhnliches in lockerer Atmosphäre.

Freitag, 19. Oktober 2018, 19:30 Uhr

Orlandosaal
Städtische Musikschule Starnberg, Mühlbergstr. 4 82319 Starnberg

VERANSTALTER
Städtische Musikschule Starnberg http://www.starnberg.de

Der Eintritt ist frei!

Ausgezeichneter Musikschüler

Frederic van Douwe, Schüler an der Musikschule Starnberg absolvierte mit seiner E-Gitarre – als erster mit diesem Instrument – an der Kreismusikschule Erding das Prüfungsprogramm. Rund 45 Minuten musste er sich, wie jeder Prüfling, jeweils in Theorie und Praxis einer Jury stellen.

Neben viel Lob brachte ihm die Leistung die goldene Anstecknadel des Verbandes der bayerischen Sing- und Musikschulen in Form einer goldenen Stimmgabel sowie eine Urkunde ein. Nach Ansicht der Prüfer hat Frederic sein Programm souverän gemeistert. Frederic freut sich sehr über das Ergebnis und ist vor allem seinem Lehrer Bence Barla-Szabó dankbar. In seinem Umfeld hat er mit der Leistung große Freude ausgelöst, natürlich auch bei den Eltern.

Bestandteil der Prüfung sind Pflichtstücke: ein selbst gewähltes Stück, Tonleitern, Arpeggien, Akkorde und ein theoretischer Teil. Die Prüfungsanforderungen einer D3-Prüfung entsprechen in Teilen der Aufnahmeprüfung an einer staatlichen Hochschule. Die D3 Prüfung ist die höchste Prüfungsstufe im Rahmen der freiwilligen Leistungsprüfung der bayerischen Sing- und Musikschulen und baut auf die Junior 1, Junior 2, D1 und D2 Prüfung auf.

Seit seinem vierten Lebensjahr wird Frederic an der Musikschule unterrichtet. Zunächst in der musikalischen Früherziehung, seit sieben Jahren an der E-Gitarre. Frederic ist der erste Schüler der Musikschule Starnberg, der bisher diese hohe Auszeichnung erreichte. „Diese Leistung gebührt höchste Anerkennung“, sind sich Erste Bürgermeisterin Eva John und die Leiterin der Musikschule Cornelia Lee-Winser einig und gratulieren dem talentierten jungen Musiker zu seinem Erfolg.

Frederic spielt regelmäßig in verschiedenen Formationen bei Sessions, Konzerten und Veranstaltungen in Starnberg. So zum Beispiel jüngst beim Jubiläumskonzert „Junge Töne“ zum 45jährigen Bestehen der Musikschule in der Schlossberghalle Starnberg. In einem Cross-Over Projekt des Jugendsymphonieorchesters mit der Blue Pale Eyes Combo spielte er in A Wither Shade of Pale das berühmte Solo auf seiner E-Gitarre.