BI will Kontakt zu Entscheidern

Am Mittwochabend hat die etwa 3700 registrierte Mitglieder zählende Bürgerinitiative Pro Umfahrung – Contra Amtstunnel (BI) in der Söckinger Franz-Dietrich-Halle ihre wegen Corona mehrfach verschobene Mitgliederversammlung abgehalten. Dabei wurde auch der Vorstand der inzwischen 17 Jahre aktiven BI neu gewählt. Der bisherige Vorstand wurde entlastet. Als 1. Vorsitzender ist Klaus Huber wieder gewählt. Neu hinzu gekommen ist als 2. Vorsitzender Dietrich von Witzleben. Der in der IT-Beratung tätige Vater von zwei Kindern ist kürzlich auch zum stellvertretenden FDP-Ortsvorsitzenden gewählt worden. Er wohnt mit seiner Familie an der Hanfelder Straße und bezeichnete sich deshalb als Leidtragenden der bisherigen Starnberger Verkehrsmisere. Der als Abhilfe vom Bund propagierte B2-Tunnel überzeuge ihn nicht, sagte von Witzleben. Obendrein werde das Bauwerk die Stadt Starnberg in zwei Hälften zerschneiden. Von sich reden gemacht hat von Witzleben schon durch seine Initiative zur Sanierung der Hanfelder Straße, für die er um die 400 Unterschriften gesammelt hat. Schatzmeister der BI bleibt Peter Altwickler, Schriftführer Georg Stahl. Hannelore Wagner und Günter Link werden wie bisher die Kasse prüfen.

Das Ehepaar Hebeisen ist aus dem Beirat ausgeschieden. Der langjährige erste Vorsitzende der BI, Professor Hans Jochen Diesfeld, hatte mittteilen lassen, er verzichte aus Altersgründen auf eine neue Kandidatur als Beirat. Der neue Vorstand konnte dagegen den ehemaligen Starnberger FDP-Ortsvorsitzenden Michael Schildbach, Michael Landwehr von der 2017 gegründeten, ebenfalls gegen den B2-Tunnel-Bau gerichteten Bürgerinitiative „Starnberg bleibt oben“ sowie den frisch gewählten neuen Vorsitzenden der Wählergemeinschaft Pro Starnberg (WPS), Ralf Breitenfeldt, als neue Beiräte gewinnen und in der Wahl bestätigen.

WPS-Chef Klaus Huber gedachte in seinem Rechenschaftsbericht zunächst der zahlreich verstorbenen Mitglieder. „Selten kämpft eine Initiative so lange“, blickte er auf die ersten Anfänge der BI zurück und würdigte ganz besonders Gunnar Erhardt, Professor Helmut Bomhard und Professor Günther Picker. Corona habe die Arbeit der BI stark behindert, dennoch habe sich der Vorstand jeden Dienstag per Video verabredet und Anstehendes besprochen. Weil das Thema Umfahrung und Tunnel letztlich in Berlin entschieden werde, habe man im Bundestagswahlkampf den Kontakt zur Bundespolitik gesucht. So konnte dem heutigen Finanzminister Christian Lindner (FDP) der umfangreiche Schriftsatz zur Haltung der BI persönlich in Starnberg übergeben werden. Gewandt habe man sich außerdem an den Verkehrsausschuss des Bundes und den Petitionsausschuss des Bundestages. Huber verwies auf den schon 2015 aufgestellten Bundesverkehrswegeplan, in dem der Tunnel mit Baukosten von 120 Millionen Euro aufgenommen war, und den damals errechneten Kosten-/Nutzen-Faktor von 4,1. Tatsache seien aber die inzwischen auf rund 400 Millionen gestiegenen Baukosten und ein nach der Eröffnung der Starnberger Westumfahrung  gesunkener Nutzen des geplanten Tunnels. „Wir fragen schon öffentlich, welche finanzielle Vordringlichkeiten die Politik bei der jetzigen Lage für die Bundeswehr und die Energiesicherheit im Verhältnis zum B2-Tunnel sieht?“, so Huber. Der Bauwürdigkeitsfaktor des Letzgenannten sei längst auf unter eins gesunken, was einen eigentlichen Baustopp bedeuten sollte, „beziehungsweise gar nicht erst anfangen“. Die Stadt könne sich viele Folgekosten, zum Beispiel für die Feuerwehr, sparen. Politik und Mitbürger müssten wach gerüttelt werden: „Den Tunnel zu bauen ist nicht nur technisch und verkehrlich falsch und stark umweltschädlich, sondern auch national und vielleicht sogar europäisch unsolidarisch“, unterstellte der BI-Vorsitzende. Er freute sich, dass nun auch Jüngere die BI in ihrer Arbeit unterstützten. Gemeinsam wolle man versuchen an die Entscheider im Bundesverkehrs- und Bundesfinanzministerium heran zu kommen.