Kein Zwang Dächer zu begrünen

Es war ein Antrag von Bündnis 90/Die Grünen vom 24. Juni 2019, der jedoch erst eingegangen war, als der Bebauungsplan für das Einheimischenmodell Am Wiesengrund fast schon rechtskräftig (10. Juli 2019) war. Die Fraktion verlangte darin, alle Flachdächer der geplanten Reihenhäuser mit einer mindestens zehn Zentimeter dicken Humusauflage als Gründächer auszubilden, Straßen und Wege mit Pflaster mit offenen Fugen statt mit Asphalt zu bauen sowie für Zufahrten und Wegbefestigungen auf privaten Flächen Rasengittersteine vorzuschreiben. Die durch diese Auflagen entstehenden höheren Kosten sollten Kostenersparnissen durch dann kleinere Rückhaltebecken gegenübergestellt und mit den Grundeigentümern entsprechend verrechnet werden. Mit der Nachbargemeinde Pöcking  – in dem Fall regenwassertechnischer Oberlieger –  sollten gleiche Bestimmungen für das Gewerbegebiet Schmalzhof erreicht werden.

Annette von Czettritz (Grüne) betonte, es brauche in Zukunft mehr Versickerungsflächen. Schaffe man die auf den Dächern, könnten die Rückhaltebecken um 210 Kubikmeter verkleinert werden. Gründächer seien auch fürs Klima gut, sagte sie. Man habe Kostenmehrungen durch die Vorschläge von 3700 Euro pro Haus errechnet. „Wenn Bewohner der höheren Häuser aus dem Fenster auf die niedrigeren schauen, wäre das im Fall der Gründächer eine schönerer Anblick“, so von Czettritz.

Bürgermeisterin Eva John erinnerte daran, dass der Bebauungsplan auch bisher durchaus Gründächer ermöglicht, sie jedoch nicht verbindlich festsetze. Sie lehnte dies auch ab, weil es ihrer Ansicht nach mit erheblichen Mehrkosten für die Käufer einer Parzelle im Einheimischenmodell beim Bau und im Unterhalt verbunden sei. Außerdem müsse dann der gesamte Erschließungsplan nochmals geändert werden, der aber schon Teil der vergebenen Erschließungsarbeiten sei. „Aus der Nummer kommen wir nicht mehr raus“, so John.

Josef Pfister (BMS) wollte die Vorteile von Gründächern gar nicht bestreiten, jedoch tue er sich schwer damit, sie vorzuschreiben, sagte er. Der Stadtrat habe schon viele dem Klimaschutz dienende Dinge beschlossen, darunter die Versorgung der Reihenhäuser mit einer Nahwärmeeinrichtung. „Wenn wir ab Herbst uns damit befassen, wie wir den Geschosswohnungsbau Am Wiesengrund umsetzen, können wir das machen, wenn wir Bauherr sind“, so Pfister. Von Cettritz bedauerte: „Es wäre eine Chance. Schade sie nicht zu ergreifen.“

Für Ludwig Jägerhuber (CSU) ist der Bebauungsplan jedoch bereits „relativ zielführend“. Die Sensibilität in der Bauausführung bleibe doch erhalten, da sich jeder einzelne Bauherr selbst überlegen werde, was er in Sachen Klimaschutz machen will. Die Retentionsflächen müssten die Bauwerber alle mitbezahlen.  Jägerhuber fand es „nicht redlich“, jetzt mit solchen Nachforderungen zu kommen, wo die Bewerber für die Parzellen ihre Finanzierungen längst beim Rathaus vorgelegt haben müssen. „Nicht ganz zum Schluss mit so einem Antrag die Notbremse ziehen“, mahnte der CSU-Stadtrat.

Für die zwingende Festsetzung der Gründächer stimmten dann nur von Czettritz, Angelika Wahmke (UWG) und Angelika Kammerl (DPF). Sie waren damit in der Minderheit (10:3).

Dennoch wird der Bebauungsplan in einer anderen Sache nochmals geändert. Grund ist der Beschluss des Stadtrates, eine Nahwärmeversorgungszentrale im Gebiet des Einheimischenmodells unterzubringen, sowie notwendige Änderungen am Erschließungsplan. Die Nahwärmezentrale soll im Bereich des Kinderspielplatzes im Südosten des Baugebietes entstehen. Außerdem sind für die nun tiefer geplanten Retentionsbecken 50 Zentimeter hohe Stützmauer erforderlich. Ergänzt werden noch zwei öffentliche Stellplätze im Nordosten des Gebietes, als Elektroladesstationen. Der geänderte Plan wird nun im Entwurf öffentlich ausgelegt und damit das Beteiligungsverfahren durchgeführt. Gerd Weger (CSU) stimmte dagegen, weil er der Ansicht ist, dass der Spielplatz nun kleiner wird.