John entschuldigt sich für Verwaltung

Auf der Tagesordnung der letzten Stadtratssitzung stand der Punkt „Vergaben von Bauaufträgen und Beauftragung von Nachträgen“, die im Zusammenhang mit dem Bauvorhaben Seebad Starnberg in der Zeit von 2016 bis 2018 standen. Hier mussten während der Bauzeit vom Rathaus dringliche Anordnungen getroffen werden, damit der Bauablauf nicht gefährdet wird. Bürgermeisterin Eva John sah sich harscher Kritik ausgesetzt, weil solche dringlichen Anordnungen nicht entsprechend der gültigen Geschäftsordnung von ihr im Rat bekanntgegeben worden waren, was sie jetzt nachholte. Die Liste umfasste 14 Posten und die Benennung der Nachträge. Die Behandlung von Fünf davon hatte der Rat selbst immer wieder vertagt.

Es ging zum Beispiel um das Tiefersetzen von Pflanztrögen, die sonst die Sicht von der Sauna auf den See beeinträchtigt hätten, um Ersatzarbeiten weil der Ursprungsfirma gekündigt worden war, um nachträglich nötig gewordene Dachabdichtungs- und Beckensanierungsarbeiten sowie die Entsorgung kontaminierten Aushubs. John wies im Stadtrat darauf hin, dass die Liste bereits dem Rechnungsprüfungsausschuss vorgelegen und der sich damit befasst habe.

Martina Neubauer (Grüne) bestätigte, dass sich einzelne Punkte im Ausschuss aufgeklärt hätten. Sie forderte aber, diese Praxis sofort abzustellen und dringliche Anordnungen auf ein Minimum zurückzuführen. Es gehe darum, dass nicht an den Stadtratsausschüssen vorbei entschieden werden dürfe. John möge solche Dinge in Zukunft sofort bekannt geben. Die Bürgermeisterin erinnerte daran, dass die Verwaltung diesen Fehler im Rechnungsprüfungsausschuss schon eingeräumt habe. Fälschlicherweise seien teilweise auch Punkte nicht im politischen Ausschuss behandelt worden, obwohl dies nötig gewesen wäre. Sie entschuldige sich für die Verwaltung.

Angelika Kammerl (DPF) behauptete, es gehe um 1,4 Millionen Euro. Ihr werde es da langsam „unheimlich“. Sie stelle deshalb den Antrag, die vom Rathaus vorgelegte Liste nicht zur Kenntnis zu nehmen, sondern bei der Rechtsaufsicht im Landratsamt sowie bei der Disziplinarbehörde – Landesanwaltschaft – vorstellig zu werden. Das solle Vizebürgermeister Klaus Rieskamp (DPF) für den Stadtrat tun. „Da sollte sich der Stadtrat tunlichst zurückhalten bei der Beurteilung der Dringlichkeit solcher Anordnungen“, meinte Kammerl und äußerte, es sei im Rechnungsprüfungsausschuss ihrer Ansicht nach nicht möglich gewesen, die Dinge nachzuvollziehen. Ob das so ist, wird sich eventuell in der nächsten öffentlichen Sitzung des Ausschusses am 15. Februar 2019 zeigen.

Die Bürgermeisterin konnte die Äußerungen von Kammerl nicht nachvollziehen. Die Hälfte der Fälle habe auf der Tagesordnung früherer Stadtratssitzungen gestanden, sei von dem Gremium jedoch vertagt worden, weil die nähere Prüfung dem Rechnungsprüfungsausschuss übertragen worden sei (siehe Der Stadtrat und die Tagesordnung und Seebad und Ufermauer und  Volle Kraft voraus gegen das Rathaus und Im Mai kommt Wasser ins Becken). Schon damals seien alle Unterlagen für die Stadträte einsehbar gewesen. „Angesichts des Umfangs der Baumaßnahme Seebad (22,5 Millionen Euro) halte ich diese Fälle für unbedeutend“, so John, die den Rat aufforderte: „Der Kenntnisnahme sollten Sie sich nicht entziehen.“ Acht Stadträte verweigerten sich dem trotzdem (18:8). Dem Antrag von Kammerl, die Liste „nicht zustimmend“ zur Kenntnis zu nehmen, folgte die Mehrheit mit 18:8 Stimmen. 17:9 lautete das Abstimmungsergebnis über die Beauftragung von Rieskamp, die rechtlichen Fragen durch die Rechtsaufsicht und die Landesanwaltschaft klären zu lassen.

Schwimmen für Schulen und Vereine

In nichtöffentlicher Sitzung hat der Stadtrat am 22. November 2018 entschieden, welche Nutzungkonditionen künftig im neuen Seebad Starnberg für Schulen und Vereine gelten sollen. Diese hat Bürgermeisterin Eva John in der Sitzung am 10. Dezember 2018 öffentlich bekannt gegeben.

Festgelegt ist, die folgenden Vereinbarungen zu schließen:

Von Vereinen wird ein Nutzungsentgelt in Höhe von 100 Euro netto je 90 Minuten Nutzungszeit erhoben. Es können auch je einzelner Bahn im Becken 20 Euro je 90 Minuten Nutzungszeit vereinbart werden.

Schulen bezahlen ein Nutzungsentgelt in Höhe von 150 Euro netto beziehungsweise 30 Euro pro Bahn, jeweils für eine Unterrichtsdoppelstunde.

Sportvereine, die Wassersport betreiben, wie die Wasserwacht, der TSV Starnberg oder der Polizeisportverein können bei einem nachgewiesenen Bedarf einen Zuschuss zur Finanzierung der Nutzungsentgelte beantragen und gewährt bekommen.

Mit Ehrenamtskarte ins Seebad

Das Rathaus teilt mit:

„Auch im neu eröffneten Seebad dürfen sich ehrenamtlich Engagierte wieder über einen Preisvorteil freuen. Wie auch schon vor der Sanierung im Wasserpark üblich, dürfen Besitzer einer Ehrenamtskarte zum ermäßigten Eintritt das Seebad nutzen. Das entspricht in etwa einem Rabatt in Höhe von 30 Prozent bei Besuch des Strand- und Hallenbades.

Erste Bürgermeisterin Eva John freut sich das Ehrenamt auch auf diese Weise unterstützen zu können und den zahlreichen Ehrenamtlichen aus Starnberg und der Umgebung so für ihren Einsatz zu danken.

Ob Hallenbad oder Strandbad: seit Montag, den 17.09.2018 gilt die Regelung für alle Besucher, die ihre Ehrenamtskarte den Mitarbeiterinnen an der Kasse des Seebads vorlegen.“

Gewinner stehen fest

Zur feierlichen Eröffnung des Starnberger Seebads am 22. Juli 2018 fand eine Gewinnspielaktion statt. Um an der Auslosung teilnehmen zu können, musste die Frage „Wie lang ist die Rutsche im Hallenbad?“ beantwortet werden. Ganze 45 Meter verläuft diese durch den Innen- und Außenbereich des Seebads. Drei Teilnehmer mit der richtigen Antwort wurden aus dem Lostopf gezogen und durften sich über Wertgutscheine für das Seebad freuen, die Erste Bürgermeisterin Eva John und Betriebsleiter Christian Herrmann den Gewinnern bei strahlendem Sonnenschein im Seebad überreichten. Über einen Wertgutschein in Höhe von 60 Euro durfte sich Judith Rörig aus Starnberg freuen. Ivan Nikolic, ebenfalls aus Starnberg, gewann den zweiten Preis im Wert von 150 Euro und besonders freuen darf sich Stephanie Proske aus Gilching, die schon bald den Gutschein in Höhe von 200 Euro mit ihrem Ehemann und den vier Kindern einlösen möchte.

Seebad Starnberg – ein Quantensprung

„So ein Tag, so wunderschön wie heute…“, begann der Reim, mit dem heute am frühen Nachmittag Bürgermeisterin Eva John das neue „Seebad Starnberg“ für die Öffentlichkeit frei gegeben hat. Ab 14 Uhr hatten rund 150 geladene Gäste Gelegenheit sich umzusehen  – alle mit orangenen, grünen oder blauen Flip-Flops ausgestattet, die sie gegen ihre eigenen Straßenschuhe getauscht hatten. Ein Anblick, der vielfach zur Heiterkeit beitrug, besonders als sich die beiden Pfarrer, die das neue Bad segnen wollten, ebenfalls mit schwarzem Anzug und bunten Flip-Flops unter die Gäste mischten. Die zeigten sich genauso begeistert wie die sechs Buben und Mädchen, die das Seebad mit einem beherzten Sprung vom Drei-Meter-Brett dann seiner endgültigen Bestimmung übergaben. Betriebsleiter Christian Herrmann ließ sich nicht lumpen und folgte der nachdrücklichen Aufforderung von Moderator Thorsten Castle und John und sprang in schwarzer Hose und weißem Hemd hinterher. Ab 16 bis 21 Uhr war das Bad für alle Starnberger frei gegeben, die schon eine ganze Zeit vorher neugierig vor der Tür auf den Einlass warteten.

Im Oktober 2015 war der 40 Jahre alte Wasserpark geschlossen worden um ihn in der folgenden Bauzeit in diesen „Diamant“ zu verwandeln, als den WPS-Stadtrat Markus Mooser das Bad bezeichnet. John sprach von einem „Schmuckstück“ und erinnerte an die lange Planungs- und Diskussionszeit bis zum heutigen Tag. Sie freute sich, Heribert Thallmair und seine Frau begrüßen zu können. Der langjährige ehemalige Starnberger Bürgermeister sei immer stolz gewesen, dass die Stadt Starnberg ein Hallenbad habe, in dem jedes Kind schwimmen lernen kann. Der Architektenwettbewerb, den das Münchner Büro Seifert Hugues für sich entscheiden konnte, fand 2012 statt. Das Projekt umzusetzen war danach mehrmals gefährdet. Altbürgermeister Ferdinand Pfaffinger räumte lieber der Seeanbindung Priorität ein, als es 2014 um die Verabschiedung des städtischen Haushalts ging. Unterstützung erhielt er von Franz Sengl von den Grünen und Bernhard Beigel (CSU). Andere wie Martina Neubauer (Grüne) stellten damals in Frage, ob eine Sauna  überhaupt nötig sei. Und in jüngerer Zeit hatten etliche Stadträte, ganz besonders Angelika Kammerl (DPF), keinen Versuch ausgelassen, den Verantwortlichen noch Sand ins Getriebe zu streuen. Die Saunaanlage mit direktem Zugang zum Starnberger See ist jetzt das Prunkstück des Seebades geworden. Berater in Sachen Wirtschaftlichkeit hatten stets vertreten, dass die Stadt damit die Rentabilität des Bades verbessern könne. John, damals noch CSU-Stadträtin, setzte sich gemeinsam mit ihrem Fraktionskollegen Ludwig Jägerhuber vehement für das Projekt ein. Sie war es auch, die dann als Bürgermeisterin in der stadtratslosen Zeit nach der ungültigen Kommunalwahl 2014 den Baubeschluss fällte:“Mit 1:0″, erinnerte sie sich heute lachend.

Die Bauzeit bezeichnete die Bürgermeisterin als „steinige Wegstrecke“. Da seien viele Hürden zu überwinden gewesen, angefangen mit den unerwartet aufgefundenen Altlasten im Boden, die für eine Million Euro hätten teuer entsorgt werden müssen, über Hochwasser im See bis zu beteiligten Firmen, die insolvent wurden, und am Ende auch noch Undichtigkeit am Dach und Schaden am Fliesengrund des großen Beckens. Deutschlandweit sei die Geschichte von der Ufermauer bekannt, die nun allen Unkenrufen und nächtelangen Diskussionen im Stadtrat zum Trotz doch noch zur Eröffnung durch Sitzstufen zum See vor den Saunahütten ersetzt worden ist. Noch nicht ganz fertig sind laut John die Außenanlagen, und auch der Nepomukweg zur gleichnamigen Zugbrücke an der Würm muss im Bereich des Bades wieder hergestellt werden. Die Bürgermeisterin sprach von einer „übergroßen Arbeitsbelastung“ für alle am Bau Beteiligten während der zweieinhalbjährigen Phase, in der „die außergewöhliche Verwandlung des alten Wasserparks, der Quantensprung zum Seebad“ stattgefunden habe. Alle könnten nun „wahnsinnig stolz“ auf ihre Leisung sein. Besonders Architektin Anne Hugues für ihr „durchdachtes Konzept“, mit dem nun nicht irgendein beliebiges Spaßbad“ sondern etwas Außergewöhnliches entstanden sei. John und später auch Hugues hoben das hervor, was die Planer zum Thema gemacht hatten: „Den unvergleichlichen See- und Gebirgsblick“, den man aus allen Bereichen als Badbesucher hat, auch in der neuen Gastronomie. Seeblick auch dann, wenn es so regnerisch ist wie heute Mittag. John dankte allen an dem rund 23 Millionen Euro teuren Werk Beteiligten, auch der Standortförderin im Rathaus, Sarah Buckel, die das schöne Eröffnungsfest organisiert hat. Hugues sagte in dem Interview, das Castle mit ihr führte, es sei gelungen, „gestern, heute  und morgen zu verbinden“. Nicht die Technik stehe im Vordergrund, sondern der „besondere Ort“.

Für den katholischen Stadtpfarrer Andreas Jall war die Segnung der neuen Einrichtung „die erste gottesdienstliche Handlung in ungewöhnlichem Schuhwerk“. Sein evangelischer Kollege Stefan Koch las aus dem Johannes Evangelium die Geschichte vom heilenden Bad. Wasser habe eben eine sehr vitale Bedeutung für alle Lebensfunktionen. „Wenn das Seebad wie der alte Wasserpark wieder 40 Jahr gut bleibt, um so besser. Gottes Segen auch für viele Jahre“ sagte er. Das Nichtschwimmerbecken war ein besonderer Anblick, denn darauf schwammen  1000 Bälle in weiß mit orangenen, grünen und blauen Farbflächen, die auch die drei Bereiche des Seebades symbolisieren – Sauna, Hallenbad und Strandbad. Für die sechs Kinder, die schon ungeduldig auf dem Sprungturm auf ihren Auftritt warteten, war keine Sprungtechnik vorgegeben. „Es darf auch eine A…bombe sein“, meinte Moderator Castle. Die Kleinen – der Älteste war zwölf Jahre alt –  schafften nicht, was Betriebsleiter Herrmann anschließend spielend gelang: Die Gäste am Beckenrand durch seinen Sprung naß zu spritzen. Er wünschte jetzigen und künftigen Besuchern „eine wunderschöne Saison“.

Seebad öffnet bald

Bis zur Eröffnung ist es nun nicht mehr weit. Derzeit wird das neue Seebad-Team um Betriebsleiter Christian Herrmann eingearbeitet.

„Das Feedback der Starnbergerinnen und Starnberger zu den Abläufen im Seebad ist uns wichtig, daher starten wir am 16.Juli 2018 den Probebetrieb“, so Erste Bürgermeisterin Eva John. Die Stadt lädt verschiedene Zielgruppen ein, zum Beispiel Vereine oder Schulen, aber auch Mutter-Kind-Gruppen und den Seniorentreff, um jede Ecke des neuen Bades auf Herz und Nieren prüfen zu lassen, bevor das Bad offiziell eröffnet wird.

Am Sonntag, 22.07.2018, ist es dann soweit: Um 16 Uhr werden zum ersten Mal die Pforten des Seebads für alle Besucher geöffnet und das an diesem Tag sogar kostenlos. Es warten jede Menge Aktionen und Überraschungen. „Wir Starnberger können stolz sein auf unser neues Bad, das mit seiner modernen Architektur und seiner einmaligen Lage seines Gleichen sucht“, schwärmt Betriebsleiter Christian Herrmann.

Zu beachten ist, dass es durch den kostenlosen Eintritt am 22.Juli 2018 zu Wartezeiten oder kurzfristigen Einlassstopps in der Kernzeit zwischen 16 und 19 Uhr kommen kann. Die Stadt bittet um Verständnis.

Am Montag, 23.Juli 2018 startet dann der reguläre Bade- und Saunabetrieb. Als besonderes Schmankerl und Willkommensgeschenk erhält jeder Besucher des Seebads bis einschließlich 05. August 2018 einen Rabatt von 25 Prozent auf den Eintrittspreis.

Deckenabsturz: Schlussstrich ziehen

Am Montagabend war noch heftig über das Thema gestritten und diskutiert worden, teilweise hinter verschlossenen Türen. DPF-Stadträtin Angelika Kammerl hatte wie berichtet in den vergangenen Monaten immer wieder behauptet, im Rahmen der Sanierung und Ertüchtigung des ehemaligen Wasserparks zum künftigen „Seebad Starnberg“ sei es zu einem „Deckenabsturz“ mit gravierenden Folgen gekommen. Das Rathaus widersprach (siehe Kammerls Behauptung ist falsch). Kammerl hatte im April einen 18 Punkte umfassenden Fragenkatalog an das Rathaus gesandt. Die Fragen wurden am Montag in der Stadtratssitzung beantwortet, Kammerl gab sich aber erneut nicht zufrieden damit. Sie warf Bürgermeisterin Eva John vor, diesen Vorgang und einen Wassereintritt durch das Dach dem Stadtrat zwei Jahre lang „verheimlicht“ zu haben und behauptete erneut, sie habe Informationen und Beweise. Außerdem brachte sie den „Straftatbestand der Baugefährdung“ ins Gespräch. Mittwochabend war die Angelegenheit nochmals Thema im Rahmen der Fortsetzung der Stadtratssitzung vom Montag. Dabei stellte nun Kammerls Fraktionskollege Klaus Rieskamp den Antrag zur Geschäftsordnung, sich nicht weiter mit diesem Punkt zu befassen, sofern nicht weitere Tatsachen auftreten.

Bürgermeisterin und Stadtbaumeister Stephan Weinl präsentierten dem Rat mit Datum versehene Fotos vom vermeintlichen „Tatort“ – vor der Sanierung, während der Erstellung der Beckenabdeckung, von der Stelle, an der Wasser durch das Dach eingetreten war und vom jetzigen Istzustand. Deutlich zu sehen war, dass das große Schwimmbecken nicht wie mehrmals von verschiedenen Personen in sozialen Medien behauptet nur mit einer dünnen Folie abgedeckt worden war, als die Sanierung des gesamten Bades begann, sondern eine auf massiven Holzständern aufgelegte Holzabdeckung für den Schutz des Beckens gesorgt hatte. Der Absturz leichter Alu-Paneelen hätte also den Fliesenboden gar nicht berühren können. Der angebliche „Deckenabsturz“ sei somit keineswegs Ursache für die am Ende nötigen Arbeiten am Fliesenboden und an der Abdichtung des Daches. Außerdem sei kein Schaden entstanden, für den man irgendjemanden hätte verantwortlich machen können.  Rieskamp stellte fest, die Verwaltung habe Kammerls Fragen beantwortet. „Ich meine, um einen Schlussstrich zu ziehen, sollten wir heute die weitere Nichtbefassung beschließen“, sagte er und stellte seinen Antrag zur Geschäftsordnung. John machte deutlich, dass es dem Rathaus sehr darauf ankomme, die mit Fotos untermauerte Darstellung zu dokumentieren. Daraufhin beantragte Martina Neubauer (Grüne) eine Sitzungsunterbrechung von zwei Minuten, damit sie sich mit den Kollegen beraten könne. Vor der Tür des Sitzungssaales steckten Vertreter von UWG, DPF, Johannes Boetsch (BLS), Stefan Frey (CSU) und die Grünen die Köpfe zusammen und beratschlagten.

Wieder im Saal zurück meldete sich Otto Gaßner (UWG) zu Wort: „Wir wollen Fairness walten lassen. Es ist richtig, wenn durch Fragen Sachverhalte angesprochen werden, ob jemand für etwas verantwortlich ist. Wir haben nichts dagegen, wenn im Protokoll festgehalten wird, dass die Verwaltung Fotos präsentiert hat, die den Vorwürfen entgegentreten.“ So einfach wollte Markus Mooser (WPS) die Kollegin Kammerl aber doch nicht davon kommen lassen: „Wenn wir von Fairness sprechen erinnere ich an die Vorwürfe von Frau Kammerl und ihre permanenten falschen Behauptungen, in der Öffentlichkeit,  im Stadtrat und im Rechnungsprüfungsausschuss.“ Die hätten dazu geführt, dass die Verwaltung die Zusammenhänge mehrmals habe erläutern müssen, die Architektin und der Projektsteuerer des Seebades massiv verunglimpft worden seien. Mooser forderte: „Frau Kammerl soll offiziell alles zurücknehmen und sich bei den Betroffenen entschuldigen.“ Ihre Behauptungen hätten auch die Bevölkerung verunsichert, die teils befürchte, von dem neuen Bad gehe ein Gefahrenpotenzial aus. An dieser Stelle meldete sich Stefan Frey (CSU): „Ich will die Diskussion nicht noch einmal. Ich beantrage Ende der Debatte.“

Die Bürgermeisterin schlug den in ihren Augen „mildesten“ Schritt zur Beilegung der Angelegenheit vor: Eine Protokollnotiz mit dem Inhalt, dass die Verwaltung den Bauablauf geschildert und Bilder dazu gezeigt habe, dass kein materieller Schaden entstanden sei und es „keinen Deckenabsturz“ gegeben habe.  Niemand sprach sich dagegen aus. Danach ließ John über Rieskamps Geschäftsordnungsantrag, nicht weiter über den Punkt zu reden, abstimmen. Nur Günther Picker (WPS) war dagegen. Seiner Erinnerung nach habe die Architektin doch schon von Rufschädigung gesprochen. John empfahl Kammerl, mit den Betroffenen Gespräche zu führen, die den Gedanken der Fairness berücksichtigten.

Testlauf im Seebad

Letzte Woche ist es zum ersten Mal ernst geworden im neuen Seebad Starnberg, bisher bekannt als Wasserpark. Den Anfang machte das Lehrschwimmbecken. Nach der zweijährigen Bau- und Sanierungszeit des Bades wurde erstmals wieder Wasser in dieses Becken eingelassen. Dabei waren neben Bürgermeisterin Eva John der  schon im Wasserpark zuständige Betriebsleiter Christian Herrmann sowie vom Stadtbauamt Bernhard Schanz.

„Bevor der Badebetrieb im Seebad losgeht, ist dieser Testlauf obligatorisch erforderlich“, sagte Herrmann. Alle Becken würden nun nach und nach mit Wasser gefüllt, um zu sehen, ob die Fugen dicht sind. Das Wasser werde ein- und wieder abgelassen, damit auch die Filteranlage komplett vom Bauschmutz und Staub befreit werde. Außerdem würden in den nächsten Wochen noch Restarbeiten erledigt, Beschilderungen für das Leitsystem angebracht, die Lüftungsgeräte in Betrieb genommen und es seien auch noch Bauarbeiten abzunehmen. Dann stehe vor allem das Putzen des gesamten Bades auf dem Plan.

„Für Ende Juni ist die finale Abnahme der Baustelle geplant, anschließend kann der Betrieb des Schwimmbades mit Hallenbad, Sauna und Gastronomie sukzessive aufgenommen werden“, erläuterte John bei dem Termin.

Planer in Regress nehmen?

Erneut gab es in der jüngsten Stadtratssitzung große Aufregung um die Ufermauer im Bereich des neuen Saunagartens für das modernisierte Seebad Starnberg, ehemals Wasserpark. Grund war, dass die Mauer auch ein Vierteljahr vor der schon zweimal verschobenen Neueröffnung des Seebades (Mitte des Jahres) immer noch nicht fertig ist und teurer als vom Rathaus ursprünglich veranschlagt wird, nämlich 231906 Euro netto. Ursprünglich war das Projekt auf 152000 Euro netto geschätzt worden. Es geht um ein 30 Meter langes Stück Mauer, dass vom Seewasser unterspült ist und durch Sitzstufen für die Saunabesucher ersetzt werden soll. Am Ende der stundenlangen Debatte, die hauptsächlich von Schuldzuweisungen an die Adresse der Bürgermeisterin geprägt war, forderte Franz Heidinger (BLS) in einer Protokollnotiz zu prüfen, ob die Stadt die bisherigen Planer, die nicht erkannt hätten, dass die Sitzstufen eine stabilere Verankerung im Seeboden benötigen, in Regress nehmen kann.

Zur Erinnerung: Anfang 2017 hatte das Stadtbauamt den Räten mitgeteilt, dass bei genauerer Untersuchung festgestellt worden sei, die Ufermauer vor den neuen Saunahütten sei nicht mehr standfest und müsse möglichst schnell ersetzt werden, damit der Eröffnungstermin für das Seebad nicht durch diese offene Baustelle verzögert werde. Erst nach mehreren Anläufen, schon damals Beschwerden, der Rat sei zu spät informiert und in Entscheidungen nicht einbezogen worden, gab es eine knappe Mehrheit dafür, die Mauer zu ersetzen und nach weiteren Diskussionen einigte man sich auf den Bau von Sitzstufen. Der Auftrag wurde im Februar 2017 vergeben. Wie Bauleiter Roland Großberger dem Stadtrat berichtete, meldete die beauftragte Baufirma jedoch Bedenken wegen der Gründung an und empfahl eine Überarbeitung der Planung, was letztlich eine Tektur nach sich gezogen habe, die vom Landratsamt genehmigt werden musste. Dafür sei auch ein Baugrundgutachten nötig gewesen. Im Juni 2017 habe die Genehmigung dann vorgelegen, im Herbst sei begonnen worden und nach der Winterpause gehe es jetzt zügig weiter. Großberger versicherte, an dem Erscheinungsbild oberhalt der Seeoberfläche habe sich gegenüber der vom Stadtrat genehmigten Planung nichts geändert, nur bei der Gründung unter dem Wasserspiegel.

Thomas Beigel (CSU) wollte das „nicht einfach zur Kenntnis nehmen“. Er sei „völlig entsetzt“ echauffierte er sich und unterstellte, im vergangenen Jahr sei „mit aller Gewalt was hingerotzt“ worden. Bürgermeisterin Eva John erinnerte daran, dass man sich einig gewesen sei, einen hochwertigen Zugang von der Saunalandschaft zum See zu schaffen. Sie bat auf Widrigkeiten beim Bauen „angemessen zu reagieren“, sehe aber, dass Beigel das Verständnis nicht aufbringen wolle. Für Beigels Fraktionskollegen Gerd Weger war die nötig gewordene neue Gründung der Sitzstufen „völlig neue Pläne“. Er fühle sich von der Rathausverwaltung „getäuscht und unredlich unter Zeitdruck gesetzt“. John bedauerte noch einmal, dass man die Bedenken der Fachfirma nicht habe ausräumen können. Die Schwierigkeiten seien eben erst nach der Auftragserteilung aufgetaucht: „Wir finden das auch nicht besonders toll. Aber die Mehrkosten werden ja dort verbaut. Es ist doch keiner mit dem Geld weggerannnt“, beschwichtigte die Rathauschefin. Für Angelika Kammerl (DPF) „stinkt die ganze Geschichte zum Himmel“. Ihrer Meinung nach sollte der Tagesordnungspunkt zurückgestellt und die Baumaßnahme neu beschlossen werden. Es könne nicht sein, dass der Stadtrat das nur abnickt. „Sie hätten uns vorher fragen müssen“, so Kammerl an die Adresse von John, „ich toleriere diese Vorgehensweise nicht.“ John konterte, der Abschluss zum See hin werde im Juni fertig werden, das Material sei schon bestellt. Im Übrigen verwies sie auf den Umstand, dass der Punkt „Ufermauer“ mehrmals auf der Tagesordung für Stadtratssitzungen gestanden habe, vom Gremium selbst aber vertagt oder abgesetzt worden sei. Sie habe den gefassten Beschluss vom April letzten Jahres vollzogen und müsse sich bei solchen Themen auf die Fachleute verlassen. Stadtbaumeister Stephan Weinl warnte vor Schnellschüssen: „Wenn man einen Auftrag vergeben hat, hat die beauftragte Firma einen Anspruch darauf, die Aufgabe zu erfüllen.“ Die Änderung der Planung sei erforderlich gewesen, die gefundene Lösung entspreche den vom Stadtrat beschlossenen Zielen. Leider koste es jetzt mehr und dauere länger. „Ich rate, es zu Ende zu führen, damit der Wasserpark fertig gestellt werden kann.“ Iris Ziebart (FDP) bat die Kollegen sich in Erinnerung zu rufen, welches Ziel sie verfolgen wollen: „Den Abend mit Schuldzuweisungen verbringen, das Seebad möglichst schnell eröffnen oder einen möglichst großen Eklat zu produzieren? Ich frage mich, was unsere Aufgabe ist?“, schaute sie in die Runde.

Klaus Rieskamp, damals noch Mitglied der BLS, jetzt DPF, monierte: „Das ist mit heißer Nadel gestrickt. Das kommt mir spanisch vor. Die Beschlussvorlage kam erst heute Vormittag um 9 Uhr. Das ist rausgecrasht und vorgesetzt. Mein Vertrauen ist Null.“ Landschaftsarchitekt Großberger rückt richtig: „Die Kostenaufstellung ist vom 16. März.“ Sie war damit sechs Tage alt. Christiane Falk (SPD) fand, es sei „eine unprofessionelle Art“ die Sitzung vorzubereiten. Wenn sie morgens in die Arbeit gehe, lese sie E-mails, die tagsüber kommen, nicht mehr. Sie habe „schlechte Erfahrungen damit“ wie die Bürgermeisterin Fakten schaffe und den Rat unter Druck setze. „Wir sind die Bürger“, so Falk. „Wir leisten uns ein neues Bad und es ist unsere Pflicht alles zu kontrollieren.“ Beigel sagte, er habe sich eine schnellere Information aus dem Rathaus erwartet. Die finanziellen Nachträge auf Grund der Planänderung dürfe der Stadtrat nicht genehmigen. An diesem Abend die Planung zum ersten Mal zu sehen war für Ludwig Jägerhuber (CSU) „fehlende Tranparenz“. Er mahnte John, den Rat nicht „pausenlos vor vollendete Tatsachen zu stellen“. Man wolle „mitgenommen“ werden. Für ihn und die anderen zählt die Bürgermeisterin alle Versuche auf „wo der Stadtrat mitgenommen werden sollte“, die Angelegenheit von diesem aber zurückgestellt worden sei. Mit Blick auf die Tatsache, dass zu jeder dieser nicht stattgefundenen Beratungen schriftliche Unterlagen übersandt worden waren, meinte sie: „Sie können nicht so tun, als wäre Ihnen der Fortgang des Projekts nicht dargestellt worden.“ Josef Pfister (BMS) stellte die Ufermauer noch einmal in Relation zum Gesamtprojekt Seebad: „Eine Kostenerhöhung um 0,3 Prozent. Dafür haben wir jetzt eineinhalb Stunden diskutiert.“

Wie berichtet, wollten zwei Stadträte die Kostendarstellung nicht einmal zur Kenntnis nehmen, mit 19:6 Stimmen entschied der Rat, die durch die Planänderung nötigen finanziellen Nachträge von insgesamt rund 71000 Euro nicht zu genehmigen.

Im Mai kommt Wasser ins Becken

Bevor das neue „Seebad Starnberg“ im Juni eröffnet, muss noch eine umfangreiche Testphase der gesamten Schwimmbadtechnik samt neuer Räumlichkeiten durchlaufen werden. „Jetzt dürfte sich eigentlich nichts Gravierendes mehr ergeben“, sagte Anne Hugues von „von Seifert Hugues Architekten GmbH“ aus München in der jüngsten Stadtratssitzung. Zuvor hatte Projektsteuerer Jens Jedamzik einen Überblick über den aktuellen Sachstand und die Kostenentwicklung bei dem Bauprojekt gegeben.

Jedamzik klagte dabei, manche Auftragnehmer hätten die Bearbeitung „durchaus schleppend“ ausgeführt. Es habe Insolvenzen von Baufirmen und Bearbeiterwechsel gegeben, auch das ein Grund, warum der Eröffnungstermin Ende April nun auf Ende Juni korrigiert werden müsse. Am Stand der Kosten habe sich im ersten Quartal 2018 nichts mehr verändert. Aber es gebe noch Forderungen aus der Bauzeitverlängerung, dadurch bedingter Behinderungen von Firmen untereinander bis hin zu Stillständen. Nach Einholung von rechtlicher Beratung habe man diese alle abgelehnt, weshalb im Moment „relative Ruhe“ eingekehrt sei. Man rede da noch über 350000 Euro. Nach Einschätzung der Fachleute werde es für die Firmen aber sehr schwer werden, diese Forderungen durchzusetzen. Ein gewisses „Restrisiko“ wollte Jedamzik nicht ausschließen und empfahl mit Blick auf den städtischen Haushalt als Abschlusssumme 22,8 Millionen Euro einzustellen.

Gestartet war das Projekt mit einer Prognose von 18,58 Millionen Euro. Posten, die wesentlich zum Anstieg beitrugen war die Nutzungsänderung im Obergeschoss, in die wie berichtet nicht eine Fitness-Einrichtung sondern eine zweite Gastronomie einziehen wird. Dies hatte der Stadtrat genehmigt. Abdichtungen an der Glasfassade des Bades und am Familienbad rissen das nächste Loch in den Stadtsäckel. Völlig ungeplant musste dann in der zweiten Hälfte 2017 eine undichte Stelle am Dach saniert werden, ebenso das große Becken, das während der zweijährigen Bauzeit zum Schutz vor Schäden abgedeckt gewesen war. Die schon vorher vorhandenen Schäden am Fliesenboden, so dass dieser getauscht werden musste, ergaben sich erst nach dem Abdecken. So kam der Kostenstand 22,5 Millionen Euro Ende 2017 zustande. Jedamzik listete auf: Neben diesen Steigerungen an der Bauwerkskonstruktion, die auch ein Anwachsen der Baunebenkostet bedeutete, hatte es auch Verluste bei den Ausschreibungen gegeben, und rund eine Million Euro mehr kosteten Abbruchmaßnahmen am Bestandsgebäude, weil sie sich schwerer gestalteten als gedacht. Die „klassischen Sowieso-Kosten“ beim Bau, Leistungen, die erst im Zuge der Ausführung notwendig werden, lägen hier so niedrig, dass Jedamzik sie als „absolute Spitzenklasse“ bezeichnete (593886 Euro).

Weiter zur Kostensteigerung beigetragen haben nach seinem Bericht Ereignisse, die während der Bauzeit den Firmen das Leben schwer machten, wie ein erhöhter Grundwasserstand bei der Gründung, ein korrodiertes Schwallwasserbecken, Hochwasser vom See im Gebäude und bei Fundamentierungsarbeiten, eine undichte Naht am Dach, das nur punktuelle Erneuern von Fliesenbereichen im Schwimmbecken, und dass der Beckenboden am Ende unter Schutzzeltbedingungen abgebrochen werden musste, damit nicht die bereits fertigen Seebad-Bereiche durch Staub, Dreck und Bauschutt beschädigt werden. Am Schluss stellte sich auch noch heraus, dass falsche Rinnensteine für die Beckeneinfassung geliefert worden waren. „Das bedingte, dass das Wasser jetzt erst vier Wochen später ins Becken kommt“, so Jedamzik. Ungeachtet der Verzögerung beim Hallenbad, solle aber der Strandbadbetrieb wie in den letzten Jahren auch provisorisch ermöglicht werden und ab Mai möglich sein.

Thomas Beigel (CSU) wollte den Kostenverfolgungsplan und den aktuellen Kostenstand mit dem Rechnungsprüfungsausschuss „in Ruhe lesen und kontrollieren können. Wie berichtet, wurde deshalb die Entscheidung über die Genehmigung der notwendigen Nachträge durch den Stadtrat bis nach dieser Prüfung einstimmig zurückgestellt.