Auftrag an die Rechnungsprüfung

Die Gemeindeordnung schreibt vor, dass die Jahresrechnung innerhalb von sechs Monaten nach Abschluss des Haushaltsjahres aufzustellen und dem Stadtrat vorzulegen ist. Um der Vorschrift zu genügen, hatte das Rathaus genau dies mit der Jahresrechnung 2018 am 1. Juli 2019 getan. Doch die Ratsmehrheit wollte an diesem Tag die überplanmäßigen Ausgaben im Zusammenhang mit der Ufersanierung und dem Landschaftsbau am neuen Seebad, die in Höhe von 698641,45 Euro entstanden waren, nicht genehmigen (siehe Stadtrat verweigert Genehmigung). In der Folge kam es nicht dazu, dass der Rat die Vorlage der Jahresrechnung bestätigte und den Auftrag an die örtliche Rechnungsprüfung, die aus Stadträten besteht, zur Prüfung des Abschlusses erteilte. Bürgermeisterin Eva John setzte den Punkt deshalb auf die nachfolgende Sitzung des Ferienausschusses am 31. Juli 2019 und fragte zuvor bei der Rechtsaufsicht im Landratsamt nach, ob die Genehmigung der überplanmäßigen Ausgaben Voraussetzung dafür ist, die Prüfung angehen zu können. Die Antwort stand bis zum Tag der neuerlichen Behandlung noch aus.

„Wir sind der Ansicht, dass die Nichtgenehmigung dieser Ausgaben keine Auswirkung auf die Jahresrechnung hat. Heute kam die Mitteilung von der Rechtsaufsicht, dass sie unsere Ansicht teilt“, berichtete John den Ausschussmitgliedern am 31. Juli 2019. Somit stehe nichts entgegen, die Vorlage der Jahresrechnung durch den Stadtrat zu bestätigen und die Prüfung in Auftrag zu geben, was dann einstimmig geschah.

Die Bürgermeisterin freute sich wie zuvor schon beim Haushaltsjahr 2017 über die positiven Aspekte im Verlauf des Haushaltsjahres 2018: So habe sich hier ein Überschuss in Höhe von fast 8,9 Millionen Euro ergeben, der dem Vermögenshaushalt (Gesamtumfang 76,78 Millionen Euro) zugeführt werden konnte. Geplant gewesen waren lediglich 1,7 Millionen Euro. Statt der geplanten Kreditaufnahme in Höhe von fast 1,6 Millionen Euro konnte auf diese ganz verzichtet werden. Als Entnahme aus der allgemeinen Rücklage waren 7,5 Millionen Euro geplant gewesen, tatsächlich wurden nur rund 5,5 Millionen Euro entnommen. Damit liegt das Rechnungsergebnis 2018 um insgesamt 3,6 Millionen Euro günstiger als geplant. Die allgemeine Rücklage betrug am Jahresende rund 3,1 Millionen Euro, der Schuldenstand sank von 13,82 auf 12,15 Millionen Euro, was einer Pro-Kopf-Verschuldung von 520 Euro entspricht. Diese liegt damit unter der des Landesdurchschnitts vergleichbar großer Gemeinden (557 Euro, Stand 31.12.2017).

Nach Abschluss der Rechnungsprüfung muss der Stadtrat entscheiden, ob er Verwaltung und Bürgermeisterin für das Haushaltsjahr 2018 entlastet. Für die Vorjahre hatte die Ratsmehrheit dies verweigert (siehe Entlastung zum dritten Mal versagt). Im Disziplinarverfahren gegen John, das am 3. Juli 2019 vor dem Verwaltungsgericht München verhandelt wurde, haben diese Dinge jedoch nicht die von der politischen Mehrheit erhoffte Rolle gespielt (siehe Verwaltungsgericht: Tenor des Urteils und Verwaltungsgericht: Die Verhandlung). Der Bericht über das Ergebnis der vom Kommunalen Prüfungsverband durchgeführten überörtlichen Prüfung der Haushaltsabschlüsse für 2015 bis 2017 wurde einstimmig von der Tagesordnung der Stadtratssitzung vom 31. Juli 2019 genommen, weil die Aufbereitung für den Rat noch nicht abgeschlossen war.

Seebad erwartet Besucherrekord

Das neue, der Stadt gehörende Seebad Starnberg läuft ausgezeichnet und erfreut sich seit seiner Eröffnung im Juli vergangenen Jahres enormer Beliebtheit. Das ist Ergebnis des ersten Erfahrungsberichtes, den der Chef des Seebades, Christian Herrmann, jetzt vor dem Hauptausschuss des Stadtrates über die zehn ersten Betriebsmonate abgab. So kamen im Mai dieses Jahres 15623 Besucher ins Hallenbad und 4412 Gäste nutzten die neue Saunalandschaft. Im Januar waren es noch mehr: 16481 im Hallenbad und 5665 in der Sauna. Verglichen mit dem alten Wasserpark vor dem Umbau und der Erweiterung ab dem Jahr 2015/2015: Im Hallenbad 9519 im Januar (9808 im Mai) und 2460 im Januar  (1327 im Mai) in der Sauna. Ohne die kalkulatorischen Kosten wie Abschreibung und Zinsen betrug der Einnahmenüberschuss im Zeitraum seit der Eröffnung 94100 Euro. Auch die Besucheranzahl im Strandbad ist seit Inbetriebnahme des Seebades gestiegen: Auf 43245 Gäste gegenüber 22036 vor der Schließung für den Umbau des Bades, während dem das Strandbad jedoch reduziert weiter laufen konnte. Herrmann sprach von deutlichen Steigerungen, mahnte jedoch auch, man komme mit diesen Zahlen an die Kapazitätsgrenze. Bürgermeisterin Eva John: „Man kann sich über die positive Entwicklung nur freuen.“

Freude war allerdings nur seitens der Fraktionen BMS, WPS und FDP zu vernehmen. So dankte Christine Lipovec (BMS) den 22 Teammitgliedern des Seebades dafür, „dass sich alle so toll ins Zeug legen“. Verglichen mit dem alten Wasserpark könne man nun „wesentlich mehr Leute glücklich machen“ und habe obendrein ein viel geringeres Defizit. Markus Mooser (FDP) nannte die Zahlen „außerordentlich erfreulich“. Das komme eben daher, dass alles funktioniere, und weil das Team freundlich zu den Gästen sei. Mooser zeigte sich froh, dass sich das „bashing (öffentliche Beschimpfung) in den sozialen Medien“ inzwischen auch gelegt habe. Anton Wiesböck (FDP) sagte, er sei von den Zahlen positiv überrascht.

Winfried Wobbe (UWG) bemängelte dagegen, dass das Seebad nicht mehr den ganzen Vormittag den Schulen zur Verfügung steht, sondern stets nur eine Anzahl von Bahnen in den Schwimmbecken. Auch der Sportverein TSV habe eine Warteliste für 60 Schwimmer, die mehr Zeit im Hallenbad benötigten, betonte er. Herrmann sagte, sein Team werde alles versuchen, so lange es keine großen Einschränkungen bei der Nutzung durch die Öffentlichkeit gebe.

Franz Heidinger (BLS) verlangte, eine Familien-Jahreskarte neu einzuführen. Herrmann will das kalkulieren lassen. Eine Absage erteilte er Heidingers Forderung, die dürfe nur für Starnberger Familien gelten. Das widerspreche dem Gleichheitsgrundsatz.

Eine längere Diskussion gab es noch über den Antrag von Stefan Frey (CSU), den Aktiven der Feuerwehr den kostenlosen Zutritt zum Seebad zu ermöglichen. In der Sitzung dehnte Frey diesen Antrag auch auf Angehörige der Ortsgruppen der Wasserwacht, des BRK-Rettungsdienstes und des THW sowie der DLRG aus. Trotz Bedenken bei zahlreichen Stadträten, ob dies wiederum der Gleichbehandlung Ehrenamtlicher widerspreche und die bisher schon bayernweit ausgegebene Ehrenamtskarte für ermäßigten Eintritt nicht ausreiche und die bessere Lösung sei, sprach sich der Ausschuss am Ende einstimmig für eine solche Sonderregelung aus. Allerdings muss die Verwaltung dafür die organisatorischen Voraussetzungen zu schaffen versuchen, bevor der Stadtrat endgültig eine Entscheidung trifft.

Inzwischen hat das Rathaus eine Pressemitteilung zu ihrer neuen Einrichtung und deren Erfolg herausgegeben:

‚„Wir sind sehr zufrieden“, fasst Erste Bürgermeisterin Eva John die Jahresbilanz des neuen Seebads Starnberg nach der Wiedereröffnung vor gut einem Jahr zusammen. 140.000 Besucherinnen und Besucher sprangen im Hallenbad von Juli 2018 bis Mai 2019 in die Fluten – ganze 57.658 Gäste mehr als im selben Zeitraum in der Saison 2014/2015 vor Sanierung des Bades.

Auch das Angebot der neuen Saunahütten direkt am Seeufer lockte zahlreiche Saunaliebhaber an. Im Zeitraum von Juli 2018 bis Mai 2019 nutzten 48.425 Gäste das Saunaangebot des Seebads, im vergleichbaren Zeitraum von 2014 bis 2015 waren es vergleichsweise wenig Gäste, nämlich ca. 15.838 Saunagänger. Im beliebten Saunamonat Januar besuchten 5.665 Gäste die Saunahütten im Seebad, vor der Sanierung waren es im Januar mit 2.460 Besuchern weniger als die Hälfte.

Auch das Strandbad hat eine gestiegene Besucherzahl zu verzeichnen: Von Juli 2018 bis Mai 2019 tummelten sich dort 43.245 Sonnenanbeter, von Juli 2014 bis Mai 2015 waren es insgesamt 22.036.

„Die gestiegenen Zahlen sind auf das vielseitige und wirklich attraktive Angebot unseres neuen Starnberger Seebads zurückzuführen. Es freut mich, dass mit dem neuen Seebad eine Freizeiteinrichtung geschaffen wurde, die viele Zielgruppen vor Ort anspricht. Großen Dank an alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Seebads Starnberg, die mit viel Einsatz für unsere kleinen und großen Besucher da sind und die Gesichter unseres Seebads sind“, so Erste Bürgermeisterin Eva John. Die Gastronomie, das Strandhouse Starnberg, rundet mit den vielen und leckeren Köstlichkeiten das Angebot des Seebad Starnberg ab.‘

John entschuldigt sich für Verwaltung

Auf der Tagesordnung der letzten Stadtratssitzung stand der Punkt „Vergaben von Bauaufträgen und Beauftragung von Nachträgen“, die im Zusammenhang mit dem Bauvorhaben Seebad Starnberg in der Zeit von 2016 bis 2018 standen. Hier mussten während der Bauzeit vom Rathaus dringliche Anordnungen getroffen werden, damit der Bauablauf nicht gefährdet wird. Bürgermeisterin Eva John sah sich harscher Kritik ausgesetzt, weil solche dringlichen Anordnungen nicht entsprechend der gültigen Geschäftsordnung von ihr im Rat bekanntgegeben worden waren, was sie jetzt nachholte. Die Liste umfasste 14 Posten und die Benennung der Nachträge. Die Behandlung von Fünf davon hatte der Rat selbst immer wieder vertagt.

Es ging zum Beispiel um das Tiefersetzen von Pflanztrögen, die sonst die Sicht von der Sauna auf den See beeinträchtigt hätten, um Ersatzarbeiten weil der Ursprungsfirma gekündigt worden war, um nachträglich nötig gewordene Dachabdichtungs- und Beckensanierungsarbeiten sowie die Entsorgung kontaminierten Aushubs. John wies im Stadtrat darauf hin, dass die Liste bereits dem Rechnungsprüfungsausschuss vorgelegen und der sich damit befasst habe.

Martina Neubauer (Grüne) bestätigte, dass sich einzelne Punkte im Ausschuss aufgeklärt hätten. Sie forderte aber, diese Praxis sofort abzustellen und dringliche Anordnungen auf ein Minimum zurückzuführen. Es gehe darum, dass nicht an den Stadtratsausschüssen vorbei entschieden werden dürfe. John möge solche Dinge in Zukunft sofort bekannt geben. Die Bürgermeisterin erinnerte daran, dass die Verwaltung diesen Fehler im Rechnungsprüfungsausschuss schon eingeräumt habe. Fälschlicherweise seien teilweise auch Punkte nicht im politischen Ausschuss behandelt worden, obwohl dies nötig gewesen wäre. Sie entschuldige sich für die Verwaltung.

Angelika Kammerl (DPF) behauptete, es gehe um 1,4 Millionen Euro. Ihr werde es da langsam „unheimlich“. Sie stelle deshalb den Antrag, die vom Rathaus vorgelegte Liste nicht zur Kenntnis zu nehmen, sondern bei der Rechtsaufsicht im Landratsamt sowie bei der Disziplinarbehörde – Landesanwaltschaft – vorstellig zu werden. Das solle Vizebürgermeister Klaus Rieskamp (DPF) für den Stadtrat tun. „Da sollte sich der Stadtrat tunlichst zurückhalten bei der Beurteilung der Dringlichkeit solcher Anordnungen“, meinte Kammerl und äußerte, es sei im Rechnungsprüfungsausschuss ihrer Ansicht nach nicht möglich gewesen, die Dinge nachzuvollziehen. Ob das so ist, wird sich eventuell in der nächsten öffentlichen Sitzung des Ausschusses am 15. Februar 2019 zeigen.

Die Bürgermeisterin konnte die Äußerungen von Kammerl nicht nachvollziehen. Die Hälfte der Fälle habe auf der Tagesordnung früherer Stadtratssitzungen gestanden, sei von dem Gremium jedoch vertagt worden, weil die nähere Prüfung dem Rechnungsprüfungsausschuss übertragen worden sei (siehe Der Stadtrat und die Tagesordnung und Seebad und Ufermauer und  Volle Kraft voraus gegen das Rathaus und Im Mai kommt Wasser ins Becken). Schon damals seien alle Unterlagen für die Stadträte einsehbar gewesen. „Angesichts des Umfangs der Baumaßnahme Seebad (22,5 Millionen Euro) halte ich diese Fälle für unbedeutend“, so John, die den Rat aufforderte: „Der Kenntnisnahme sollten Sie sich nicht entziehen.“ Acht Stadträte verweigerten sich dem trotzdem (18:8). Dem Antrag von Kammerl, die Liste „nicht zustimmend“ zur Kenntnis zu nehmen, folgte die Mehrheit mit 18:8 Stimmen. 17:9 lautete das Abstimmungsergebnis über die Beauftragung von Rieskamp, die rechtlichen Fragen durch die Rechtsaufsicht und die Landesanwaltschaft klären zu lassen.

Schwimmen für Schulen und Vereine

In nichtöffentlicher Sitzung hat der Stadtrat am 22. November 2018 entschieden, welche Nutzungkonditionen künftig im neuen Seebad Starnberg für Schulen und Vereine gelten sollen. Diese hat Bürgermeisterin Eva John in der Sitzung am 10. Dezember 2018 öffentlich bekannt gegeben.

Festgelegt ist, die folgenden Vereinbarungen zu schließen:

Von Vereinen wird ein Nutzungsentgelt in Höhe von 100 Euro netto je 90 Minuten Nutzungszeit erhoben. Es können auch je einzelner Bahn im Becken 20 Euro je 90 Minuten Nutzungszeit vereinbart werden.

Schulen bezahlen ein Nutzungsentgelt in Höhe von 150 Euro netto beziehungsweise 30 Euro pro Bahn, jeweils für eine Unterrichtsdoppelstunde.

Sportvereine, die Wassersport betreiben, wie die Wasserwacht, der TSV Starnberg oder der Polizeisportverein können bei einem nachgewiesenen Bedarf einen Zuschuss zur Finanzierung der Nutzungsentgelte beantragen und gewährt bekommen.

Mit Ehrenamtskarte ins Seebad

Das Rathaus teilt mit:

„Auch im neu eröffneten Seebad dürfen sich ehrenamtlich Engagierte wieder über einen Preisvorteil freuen. Wie auch schon vor der Sanierung im Wasserpark üblich, dürfen Besitzer einer Ehrenamtskarte zum ermäßigten Eintritt das Seebad nutzen. Das entspricht in etwa einem Rabatt in Höhe von 30 Prozent bei Besuch des Strand- und Hallenbades.

Erste Bürgermeisterin Eva John freut sich das Ehrenamt auch auf diese Weise unterstützen zu können und den zahlreichen Ehrenamtlichen aus Starnberg und der Umgebung so für ihren Einsatz zu danken.

Ob Hallenbad oder Strandbad: seit Montag, den 17.09.2018 gilt die Regelung für alle Besucher, die ihre Ehrenamtskarte den Mitarbeiterinnen an der Kasse des Seebads vorlegen.“

Gewinner stehen fest

Zur feierlichen Eröffnung des Starnberger Seebads am 22. Juli 2018 fand eine Gewinnspielaktion statt. Um an der Auslosung teilnehmen zu können, musste die Frage „Wie lang ist die Rutsche im Hallenbad?“ beantwortet werden. Ganze 45 Meter verläuft diese durch den Innen- und Außenbereich des Seebads. Drei Teilnehmer mit der richtigen Antwort wurden aus dem Lostopf gezogen und durften sich über Wertgutscheine für das Seebad freuen, die Erste Bürgermeisterin Eva John und Betriebsleiter Christian Herrmann den Gewinnern bei strahlendem Sonnenschein im Seebad überreichten. Über einen Wertgutschein in Höhe von 60 Euro durfte sich Judith Rörig aus Starnberg freuen. Ivan Nikolic, ebenfalls aus Starnberg, gewann den zweiten Preis im Wert von 150 Euro und besonders freuen darf sich Stephanie Proske aus Gilching, die schon bald den Gutschein in Höhe von 200 Euro mit ihrem Ehemann und den vier Kindern einlösen möchte.

Seebad Starnberg – ein Quantensprung

„So ein Tag, so wunderschön wie heute…“, begann der Reim, mit dem heute am frühen Nachmittag Bürgermeisterin Eva John das neue „Seebad Starnberg“ für die Öffentlichkeit frei gegeben hat. Ab 14 Uhr hatten rund 150 geladene Gäste Gelegenheit sich umzusehen  – alle mit orangenen, grünen oder blauen Flip-Flops ausgestattet, die sie gegen ihre eigenen Straßenschuhe getauscht hatten. Ein Anblick, der vielfach zur Heiterkeit beitrug, besonders als sich die beiden Pfarrer, die das neue Bad segnen wollten, ebenfalls mit schwarzem Anzug und bunten Flip-Flops unter die Gäste mischten. Die zeigten sich genauso begeistert wie die sechs Buben und Mädchen, die das Seebad mit einem beherzten Sprung vom Drei-Meter-Brett dann seiner endgültigen Bestimmung übergaben. Betriebsleiter Christian Herrmann ließ sich nicht lumpen und folgte der nachdrücklichen Aufforderung von Moderator Thorsten Castle und John und sprang in schwarzer Hose und weißem Hemd hinterher. Ab 16 bis 21 Uhr war das Bad für alle Starnberger frei gegeben, die schon eine ganze Zeit vorher neugierig vor der Tür auf den Einlass warteten.

Im Oktober 2015 war der 40 Jahre alte Wasserpark geschlossen worden um ihn in der folgenden Bauzeit in diesen „Diamant“ zu verwandeln, als den WPS-Stadtrat Markus Mooser das Bad bezeichnet. John sprach von einem „Schmuckstück“ und erinnerte an die lange Planungs- und Diskussionszeit bis zum heutigen Tag. Sie freute sich, Heribert Thallmair und seine Frau begrüßen zu können. Der langjährige ehemalige Starnberger Bürgermeister sei immer stolz gewesen, dass die Stadt Starnberg ein Hallenbad habe, in dem jedes Kind schwimmen lernen kann. Der Architektenwettbewerb, den das Münchner Büro Seifert Hugues für sich entscheiden konnte, fand 2012 statt. Das Projekt umzusetzen war danach mehrmals gefährdet. Altbürgermeister Ferdinand Pfaffinger räumte lieber der Seeanbindung Priorität ein, als es 2014 um die Verabschiedung des städtischen Haushalts ging. Unterstützung erhielt er von Franz Sengl von den Grünen und Bernhard Beigel (CSU). Andere wie Martina Neubauer (Grüne) stellten damals in Frage, ob eine Sauna  überhaupt nötig sei. Und in jüngerer Zeit hatten etliche Stadträte, ganz besonders Angelika Kammerl (DPF), keinen Versuch ausgelassen, den Verantwortlichen noch Sand ins Getriebe zu streuen. Die Saunaanlage mit direktem Zugang zum Starnberger See ist jetzt das Prunkstück des Seebades geworden. Berater in Sachen Wirtschaftlichkeit hatten stets vertreten, dass die Stadt damit die Rentabilität des Bades verbessern könne. John, damals noch CSU-Stadträtin, setzte sich gemeinsam mit ihrem Fraktionskollegen Ludwig Jägerhuber vehement für das Projekt ein. Sie war es auch, die dann als Bürgermeisterin in der stadtratslosen Zeit nach der ungültigen Kommunalwahl 2014 den Baubeschluss fällte:“Mit 1:0″, erinnerte sie sich heute lachend.

Die Bauzeit bezeichnete die Bürgermeisterin als „steinige Wegstrecke“. Da seien viele Hürden zu überwinden gewesen, angefangen mit den unerwartet aufgefundenen Altlasten im Boden, die für eine Million Euro hätten teuer entsorgt werden müssen, über Hochwasser im See bis zu beteiligten Firmen, die insolvent wurden, und am Ende auch noch Undichtigkeit am Dach und Schaden am Fliesengrund des großen Beckens. Deutschlandweit sei die Geschichte von der Ufermauer bekannt, die nun allen Unkenrufen und nächtelangen Diskussionen im Stadtrat zum Trotz doch noch zur Eröffnung durch Sitzstufen zum See vor den Saunahütten ersetzt worden ist. Noch nicht ganz fertig sind laut John die Außenanlagen, und auch der Nepomukweg zur gleichnamigen Zugbrücke an der Würm muss im Bereich des Bades wieder hergestellt werden. Die Bürgermeisterin sprach von einer „übergroßen Arbeitsbelastung“ für alle am Bau Beteiligten während der zweieinhalbjährigen Phase, in der „die außergewöhliche Verwandlung des alten Wasserparks, der Quantensprung zum Seebad“ stattgefunden habe. Alle könnten nun „wahnsinnig stolz“ auf ihre Leisung sein. Besonders Architektin Anne Hugues für ihr „durchdachtes Konzept“, mit dem nun nicht irgendein beliebiges Spaßbad“ sondern etwas Außergewöhnliches entstanden sei. John und später auch Hugues hoben das hervor, was die Planer zum Thema gemacht hatten: „Den unvergleichlichen See- und Gebirgsblick“, den man aus allen Bereichen als Badbesucher hat, auch in der neuen Gastronomie. Seeblick auch dann, wenn es so regnerisch ist wie heute Mittag. John dankte allen an dem rund 23 Millionen Euro teuren Werk Beteiligten, auch der Standortförderin im Rathaus, Sarah Buckel, die das schöne Eröffnungsfest organisiert hat. Hugues sagte in dem Interview, das Castle mit ihr führte, es sei gelungen, „gestern, heute  und morgen zu verbinden“. Nicht die Technik stehe im Vordergrund, sondern der „besondere Ort“.

Für den katholischen Stadtpfarrer Andreas Jall war die Segnung der neuen Einrichtung „die erste gottesdienstliche Handlung in ungewöhnlichem Schuhwerk“. Sein evangelischer Kollege Stefan Koch las aus dem Johannes Evangelium die Geschichte vom heilenden Bad. Wasser habe eben eine sehr vitale Bedeutung für alle Lebensfunktionen. „Wenn das Seebad wie der alte Wasserpark wieder 40 Jahr gut bleibt, um so besser. Gottes Segen auch für viele Jahre“ sagte er. Das Nichtschwimmerbecken war ein besonderer Anblick, denn darauf schwammen  1000 Bälle in weiß mit orangenen, grünen und blauen Farbflächen, die auch die drei Bereiche des Seebades symbolisieren – Sauna, Hallenbad und Strandbad. Für die sechs Kinder, die schon ungeduldig auf dem Sprungturm auf ihren Auftritt warteten, war keine Sprungtechnik vorgegeben. „Es darf auch eine A…bombe sein“, meinte Moderator Castle. Die Kleinen – der Älteste war zwölf Jahre alt –  schafften nicht, was Betriebsleiter Herrmann anschließend spielend gelang: Die Gäste am Beckenrand durch seinen Sprung naß zu spritzen. Er wünschte jetzigen und künftigen Besuchern „eine wunderschöne Saison“.

Seebad öffnet bald

Bis zur Eröffnung ist es nun nicht mehr weit. Derzeit wird das neue Seebad-Team um Betriebsleiter Christian Herrmann eingearbeitet.

„Das Feedback der Starnbergerinnen und Starnberger zu den Abläufen im Seebad ist uns wichtig, daher starten wir am 16.Juli 2018 den Probebetrieb“, so Erste Bürgermeisterin Eva John. Die Stadt lädt verschiedene Zielgruppen ein, zum Beispiel Vereine oder Schulen, aber auch Mutter-Kind-Gruppen und den Seniorentreff, um jede Ecke des neuen Bades auf Herz und Nieren prüfen zu lassen, bevor das Bad offiziell eröffnet wird.

Am Sonntag, 22.07.2018, ist es dann soweit: Um 16 Uhr werden zum ersten Mal die Pforten des Seebads für alle Besucher geöffnet und das an diesem Tag sogar kostenlos. Es warten jede Menge Aktionen und Überraschungen. „Wir Starnberger können stolz sein auf unser neues Bad, das mit seiner modernen Architektur und seiner einmaligen Lage seines Gleichen sucht“, schwärmt Betriebsleiter Christian Herrmann.

Zu beachten ist, dass es durch den kostenlosen Eintritt am 22.Juli 2018 zu Wartezeiten oder kurzfristigen Einlassstopps in der Kernzeit zwischen 16 und 19 Uhr kommen kann. Die Stadt bittet um Verständnis.

Am Montag, 23.Juli 2018 startet dann der reguläre Bade- und Saunabetrieb. Als besonderes Schmankerl und Willkommensgeschenk erhält jeder Besucher des Seebads bis einschließlich 05. August 2018 einen Rabatt von 25 Prozent auf den Eintrittspreis.

Deckenabsturz: Schlussstrich ziehen

Am Montagabend war noch heftig über das Thema gestritten und diskutiert worden, teilweise hinter verschlossenen Türen. DPF-Stadträtin Angelika Kammerl hatte wie berichtet in den vergangenen Monaten immer wieder behauptet, im Rahmen der Sanierung und Ertüchtigung des ehemaligen Wasserparks zum künftigen „Seebad Starnberg“ sei es zu einem „Deckenabsturz“ mit gravierenden Folgen gekommen. Das Rathaus widersprach (siehe Kammerls Behauptung ist falsch). Kammerl hatte im April einen 18 Punkte umfassenden Fragenkatalog an das Rathaus gesandt. Die Fragen wurden am Montag in der Stadtratssitzung beantwortet, Kammerl gab sich aber erneut nicht zufrieden damit. Sie warf Bürgermeisterin Eva John vor, diesen Vorgang und einen Wassereintritt durch das Dach dem Stadtrat zwei Jahre lang „verheimlicht“ zu haben und behauptete erneut, sie habe Informationen und Beweise. Außerdem brachte sie den „Straftatbestand der Baugefährdung“ ins Gespräch. Mittwochabend war die Angelegenheit nochmals Thema im Rahmen der Fortsetzung der Stadtratssitzung vom Montag. Dabei stellte nun Kammerls Fraktionskollege Klaus Rieskamp den Antrag zur Geschäftsordnung, sich nicht weiter mit diesem Punkt zu befassen, sofern nicht weitere Tatsachen auftreten.

Bürgermeisterin und Stadtbaumeister Stephan Weinl präsentierten dem Rat mit Datum versehene Fotos vom vermeintlichen „Tatort“ – vor der Sanierung, während der Erstellung der Beckenabdeckung, von der Stelle, an der Wasser durch das Dach eingetreten war und vom jetzigen Istzustand. Deutlich zu sehen war, dass das große Schwimmbecken nicht wie mehrmals von verschiedenen Personen in sozialen Medien behauptet nur mit einer dünnen Folie abgedeckt worden war, als die Sanierung des gesamten Bades begann, sondern eine auf massiven Holzständern aufgelegte Holzabdeckung für den Schutz des Beckens gesorgt hatte. Der Absturz leichter Alu-Paneelen hätte also den Fliesenboden gar nicht berühren können. Der angebliche „Deckenabsturz“ sei somit keineswegs Ursache für die am Ende nötigen Arbeiten am Fliesenboden und an der Abdichtung des Daches. Außerdem sei kein Schaden entstanden, für den man irgendjemanden hätte verantwortlich machen können.  Rieskamp stellte fest, die Verwaltung habe Kammerls Fragen beantwortet. „Ich meine, um einen Schlussstrich zu ziehen, sollten wir heute die weitere Nichtbefassung beschließen“, sagte er und stellte seinen Antrag zur Geschäftsordnung. John machte deutlich, dass es dem Rathaus sehr darauf ankomme, die mit Fotos untermauerte Darstellung zu dokumentieren. Daraufhin beantragte Martina Neubauer (Grüne) eine Sitzungsunterbrechung von zwei Minuten, damit sie sich mit den Kollegen beraten könne. Vor der Tür des Sitzungssaales steckten Vertreter von UWG, DPF, Johannes Boetsch (BLS), Stefan Frey (CSU) und die Grünen die Köpfe zusammen und beratschlagten.

Wieder im Saal zurück meldete sich Otto Gaßner (UWG) zu Wort: „Wir wollen Fairness walten lassen. Es ist richtig, wenn durch Fragen Sachverhalte angesprochen werden, ob jemand für etwas verantwortlich ist. Wir haben nichts dagegen, wenn im Protokoll festgehalten wird, dass die Verwaltung Fotos präsentiert hat, die den Vorwürfen entgegentreten.“ So einfach wollte Markus Mooser (WPS) die Kollegin Kammerl aber doch nicht davon kommen lassen: „Wenn wir von Fairness sprechen erinnere ich an die Vorwürfe von Frau Kammerl und ihre permanenten falschen Behauptungen, in der Öffentlichkeit,  im Stadtrat und im Rechnungsprüfungsausschuss.“ Die hätten dazu geführt, dass die Verwaltung die Zusammenhänge mehrmals habe erläutern müssen, die Architektin und der Projektsteuerer des Seebades massiv verunglimpft worden seien. Mooser forderte: „Frau Kammerl soll offiziell alles zurücknehmen und sich bei den Betroffenen entschuldigen.“ Ihre Behauptungen hätten auch die Bevölkerung verunsichert, die teils befürchte, von dem neuen Bad gehe ein Gefahrenpotenzial aus. An dieser Stelle meldete sich Stefan Frey (CSU): „Ich will die Diskussion nicht noch einmal. Ich beantrage Ende der Debatte.“

Die Bürgermeisterin schlug den in ihren Augen „mildesten“ Schritt zur Beilegung der Angelegenheit vor: Eine Protokollnotiz mit dem Inhalt, dass die Verwaltung den Bauablauf geschildert und Bilder dazu gezeigt habe, dass kein materieller Schaden entstanden sei und es „keinen Deckenabsturz“ gegeben habe.  Niemand sprach sich dagegen aus. Danach ließ John über Rieskamps Geschäftsordnungsantrag, nicht weiter über den Punkt zu reden, abstimmen. Nur Günther Picker (WPS) war dagegen. Seiner Erinnerung nach habe die Architektin doch schon von Rufschädigung gesprochen. John empfahl Kammerl, mit den Betroffenen Gespräche zu führen, die den Gedanken der Fairness berücksichtigten.

Testlauf im Seebad

Letzte Woche ist es zum ersten Mal ernst geworden im neuen Seebad Starnberg, bisher bekannt als Wasserpark. Den Anfang machte das Lehrschwimmbecken. Nach der zweijährigen Bau- und Sanierungszeit des Bades wurde erstmals wieder Wasser in dieses Becken eingelassen. Dabei waren neben Bürgermeisterin Eva John der  schon im Wasserpark zuständige Betriebsleiter Christian Herrmann sowie vom Stadtbauamt Bernhard Schanz.

„Bevor der Badebetrieb im Seebad losgeht, ist dieser Testlauf obligatorisch erforderlich“, sagte Herrmann. Alle Becken würden nun nach und nach mit Wasser gefüllt, um zu sehen, ob die Fugen dicht sind. Das Wasser werde ein- und wieder abgelassen, damit auch die Filteranlage komplett vom Bauschmutz und Staub befreit werde. Außerdem würden in den nächsten Wochen noch Restarbeiten erledigt, Beschilderungen für das Leitsystem angebracht, die Lüftungsgeräte in Betrieb genommen und es seien auch noch Bauarbeiten abzunehmen. Dann stehe vor allem das Putzen des gesamten Bades auf dem Plan.

„Für Ende Juni ist die finale Abnahme der Baustelle geplant, anschließend kann der Betrieb des Schwimmbades mit Hallenbad, Sauna und Gastronomie sukzessive aufgenommen werden“, erläuterte John bei dem Termin.